Pimm van Hest

 5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Ein Bauch voller Geheimnisse, Überall und irgendwo und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Pimm van Hest

Überall und irgendwo

Überall und irgendwo

 (1)
Erschienen am 01.10.2017
Charly

Charly

 (1)
Erschienen am 25.08.2015
Ein Bauch voller Geheimnisse

Ein Bauch voller Geheimnisse

 (2)
Erschienen am 01.06.2018

Neue Rezensionen zu Pimm van Hest

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Rezension zu "Ein Bauch voller Geheimnisse" von Pimm van Hest

WENN GEHEIMNISSE DEM KIND BAUCHSCHMERZEN BEREITEN.
Osillavor 13 Tagen

Auf der Frankfurter Buchmesse stach mir gleich das Buch "Ein Bauch voller Geheimnisse" ins Auge. Das Cover ist sehr aussagekräftig. Es zeigt ein Kind in einem bauschigen Tutu. Doch das Kind sieht nicht glücklich aus, etwas scheint nicht in Ordnung zu sein, es blickt herunter auf den Bauch und scheint ihn sich auch zu halten. Wer selbst Kinder hat, der kennt es wohl. Die Kleinen klagen über Bauchschmerzen, doch oftmals sind Ängste oder Sorgen der Auslöser dieser Schmerzen. Damit beschäftigt sich dieses Buch.

Der Verlag:

Der TALISA Verlag will mit seinen Büchern die interkulturellen Kompetenzen der Kinder fördern und gleichzeitig dafür Sorgen, dass Sprachen und somit auch Kulturen nicht aussterben, weil sie nicht genug gepflegt oder an die Kinder weitergegeben werden können. Den Verlag gibt es seit 2005 und er konzentriert sich auf bilinguale Bücher. Dabei werden nicht nur Schulkinder, sondern auch Kindergartenkinder angesprochen. Im Verlag sind 18 Sprachen vertreten, jeweils in Kombination mit Deutsch. Die Bücher sollen „vor allem Kinder, aus Familien bei denen Zuhause Deutsch nicht als Muttersprache gesprochen wird, in ihrer Sprach- und Leseentwicklung begleiten, im Besonderen auch Eltern ermutigen, ihre Muttersprache zu pflegen“. (http://talisa-verlag.com/kinderbuchverlag/)

Inhalt:

An manchen Tagen geht einfach alles schief. So ergeht es Moira. Morgens zieht sie ihre Strumpfhose an, zupft an einem losen Faden und schon ist sie kaputt. Sie traut sich nicht, ihrer Mutter Bescheid zu sagen und behält es als Geheimnis für sich. Als sie ihre Birne essen soll, hat sie keinen Hunger und wirft sie nach der Schule weg, damit keiner bemerkt, dass sie heute mal nicht das Obst, welches so gesund ist, gegessen hat. Am Ende des Tages hat Moira so viele Geheimnisse, dass ihr der Bauch weh tut.

Kritik und Fazit:

Manchmal folgt ein Geheimnis dem nächsten und eine Lüge jagt daraufhin die andere. Ein Teufelskreis, aus dem man mit jeder weiteren Lüge immer schwerer herausfindet. Oft schlagen Schuldgefühle den Kindern auf den Magen. Doch meistens ist es viel leichter, einfach die Wahrheit zu sagen und zu seinen Fehlern oder Missgeschicken zu stehen. Das ist die Botschaft dieses Buches, welches in Deutsch, Arabisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Spanisch und Türkisch verfasst ist.
Aber auch wir Eltern sollten darüber nachdenken, ob unsere Kinder genug Vertrauen zu uns haben, um ohne Hemmungen, Angst oder Sorge mit uns über ihre Geheimnisse zu sprechen.
Die bunten Illustrationen begleiten den Text auch auf eine fröhliche Weise und erstrecken sich über die gesamten rechten Buchseiten. Die Kinder können dort viel entdecken und folgen Moira mit Spannung durch den Tag.

"Ein Bauch voller Geheimnisse" bietet Kindern und Erwachsenen eine gute Möglichkeit, sich mit dem Themen Geheimnisse, Lügen, Schulgefühle und Vertrauen auseinanderzusetzen und eventuell vorhandenen schlechten Gefühlen auf den Grund zu gehen.

