Pyun Hye-young

 3.7 Sterne bei 10 Bewertungen
Autorin von Der Riss.

Lebenslauf von Pyun Hye-young

Seouls literarischer Shootingstar: Die südkoreanische Schriftstellerin Pyun Hye-Young ist 1972 in Seoul geboren worden. Sie studierte Kreatives Schreiben und koreanische Sprache und Literatur und machte insgesamt drei universitäre Abschlüsse. Danach arbeitete sie einige Zeit im Büro, bevor sie im Jahr 2000 ihre erste Kurzgeschichte, „Tau abklopfen“, veröffentlichte, und damit beim Frühjahrsliteraturwettbewerb der Zeitung Seoul Shinmun gewann.

Hye-Youngs Werk erregt weltweit das Aufsehen von Kritikern und wird durch seinen subversiven und grotesken Stil häufig mit dem Murakamis oder Kafkas verglichen. Es wurde zudem mit mehreren renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Yi-sang Preis 2014.

In ihren Geschichten erscheinen immer wieder Bilder aus dem Leben der Autorin, beispielsweise spielen Büroarbeiter häufig eine Rolle. Mehrere ihrer Bücher wurden unter anderem ins Englische und Französische übersetzt. Die erste deutsche Übersetzung, „Der Riss“, erschien 2019.

Die Autorin lebt weiterhin in ihrer Heimatstadt, der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Alle Bücher von Pyun Hye-young

Cover des Buches Der Riss (ISBN:9783442757718)

Der Riss

 (10)
Erschienen am 22.04.2019

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Rezension zu "Der Riss" von Pyun Hye-young

Düsterer Nervenkitzel
KaraBetavor einem Monat

Ogi erwacht nach einem Autounfall, bei dem seine Frau starb, vollständig gelähmt und unfähig zu sprechen aus dem Koma. Nach dem Krankenhausaufenthalt organisiert seine Schwiegermutter, die ihm als einzige an Familie geblieben ist, seine Pflege zu Hause. Ihr Verhältnis ändert sich allmählich, Ogi erkennt, dass er ihr ohnmächtig ausgeliefert ist und sie undurchsichtige Pläne verfolgt.

Die Geschichte entwickelt sich langsam, baut stetig eine immer bedrückendere Atmosphäre nicht greifbarer Bedrohung auf. Stück für Stück wird Ogis Leben und die Beziehung zu seiner Frau enthüllt und aus dem anfänglichen Horror der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins wird eine Rachegeschichte.

"Technisch" hätte das Buch locker einen Stern mehr verdient, der Aufbau ist raffiniert, vielschichtig und spannend, die Sprache ist angenehm und flüssig.
Leider fand ich die Lektüre trotz aller genannten Stärken, warum auch immer, zäh.

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Rezension zu "Der Riss" von Pyun Hye-young

Der Riss
-sabine-vor 2 Monaten

Ein Buch von einer koreanischen Autorin und ein Plot, der mich sehr neugierig gemacht hat, und tatsächlich ist die Geschichte atmosphärisch sehr dicht und fesselnd – nur das Ende konnte mich leider nicht überzeugen.

Nach einem schweren Autounfall erwacht Ogi aus dem Koma. Er ist schwer entstellt und kann nur noch mit einem Auge blinzeln. Seine Frau ist tot, einziger Angehöriger ist die Schwiegermutter, die sich im Weiteren um ihn kümmert. Seinen Mitmenschen völlig ausgeliefert wird sein Zuhause zu einem Gefängnis – und wäre das nicht schlimm genug, verändert sich auch seine anfangs liebevolle Schwiegermutter.

Der Plot ist grauenhaft und genau dieses Gefühl des psychologischen Horrors transportiert die Autorin auch mit ihrem zwar klaren und eigentlich auch einfachen Schreibstil, der dennoch aber die Stimmung und Gefühlswelt Ogis wunderbar einzufangen weiß. Die ganze Szenerie ist sehr skurril und spitzt sich im Laufe der Geschichte auch immer weiter zu. Dabei liegt der Fokus auf den Charakteren – und da nur wenige vorkommen, bekommt man hier ein sehr differenziertes Bild von ihnen. Mit Ogis Gedanken taucht man ab in die Zeit vor dem Unfall, erfährt von ihm und der Beziehung zu seiner Frau und lernt da auch schon die Schwiegereltern kennen. Die Zeit, die Ogi abhängig und ausgeliefert im Bett verbringt, macht ihn zu einem anderen Menschen, aber auch die Schwiegermutter verändert sich, und das letzte Drittel des Buches gleicht schon fast einem Psychothriller, da die beiden sich ein interessantes Duell liefern.

