Pim den Boer

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Europäische Erinnerungsorte 1

Europäische Erinnerungsorte 1

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Erschienen am 04.11.2011
Europäische Erinnerungsorte 2

Europäische Erinnerungsorte 2

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Erschienen am 15.12.2011
Europäische Erinnerungsorte 3

Europäische Erinnerungsorte 3

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Erschienen am 08.03.2012
Europäische Erinnerungsorte, 3 Bde.

Europäische Erinnerungsorte, 3 Bde.

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Erschienen am 01.09.2012

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Rezension zu "Europäische Erinnerungsorte 1" von Pim den Boer

Rezension zu "Europäische Erinnerungsorte 1" von Pim den Boer
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Erinnerungsforschung mit europäischem Blick

Europäische Gemeinsamkeiten und symbolische Ort, an und in denen Europa sich konstituiert, das sind die Betrachtungsobjekte dieses Buches und zwar in vielfache Weise. Ein nicht leichtes Unterfangen, denn während es an nationalen Mythen, und symbolischen Orten, an Erinnerungsstätten nicht mangelt in Europa, sind jene verbindenden Orte nicht einfach zu finden. Sowenig, dass Wolfgang Schmale einmal die Frage aufgeworfen hat, ob „Europa - im Sinne des politischen Europas – nicht ans einem Mythendefizit scheitern werde“.

Gut, dass im Lauf der Jahre auch ein „zweiter Blick“ geworfen wurde, denn es gibt sie durchaus, Orte mit europäischer Relevanz, Verortungen in historischen Entwicklungen, die im Buch einer näheren Erläuterung und Beschreibung nun in Auswahl zugeführt werden. Orte, denen, so definieren es die Autoren, „während ihrer Genese bereits das Bewusstsein der Zeitgenossen innewohnte, europäisch dimensioniert zu sein“.

Im Aufbau des Buches strukturieren die Herausgeber nach Themen. Wobei das erste Kapitel, der „Mythos Europa“ (die Göttin Aphrodite sendet der Tochter des Königs Agenor, Europa, einen Traum des Streits zwischen Asien und einem andren, gegenüberliegenden Erdteil, der Göttervater Zeus entführt Europa nach Kreta und zeugt Kinder mit ihr - Europäer) als Einführung in das Thema Europa gelten kann. Im folgenden wenden sich die verschiedenen Autoren dem „gemeinsamen Erbe“, den „Grundfreiheiten“, dem „Raum Europa“, der „Kriegserfahrungen und Friedenssehnsucht“ und dem „Wirtschaftsraum Europa“ zu. Dieses Kapitel des „Wirtschaftsraumes“ als europäischer Erinnerungsort umfasst nur einen Beitrag, ist aber sicherlich einer der zentralen Orte, der im Bewusstsein der Europäer Raum findet. Nicht aufgrund aktueller Finanzkrisen, sondern alleine schon aus dem Grund heraus, das die wirtschaftlichen Interessen sicher von Beginn an, gerade nach dem zweiten Weltkrieg, zu den maßgeblich treibenden Kräften einer europäischen Einigung über die Schaffung eines europäischen Binnenmarkts gehörten. Hier weist Johannes Burkhard erweitern nach, das schon die Fugger zu Beginn der Neuzeit viel von dem abdeckten, was auch heute noch zu den Grundfesten europäischen Wirtschaftens gehört.

Aber auch das gemeinsame Erbe, immer in der Spannung zwischen nationaler und europäischer Identität, wird im Buch breit aufgenommen und verweist auf die langen geschichtlichen Linien, die über Konflikte, Kriege und Vorurteile hindurch Europa allmählich mehr zueinander führten. Von der Antike angefangen (ein geistiges Erbe, dass in ganz Europa anerkannt wird) über das Christentum, das Judentum, den Islam, den Humanismus und die Aufklärung führen Entwicklungslinien, Fortschritte und Rückschritte, die in Europa als gemeinsame „Erinnerungsorte“ im Bewusstsein in der ein oder andere Weise verankert sind.

Das ein solcher „Erinnerungsort“ auch in einer Vielfalt zu finden sein kann, erstaunt im ersten Augenblick, beim näheren Hinsehen aber erschließt sich ganz logisch zum Beispiel anhand der Sprachenvielfalt, dass auch eine solche Vielfalt ein gemeinsamer „Erinnerungsort“ sein kann. Indem die Europäische Union eben jene „Vielfalt der Sprachen“ als Kernelement in ihre fundierenden Texte eingeschrieben hat.

Wer auf konkrete geographische Orte aus ist, der wird in diesem Buch kaum fündig werden. Wer allerdings konstituierende Räume und das Selbstverständnis Europas prägende Entwicklungen wie die Aufklärung im Zusammenhang von „Erinnerungsorten“ auch abstrakter Natur in der Zusammenschau sehen möchte, der ist mit diesem Buch durchaus gut bedient. Ein Buch, dass allerdings aufgrund seiner wissenschaftlichen Sprache durchaus gesteigerter Konzentration bedarf, dafür aber vielfache historische Linien zur Sprache bringt und somit einen umfassenden Blick auf die Entwicklung eines „Europas“ von der Antike an wirft.

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