Primo Levi

 4,2 Sterne bei 113 Bewertungen
Autor von Ist das ein Mensch?, Das periodische System und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Primo Levi

Primo Levi, 1919 in Turin geboren, dort Studium der Chemie. Ende 1943 als Mitglied der Resistenza verhaftet, im Januar 1944 ins Lager Fossoli bei Modena geschafft und im Februar nach Auschwitz deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Italien arbeitete er bis 1977 in der chemischen Industrie. Seine beiden autobiographischen Bücher, seine Romane und Erzählungen wurden mit wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet, seine Werke in alle Weltsprachen übersetzt. 1987 nahm sich Levi in Turin das Leben. Bei Hanser erschienen Wann, wenn nicht jetzt? (Roman, 1986), Ist das ein Mensch? - Die Atempause (1988), Der Freund des Menschen (Erzählungen, 1989), Die Untergegangenen und die Geretteten (1990), Der Ringschlüssel (Roman, 1992), Das Maß der Schönheit (Erzählungen, 1997), Zu ungewisser Stunde (Gedichte, 1998), Gespräche und Interviews (1999), Anderer Leute Berufe (Glossen und Miniaturen, 2004) und So war Auschwitz (Zeugnisse 1945-1986. Mit Leonardo De Benedetti, 2017).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Primo Levi

Cover des Buches Ist das ein Mensch? (ISBN: 9783423123952)

Ist das ein Mensch?

 (53)
Erschienen am 01.07.2010
Cover des Buches Das periodische System (ISBN: 9783423113342)

Das periodische System

 (38)
Erschienen am 01.02.1991
Cover des Buches Die Atempause (ISBN: 9783423117791)

Die Atempause

 (7)
Erschienen am 01.01.1994
Cover des Buches Die Untergegangenen und die Geretteten (ISBN: 9783423117302)

Die Untergegangenen und die Geretteten

 (3)
Erschienen am 01.01.1993
Cover des Buches Ist das ein Mensch? - Die Atempause (ISBN: 9783446237445)

Ist das ein Mensch? - Die Atempause

 (2)
Erschienen am 26.09.2011
Cover des Buches Das Maß der Schönheit (ISBN: 9783423137867)

Das Maß der Schönheit

 (1)
Erschienen am 01.07.2009
Cover des Buches Zu ungewisser Stunde (ISBN: 9783446158856)

Zu ungewisser Stunde

 (1)
Erschienen am 23.03.1998
Cover des Buches Der Freund des Menschen (ISBN: 9783423191203)

Der Freund des Menschen

 (1)
Erschienen am 01.03.2008

Neue Rezensionen zu Primo Levi

Cover des Buches Ist das ein Mensch? (ISBN: 9783423123952)A

Rezension zu "Ist das ein Mensch?" von Primo Levi

Grosse Fragen des Menschseins
Aaron_Aebivor 8 Monaten

Mit seinem nüchternen Schreibstil hält Primo Levi all jene Leser*innen fern, die aus reiner Sensationslüsternheit zu solch einer Lektüre greifen. Das ist auch gut so, denn wer sich empören will, soll bitteschön Fiktion lesen. Hier jedoch geht es um Tatsachen, die grauenvoller nicht sein könnten. Das Buch nimmt einen in die Pflicht: Im lyrischen Geleit spricht Levi eine Art Ungnade über jenen aus, die ihr behütetes Leben für allzu selbstverständlich nehmen.


Und tatsächlich: Unter keinen Umständen fühlt es sich richtig an, dieses Buch zu lesen. Während ich mich auf der Münsterplattform sonne, zuhause in eine Decke kuschle, im Zug zur Arbeit fahre, es muss falsch sein – oder aber die Gesamtheit meiner Sorgen ist lächerlich klein. Es sind grosse Fragen des Menschseins, der Menschlichkeit, der Schuld, die Levi anstösst. Letztlich unbeantwortbare Fragen.


Zurück bleibt, neben von dem Katalog offener Fragen, ein Kloss im Hals, das beklemmende Gefühl, losheulen zu wollen und gleichzeitig dazu nicht imstande zu sein. Aber immerhin auch die selbstgerechte Gewissheit, sich nicht vor der Vergangenheit verschlossen zu haben.


