Quentin Mouron

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Lebenslauf

Quentin Mouron, Schriftsteller mit schweizerisch-kanadischen Wurzeln, wurde 1989 in Lausanne geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Quebec. Mehr zum Autor auf: http://www.quentinmouron.com/

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Quentin Mouron

Cover des Buches #tod_in_venedig (ISBN: 9783037621158)

#tod_in_venedig

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Erschienen am 02.09.2025
Cover des Buches Vesoul, 7. Januar 2015 (ISBN: 9783037620861)

Vesoul, 7. Januar 2015

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Erschienen am 20.03.2020

Neue Rezensionen zu Quentin Mouron

Cover des Buches #tod_in_venedig (ISBN: 9783037621158)
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Rezension zu "#tod_in_venedig" von Quentin Mouron

Sandrica89
Wenn die Oberflächlichkeit Risse bekommt

Dieses Buch habe ich vom Bilger Verlag an der Fantastica St. Gallen geschenkt bekommen und vermutlich hätte ich sonst nicht spontan dazu gegriffen. Ein Schweizer Autor, ein moderner Stoff, Influencer als Hauptfiguren: neugierig ja, aber auch skeptisch. Es war mein erstes Buch von Quentin Mouron. Rückblickend bin ich froh, dass ich mich darauf eingelassen habe, denn dieses Buch arbeitet nicht laut, sondern unter der Haut.

Ein in die Jahre gekommenes Palace Hotel am Lido, die flirrende Hitze Venedigs, die Lagune als trügerisch schönes Spiegelbild. Im Zentrum steht Sixtine, eine Influencerin, deren Erfolg längst über das Gesunde hinausgewachsen ist. Exzess bestimmt den Alltag: Alkohol, Drogen, Beziehungen ohne Halt. Alles wirkt wie ein endloser Sommer aus Bildern, Inszenierungen und Selbsttäuschung, bis etwas kippt. Kein klassischer Knall, sondern ein schleichender Sturz. Mouron entwirft ein düsteres Porträt einer Welt, in der Schein und Sein ununterscheidbar werden und hinter der glatten Oberfläche ein echtes Drama lauert.

Der Schreibstil ist ohne Frage gewöhnungsbedürftig. Mouron schreibt mit endlos langen Sätzen, kaum Punkte, fast nur Kommas. Anfangs wirkt das sperrig, fast irritierend. Doch mit der Zeit wird klar, warum er das tut. Dieser Stil bildet Gedankenströme ab: Gefühle, Erinnerungen, Beobachtungen, die ineinanderfliessen, ohne Ordnung, ohne Pause. Man liest nicht nur, man wird hineingezogen. Der Text zwingt dazu, langsam zu lesen, aufmerksam zu sein, mitzudenken. Das ist anstrengend, aber auch intensiv.
Die Figuren bleiben bewusst auf Distanz. Ich hatte keine emotionale Nähe zu ihnen, keine klassische Identifikation. Doch genau das ist Teil der Wirkung. Diese jungen Influencer wirken verloren, leer, isoliert. Sie flüchten sich in Beziehungen, in Exzesse, in Gewalt oder Selbstzerstörung. Die Distanz erlaubt es, sie zu beobachten statt sie zu entschuldigen. Ihre Oberflächlichkeit wird greifbar, ihre innere Leere spürbar.
Obwohl „viel passiert“, geschieht es leise. Die Dramatik ist sanft, beinahe schleichend. Wir erleben Gespräche, Gesten, Verletzungen, kleine Verschiebungen und genau daraus entsteht Spannung. Als Leser:in wird man aktiv: man interpretiert, analysiert, vermutet. Diese Sogwirkung funktioniert auch ohne grosse Plot-Twists.
Besonders stark fand ich die gesellschaftliche Ebene. Die Figuren werden zu Spiegeln: Wer verliert sich selbst? Wer spielt Rollen? Wer traut sich, echt zu sein? Fragen nach Identität, Moral, Nähe und Selbstverlust ziehen sich durch das ganze Buch. Unausgesprochen, aber drängend präsent.

#tod_in_venedig ist kein Buch für nebenbei. Es verlangt Aufmerksamkeit, Offenheit und die Bereitschaft, Distanz auszuhalten. Wer klare Antworten, starke Identifikationsfiguren oder klassische Spannung sucht, wird hier vermutlich nicht glücklich. Wer sich jedoch auf Sprache, Atmosphäre und Zwischentöne einlässt, bekommt ein kluges, unbequemes und sehr zeitgenössisches Buch. Ein Roman, der beobachtet statt zu urteilen und genau dadurch lange nachhallt.

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