Pieter Steinz

 4.3 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Der Sinn des Lesens, Typisch Europa und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Pieter Steinz

Der Sinn des Lesens

Der Sinn des Lesens

 (5)
Erschienen am 14.07.2017
Typisch Europa

Typisch Europa

 (3)
Erschienen am 12.09.2016
Steinz / druk 3

Steinz / druk 3

 (1)
Erschienen am 05.03.2015

Neue Rezensionen zu Pieter Steinz

Neu
buecherkompasss avatar

Rezension zu "Typisch Europa" von Pieter Steinz

Typisch Europa. Pieter Steinz.
buecherkompassvor 2 Jahren

In Typisch Europa führt Pieter Steinz den Leser in einer willkürlich auserkorenen alphabetischen Reihenfolge durch entscheidende Momente der europäischen Kultur.

Einen Einstieg in die kulturelle Rundumschau schafft der Autor mit einem Kapitel über den Chansonnier Jacques Brel und dessen Hymne an Amsterdam. Nach 100 Kapiteln endet das Themenspektrum mit Z und der Zypressenholz-Madonna. Fünf Karten über die kulturellen Gegebenheiten Europas runden die kulturelle Zusammenschau ab.

Mit seinen Ausführungen über die Künste Europas lädt Pieter Steinz den Leser dazu ein, die Schönheit Europas entgegen aller Widrigkeiten wahrzunehmen. In seinen einleitenden Worten verweist der Autor darauf, dass jeder Europäer stolz sein könne auf das paneuropäische Kulturgut.

Nachdem der Kulturführer zunächst in einer niederländischen Fassung erschienen ist, bildet die deutsche Übersetzung nun den ersten Schritt zur tatsächlichen Europäisierung des Buches.
Wichtig anzumerken ist, dass die Ausführungen Pieter Steinz vor allem auf den Bereich der Künste (der klassischen ebenso wie der modernen) beschränkt sind.

Zur besseren Orientierung sind die Kapitel jeweils mit einem von acht unterschiedlichen Symbolen ausgestattet, sodass der Leser immer zugleich sieht, in welchen Kunstbereich das jeweilige Thema angesiedelt ist. So gibt es ein Symbol für die Architektur sowie eines für die Bildenden Künste. Ein weiteres Symbol umfasst die Kategorien Film, Zeichentrick & Fotografie. Ebenso gibt es Kapitel zu Themen rund um Musik, Schauspiel & Tanz und Design & Mode. Eine letzte Kategorie (Verschiedenes) umfasst alles, was nicht im klassischen Sinne als Kunst zu verstehen ist.

Bei allen Essays war Pieter Steinz besonders darauf bedacht, dass die von ihm angerissenen Themenblöcke und Ikonen in ganz Europa bekannt sind.
Und so bildet das Buch nach drei Jahren Recherche und dem frühen Tod des Autors, Ende August diesen Jahres nun sein Vermächtnis.


Pieter Steinz vereint Europa in kulturellen Bildern. Einzelne Fragmente europäischer Kultur, die zusammen ein wunderbares Mosaik ergeben, zeigen dem Leser die Einheit in der Vielfalt auf und verdeutlichen was uns Europäer verbindet. Die scheinbare Zerrissenheit Europas, lässt interkulturelle Gemeinsamkeiten schnell verblassen. Typisch Europa jedoch verbindet was zusammengehört.

Besonders positiv fällt zudem ins Auge, was Pieter Steinz auch in seiner Einleitung betont. Der Autor hat beim Schreiben Wert darauf gelegt, dass die kulturellen Phänomene mit denen er sich literarisch auseinandersetzt (möglichst allseits) bekannt sind, sodass es einfach fällt das eigene Bewusstsein für die Schlüsselmomente europäischer Kultur zu steigern. Die 100 ursprünglichen Ikonen hat der Autor zudem um weitere 100 verwandte Essays ergänzt. Bei der Erweiterung seines intendierten Themenspektrums ist er auf Gedankengänge seiner Lesern eingegangen, sodass der Blickwinkel für weitere Themen geöffnet wird. Die Schaffung eines ganzheitlichen Kulturbildes Europas scheint schier unmöglich und so konnte Pieter Steinz mich auch mit diesem Ansatz begeistern.