 


Für uns ist das Lager keine Strafe; für uns ist kein Termin gesetzt, und das Lager ist weiter nichts als die uns zugedachte, unbefristete Existenzart innerhalb des deutschen Sozialgefüges. (S. 80)

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Cover des Buches Ist das ein Mensch? (ISBN: 9783423123952)ErleseneBuechers avatar

Rezension zu "Ist das ein Mensch?" von Primo Levi

Suppe, KB & der Gesang des Odysseus
ErleseneBuechervor 4 Jahren

Viele Bücher habe ich schon über die Konzentrationslager während des 2. Weltkriegs gelesen. Jedes Buch ist anders, aber der Schrecken, die Fassungslosigkeit, der Schmerz, der Abscheu, aber auch die Faszination und Hilflosigkeit sind oft gleich. Es ist wichtig, dass es solche Bücher gibt, aber noch viel wichtiger ist, dass sie gelesen werden, heute und zu jeder Zeit. Die Zeitzeugen werden weniger, sind bald gar nicht mehr da. Aber wir haben Zeugnisse über dieses schwarze Kapitel der Menschheit, z.B. in Form von diesem Buch.

Primo Levi, ein italienischer Jude, verbrachte ein Jahr im Konzentrationslager Auschwitz und berichtet eindringlich von dieser Zeit. Besonders ist, dass er diese Erlebnisse relativ schnell nach dem Ende des Krieges aufgeschrieben hat, einiges sogar schon während der Zeit in Auschwitz. Umso detaillierter, nachvollziehbar und schrecklicher ist der Bericht.

Man wird als Leser hineingezogen in ein Leben, welches den Verstand übersteigt. Die Erlebnisse lassen einen nicht unberührt, aber sie sind so weit weg vom eigenen Leben. Wann habe ich jemals wirklichen Hunger oder echte Mühsal erlebt? Nie. Das sind Situationen, die Levi aber so beschreibt, dass man eventuell ein kleines bisschen versteht…

Levi schreibt aber auch von Menschlichkeit, die es bei einigen Häftlingen immer noch gab, von Freundschaften und Lehrstunden, vom Vergessen, Verdrängen, aber auch vom Überlebenskampf durch Handel, Einfallsreichtum und Talent.

Eine Kollegin hat mir zwei Bücher empfohlen, dieses und Roman eines Schicksallosen. Nun habe ich beide gelesen und kann sagen, diese Bücher verändern einen, da sie einen nicht unberührt zurücklassen….

Bewertung: 5 von 5 Punkten

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Cover des Buches Ist das ein Mensch? (ISBN: 9783423123952)Fabulas avatar

Rezension zu "Ist das ein Mensch?" von Primo Levi

Ist das ein Mensch? Der Bericht eines Überlebenden.
Fabulavor 6 Jahren

Ist das ein Mensch? Der Bericht eines Überlebenden.


Der Autor


Primo Levi, ein italienischer Staatsbürger jüdischer Rasse wurde mit 24 Jahren als fertig diplomierter Chemiker 1944 ins Konzentrationslager Monowitz (Auschwitz III) deportiert. Als einige der wenigen überlebte Levi den Holocaust und verfasste das Buch 'Ist das ein Mensch?' als autobiographischer Bericht. Was wir vor uns haben ist keine fiktive Geschichte, sondern die von Levi selbst durchlebte schreckliche Wahrheit. 

Das Buch


Seine Schreibarbeiten zum Buch begannen bereits in der Zeit des Lagers selbst. Die Veröffentlichung erfolgte 1947, also unmittelbar nach dem Krieg. Dies ist als Ausnahme zu betrachten, denn unmittelbar nach dem Geschehen trat erstmal ein grosses Schweigen ein. Die Menschen wollten die Schrecken vergessen und nicht daran erinnert werden. Er aber wollte berichten: " Das Bedürfnis, den 'anderen' zu erzählen, die 'anderen' teilhaben zu lassen, hatte bei uns vor und nach der Befreiung den Charakter eines so unmittelbaren und heftigen Drangs angenommen, dass es mit den übrigen elementaren Bedürfnissen wetteiferte; das Buch wurde geschrieben, um diesem einen Bedürfnis Genüge zu tun, in erster Linie also zum Zweck der inneren Befreiung." Das Buch repräsentiert ein psychischer Versuch zu bewältigen, was Levi in Auschwitz erlebt hat.

