Rabih Alameddine Eine überflüssige Frau

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Inhaltsangabe zu „Eine überflüssige Frau“ von Rabih Alameddine

Aaliya Saleh ist 72 Jahre alt und lebt allein in einer Wohnung in Beirut. Allein, seit sie mit Anfang zwanzig kinderlos von ihrem Mann geschieden wurde. Seitdem umgibt sie sich mit Büchern. Sie arbeitet als Buchhändlerin und übersetzt jedes Jahr eines ihrer Lieblingswerke ins Arabische. Ist eine Übersetzung fertig, verstaut sie den Stapel Papier in einem Karton und stellt diesen zu all den anderen. Noch nie hat jemand etwas davon gelesen. Wieder neigt sich das Jahr zum Ende und zum ersten Mal ist Aaliya unsicher, welches Buch sie als nächstes übersetzen soll. Sie beginnt, ihr Alter zu spüren. Erinnerungen durchziehen ihre Gedanken. An ihre Familie. An das Leben in Beirut während des Bürgerkriegs. An Hannah, ihre einzige Freundin. An Literatur, die ihr etwas bedeutet hat. An Musik, an Philosophie. Dann passiert das für Aaliya größtmögliche Unglück. Und bringt die Dinge ins Rollen.

Für mich ein Buch welches amüsant war aber mit dem ich nicht warm wurde.

— schokoloko29
schokoloko29

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  • Rezension zu "Eine überflüssige Frau" von Rabih Alameddine

    Eine überflüssige Frau
    aba

    aba

    28. December 2016 um 21:00

    Keinesfalls überflüssig Der libanesische Schriftsteller Rabih Alameddine hat mit "Eine überflüssige Frau" eine Geschichte über eine Frau geschrieben, die sich für ein Leben innerhalb ihrer vier Wände entschieden hat und die Erfüllung in einer ungewöhnlichen Tätigkeit findet: Sie übersetzt Bücher ins Arabische, Manuskripte, die keiner liest, weil sie ihre Werke vor der Öffentlichkeit versteckt. Aus ihrer Sicht ist das eine überflüssige Beschäftigung, wie alles andere, was mit ihr selber zu tun hat. Aaliya ist bereits über 70 und lebt in Beirut. Sie hat schon viel erlebt und darüber berichtet sie, während sie sich an die Vergangenheit erinnert, an ein Leben, das ihr nichts Aufregendes oder Zufriedenstellendes anzubieten hatte, aber für den Leser eine interessante Informationsquelle über die neueste Geschichte Beiruts ist. Für den Buchliebhaber hat Aaliya auch viel zu sagen. Sie verfügt über ein immenses Literaturwissen und ein hervorragendes Gedächtnis. Für jede Situation, für jedes Ereignis findet sie das entsprechende Zitat oder einen Vergleich zu einem Thema in einem von ihr gelesenen Buch oder zu einem Lebenslauf eines Dichters. Allein deswegen müsste sich Aaliya nicht ganz so minderwertig fühlen. Ihre Fähigkeiten stempelt sie als Macken ab und ihre Gelehrtheit und Begabung als unnötiges Wissen. Sie arbeitet trotzdem fleißig weiter und sucht Inspiration in ihrer eigenen Vita. "Eine überflüssige Frau" habe ich sehr gerne gelesen, auch wenn ich oft traurig wurde und Aaliyas Einsamkeit deutlich spüren konnte. Über das Leben in Beirut, vor, nach und während des Krieges zu lesen, fand ich spannend und lehrreich, sogar auch dann, wenn diese Einblicke in diese aufregende Stadt nur aus Aaliyas Fenster stammten. Alameddines Sprache fand ich wunderbar. Ich würde diese als "poetisch-nüchtern" bezeichnen. Für mich, die normalerweise keine metaphernreichen und blumigen Texte mag, ist dieser Schreibstil genau richtig. Niemals fand ich seine Beschreibungen ermüdend, pompös oder kitschig, er besitzt die Fähigkeit, den Leser Aaliyas Alltag durch seine Art vom Erzählen als Abenteuer empfinden zu lassen. Dabei braucht Aaliya nicht mal ihre Wohnung zu verlassen. Wenn sie sich eine Tasse Tee zubereitet, folgt man gespannt jeder ihrer Bewegungen. Das fand ich großartig. "Eine überflüssige Frau" ist das erste Buch Alameddines, das in Deutschland erscheint. Seine Bücher wurden bereits in viele Sprachen übersetzt und er wurde mehrmals mit bedeutenden internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Aliya