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Rezension zu "Ein Bauch voller Geheimnisse" von Pimm van Hest

Eine wichtige Geschichte und gleich in 7 Sprachen. Wundervoll geschrieben und illustriert
Kinderbuchkistevor 5 Monaten

Ein Buch über Geheimnisse, Angst , Schul- und Schamgefühle
in 7 Sprachen
für Kinder ab 3 Jahren


Diese Geschichte wird in:
Arabisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Türkisch  und Deutsch erzählt

Wenn man ein Geheimnis oder Schulgefühle hat, dann ist das schon ziemlich schlimm für einen und meist legt sich das auf den Magen. Dann hat man das Gefühl der Bauch ist sooo voll, das er gleich platzt. Jeder kennt diese Situation irgendwie.
Aber muss das wirklich sein?
Die Geschichte der kleinen Moira erzählt von Situationen, die jedes Kind in ähnlicher Form vielleicht schon einmal erlebt hat.  Das besondere sie erzählt uns ihre Geschichte selbst. Lässt uns so sehr unmittelbar an ihren Schulgefühlen, ihrer inneren Zerrissenheit, dem Schamgefühl und auch ihrer Angst vor den Reaktionen der Erwachsenen teilhaben. Wir fühlen direkt mit ihr.
Ich erzählt hier ausnahmsweise mal nicht nur von der Geschichte sondern von einer unserer Vorlesestunden mit dem Buch, um zu verdeutlichen, wie bewegt die Kinder von der Geschichte sind und mit Moira fühlen.

