Ich fand das Buch super. Ich würde das Buch Leuten empfehlen, die gerne Bücher von hinter den Kulissen lesen. Es geht um die Sendung Happy day (SRF). Wenn man die Sendung nicht kennt, könnte es vielleicht nicht so spannend sein. Es kommen auch Geschichten vor, wie sie es angegangen sind und wie es dann am Ende war.
Röbi Koller
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Röbi Koller
Umwege
Backstage
Dr. Nils Jent
Neue Rezensionen zu Röbi Koller
Röbi Koller, Journalist, Autor, TV- und Radiomoderator, hat in der Deutschschweiz einen hohen Bekanntheitsgrad, moderiert er doch u.a. seit achtzehn Jahren die beliebte Samstagsabendshow „Happy Day“. Da er diese Moderation nun an einen Kollegen abgibt, will er in Erinnerungen schwelgen und die Leser:innen auch hinter die Kulissen der TV-Show blicken lassen.
Erster Eindruck: Das Cover zeigt den sympathischen Autor – gefällt mir.
Röbi Koller ist mir – und vielen anderen Fernsehzuschauer:innen – sehr sympathisch (auf Berndeutsch würde man sagen „är isch e Gmögige“). Ich mag auch seine Bücher; bisher habe ich „Umwege – Von Höhenflügen, Abstechern und Sackgassen“ sowie „Dr. Nils Jent – Ein Leben am Limit“ gelesen.
Um was geht es in der Show „Happy Day”? In dieser Show, die fünfmal jährlich live gesendet wird, werden Herzenswünsche erfüllt: Da gibt es u.a. Familienzusammenführungen, für die das Team (es ist ja keine Röbi-Koller-One-Man-Show) nicht selten ans andere Ende der Welt reist; aussergewöhnliche Wünsche wie z.B. mit einem LKW nach Hamburg fahren; einen speziellen Schachtdeckel (zufälligerweise ebenfalls aus Hamburg) zu erhalten; den Schweizer Eiskunstläufer Stéphane Lambiel treffen. Also Dinge, die nicht mal eben im nächsten Supermarkt eingekauft werden können. Die Show zeigt wahre Geschichten, kommt auf 40 Prozent Marktanteil und wird von 500‘000 bis 750‘000 Menschen gesehen – das muss man zuerst mal erreichen, oder? Dazu gibt es Showacts und – eines meiner Highlights – die Umbaurubrik, wo das Team über zwei Wochen ein Zuhause herrichtet für eine Familie, die aus persönlichen Gründen nicht in der Lage war, dies selbst zu stemmen. In dieser Show darf man keine Angst vor Emotionen haben.
Den Blick hinter die Kulissen fand ich sehr interessant, sei es von den Anfängen von „Happy Day“ oder auch von nicht realisierten Überraschungen (da die „Zielperson“ vehement abgewehrt hat, ins Fernsehen zu kommen). Da hat auch die vorgängige minutiöse Planung nichts geholfen! Vielen Dank für diese Einblicke; von mir gibt es 5 Sterne.
Nils Jent, geb. 1962, hatte mit achtzehn Jahren einen schweren Motorradunfall. Er überlebte diesen zwar, konnte sich aber weder bewegen noch mitteilen, zudem war er blind geworden. Er kämpft sich ins Leben zurück und leistet Ausserordentliches: Er holt seine Matura nach, macht ein Hochschulstudium und doktoriert. Dr. Nils Jent forscht und lehrt Diversity an der Universität St. Gallen.
Erster Eindruck: Ein von den Farben eher düsteres Cover mit dem lächelnden Nils Jent im Rollstuhl.
Röbi Koller, Journalist, Autor, TV- und Radiomoderator, hat die unglaubliche Geschichte über Dr. Nils Jent aufgeschrieben. Er beleuchtet die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln, ein erster ist der der Mutter Hélène Jent. Sie hat Tagebucheinträge verfasst und dabei die Fortschritte, aber auch die Rückschläge festgehalten. Der zweite Blickwinkel ist Dr. Nils Jent selbst und der dritte Röbi Koller.
Die mehrstündige Operation nach dem Unfall verläuft zufriedenstellend, bis dann plötzlich das Herz stillsteht. Das Herz muss zwei Mal wieder in Gang gebracht werden, sogar mit einer manuellen Herzmassage! Dr. Hans Kyburz, der leitende Unfallchirurg, weist darauf hin, dass die medizinischen Möglichkeiten zu jener Zeit anders waren, als heute. Was wird nun aus ihm? Wie sind die gesundheitlichen Prognosen? Wird er einmal selbstständig leben können? Aufgrund seiner Probleme mit der Sprache wird er manchmal als geistig behindert angesehen. Das ist wirklich traurig.
