Pornsak Pichetshote

 4,2 Sterne bei 6 Bewertungen

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Cover des Buches Infidel (ISBN: 9783962194932)

Infidel

(4)
Erschienen am 31.07.2020

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Gute Geschichte, auch ohne Sandman

Zwei Internatsschüler werden im 19. und 20. Jahrhundert ermordet, tun sich zusammen und machen sich nun als Geisterdetektive auf Verbrecherjagd bzw. auf die Suche nach Kriminalfällen. Wie z.B. das Verschwinden von Kindern und Jugendlichen in Kalifornien.

Dieser Background klingt erstmal harmlos, aber der Panini-Verlag gibt nicht umsonst eine Empfehlung für das Lesealter von 16 Jahren an. Denn schon bald betreten die Hexe Thessaly und andere Monster die Bühne und erwecken den Horror in diesem Buch. Die Story kann sich durchaus sehen lassen und wartet mit mancher Überraschung auf. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Was mir allerdings nicht klar ist, ist der Bezug zur Sandman-Reihe von Neil Gaiman. Es wird zwar hier und da die Ewige »Death« erwähnt, aber einen richtigen Bezug schaffe ich nicht herzustellen. Es scheint wohl eine reine Verstärkerfunktion zu sein, damit sich die Graphic Novel besser verkauft.

Die Zeichnung fand ich relativ “comichaft” und weniger künstlerisch anspruchsvoll, wenn ich dies so formulieren kann, um zu beschreiben, was den Leser erwartet. Die Sandman-Reihe wurde von vielen unterschiedlichen Künstlern gezeichnet und war demnach entsprechend geprägt, aber hier konnte vor allem Jeff Stokely mich nicht wirklich überzeugen, während Javier Rodriguez eher meinem Geschmack entspricht. Aber wie immer liegt diese Einschätzung ganz individuell im Auge des Betrachters.

Fazit

Ich fand die Geschichte sehr gut erzählt und auch spannend, selbst wenn ich keinen Bezug zur Sandman-Reihe herstellen konnte. Die Zeichnungen haben nicht immer meinen Nerv getroffen, aber die Story macht hier einiges wieder wett. Nicht, wer die Sandman-Reihe mag, wird hier eine gute Graphic-Novel finden, sondern wer gerne Horror-Graphic-Novels in einem Geisteruniversum liest.

Cover des Buches Infidel (ISBN: 9783962194932)
Belladonnas avatar

Rezension zu "Infidel" von Pornsak Pichetshote

Belladonna
Moderner Spukhaus-Horror

Meine Meinung

Der Thai-Amerikaner Pornsak Pichetshote sammelte jahrelang Erfahrung als leitender Redakteur beim Comic-Verlag Vertigo und schrieb nun seine erste eigene Geschichte, eine moderne und politisch geprägte Spukhaus-Geschichte mit dem Titel »Infidel« (deutsch: Ungläubiger/ungläubig/gottlos/irrgläubig), ohne zu ahnen, wie aktuell seine Story angesichts der »Black Lives Matter Bewegung« sein würde. Der Zeichner Aaron Campbell, der bereits bekannte Figuren wie z. B. Sherlock Holmes, James Bond, Batman und Harley Quinn zeichnete, stellt mit diesem Werk seine erste eigenständige Arbeit vor, die von Kolorist José Villarrubia eindrucksvoll in Farbe gekleidet wurde.

Die 5-teilige Mini-Serie wurde vom Splitter Verlag in einer deutschen Gesamtausgabe herausgebracht, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Vor allem dann nicht, wenn man auf gut erzählte Horror-Geschichten steht.

Das Vorwort der Autorin (»The Good House«, »Ghost Summer«) und Pädagogin Tananarive Due, welche als Filmhistorikerin mit Erfahrung im Bereich »Black Horror« bekannt ist und mit dem American Book Award ausgezeichnet wurde, stimmt auf die kommende Geschichte über ein Spukhaus verknüpft mit dem vielseitigen Schichten vom Horror des Rassismus ein.

Die Geschichte basiert auf einem klassischen Spukhaus-Szenario, doch die Protagonisten sind nicht wie in den meisten solcher Storys Weiße, sondern PoC (People of Color) und der Plot wird mit politischen sowie kulturellen und religiösen Einflüssen unterfüttert. In erster Linie geht es um die junge Pakistani-Muslima Aisha, welche mit ihrem Freund und seiner Tochter Kris zu dessen Mutter Leslie zieht. Die Stimmung gegenüber Menschen aus anderen Kulturen ist momentan sehr angespannt, denn im Hochhaus gab es eine Bombenexplosion, die sich auf einen arabischen Bewohner zurückverfolgen lässt und sogleich als Terroranschlag verbucht wurde. Aisha ist den täglichen Rassismus gewöhnt, auch wenn dieser nun verstärkt hervortritt, und möchte Leslie nach diesem Vorfall nicht alleine in der Wohnung lassen.