Als sie aufwacht ist alles noch in Ordnung doch beim Anziehen einen losen Faden an ihrer Strumpfhose entdeckt. Sie zieht daran und plötzlich wird aus einem kleinen Loch ein riesengroßes.
Schnell zieht sie eine andere an und versteckt die kaputte. Als ihre Mutter ins Zimmer kommt wollte sie ihr eigentlich von dem Malheur erzählen, doch sie tut es nicht. Die Worte kommen einfach nicht heraus. Sie schluckt sie runter und schon ist ihr Bauch etwas gefüllt. Wohl ist ihr bei der Sache nicht, das sieht man deutlich doch irgendwie hat sie es einfach nicht geschafft es der Mutter zu erzählen.
Unsere Lesekinder riefen gleich: "Sie wollte nicht das die Mutter traurig ist."
Als ich sagte, dass sie sich vielleicht nicht getraut hat, aus Angst geschimpft zu werden, sagten die meisten: Ja, kann auch sein aber...... bei mir ist es so, dass ich nichts sage damit Mama oder Papa nicht traurig sind. Ich mag nicht wenn sie wegen mir traurig sind."
Es war schon erstaunlich wie viele nichts sagen würden nur damit jemand nicht traurig ist.
Moiras Geschichte geht weiter.
In der Schule kann sie sich gar nicht richtig konzentrieren weil sie immer an die Strumpfhose und ihre Mama denken muss. Wie unsere Lesekinder auch vermutet sie, dass die Mutter sehr unglücklich wäre wegen der kaputten Hose.
Die Gedanken füllen den Bauch so sehr, dass sie keinen Hunger auf ihre Birne hat, die sie fürs Frühstück mitbekommen hat. Erst einmal steckt sie sie wieder ein doch auf dem Nachhauseweg fällt ihr ein, das der Papa bestimmt sauer wäre wenn er merkt, das Moira nicht gegessen hat also schmeißt sie die Birne in den Mülleimer.
"Aber Moira weiß doch bestimmt, dass man keine Lebensmittel wegschmeißt!" ruft ein Mädchen in meine Vorleserunde, worauf die anderen auch kommentieren.
"Ja, mein Papa wär auch sauer richtig sauer. Der sagt immer Essen darf man nicht wegwerfen woanders hungern Kinder."
"Wenn ich etwas nicht mag dann nehme ich es wieder mit und sag dass ich keinen Hunger hatte, niemand ist dann böse. Man hat ja nicht immer Hunger."
.........
Moira weiß, dass sie nicht richtig gehandelt hat und hat einen Kummer, ein Geheimnis mehr in ihrem Bauch, fühlt sich noch schlechter. Eigentlich möchte sie dem Vater von der Strumpfhose und der Birne erzählen aber dann lässt sie sich von Benjamin ablenken, der mit ihr Hochzeit spielen möchte.
Das Spiel lenkt sie erst einmal ab. Es macht Spaß mit Benjamin zu spielen, sich zu verkleiden. Das sie ungefragt das Brautkleid ihrer Mutter anzieht  macht ihr anscheinend nichts aus. Doch dann passiert etwas und sie verunreinigt das Kleid. Ohne etwas zu sagen hängt sie es wieder in den Schrank zurück und wir ahnen es schon, ihr Bauch füllt sich weiter, das schlechte Gewissen nimmt zu. Als die Mutter von der Arbeit kommt will Moira ihr alles erzählen doch wieder bringt sie es nicht übers Herz.
Moiras Bauch wird immer voller und voller, was noch ihren Bauch füllt lasse ich hier aus wir können uns denken, dass es immer wieder Situationen gibt wo Moira es nicht übers Herz bringt etwas zu sagen. Doch irgendwann wird es dem kleinen Mädchen einfach zu viel. Eindrucksvoll erzählt sie uns, wie verzweifelt und auch hilflos sie sich fühlte.
Als ihre Eltern in ihr Zimmer kommen und eine völlig verstörte kleine Tochter vorfinden , sich liebevoll besorgt zu ihr setzten da löst sich die ganze Anspannung und Verzweiflung. Plötzlich sprudelt es auch Moira nur so raus. Deutlich  erleben wir in der verzweifelten Aneinanderreihung der Vorfälle was für eine Kettenreaktion das  Strumpfhosenloch-Problem ausgelöst hat. Auch Bildlich wird dies wunderbar veranschaulicht. Der Faden der Strumpfhose schlängelt sich wirr umher scheint sogar einmal ein gefräßiges Tier zu bilden der alles in sich aufsagt. ( so die Einlassung eines Lesekindes).
Liebevoll schließen die Eltern ihre kleine Moira in die Arme. Sie hatten vermutlich schon viel früher geahnt , dass Moira ein Geheimnis plagt.
