Puk Damsgard Geisel des IS

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Inhaltsangabe zu „Geisel des IS“ von Puk Damsgard

Über ein Jahr lang wurde der Fotograf Daniel Rye von der Terrororganisation Islamischer Staat in Syrien gefangen gehalten, bevor seine spektakuläre Befreiung gelang. Geisel des IS erzählt seine dramatische Geschichte und beschreibt eindringlich und fesselnd das Martyrium, das er erleiden musste. Dabei folgt die Erzählung auch Daniels Familie, die mehr als 2 Millionen Euro Lösegeld für Daniels Befreiung auftrieb, und deren nervenaufreibenden Verhandlungen mit seinen Entführern. Ihr Weg durch eine Reihe schier unüberwindbarer Hindernisse und schwieriger Entscheidungen bietet einen seltenen Einblick in die geheime Welt der Ermittlung, um Daniel, aber auch den ebenfalls mit ihm gefangen gehaltenen amerikanischen Journalisten James Foley ausfindig zu machen und zu befreien.

Das Buch basiert auf Daniels persönlichen Schilderungen und auf Interviews mit ehemaligen Mitgefangenen, Dschihadisten und Personen, die im Hintergrund gearbeitet haben, um Daniels Freilassung zu ermöglichen. Ein Buch, das zum ersten Mal die Qualen der Gefangenschaft beim IS hautnah beschreibt.
Eine durch und durch bewegende Geschichte über Freundschaft, Folter und das Überleben.

Erschüttender Erlebnisbericht

— Peridot98

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    Geisel des IS

    Peridot98

    17. April 2017 um 10:49

    2013 wurde Daniel Rye Ottosen in Syrien entführt und über ein Jahr von Islamisten als Geisel gefangengehalten. Zu jener Zeit war der IS noch nicht als der Islamische Staat bekannt, deren Gräueltaten hingegen schon. Ottosen, der nach Syrien kam, um Fotos vom Leiden der syrischen Bevölkerung zu machen, ahnte also nicht, dass er in der Hand der grausamsten Terror-Gruppe war, sondern dachte zunächst an eine Rebellen-Gruppe. Die erste Zeit war er Folter, Demütigungen, Schlägen, Hunger, Durst, Todesangst und Qualen ausgesetzt, seinen Peinigern hilflos ausgeliefert, die von ihm unbedingt hören wollten, er sei ein Agent des CIA. Die Entführer hatten mit Ottosen, einem dänischen Bürger, ihre wahre „Freude“, denn die Dänen hatten die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und ließen das an ihrem Opfer aus. Über Tage hinweg gefesselt, oder angekettet, orientierungslos und mit verbundenen Augen, der Ohnmacht und der Verzweiflung nahe, unternimmt er, als er über Nacht mit einer Kette an seinen Handschellen unter der Decke aufgehängt wird, einen Selbstmordversuch, doch der scheitert. Aber wie durch ein Wunder gelingt ihm eines Tages die Flucht. Aber in einem kriegsgebeutelten Land, in dem der IS regiert und über Leben und Tod bestimmt, gibt es keine Helden und daher wird Ottosen verraten und an seine Peiniger wieder ausgeliefert. Die nächsten Tage steht ihm Schlimmes bevor. Während dieser Zeit unternimmt seine Familie alles, den Sohn und Bruder zu befreien. Da die dänische Regierung prinzipiell kein Lösegeld an Terrorgruppen zahlt, muss die Familie die Summe von zwei Millionen Euro irgendwie selbst auftreiben, nimmt Schulden auf, geht auf Firmen zu, um um Hilfe zu bitten, sammelt. Sie beauftragen einen erfahrenen Sicherheitsberater - im Buch einfach nur Arthur genannt - als Unterhändler, der bereits mehrfach Geiseln freikaufen konnte und neben Ottosen bereits einen Auftrag in Syrien hat: Die Suche nach dem amerikanischen, tragisch bekannten Journalisten James Foley. Dem Unterhändler Arthur gelingt es, Kontakt mit Ottosens Entführern aufzunehmen und ahnt dabei nicht, dass sein neuer Fall ihn direkt zu Foley führt. Ottosen selbst teilt während der 13 monatigen Geiselhaft, an  wechselnden Orten, seine Zelle unter anderem mit besagten James Foley, aber auch mit Steven Sotloff, David Haines, Alan Henning und Peter Kassig, alles spätere Opfer des berüchtigten Jihadi John. Der Brite Jihadi John, später als M. Emwazi identifiziert, wird für mehrere Monate auch Ottosens Kerkermeister. Ihm stehen als Folterer noch zwei andere Briten zur Seite, die sich dem IS angeschlossen hatten und die Geiseln diesem Trio den Namen The Beatles gaben. Aber auch weitere ausländische Geiseln sind zuweilen Ottosens Leidensgenossen, gar Freundschaften entstehen unter ihnen. Die meisten ausländischen Geiseln wurden – wie Ottosen – von ihrem Heimatland, oder ihren Familien nach Monaten der Gefangenschaft freigekauft. Die Amerikaner und Briten jedoch nicht – was mit ihnen geschah, ist bekannt. Das Buch ist sehr spannend geschrieben, fast wie ein Roman und man kommt nicht umhin, immer weiterzulesen, obgleich einige Gräueltaten darin vorkommen. Die abwechselnden Kapitel, was Ottosen in Geiselhaft erlebt, sich irgendwann in sein Los fügt, was seine Familie alles unternimmt, um ihn freizubekommen und das Auf und Ab beim Verhandeln Arthurs mit den Geiselnehmern ist sehr gut miteinander verwoben und lässt sich wirklich sehr gut lesen. Dennoch ein Stern Abzug. An manchen Stellen kommt das Buch ohne Klischees – ich denke da an die Agenten aus Deutschland – nicht aus. Ob es an der Übersetzung aus dem Dänischen liegt, weiß ich nicht. Dennoch ein erschüttender, aber lesenswerter Erlebnisbericht und daher klare Leseempfehlung!