Wenn jemand blind ist, muss er u.a. lernen, mit dem Langstock umzugehen oder die Braille-Schrift zu lesen. So stand das auch für Nils Jent auf dem Programm. Es funktioniert jedoch nicht für ihn, da er multiple Einschränkungen hat: es fehlt ihm z.B. die Kraft, den Langstock zu führen, er hat sensorische Probleme, die Braille-Schrift zu lesen. Und nun?
Nils Jent möchte die Matura nachholen, doch will ihn zuerst kein Gymnasium aufnehmen. Wie soll er den ganzen Stoff lernen, ohne dass er sich etwas notieren kann? Zu jener Zeit gab es noch nicht die technischen Möglichkeiten von heute. Seine Mutter nimmt ihm sämtliche Lernmaterialien auf Tonbandkassetten auf – am Ende der Schulzeit sind es tatsächlich über 2‘300 Kassetten! Die Eltern („Wir haben Nils nie klagen gehört.“) dürfen hier nicht vergessen werden: Sie leisten über Jahre einen unwahrscheinlich grossen Support.
Ich stelle es mir sehr schwierig vor, eine solche Geschichte auf nur 208 Seiten unterzubringen, ohne dem Leser das Gefühl zu geben, durch die Ereignisse zu rasen. Herrn Koller ist dies jedoch sehr gut gelungen. „Das Denken ist seine Königsdisziplin. Analyse, Scharfsinn, Präzision, Tempo: Darin ist er Meister.“ Dr. Nils Jent beeindruckt mich sehr. Wie oft läuft es mal nicht so gut in meinem Alltag, ich suhle mich in Selbstmitleid und würde mich am liebsten verkriechen. Eigentlich eine Unverschämtheit meinerseits, wenn ich doch sehe, wie Menschen, die wirklich Schlimmes durchmachen mussten, nicht aufgeben! Es ist mir schwergefallen, die richtigen Worte für diese Rezension zu finden, denn ich wollte unbedingt meinen Respekt ausdrücken vor so viel Mut, Kraft, Ausdauer und Optimismus! Wie man in der Schweiz sagt: „Chapeau“ – Hut ab!
Gespräche aus der Community
Mit »Umwege« legt Röbi Koller in verblüffender Offenheit seine ganz persönliche Geschichte vor. Er beschreibt seinen beruflichen Werdegang, erzählt von seinen orientalischen Wurzeln, die in der Türkei liegen, von seinen Höhenflügen, Abstechern und Sackgassen. Er erzählt aber auch von seiner Bewunderung für seine Mutter, die an Kinderlähmung erkrankte, als sie zehn Jahre alt war, sich jedoch nie von den Spätfolgen unterkriegen liess. In seinem Buch schreibt er: »Der Optimismus war meiner Mutter ein Leben lang ein treuer Begleiter. Wie sonst hätte sie sich zurück ins Leben kämpfen können?« Röbi Koller, der in seinem eigenen Leben viel unterwegs ist, nimmt uns zudem mit auf einige seiner Reisen: nach Deutschland, Italien, Griechenland und in die USA, in gefährliche Krisenregionen Afrikas und Südamerikas oder auf Expeditionsschiffe in die Arktis. Ergänzt werden seine Geschichten durch Anekdoten von witzigen Begegnungen mit Taxifahrern auf der ganzen Welt. »Umwege« ist ein ehrlicher Rückblick auf das Leben eines Menschen, der trotz seinen Erfolgen bodenständig geblieben ist. In seinem Buch macht Röbi Koller klar, wie wertvoll Rückschl.ge und Umwege sein können. Sie kosten uns zwar Zeit und Energie, aber erst durch sie gelangen wir an Orte, die wir auf direktem Weg nie entdeckt hätten.
Röbi Koller, geboren 1957 in Luzern, ist in Lausanne, Genf, Neuenburg und Zug aufgewachsen, bevor er in Zürich sesshaft wurde. 1981 begann er beim Piratensender Radio 24 als Moderator zu arbeiten und wechselte sieben Jahre später zu Radio DRS 3 und gleichzeitig zum Schweizer Fernsehen. In mehr als 35 Berufsjahren moderierte er unter anderem die Radiotalkshow »Persönlich« und Fernsehsendungen wie »Quer«, »SF Spezial« oder den »Club«. Seit 2007 moderiert er »Happy Day« und gehört seit Ende 2016 zum Moderationsteam des Radiotalks »Musik für einen Gast« auf Radio SRF 2 Kultur. Röbi Koller ist Botschafter der Hilfsorganisation Comundo und Präsident des Zürcher Bach Chors.
Mehr über das Buch erfahrt ihr auf www.umwege.ch
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