Behutsam erklärt der Vater ihr, dass sie ihnen doch alles sagen kann und das es gar nicht schlimm ist wenn mal etwas geschimpft wird oder man dann als Erwachsener sauer oder traurig ist. Das man sich aber dennoch lieb hat. Viel schlimmer/ trauriger finden es die Eltern  wenn sie mit ansehen müssen wie traurig ihre kleine Moira wird mit dem Bauch voller Geheimnisse.
*
Eine sehr gefühlvolle Geschichte mit sehr intensiven, ausdrucksstarken Illustrationen erzählt aus der Warte der kleinen Moira macht deutlich womit sich jedes Kind immer mal wieder beschäftigen muss.
Sag ich etwas, wenn ich etwas angestellt habe oder mir ein Missgeschick passiert ist oder nicht.
Die Reaktionen der Kinder ist immer unterschiedlich und das aus vielerlei Gründen, das wurde auch in den Gesprächen während und nach den Lesungen deutlich.
Zum einen, und das ist wohl das Wesentlichste, kommt es auf die Erfahrungen an, die das Kind schon gemacht hat. Nicht alle Eltern sind so verständnis- und liebevoll wie Moiras Eltern. Es gibt leider viel zu viele Kinder, die regelrecht Angst vor der Reaktion der Eltern haben und das leider auch zu recht. Es gibt aber auch Kinder wie Moira, die eigentlich Vertrauen zu ihren Eltern haben, wissen, dass die Eltern im Grunde nicht böse sind, die aber aus falsch verstandener Rücksichtnahme und Liebe, lieber etwas versuchen mit sich selbst auszumachen anstatt die Eltern traurig zu stimmen.
Daher empfinde ich dieses Buch in vielerlei Hinsicht eine enorme Bereicherung. Es bietet nicht nur sehr konkrete Gesprächsanlässe mit den Kindern, in denen man gezielt noch einmal über das richtige Verhalten, über die Gefühle und die Sorgen sprechen kann sondern es bietet auch die Möglichkeit einen Elternabend zum Thema zu veranstalten, in dem man dieses Buch vorliest um im Anschluss darüber zu sprechen, wie es möglich ist Vertrauen frühzeitig aufzubauen und wie man in bestimmten Situationen am besten reagiert. Wir sind alle nur Menschen. Menschen mit Emotionen und spontanen Reaktionen, die nicht immer richtig sind. Gerade deshalb weil wir als Eltern auch nur Menschen sind machen wir Fehler, das ist völlig normal. Man muss aber auch die Einsicht haben, dass man schon mal falsch reagiert und dies dann auch korrigieren.  Was letztendlich bedeutet, man muss sich für sein, vielleicht spontanes Fehlverhalten auch bei Kindern entschuldigen. Selbstverständlich mit einer Erklärung. Das schafft Vertrauen. Wenn Kinder erleben, dass Eltern nicht Fehlerlos sind aber dies auch eingestehen, dann erkennt das Kind, dass eigenes Fehlverhalten vielleicht einmal für einen Moment traurige oder saure Eltern hinterlässt aber die Liebe in jeder Situation bleibt.
"Ganz egal was passiert, wir haben dich immer lieb!"
Ist erst einmal die Grundbotschaft, das dies nicht von den Kindern als Freibrief für Unfug machen verstanden wird, dass ist ebenfalls ein Aspekt der bei solch einem Elternabend zur Sprache kommen wird.
*
Pimm van Hest ist bekannt für seine einfühlsamen Geschichten zu schwierigen Themen. Ich bewundere seine Art, wie er immer die richtigen Worte findet, die Kinder verstehen und Eltern auch noch etwas zu sagen haben.
Seine Botschaft an Kinder und Eltern ist klar zu erkennen. Gerade diese Klarheit macht seine Geschichten so wertvoll und ausdrucksstark.
Die Illustrationen greifen auf hervorragende Weise genau das auf, was emotional die jeweilige  Situation bestimmt.
Dabei sind es nicht nur die Zeichnungen sondern auch die Einbeziehung des Textest mit unterschiedlicher Größe und Position, die zur Verstärkung herangezogen werden.
*
Mich als Erwachsener hat dieses Buch schwer beeindruckt und unsere Lesekinder fanden es richtig toll, weil sie endlich einmal wieder über Dinge sprechen konnten, die sie bewegen. Die sie von allein vielleicht nicht angesprochen hätten aber durch das Buch die Gelegenheit hatten darüber zu reden, ihre Erfahrungen in Verbindung zu bringen mit Moiras Erlebnissen.
Bleibt zu hoffen, dass das Buch bei vielen Familien und Einrichtungen ein neues Zuhause findet, damit möglichst wenig Kinder mit einem Bauch voller Gemeinmisse herumlaufen / leben müssen.
 Am Ende sollte stehen:
"Gut, dass ich es gesagt habe!"



