Rezension zu "Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, Geb, Bd.5, Javin" von Serge Le Tendre
regentropfen73Der Vierteiler „Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit“ von Serge Le Tendre und Régis Loisel aus den 80er-Jahren ist ein Klassiker der Comic-Literatur. Vermutlich nicht nur für mich war die High-Fantasy-Reihe mit ihren exotischen Schauplätzen, Kreaturen und zeichnerisch wie metaphorisch ausgefransten Held*innen oder Anti-Held*innen der Einstieg in die französische Comickunst.
Früher war es ja noch so, dass man mit einer Handvoll Bücher oder Filme, die originell ein Thema und einen Stil auf den Punkt brachten, ein unsterbliches Denkmal setzen und ein Fandom begründen konnte. Heute leben wir in einer der Zeit der Endlos-Franchises, die dieselbe Idee immer wieder neu variieren und in neuen Episoden auf den Markt bringen.
Das haben Le Tendre und Loisel (hier mit dem leider kürzlich verstorbenen Zeichner Lidwine) schon Ende der 90er erkannt und eine Prequel-Reihe zum Vogel der Zeit gestartet, die bis heute erscheint. Ich hatte schon vor ein paar Jahren mal Band 10 gelesen, aber das war ziemlich aus dem Kontext gegriffen. Zeit, die Prequel-Reihe endlich mal von Anfang an zu beginnen: mit Band 5, „Javin“.
Zu Beginn ist Bragon, der spätere Ritter, noch ein Bauersjunge, den es aber nach Abenteuern dürstet. Inspiriert von dem vorbeiziehenden Kämpfer Javin verlässt er mit diesem das Elternhaus und geht hinaus in die Welt.
Das klingt jetzt wie ein klischeebeladenes Märchen. Bei Loisel und Le Tendre läuft sowas aber nie ganz glatt. Erst verweigert sich Bragon dem Abenteuer, dann rennt er aber Javin hinterher und gemeinsam stolpern sie eher tolpatschig durch die Fantasywelt. Die erste Hälfte, in der sie in die Gefangenschaft einer bunten Koboldhorde geraten, erinnert tatsächlich auch mehr an „Troll von Troy“ als an High Fantasy.
Spannender wird es dann in der zweiten Häfte des 64-Seiten-Comics. Die beiden Helden retten eher zufällig das Leben der Prinzessin Mara – der späteren Zauberin – und werden von dieser auf eine Queste geschickt, ein Ungeheur zu erschlagen.
Das klingt auch schon wieder wie Siegfried und der Drache, ist aber überhaupt nicht heroisch. Bragon und Javin sind eher hormongesteuert als aufrechte Recken und verfolgen eigentlich auch weder Plan noch Strategie. Und dann ist da noch Maras Cousin, der schon mal gegen einen Borak (so heißt das Tier mit der brennenden Zunge) gekämpf hat und dabei – Spoiler!
Bei sexuellen Themen und Gewalt nimmt die Reiher seit jeher kein Blatt vor den Mund und so endet alles in einem Blutrausch Brogars, der gefallene Freunde rächt. In der letzten Szene ist er daran gereift und Mara, deren Herz er tatsächlich gewonnen hat, vermag ihn eher schlecht als recht zu trösten.
Für diese letzte Seite liebe ich den Band. Davor war er über weite Strecken bodenständiger und weniger verträumt als die Bände 1–4. Lidwines Kunst schließt nahtlos an den eigentlich einzigartigen Stil der Vorgänger an. Ich kann ihn gar nicht richtig beschreiben, da sagt ein Blick mehr als tausend Worte.
Aber letztlich sind auch die gezeichneten Szenen bodenständiger und weniger opulent als im Original. Ich mag es, aber es haut mich nicht sofort um – daher vier Sterne für „Javin“.