Das Buch hat mein Interesse für viele Themen (René Magritte, Hergé, Jijé etc.) neu entfacht. Zugleich wurde mir jedoch auch die Möglichkeit eröffnet, mich an noch unbekanntes Terrain heranzuwagen. Die kurzen Kapitel sind so prägnant wie informativ und machen eines besonders deutlich: wir stehen den Ländern, die uns umgeben näher als man vielleicht denken möchte. Und wie immer im Leben sind es geteilte Momente die uns verbinden.

Typisch Europa bekommt einen festen Platz in meinem Bücherregal und wird wohl einige Umzüge überstehen müssen. Schon jetzt freue ich mich auf die vielen Momente, in denen ich wieder und wieder nach dem Buch greifen kann. Denn auch wenn es sich durchaus chronologisch und in einem Rutsch lesen lässt, so ist es doch kein Werk dessen Wert darin besteht im Bücherregal zu verstauben. Viel mehr Typisch Europa zum Stöbern ein und dazu immer wieder einen Blick auf die kulturellen Schätze Europas zu werfen.

Fünf Sterne für einen wunderbaren Kulturführer durch Europa.

Kommentieren0
4
Teilen
S

Rezension zu "Typisch Europa" von Pieter Steinz

Empfehlenswert!
storiesonpapervor 2 Jahren

Was verbindet die Europäer über ihre Landesgrenzen hinaus? Welche Literaturhelden, Kunstwerke, Lieder und Begriffe stoßen auch tausende Kilometer von ihrem Ursprungsort entfernt auf Begeisterung? Pieter Steinz beschreibt in der Einleitung seine jahrelange Suche nach den 100 Ikonen Europas. Als Kunst- und Literaturkritiker hat er diese auf die Künste beschränkt und in 8 Kategorien eingeteilt (Architektur, Bildende Künste, Musik etc. – der Block „Verschiedenes“ bietet Platz für den „Rest“). Diese Einteilung mit offensichtlicher Auslassung wichtiger großer Bereiche wie den Naturwissenschaften, der Politik oder der Religion kann bereits zu Beginn auf Kritik stoßen, zu Recht weist der Autor jedoch darauf hin, dass die Einbeziehung eben dieser Bereiche zu einer Ausuferung des Buches geführt hätte und es bereits andere Werke mit diesem Inhalt gibt. Für mich ist die Runterbrechung auf 100 Stationen der Künste Europas genau das richtige um unseren Kontinent gedanklich zu bereisen. Steinz verbindet hierbei die Popkultur mit der Hochkultur und zieht so ein faszinierendes Bild durch die Jahrhunderte, in denen sich die Beatles und Beethoven in nichts nachstehen.

„Typisch Europa“ ist kein Buch, das man in einem Rutsch liest. Es lädt vielmehr dazu ein, immer wieder darin zu blättern, kurze Passagen zu lesen und neue Stationen zu entdecken. Essays fassen einzelne Themen noch einmal zusammen, sodass zu den 100 Ikonen noch ganze Themenblöcke einbezogen und eingeführt  werden, so beispielsweise die britischen Rätsel-Krimis oder die Romantik. Durch die vielen Bildern und dem Register wird das Sachbuch sehr gut abgerundet, Highlight sind die Landkarten, auf denen Routen der europäischen Kulturgeschichte (z.B. Literatur, Musik und Architektur) eingezeichnet sind.  „Typisch Europa“ ist kein Lexikon oder Lehrbuch, es ist eher eine spielerische Einführung in die Kulturgeschichte Europas, die auch mit Klischees arbeitet und wild hin und her springt. Das BILLY-Regal hat hier ebenso seinen festen Platz wie der Eurovision Song Contest und neben der italienischen Renaissance-Malerei wird natürlich auch die sogenannte „Anti-Kunst“ mit Dadaismus eingebunden.