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Rezension zu "Charly" von Pimm van Hest

Ein wundervolles Bilderbuch zum Thema Tod eines Haustieres
Kinderbuchkistevor einem Jahr

Thema Tod eines Haustiers / Hund
Das Thema Tod im Bilderbuch ist leider immer noch all zu oft mit Ängsten belegt. Muss man hierüber Bilderbücher machen? Das werde ich auch nach 30 Jahren im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur immer wieder von Eltern und Erziehern gefragt. Ja, man muss!!! Und leider gibt es immer noch viel zu wenig gute Bilderbücher zu  diesem Themenkomplex. Es sind in all den Jahren deutlich mehr geworden. Wenn ich nur 25 Jahre zurück denke, als meine Freundin hierüber ihre Diplomarbeit schrieb, da gab es eine Hand voll guter Bücher. Heute sind es deutlich mehr, das ist schon ein großer Fortschritt. Bei der Durchsicht unserer Themenliste  "Das Thema Tod im Bilderbuch"
staunen ich immer welch wunderschöne Geschichten es mittlerweile gibt. Gerade beim Bilderbuch ist es wichtig mit viel Sensibilität und Einfühlungsvermögen zu Erzählen. Dabei ist es ein recht schmaler Grad zwischen Angst machen und realitätsbezogenem darstellen. Pimm van Hest, der Autor dieses Buches, ist einer derjenigen, der es schafft schwierige Themen so zu erzählen, dass sie klar, sehr einfühlsam und emphatisch vermittelt werden. Keine Frage es ist traurig wenn jemand stirbt aber es ist nicht das Ende sondern der Lauf des Lebens. So auch in seinem Buch "Charly" in dem der kleine Tim und seine Familie, sehr unerwartet von ihrem treuen Familienmitglied Abschied nehmen muss. Nichts deutet darauf hin das das Charly bald sterben wird und so beginnt das Buch mit einer sehr alltäglichen, amüsanten Geschichte. Tim soll ins Bett gehen , hat aber noch so gar keine Lust. Viel lieber versteckt sich der kleine Indianer noch ein wenig im Wohnzimmer während seine Mutter ihn überall sucht. Doch dann kann sie eine wirklich geniale Idee. Sie schickt Hund Charly auf die Suche, denn Charly ist nicht nur Tims bester Freund sondern auch eine klasse Spürnase. Liebevoll drückt Tim seinen treuen Freund und geht dann ins Bett. Niemand bemerkt, dass Charly seinen Belohnungskeks nicht anrührt.  Alles scheint wie immer. Als Tim am nächsten Morgen aufwacht steht der Hund nicht schon an der Treppe und wartet auf ihn. Ahnungslos und voller Elan galoppiert er mit seinem Steckenpferd die Treppe hinunter um nach Charly zu suchen. Als Betrachter ahnen wir was nun passieren wird. Die Illustratorin bereitet uns auch durch die Farbwahl - mit viel grau-blau- auf das Ereignis schon vor. Leider ist das Grau-Blau zuweilen so dunkel, das die schwarze Schrift des Textes schwer zu lesen ist ( je nach Lichtverhältnissen). Charly liegt in seinem Körbchen und schläft, so hat es den Anschein. Doch er wacht nicht auf und fühlt sich nicht so warm an wie sonst. Langsam bekommt es Tim mit der Angst doch da sind schon seine Eltern bei ihm.  "Charly ist tot" erklärt ihm die Mutter. Auch sie ist sichtlich getroffen, hat Tränen in den Augen. Tim umarmt seinen Freund. Er versteht nicht was tot bedeute. Liebevoll erklären ihm seine Eltern das es zwar aussieht als würde Charly schlafen, aber das das Herz aufgehört hat zu schlagen und er nicht wieder aufwachen wird. Jetzt begreift Tim langsam. Während er Charly immer noch fest umarmt fließen ihm dicke Tränen über das Gesicht. Viele Tränen. Sehr viele. Nynke Talsma illustriert dieses wunderbar. Eine dicke Spur mit vielen, vielen kleinen Tränen wie ein Windzug der durch den Raum nach draußen fliegt. Die Mutter löst dieses traurige, schwere Stimmung in dem sie Tim ihren Vorstellung Charlys "Leben" nach dem Tod  erzählt.  Eine schöne Idee, die ich hier noch nicht verrate. Das Bild hierzu ist bunt und fröhlich bevor es auf der nächsten Seite etwas besinnlicher weiter geht. Alle drei sitzen noch lange an Charlys Körbchen und streicheln ihn. Abschied nehmen ist auch für Erwachsene sehr schwer. Später begraben sie ihren treuen Begleiter und Freund an einer schönen Stelle im Garten. Ein schwieriger Moment, der endgültigen Abschied bedeutet. Charly liegt ganz friedlich in seiner Erdkuhle. eingewickelt in seine Lieblingsdecke mit seinem Lieblingsspielzeug und Tim hat noch ein Bild gemalt und hinzu gelegt. Die Geschichte endet mit dem Satz: " Charly, ich werde dich ganz