Rüdiger von Fritsch

 4,5 Sterne bei 19 Bewertungen
Autor*in von Zeitenwende, Welt im Umbruch – was kommt nach dem Krieg? und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Rüdiger von Fritsch, geboren 1953, bereitete die EU-Osterweiterung als Unterhändler in Brüssel vor, er war Leiter des Planungsstabes des Bundespräsidenten und Vizepräsident des BND. Von 2010 bis 2014 war er Botschafter in Warschau und von 2014 bis 2019 Botschafter in Moskau. Wie seine Arbeit als Diplomat in Verbindung mit seiner Familiengeschichte steht, ist eines der Themen von »Die Geschichte in mir«. Seine bisherigen Bücher »Russlands Weg«, »Zeitenwende« und »Welt im Umbruch«, in denen er Putins Neo-Imperialismus hellsichtig analysierte, wurden zu SPIEGEL-Bestsellern.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Rüdiger von Fritsch

Cover des Buches Zeitenwende (ISBN: 9783351041762)

Zeitenwende

(9)
Erschienen am 17.05.2022
Cover des Buches Die Geschichte in mir (ISBN: 9783827502070)

Die Geschichte in mir

(3)
Erschienen am 29.04.2026

Neue Rezensionen zu Rüdiger von Fritsch

Cover des Buches Die Geschichte in mir (ISBN: 9783827502070)
biadias avatar

Rezension zu "Die Geschichte in mir" von Rüdiger von Fritsch

biadia
Faszinierende Familiengeschichte mit Längen – Packend, aber sehr komplex

"Die Geschichte in mir" ist ein tiefgründiger Familienroman, der den Spuren der Vergangenheit nachgeht. Im Mittelpunkt steht das Geflecht einer Familie, das von jahrzehntelangen Geheimnissen, Verleugnung und verfälschten Wahrheiten zusammengehalten – und zerrissen – wird. Das Buch beleuchtet eindringlich, wie die Traumata und Taten früherer Generationen unbewusst das Leben der Nachkommen im Hier und Jetzt prägen.

"Die Geschichte in mir" bietet einen hochinteressanten Einblick in eine komplexe Familiengeschichte. Das Buch zeigt auf beeindruckende Weise, wie tief die Vergangenheit in einer Familie verwurzelt ist und wie stark diese noch über viele Generationen hinweg nachwirkt. Die Themen Geheimniskrämerei und Vergangenheitsverleugnung werden hier sehr emotional und tiefgründig aufgearbeitet.

Allerdings war das Buch für mich nicht immer leicht zu lesen. Die Handlung ist extrem dicht und vollgepackt mit einer Vielzahl an Daten, Fakten und Personen. Ich musste mir während des Lesens tatsächlich einen Notizblock an die Seite legen, um überhaupt die Übersicht über die verschiedenen Generationen und Ereignisse zu behalten.

Fazit:
 Die Geschichte an sich ist stark und regt definitiv zum Nachdenken über die eigene Familiengeschichte an. Wegen des sehr zähen und komplizierten Schreibstils, der den Lesefluss spürbar bremst, ziehe ich jedoch zwei Sterne ab. Eine Leseempfehlung für alle, die historische Familienrätsel lieben – aber bringt etwas Geduld und einen Stift mit!

Cover des Buches Die Geschichte in mir (ISBN: 9783827502070)
Elle74s avatar

Rezension zu "Die Geschichte in mir" von Rüdiger von Fritsch

Elle74
Leider sehr langweilig geschrieben, mir fehlte der Tiefgang

Es tut mir sehr leid, aber von Fritsch wartet hier mit einer durchaus interessanten Geschichte seiner Familie auf, doch auch wenngleich mit das insbesondere auf die Ahnen aus dem Baltikum interessiert, ebenso wie das Russische Zarenreich, mit dem auch der Klappentext lockt, war mir das zu wenig. Es geht auch um das damalige Leben im Baltikum, aber alles wird nur angekratzt. Tiefgang habe ich sehr vermisst, mehr Einblicke in das Leben dort. Was interessiert mich, ob ein Kochbuch über Generationen mitreiste- Flucht etc. überstand? Ein Erinnerungsstück sicher, aber dadurch erfahre ich wenig über das Leben der Menschen früher, was mich eben interessierte und weswegen ich mir auch das Buch kaufte. Familiengeschichte geht anders, siehe von Bredow, Dönhoff etc.- das kann man auch spannender gestalten. Der Autor rattert für mich Fakten und Namen herunter, Ereignisse und mitfühlen konnte ich kaum. Da erzählt eine Bekannte aber weitaus spannender von ihrer Flucht aus Ostpreußen u.a....schade.

Cover des Buches Die Geschichte in mir (ISBN: 9783827502070)
magdas_buecherwelts avatar

Rezension zu "Die Geschichte in mir" von Rüdiger von Fritsch

magdas_buecherwelt
Litauen, Polen und Russland aus der Sicht eines Botschafters

In Die Geschichte in mir beschreibt der ehemalige Botschafter Rüdiger von Fritsch das ereignisreiche und turbulente Leben seiner Familie im Zeitraum zwischen 1940 und 2019.

Von Fritsch war 2010-2014 Botschafter in Warschau und anschließend bis 2019 Botschafter in Moskau. Bei der Recherche zu „Die Geschichte in mir“ griff er auf Gespräche mit seinen Eltern und Großeltern und Briefe seiner Großmutter Annie von Hahn zurück. 

Seine Mutter Astrid, geborene von Hahn, stammt von einem Gut in Plonian im heutigen Litauen. Die Familie zählte zu den Deutschbalten und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Sowjets vertrieben. 

Sein Vater Thomas stammte aus Dresden. Astrid und Thomas lernten sich kennen, als Thomas zum Generalkommissariat nach Kaunas entsandt wurde, wo er in der deutschen Besatzungsverwaltung tätig war.

Die beiden heirateten 1943 in Kaunas. Bei Religionszugehörigkeit stand bei Astrid „evangelisch“ und bei Thomas „gottgläubig“ mit dem Zusatz „früher evangelisch“. Als „gottgläubig“ wurden m Dritten Reich Menschen bezeichnet, die aus der Kirche ausgetreten sind, sich aber nicht als glaubenslos sahen. In den Reihen der SS gab es besonders viele „Gottgläubige“. Auf dem Hochzeitsfoto sieht man den Bräutigam in der Uniform eines SS-Obersturmführers.

Von Fritschs Erlebnisse in seiner Zeit in Warschau waren für mich besonders interessant. Er schreibt über Polens Ungleichbehandlung der DDR und der BRD zu Zeiten des Kalten Krieges „Das Dritte Reiche und der Nationalsozialismus, die Verwüstung Polens im Zweiten Weltkrieg fielen in den Verantwortungsbereich der Westdeutschen. (S. 282) „Die Ostdeutschen waren die Guten, Hitler war Westdeutscher.“ (Marianne Birthler, DDR-Oppositionelle). 

Heute stehen Breslau und Danzig offen zu ihrer deutschen Vergangenheit, was ich von meiner Reise nach Breslau bestätigen kann. Auch ohne Polnischkenntnisse findet man sich gut zurecht, es gibt sogar deutsche Straßenschilder. 

Über seine Zeit als Botschafter in Moskau schreibt von Fritsch: „Russland wandelt sich mehr und mehr vom autoritären Staat zur Diktatur, die das Land mit Angst regiert.“ (S. 316). Die politische Führung, die den Menschen keine gute Gegenwart und keine Glück verheißende Zukunft anbieten kann, trichtert dem Volk ein: „Aber die Vergangenheit war groß! Wie damals ist Russland von Feinden umgeben, die überall lauern und es bedrohen.“ (S. 319) 

Der Vater des Autors war sein Leben lang überzeugter Nationalsozialist, es ist ihm jedoch nie gelungen, diese Überzeugung an seine Kinder weiterzugeben. Rüdiger von Fritsch machte schon als Abiturient eine Weltreise, er war und ist immer noch an anderen Völkern, Kulturen und Sprachen interessiert. Der Weg zum Auswärtigen Dienst war für ihn vorgezeichnet. 

Seine Großmutter Annie sprach neben Deutsch Litauisch und Russisch. Sprachen liegen auch Rüdiger von Fritsch im Blut. Von seinen hervorragenden Polnischkenntnissen konnte ich mich selbst überzeugen, als ich mit ihm in Brüssel zusammengearbeitet habe. 

Seine Großeltern mütterlicherseits wanderten nach Kanada aus, ein Vetter ist ebenfalls in den diplomatischen Dienst gegangen und wurde kanadischer Botschafter. 

Die Geschichte in mir enthält viel historischen und politischen Input zum Zweiten Weltkrieg, dem Baltikum, Polen und Russland. Das Buch empfehle ich allen, die an diesen Themen interessiert sind. Ich fand es äußerst informativ und gut verständlich geschrieben. Von mir eine Leseempfehlung und fünf Sterne. 

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