Doch schon bald bekommt Aisha schreckliche Albträume. Sie schläft schlecht und leidet unter ständiger Müdigkeit durch den Schlafentzug. Als sie auch am helllichten Tag Horrorvisionen, geboren aus Fremdenhass und Angst, verfolgen, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Ihre beste Freundin Medina ist Afro-Amerikanerin und zieht ebenfalls in das Haus und als sie bemerkt, dass etwas mit Aisha nicht stimmt, ist es auch schon zu spät…

Der Stil der Illustrationen von Aaron Campbell sticht besonders durch die Verwendung verschiedener Zeichenmaterialien wie Gouache, Kohle und Buntstift hervor und zeichnet sich durch teilweise kritzelige Schraffierungen und eine gestochen scharfe Mimik der Protagonisten aus.

Auch wenn es im Medium »Comic«, das ohne Ton und pointierte Schnitte auskommen muss, um einiges schwieriger ist gruselige Schockmomente und eine Atmosphäre die das Blut in den Adern gefrieren lässt zu kreieren, hat das künstlerische Team hier hervorragende Arbeit geleistet. »Infidel« ist nämlich garantiert nichts für schwache Nerven und sorgt mit einem Zusammenspiel aus düsteren Illustrationen bei denen ordentlich Blut fließt und eindringlichen Farben für Gänsehaut-Momente.

In der Geschichte gibt es immer wieder Cuts zwischen Traum, Gegenwart und Vergangenheit was durch verschiedene Stile kenntlich gemacht wird. Manchmal wird recht temporeich zwischen den Fäden gewechselt, sodass man auf jeden Fall mit genügend Aufmerksamkeit an die Lektüre herangehen sollte. Comic-Einsteiger könnten es mit diesem Band daher etwas schwieriger haben. Dennoch möchte ich diese unglaublich geschickt gestrickte Geschichte, in der klassischer Horror mit einer wichtigen politischen Botschaft und fein ausgearbeiteten Charakteren verschmilzt, einfach jedem der nicht zart besaitet ist ans Herz legen.

Das Nachwort von Comic-Künstler Jeff Lemire (»Black Hammer«, »Gideon Falls«, »Sweet Tooth«, »Moon Knight«) sowie ein umfangreiches Making-Of, welches einen Einblick von der Bewerbung bis hin zum Entstehen des Covers gewährt, rundet diese wundervolle Hardcoverausgabe ab.

Fazit

Moderner Spukhaus-Horror, der sich perfekt in die gegenwärtige Zeit einfügt und zudem mit einer facettenreichen Darstellung vom Rassismus in der heutigen Gesellschaft besticht.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 29.08.2020

Cover des Buches Infidel (ISBN: 9783962194932)
Flaventuss avatar

Rezension zu "Infidel" von Pornsak Pichetshote

Flaventus
Außergewöhnliche Graphic Novel

Das Medium “Graphic Novel” hat sicherlich Probleme, horror-typische Schockmomente an den Leser zu bringen. Es fehlen der Sound und das plötzliche Moment. Warum funktioniert ein Spukhaus-Horror dennoch bei dieser ungewöhnlichen Umsetzung?

Optisch grandios

Es ist natürlich die Optik, die dieses Buch derart empfehlenswert macht. Zwischen realistischen Darstellung und psychogenen Monstern wandeln die Illustrationen und vermitteln so eine optische Grandiosität. Und so zieht der Horror ein, auch wenn es keine Schockmomente gibt, aber sehr wohl eine unvergleichliche Grusel-Atmosphäre.

Ein zweites Element in dieser Graphic Novel ist das politische Statement. Es ist tatsächlich gelungen, eine Horror-Geschichte zu verfassen, die sich gleichzeitig gegen den aufkeimenden Rassismus stellt. Eine sehr interessante Mischung, die mehr als gelungen ist und das Statment “Rassismus ist Horror” zulässt.

In den USA ist dieses Buch zuerst in fünf Einzelbänden erschienen, die nun weltweit als ein eigenständiges Gesamtwerk zusammengefasst wurden. Dazu wurde die Entstehtung des Covers am Ende beigefügt (eine interessante Geschichte) und mit welchem Essay die Autoren sich an den Verlag gewandt haben (ein sehr interessantes Detail am Ende des Buchs).

Fazit

Eine zurecht gefeierte Graphic Novel, die es sehr gekonnt schafft, Horror mit eine Stellungnahme gegen Rassismus zu vereinen und gleichzeitig eine außerordentliche Grusel-Atmosphäre zu kreieren. Ein grandioses Werk, das in keiner gut sortierten Horror-Bibliothek fehlen darf.


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