furchtbar vermissen." Ein Satz, der einen zwar schlucken lässt aber dennoch nicht in einen Loch fallen lässt da Nynke Talsma es auch hier wieder geschafft hat die beklemmende Situation mit viel Wärme zu illustrieren. Die Doppelseite ist in hellem Grüngelb gestaltet. dazu der Boden aus sattem leuchtendem Grün, frisch, und hoffnungsvoll wirkt es wie ein Aufbruch zu etwas Neuem. Überall große Sonnenblumen mit gelb leuchtenden Köpfen. Sie lässt uns aus einer besonderen Perspektive auf den kleinen Hund blicken. Über ihm ist keine Erde sondern er ist umringt von kleinen bunten Blumen die um ihn wachsen. Tim sitzt auf dem Erdaushub seine Eltern stehen dicht bei ihm.  Ein Bilde der Stille das aber trotzdem lebt. Auf einem Baum sitzt ein Vögelchen und zwitschert, die großen Blumen scheinen sich sanft zu wiegen. Das Buch endet mit der nächsten Seite die Sonnenblumen sind auch hier zu sehen der kleine Vogel fliegt in die Wolken und eine dieser Wolken sieht aus wie Charly. * als ich dieses Buch das erste mal in die Hände bekam hat es mich direkt verzaubert. Ein seltsames Wort angesichts dieses traurigen Themas, mag der ein oder andere nun sagen doch es ist so. Schon auf dem Cover sehen wir die traurige Szene mit den vielen Tränen und wenn wir genau hinschauen schaut hier Charly schon von Oben als Wolke hinunter obwohl er für Tim noch greifbar im Körbchen liegt. Viele unserer Lesekinder hielten sehr lange inne. Man merkte förmlich wie sie versuchten zu begreifen was geschehen ist. Sie wussten, das dies ein Buch zum Thema Tod ist. Wir hatten schon häufiger Bücher gelesen in denen Abschied genommen wurde. Und dennoch konnte man erkennen wie sehr sie sich mit diesem Bild beschäftigten. Sie sahen neugierig, nicht traurig oder verängstigt. Ein Junge sagte:" ... ich weiß nicht ob ich unseren Hund noch so lange im Arm haben könnte wenn er Tod ist?" Ein anders Kind erzählte von seinem Kaninchen. Er durfte nicht Abschied nehmen. Es war einfach dann weg. Als ich begann die Geschichte vorzulesen guckten mich die Kinder nach einer Weile verwundert an. Ein Mädchen sagte:" Das ist ja gar nicht vom Tod. Das ist ein lustiges Buch!" Ja, es dauert recht lang und es ist lustig, wie Tim sich versteckt und die Mutter ihn sucht. Auch die Bilder hierzu machen Spaß sie anzusehen. Der Vater der Pfeile im Gesicht hat ( vom Indianer Spielen...) Aber es wird später diese bereits beschriebene Wende geben. Da die Kinder schon wussten, das etwas passieren wird waren sie vermutlich deutlich entspannter als es dann soweit war. Sie gingen in der Geschichte mit kommentierten zu weilen, schluckten auch mal gingen aber mit einem hoffnungsvollen Lächeln aus der Geschichte. Genau dies schafft das Buch. Hoffnung! Dabei bilden die  erzählende Geschichte und die Illustrationen eine so wunderbare Einheit, die dieses "Verzaubert" das ich zu beginn erwähnte vielleicht erklärt. Unsere Lesekinder waren wirklich begeistert von der Geschichte. Die kleine Ulrike (5) kam mit ihrem Bruder Jonathan (4) nach der Lesung noch zu mir und sagte: "Du.... ist es schlimm wenn man ein Lieblingsbuch hat das vom Tod erzählt?" Ich erklärte ihr, das man mehr als ein Lieblingsbuch haben kann. Wen  man ein Lieblingsbuch über den Tod hat, dann ist das doch wie ein Schatz.  In meiner Schatzkiste  zuhause, sind mehrere Bücher und zwei auch über den Tod.  Dann ein ganz lustiges, ein spannendes....." Dann ging sie zu ihrer Mutter und sagte:" Du Mama ich brauch auch eine Schatzkiste für meine Lieblingsbücher!" Wenn Kinder ein Buch über den Tod so schön finden, das sie es als "Lieblingsbuch" bezeichnen finde ich es als das größte Kompliment. * Bilderbücher zum Thema Tod brauchen einen besonderen Rahmen und bedürfen einer Vor-und Nachbereitungsphase. Hält man sich an dieses Gerüst dann kann man mit Kindern im Alter zwischen 4 und 6 Jahren ( im Kindergarten, aber auch später noch in der Grundschule) tolle Gespräche über das Thema Tod führen. Ein Thema das wir in die Entwicklung unserer Kinder einbauen müssen, damit sie nicht plötzlich sprachlos aus heiterem Himmel damit konfrontiert werden.

Dieses Buch das Pimm van Hest uns so wunderbar erzählt und das Nynke Talsma mit ebenso wunderbaren, wie ausdrucksstarken Bildern illustriert ist eine wirkliche Bereicherung. 

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