Pregel Thomas

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Autor von Kaltsommer.

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Kaltsommer

Kaltsommer

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Erschienen am 16.06.2016

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Rezension zu "Kaltsommer" von Pregel Thomas

Gelungene Verknüpfung aus Krimi und Familien-Psychogramm
marstravellervor 2 Jahren

Kaltsommer ist ein gut durchdachter und bis ins kleinste Detail überzeugend konstruierter Kriminalroman, der vor allem von den schockierenden Einblicken in die Abgründe eines krankhaften Familiensystems lebt und zusätzlich durch viel Lokalkolorit die Handlung in einem realen Raum verankert.


Die beiden Kommissare arbeiten trotz einiger zwischenmenschlicher Differenzen als perfektes Gespann zusammen. Der ältere, Kriminalhauptkommissar Arnstedt, wirkt zwar mit seinem überheblichen Zynismus und der tief verwurzelten Misanthropie alles andere als sympathisch, aber seine Kompetenz wird schnell sichtbar und so empfindet man auch als Leser einen gewissen Respekt gegenüber diesem erfahrenen Beamten. So behauptet Arnstedt beispielsweise gleich zu Beginn der Ermittlungen, den Täter bereits zu kennen. Arnstedts Vermutung wird zwar nicht verraten, aber auch der Leser kann sich relativ schnell die Frage nach dem Täter beantworten. Dennoch bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend, was nicht zuletzt an der Erzählweise liegt, die den Fokus auf die Vorgehensweise der Kommissare legt und somit die Spannung von der Frage nach dem Täter auf die Frage nach dem Motiv und auf die Art, wie ein Geständnis erzielt wird, verschiebt.


Die Figuren wirken komplex und lassen den Leser ständig zwischen Verständnis und Ablehnung schwanken. Keine der Figuren ist uneingeschränkt sympathisch, auch nicht der junge Oberkommissar Daniel Freiwald. Alle sind aufgrund ihrer (Familien-)Geschichte, die schrittweise ans Licht kommt, mit den teilweise deutlich sichtbaren, teilweise auch mehr verdeckten Merkmalen alter Verletzungen gezeichnet. Aber man hat auch das Gefühl, dass es dem Autor wichtig war, selbst bei den Personen, die eher als Ekelpaket konzipiert sind, zwischenzeitlich eine gewisse Menschlichkeit durchscheinen zu lassen. Interessant und auch recht realistisch wirkt die Tatsache, dass viele der Personen, die in den Fall verwickelt sind, sowohl Opfer als auch Täter sind.


Die wechselnden Perspektiven tragen dazu bei, die Spannung zu verstärken und gleichzeitig die Einblicke in die Hintergründe und Abgründe der Figuren und damit auch des Falls zu vertiefen. Dabei liegt der Akzent immer auf dem, was bewusst verschwiegen oder nur teilweise offenbart wird, so dass der Leser sich aufgefordert fühlt, aus dem Puzzle der Andeutungen ein eigenes Bild zu erschließen, was aufgrund der ausgefeilten Konstruktion des Romans gut funktioniert.


Das große Finale am Schluss, das noch einmal alle Verdächtigen in einem Raum vereint sowie die gesamte, kaputte Familie des Mordopfers versammelt, wirkt vielleicht etwas konstruiert, erinnert aber gerade dadurch an Schlussszenen traditioneller Kriminalromane und unterstreicht gleichzeitig noch einmal die Verknüpfung aus Krimi und Familienpsychogramm.


Kaltsommer bietet wesentlich mehr als nur eine spannende und unterhaltsam aufbereitete Aufklärung eines Mordfalls. Vielmehr werden die Strukturen ungesunder Familienbeziehungen und deren Auswirkungen auf das gesamte Leben der darin gefangenen Menschen aufgedeckt.



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