Perspektive & Sprache


Trotz einer sehr analytischen Perspektive, ist der Bericht sehr persönlich geprägt. Da das Werk zum grössten Teil im Präsens geschreiben ist, gibt es die spezielle Wirkung des Textes: Eine Art von Unmittelbarkeit des Miterlebens. Der Leser ist mittendrin. Es gibt keine Schonung aufgrund einer historischen Erzählung. Trotzdem bleibt der Leser durch den analytischen Blick auf Distanz. Levi schildert das KZ, wie ein Experiment von Menschen unter Extrembedingungen. Oftmals sind Formulierungen wie 'man nehme' oder 'nun denke man sich' zu finden. Levi wird als Häftling in Auschwitz zum teilnehmenden Beobachter der Ermordung der europäischen Juden. Wir begleiten ihn als Leser durch diese Zeit persönlichen Leidens.

Ist das ein Mensch?


Zentral für den Bericht ist die Frage nach der Menschlichkeit. Kann der KZ-Häftling überhaupt noch als Mensch angesehen werden? 


„Nun denke man sich einen Menschen, dem man, zusammen mit seinen Lieben, auch sein Heim, seine Gewohnheiten, seine Kleidung und schliesslich alles, buchstäblich alles nimmt, was er besitzt: Er wird leer sein, beschränkt auf Leid und Not und verlustig seiner Würde und seines Urteilvermögens; denn wer alles verloren hat, verliert auch leicht sich selbst; so sehr, dass man leichthin und ohne jede Regung verbindenden Menschentums, bestenfalls aufgrund reiner Zweckmässigkeit, über sein Leben und seinen Tod entscheiden können. So wird man denn die zweifache Bedeutung des Wortes ‚Vernichtungslager’ verstehen und ebenso, was ich mit der Definition ‚in der Tiefe liegen’ zum Ausdruck bringen möchte.“

 
"Die hier beschriebenen Personen sind keine Menschen. Ihr Menschtum ist verschüttet, oder sie selbst haben es unter der erlittenen oder den anderen zugefügten Unbill begraben. Die bösartigen, dummen SS-Leute, die Kapos, die Politischen, die Kriminellen, die grossen und kleinen Prominenten, bis hinunter zu den unterschiedslosen, versklavten Häftlingen, alle Abstufungen dieser ungesunden, von den Deutschen gewollten Hierarchie: sie sind durch ihre einheitliche innere Verödung auf paradoxe Art miteinander vereint. Lorenzo aber war ein Mensch. Seine Menschlichkeit war rein und makellos, er stand ausserhalb dieser Welt der Verneinung. Dank Lorenzo war es mir vergönnt, dass auch ich nicht vergass, selbst noch Mensch zu sein.“ 


Meine Meinung:

Bücher, wie 'Ist das ein Mensch?' sollten eigentlich Pflichtlektüre sein! Sie sind Zeugen einer Geschichte, die sich so nie mehr ereignen darf. Wir alle sind dafür verantwortlich! Obwohl der Bericht keineswegs einfach zu lesen ist, ist es wichtig, dass wir uns unserer Geschichte bewusst sind. Das ist kein fiktiver Roman. Nein, das war die Wahrheit! Mit diesem Hintergrundwissen geht man ganz anders an ein Buch heran. Was man liest ist einfach unvorstellbar schrecklich. Wir leben in einer heilen Welt, niemals können wir das Gelesene richtig nachvollziehen. Trotzdem ist es wichtig, dass wir die Augen nicht davor verschliessen. Die Überlebenden schrieben, um zu verarbeiten, aber auch um uns etwas mitzuteilen. Sie sollten gehört werden!


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