Pieter Steinz hat mit „Typisch Europa“  eine großartige kleine Welt geschaffen, in der sich die Leser wiederentdecken. Pippi Langstrumpf, Harry Potter oder Tim und Struppi – sie haben meine Kindheit und Jugend ebenso geprägt wie viele andere in ganz Europa auch und es ist wunderbar, diese Figuren unter den 100 Ikonen wiederzufinden und so eine ganz persönliche Beziehung zu der Kultur Europas nachvollziehen zu können. Beim bloßen Durchblättern stachen schon so viele Kapitel und Bezeichnungen hervor, die mich an meine eigenen Erfahrungen, Reisen und Interessen erinnerten und die Grenzen Europas verschwimmen ließen. Ich vergebe sehr gerne 5 von 5 Sternen und freue mich sehr, noch viel mehr neues und altes aus diesem Buch herausziehen zu können.

Kommentieren0
0
Teilen
Nisniss avatar

Rezension zu "Der Sinn des Lesens" von Pieter Steinz

Die (Be-)Deutung der Literatur und ihr Sinn im Leben - Dieses Werk lege ich euch ans Herz
Nisnisvor 2 Jahren

Während des Paris-Marathons 2012 läuft Pieter Steinz seine persönliche Bestzeit. Ein Jahr danach, raubt ihm eine leichte Windbrise gnadenlos den Atem. Fortan lauscht er dem Wetterbericht, um den Weg zur U-Bahn zu wählen, bei dem er den Wind im Rücken hat, um sein Büro selbstständig zu erreichen. Er ist immer mehr erschöpft und sogar Gesellschaft scheint ihn zu ermüden.

Im Sommer 2013 erfährt der niederländische Journalist, Literaturkritiker und Buchautor Pieter Steinz, dass er an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS erkrankt ist. Diese bittere Tatsache nimmt er zum Anlass und schreibt 52 Essays. Er liest erneut seine Lieblingsbücher, von seinen liebsten Autoren (Charles Dickens, Alexandre Dumas, Shakespeare, Proust, Astrid Lindgren, Thomas Mann, Kafka, Oscar Wild und weitere große Autoren), und er setzt seine Krankheit und seinen körperlichen Verfall in Beziehung zur Weltliteratur.

Die Symptome seiner Krankheit interpretiert er in die gelesene Literatur hinein. Beispielsweise leidet Pieter Steinz unter dem Symptom des Stimmverlusts, den er thematisch in dem Märchen die kleine Meerjungfrau (Hans Christian Andersen) wiederfindet. Darin muss sich die kleine Meerjungfrau entscheiden, ob sie Tanzen oder Sprechen möchte.

Der Autor:

Pieter Steinz, geb. 1963 in Rotterdam, arbeitete über zwanzig Jahre als Redakteur und Buchkritiker bei der Tageszeitung NRC Handelsblad und wurde 2012 Direktor der niederländischen Stiftung für Literatur. Neben zahlreichen Artikeln und Buchbesprechungen ist er in den Niederlanden ein weit geschätzter und vielfach ausgezeichneter Verfasser glänzend geschriebener Sachbücher über Kunst, Kultur und vor allem Literatur. (Quelle: Reclam Verlag)

Zitat von Pieter Steinz

„In der Anfangsphase meiner Krankheit hatte ich bereits eine Menge verrückter Geschichten erlebt, in denen untätige Mediziner, Ärzte, die diese Bezeichnung nicht verdienen, und Bekannte, die sich mit der Krankheit ALS keinen Rat wussten, eine Hauptrolle spielten. Eine Freundin, die bei der Zeitung arbeitete, bestand darauf, dass ich sie aufschreibe, doch ich wollte den vielen schon existierenden Krankengeschichten nicht noch eine weitere hinzufügen. Da kam mir der Gedanke, dass ich die diversen Aspekte meiner Situation mit der Literatur verbinden könnte, die ich gerade las oder die ich gelesen hatte – denn das hatte ich schließlich mein Leben lang getan: als Genussleser und als Kritiker.

Live by the book, die by the book.