Das Ende hat mir dann leider nicht gefallen, vielleicht weil es zu offen ist, vielleicht aber auch weil es einen anderen Schwerpunkt verfolgt als von mir gedacht. Wer das Buch kennt, weiß, was ich meine – nur so viel: richtig zu Ende erzählt wird die Geschichte leider nicht.

Trotzdem hat mich das Buch gefesselt und auch gut unterhalten – noch einige Tage nach Beenden hat es in mir nachgehallt. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen und empfehle es an solche Leser, die sich für eine dichte Atmosphäre gepaart mit einem psychologisch ausgefeilten Plot begeistern können.

Mein Fazit
Der Plot ist sehr interessant – und auch wenn nur wenige Figuren in dem dünnen Büchlein vorkommen, schafft die Autorin eine unglaubliche Atmosphäre und kann den Leser so fesseln. Der Schreibstil ist zwar klar und einfach, dafür aber auf den Punkt – so werden Gefühle und Gedanken des Protagonisten wunderbar transportiert. Nur das Ende hat mich enttäuscht, dennoch aber wurde ich gut unterhalten und gebe 3,5 von 5 Sternen.

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Rezension zu "Der Riss" von Pyun Hye-young

Eine akribische Studie des Verfalls, so unwiderruflich, dass es weh tut
ninchenpinchenvor 3 Monaten

Eine hypnotische, entwurzelnde Talfahrt ins Grauen

Der Riss von Hye-Young Pyun – Erstellungsdatum 01.06.2019

Ich war schon im Vorfeld sehr gespannt auf diesen Bestseller aus Südkorea, hab ich mir doch vorgenommen, nicht mehr so viel amerikanische Literatur zu lesen. (Obwohl es auch da schon wieder eine Ausnahme gibt.)

Die Asiaten faszinieren mich immer wieder mit den so anderen, geschärften Sichtweisen aufs Leben und auf die Dinge des Lebens. Beispiele: Haruki Murakami (Japan), Han Kang (Korea), Marie Kondo (Japan), Miyabe Miyuki (Japan) und Amy Tan (China).

Ogi, der erfolgreiche, verheiratete, kinderlose Akademiker baut einen Unfall mit dem Auto. Seine Frau ist auf der Stelle tot. Ogi überlebt schwer verletzt, sprachunfähig und gelähmt. Da es keine weiteren Angehörigen gibt, kümmert sich die Schwiegermutter um ihn. Was man so kümmern nennt. Sie hat ja ihre einzige Tochter bei dem Unfall verloren. Vier seiner Freunde besuchen Ogi anfangs und auch später noch einmal, aber da er nicht sprechen kann, hören diese Besuche dann auf, es ist zu mühselig und deprimierend für die Freunde – ein echtes Minusprogramm. Eine anfänglich von der Schwiegermutter engagierte Pflegerin, auch diese hantiert sehr gewöhnungsbedürftig, wird von ihr hinausgeworfen und nicht ersetzt. So bleibt nur noch der Physiotherapeut, der sich aber in erster Linie nur selbst gern reden hört.

Ogi liegt im Bett, kann nicht normal essen, nicht sprechen, ist ausschließlich auf äußere Hilfe angewiesen und denkt über sein Leben nach. Der Garten an Ogis Haus spielt auch eine große Rolle in diesem Roman, aber ich will nicht zu viel verraten.

Seite 114: „Wie würde es dir denn gefallen, wenn ich dir mit diesem Ding befehlen würde, aufzustehen, hm?“ [Der Sohn der Pflegerin ist zu Besuch und tyrannisiert Ogi …] „Würde dir das gefallen?“ Er nahm Ogi die Trillerpfeife weg und blies hinein. Dann näherte er sich Ogis Ohr und pfiff erneut. Ununterbrochen. Hätte seine Mutter [die Pflegerin] nicht doch endlich etwas unternommen und ihren Sohn aus dem Zimmer gezerrt, wäre Ogis Gehör auch noch zerstört worden.

Fazit: Der Roman hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen und auch wenn er sehr verstörend ist, hab ich ihn gern und in einem Zug gelesen. Dankbarkeit bleibt haften. Denn mir geht es ja so gut.

Der Riss ist brillant geschrieben, man sieht alles so plastisch vor sich, dass es weh tut. Der Verfall von Menschen und Pflanzen wird akribisch vollzogen, auch Ogis Aufbegehren gegen das Schicksal. Das Ausgeliefertsein. Sehr empfehlenswert. Nicht zuletzt passt das perfekt gestaltete Cover hervorragend zum Inhalt. Hoch verdiente fünf Sterne dafür.

  

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