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  • "Syrien war kein Ort, an dem man Risiken einging oder sich auf sein Glück verließ"

    Geisel des IS

    R_Manthey

    09. April 2017 um 17:02

    Wohl für die meisten Leser lassen sich die Ereignisse, die in diesem Buch geschildert werden, nicht wirklich nachvollziehen. Man kann sich die Grausamkeiten, die westliche Geiseln des IS hinnehmen müssen, zwar im Geiste ausmalen, dennoch aber fehlen uns glücklicherweise eigene Erfahrungen, die uns eine wirkliche Vorstellung ermöglichen würden. Genau das wird auch der Grund für die unfassbare Naivität gewesen sein, die den Dänen Daniel Rye erst in seine missliche Lage gebracht hat. Ohne auch nur die geringste halbwegs realistische Vorstellung von der tatsächlichen Lage in Syrien zu haben, machte er sich über die Türkei auf den Weg in dieses geschundene Land, in dem sich damals in unübersichtlicher Weise viele Kriegsparteien gegenüberstanden. Der IS war und ist nur eine von ihnen. Zwischen dem IS und anderen Gruppen, die man im westlichen Sprachgebrauch auch gerne "Rebellen" nennt, existieren fließende Übergänge, was übrigens auch in diesem Buch beiläufig belegt wird. Wozu also machte sich  Daniel Rye auf in dieses Chaos? Er wollte Bilder mitbringen, die das dortige Elend dokumentieren. Also lief er mit seiner Kamera durch ein syrisches Dorf. Auf die Idee, dass man das auch anders interpretieren kann, kam er in seiner Naivität nicht. Folglich dauerte es nicht sehr lange, bis er sich in der Hand des IS befand. Das Buch schildert das folgende 13-monatige Martyrium. Man kann durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob das Erscheinen dieses Textes eine gute Idee ist. Natürlich enthält er auf der einen Seite neben der Schilderung des Leidensweges von Rye auch einige interessante Informationen. Andererseits hilft er den noch in der Hand des IS befindlichen Bürgern des Westens sicher nicht. Auch die verschiedenen Regierungen, die die einzelnen Fälle ganz unterschiedlich bewerten und handhaben, werden nicht begeistert sein. Während die französische Regierung ihre Bürger freikauft, weigern sich andere Staaten, unter anderem auch Dänemark, dies zu tun. Rye kam nur durch private Spenden und eine dubiose Vermittlungstätigkeit frei. Ob das alles tatsächlich im Detail so stimmt, wie es im Buch beschrieben wird, kann man nicht ermitteln. Weder Rye, noch andere involvierte Personen kommen direkt zu Wort. "Das Buch basiert auf Daniels persönlichen Schilderungen und auf Interviews mit ehemaligen Mitgefangenen, Dschihadisten und Personen, die im Hintergrund gearbeitet haben", steht auf der Rückseite des Covers. Zu den interessanten Informationen kann man beispielsweise zählen, dass der IS in Aleppo, wo nach westlicher Lesart die Guten dem Regime Widerstand leisteten, das Gefängnis, in dem Rye festgehalten wurde. Es befand sich unter einem Kinderkrankenhaus. Zu den IS-Leuten dort gehörten auch zahlreiche aus dem Westen eingereiste "Dschihadisten". Deren tatsächliche ursprüngliche Herkunft wird im Text meistens nicht erwähnt. Erst im Nachwort findet man beispielsweise zu einem der schlimmsten Verbrecher, der vorher immer als Brite bezeichnet wurde, die Auskunft: "Jihadi-John, ein in Kuweit geborener Brite aus London, der später als Mohammed Emwazi identifiziert wurde, ...". Leider folgt die Autorin auch sonst den offiziellen Sprachregelungen. Beispielsweise führt sie die brutalen Foltermethoden des IS darauf zurück, dass diese Leute vorher vom "Regime" auch gefoltert wurden. Darüber hinaus scheint sie außerstande, ein realistisches Bild von der komplizierten Lage in Syrien des Jahres 2013 zu zeichnen. Was das Buch jedoch interessant macht, sind die Schilderungen der Abläufe und der psychischen Veränderungen, die eine solche brutale Gefangenschaft in unterschiedlicher Weise in den Einzelnen hinterlässt. Wenn man es nicht schon vorher wusste, dann bekommt man beim Lesen einen  gewissen Eindruck von der Denk- und Handlungsweise von Leuten, die dort für den IS tätig waren. 

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