Es ist genug (zu viel?) bekannt, genug analysiert und beschrieben worden, um sich über den Zustand der politischen Landschaft, der gesellschaftlichen Verhältnisse, eingebettet in einer zunehmend fragiler werdenden Um- bzw. Mitwelt, nicht resignierend die Haare zu raufen. Sich stattdessen, ob der scheinbaren Ausweglosigkeit der Lage, mit einer Beobachterrolle zufriedengibt, darauf hoffend, dass es einen persönlich schon nicht so stark treffen wird.
Nicht so die Autorin des Buches, die Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie, Maren Urner. Und damit sich auch keiner ausgeschlossen, nicht angesprochen fühlt, sich gar aus dem Staub machen kann, wird hier der Leser, gleich dutzend die emotionale Schwelle senkend, in Verantwortung genommen. Obwohl man zunächst „Um Himmels willen!“ rufen möchte (wahlweise die Haare raufen), sich fragend, ob dies nun ein Ausdruck eines Gefühls oder doch eher einer Emotion ist. So genau weiß man es wohl (noch)nicht, auch wenn die Erläuterungen der Autorin hierzu, quasi als Einstieg ins Thema, für einen brauchbaren Zugang sorgen.
So sind denn die Beifall-heischenden Passagen (ein wenig Eitelkeit darf schon sein), das Herausstellen von Reisen zu Vorträgen, geschriebenen Kolumnen, besuchten Tagungen und Kolloquien, und die vielen „Blobs“ („Im Grunde sind wir nichts anderes als emotionale Blobs auf zwei Beinen!“) und „Plopps“ eher das Grundrauschen zu den fachlichen Ausführungen, denen man, gerade wegen des persönlichen Anstrichs, gut folgen kann. Gleich zu Beginn wird der Leser damit konfrontiert, dass „fast jede Informationsweitergabe, die wir als Menschen tätigen, politisch ist.“ Und weil jedes Gehirn ein wenig anders „tickt“, aufgrund von Erfahrungen eine je eigene Welt aufbaut, so ist es fast zwangsläufig, dass wir uns missverstehen. Wie heißt noch gleich die Grundregel der Kommunikation: Wie eine Botschaft ankommt, entscheidet nicht der Sender, sondern der Empfänger.
Aber immerhin sind wir lernende Wesen, die zwar abhängig von der Biologie des Lebens durch die Welt gehen, dabei den Evolutionsprinzipien gehorchend, die da lauten, zu überleben „und wenn das einigermaßen glückt“ sich auch fortzupflanzen, sodass wir den Fallstricken des Lebens, fühlend wie rational (kein Gegensatz, sondern notwendige Bedingung) entgegentreten könn(t)en. Dass es nicht leicht ist, wird durch die Wortwahl der Kapitelüberschriften deutlich. Hier geht es um „radikale Aufmerksamkeit“ (Was fühle ich? Worauf achte ich? Wie bin ich?), radikale Ehrlichkeit, sowie radikale Verbundenheit mit den Dichotomien: Gefühl vs. Verstand [sic!], privat vs. Politisch und die ultimative Dichotomie: Der Mensch als emotional-soziales Wesen, „das vom ersten bis zum letzten Atemzug damit beschäftigt ist, sich irgendwo zwischen Individualität und Dazugehörigkeit auszubalancieren […] mit dem übergeordneten Ziel, Sicherheit zu finden, um zu überleben und sich gegebenenfalls fortzupflanzen.“
Es geht um emotionale Reife (als lebenslanger Prozess = üben, üben, üben), eine ehrliche Kommunikation, gute soziale Beziehungen, Politik als vertrauensbildende Maßnahme, Unsicherheit als Maximalstress fürs Gehirn, Selbstwirksamkeit, um nur einige Punkte zu nennen. Das Buch ist als Einladung gedacht – eine Einladung, die man allerdings gerne annimmt.