Bei den etwa sechzig von mir ausgewählten Werken handelt es sich übrigens nicht nur um meine Lieblingsbücher: Manchmal habe ich mich auch für eines entschieden, weil es perfekt illustrierte, was ich in einem bestimmten Moment fühlte oder dachte.“ (Quelle: Reclam Verlag/Im Gespräch mit Pieter Steinz)


Reflektionen:

Schon an dieser Stelle möchte ich Lesern den „Den Sinn des Lesens“ sehr ans Herz legen. Jeder Literaturliebhaber hat bereits von Pieter Steinz Lieblingsautoren gelesen und ich verspreche, dass dieses Werk sehr bereichern und beeindrucken wird. Es lädt zum Schmunzeln ein, wenn Pieter Steinz beispielsweise über seine Lebensader aus Plastik schreibt (Magensonde) oder wenn er hilflos TV-Koma-Glotzen und Koma-Lesen betreibt und beschreibt Der Sinn des Lesens produziert auch Wut und schier unerträgliche Hilflosigkeit und er lässt ein Meer aus Tränen entstehen.

Pieter Steinz Talente sind sein besonderes Gespür für die Literatur und sein kunstvolles, schriftstellerisches Können. Die 52 Essays gewähren dem Leser nicht nur Einblicke in die großartige Weltliteratur sondern auch in den Alltag des erkrankten Autors, nach der bitteren Diagnose ALS (Amyothrophen Lateralsklerose).

ALS ist eine seltene und unheilbare Nervenkrankheit. Sie ist der aggressive Bruder der Multiplen Sklerose und sie betrifft die Nervenzellen, die die Muskulatur versorgen. Pieter Steinz ist von der bulbären Form betroffen, mit der die kürzeste Lebenserwartung einhergeht und die als erstes das Atemzentrum betrifft, bis hin zur Lähmung der Atemmuskulatur. Innerlich plaudert er nach wie vor wie ein Wasserfall, doch inzwischen wollen seine Worte nur elendig schwerfällig über seine Lippen gleiten.

Erschreckend nüchtern und ehrlich gerade heraus erzählt Pieter Steinz von seiner Krankheit, inklusive seiner peinlichsten Momente und schätzt sich dabei glücklich, dass seine Hände noch nicht gelähmt sind, sodass er noch schreiben kann. Ihm ist es bewusst dass er seinen Stapel ungelesener Bücher nicht mehr schaffen wird zu lesen, denn die Zeit ist zu kurz, seine Leseposition raubt ihm bereits den Atem, als betreibe er einen Spitzensport und Proust ist ihm längst zu schwer.

Wer nun glaubt dass Pieter Steinz verbittert und klagend von seiner Krankheit schreibt, dem sei gesagt, dass er dies nicht tut. Sicher hadert er mit seinem unerbittlichen Schicksal, doch er ist dankbar, dass er mit seiner Familie bisher ein sehr glückliches Leben gelebt hat und dass er einen Beruf ausübt, der ihn absolut erfüllt. Dieses Wissen schenkt ihm eine innere Zufriedenheit,
die man sich als Leser nur sehr schwer vorstellen kann, die man jedoch jeder seiner Zeilen entnehmen kann.

Pieter Steinz betrachtet in diesem Werk die Literatur und seine Krankheit, ernst, lebensfroh und sogar humorvoll. Oft bringt er mich mit seinen Anekdoten und Interpretationen zum Schmunzeln und ich frage mich, ob es hinsichtlich seines Leids angemessen ist, dies zu tun. Ich teile seine Emotionen wie Wut und Hilflosigkeit gegenüber Situationen, in denen Ärzte, Lebensumstände, Hindernisse im Alltag und der körperliche- wie seelische Schmerz, die eine große Rolle in seinem Leben einnehmen. Manchmal klappe ich zutiefst berührt und traurig den Buchdeckel zu und versuche meine Tränen wegzublinzeln und all das Gelesene auszuhalten. Doch dann klärt sich mein Blick wieder, denn Pieter Steinz große Liebe zur Literatur ist so deutlich zu spüren, dass ich all seine Essays auch sehr genießen kann.

Fazit und Bewertung:

Der Sinn des Lesens ist ein wundervolles Werk und ich empfehle es jedem Literatur-Liebhaber.

Vielen Dank an meinen lieben Nachbarn Gerd, der mir dieses besondere Buch geschenkt hat, dass von nun an einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal einnimmt. Dr. Gerd Busse arbeitet seit vielen Jahren mit Pieter Steinz zusammen und er übersetzte dieses Werk aus dem Niederländischen.

Ich werde Pieter Steinz noch viele meiner Gedanken schenken.

Kommentare: 2
74
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 16 Bibliotheken

auf 4 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks