R. Barth

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R. BarthHeimgetragen. Erz.: R. Barth
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Heimgetragen. Erz.: R. Barth
Heimgetragen. Erz.: R. Barth
 (1)
Erschienen am 01.01.1932

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Rezension zu "Heimgetragen. Erz.: R. Barth" von R. Barth

Armes Zigeunerle
Buchgespenstvor 4 Jahren

Im friedlichen Murgtal geschieht etwas Unfassbares. Familie Schmelzle findet eines Morgens auf ihrer Türschwelle einen ausgesetzten Säugling. Trotz aller Bemühungen sind die Eltern der kleinen Fenny Theodora nicht aufzufinden und die Familie nimmt sich des Kindes an. Je älter Fenny wird desto mehr zeigt sich, dass sie von Zigeunern abstammt und das lassen die anderen Kinder sie deutlich spüren. Als Zigeunerle kann sie in der Schule noch so gute Leistungen erbringen und noch so gottesfürchtig leben, nie wird sie zu den anderen gehören. Ihre Eltern machen sich große Sorgen um Fennys Zukunft. Und dann ist da noch ihr echter Vater Walthari, der nur auf den richtigen Moment wartet, um sich seine Tochter zurückzuholen. Doch Gott lässt das Kind nicht im Stich.

Ein großartiges altes Mädchenbuch, das mit zwei wunderbaren Farbtafeln illustriert wurde. Die relativ kurze Erzählung zeigt warmherzig und eindringlich wie wichtig Toleranz und Nächstenliebe sind; dass der Glaube an Gott nicht nur ein Sonntagsbekenntnis sein sollte und keineswegs an die Abstammung eines Menschen gebunden ist. Fenny, das Zigeunerle, praktiziert bei aller Wildheit und aller zugeschriebenen „zigeunerhaften“ Eigenschaften mehr Nächstenliebe als die Vorzeigegemeinde Drumherum. Kaum zu glauben, dass ein derartiges Buch mit einer solch toleranten Botschaft nur wenige Jahre vor der Machtergreifung geschrieben wurde. Der Glaube an Gott und praktizierte Nächstenliebe wird hier als elementar für die Entwicklung zu einem guten Menschen dargestellt – das gilt auch für Zigeuner!

Wenn das fahrende Volk hier auch mit diversen Klischees behaftet wird, ein negatives Licht wird nur auf die Menschen geworfen, die Fenny immer wieder aufgrund ihrer Herkunft angreifen und auf die Eltern und Lehrer, die diese Angriffe dulden.

Eine wirklich schöne Kindererzählung von 1932. Man bangt mit Fennys Adoptiveltern um Fennys Zukunft, schüttelt den Kopf über die unbegründete Feindseligkeit der Mitmenschen und ist gespannt auf Fennys nächste übermütige Idee. Ein bisschen Wehmut schwingt bei der Lektüre auch mit, denn wie konnte dieser moderne Weg toleranter Menschlichkeit nur wenige Jahre später in das schlimmste Hassregime umschlagen?

Ein Zeitzeugnis aus einer Epoche, die sich noch nicht träumen lassen konnte, was ihr bevor stand.

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