    Eine überflüssige Frau
    schokoloko29

    schokoloko29

    01. November 2016 um 19:25

    Aliya ist eine alte Buchhändlerin, die in Beirut/ Libanon lebt. Ihr Mann hat sie anfang zwanzig verlassen und sie lebt alleine in einer Wohnung in Beirut. Dies ist nicht selbstverständlich für eine Frau in Beirut. Ihre Familie wollte sie rausekeln, damit ihr Bruder mit seiner Frau und seinen Kindern da leben können. Doch sie bleibt standhaft, fast stur. Ihr einziges "Hobby" ist es Bücher vom englischen/ französischen ins arabische zu übersetzen. Mir fiel es sehr leicht in dieses Buch hineinzukommen. Es ist teilweise lustig und hat einen guten Humor. Doch ich hatte irgendwie Schwierigkeiten mit diesem Buch "warm" zu werden. Ich musste mich immer wieder überreden dieses Buch zu lesen. Auch waren für mich viele Dingen, die den Libanon betreffen (Bürgerkrieg, Bombenanschläge der Isrealis etc.) sehr unwissend. Ich konnte mich also leider nicht so richtig mit diesem Buch anfreunden. Jedoch werde ich bestimmt noch ein Buch von diesem Autor lesen.

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  • Rabih Alameddine - Eine überflüssige Frau

    Eine überflüssige Frau
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    31. October 2016 um 21:18

    Ein einziger Tag, ein ganzes Leben. Mit einem Unglück startet Aaliya in diesen Morgen: ihre Haare sind blau, viel blauer als sie sein sollten. Aber warum sich aufregen, mit 72 Jahren spielt das auch keine Rolle mehr. Noch dazu lebt sie allein in ihrer kleinen Beiruter Wohnung; zu den anderen Bewohnern des Hauses hatte sie nie viel Kontakt, man kennt sich, weiß das Nötigste und fertig. Lieber hat sich Aaliya mit Büchern umgeben, in der Buchhandlung, in der sie viele Jahrzehnte gearbeitet hat, oder zu Hause, wo sie in den letzten 50 Jahren jährlich ein Werk der Weltliteratur übersetzt hat. Das neue Jahr steht an, eine Entscheidung für ein neues Buch muss getroffen werden. Wie viel Zeit bleibt ihr noch, kann sie sich an einen dicken Wälzer wagen? Immer wieder wird diese Überlegung unterbrochen, durch ein Klopfen an ihrer Tür, durch eine Erinnerung an die Vergangenheit, an die Geschichte ihrer geliebten Heimat und an Hannah, ihre einzige Freundin. Die blauen Haare waren nur der Anfang, das Schicksal hat noch mehr große Erschütterungen für Aaliya an diesem Tag vorgesehen.Rabih Alameddine entführt seine Leser einmal mehr in den von ihm so sehr geliebten Nahen Osten, in den Libanon, seine Heimat. Das Schicksal dieser Stadt, das ihn offenbar schwer getroffen und beeindruckt hat, findet sich auch in diesem Roman wieder. Aaliyas Leben ist eng verbunden mit den Geschehnissen der Metropole zwischen Mittelmeer und Gebirge, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von zahlreichen Kriegen gezeichnet, immer wieder zerstört und wieder aufgebaut wurde und es schafft, unterschiedlichste Konfessionen und Lebensweisen zu beheimaten. Das Leben Aaliyas verläuft nicht nach Plan, jung verheiratet wird sie doch nie zur echten Ehefrau und Mutter, als Geschiedene lehnt sie eine weitere Hochzeit ab und bleibt so allein, wenn auch nicht einsam, denn die Literatur begleitet sie. Für jede Lebenslage findet sie Trost bei einem Dichter, alles lässt sich erklären, denn es wurde bereits niedergeschrieben; auch die Philosophen und Maler, ebenso die klassischen Musiker haben es ihr angetan und ihr ferne Länder eröffnet. Aaliya macht einen zufriedenen Eindruck und scheint mit sich und der Welt im Reinen zu sein, nach all den Jahren, in denen sie auf sich allein gestellt war und auch schon einmal mit der Kalaschnikow im Bett schlafen musste. Und dennoch tut sich ein Riss auf. Dies wird an einer Stelle besonders offenkundig:   Henri Matisse hat einst gesagt: „Es hat mich mein ganzes Leben lang beschäftigt, dass ich nicht male wie jeder andere.“ Ich liebe dieses Zitat, liebe die Tatsache, dass der strahlendste Maler des 20. Jahrhunderts so gedacht hat.Nein, sie ist keine typische Frau ihrer Zeit. Sie ist eigensinnig und durchsetzungsstark, beweist Rückgrat und Bildung. Als Autodidaktin wurde sie zur Übersetzerin, eine Arbeit für ein nicht vorhandenes Publikum. Aber sie sagt selbst, dass nicht das Ergebnis zählt, sondern der Weg dahin. Vielleicht ist das das Geheimnis ihres Lebens: nicht was sie am Ende erreicht hat, sondern die Zufriedenheit und Freude auf dem Weg dahin ist das, was wirklich zählt. Rabih Alameddine zeichnet eine Figur, die nicht auffällt und doch heraussticht. Eine starke Frauengestalt, die sich in einer patriarchalischen Gesellschaft ihren Weg bahnt und eigene Maßstäbe zu setzen weiß. Dabei wirkt sich ein wenig schrullig, aber immer liebenswert. Und wer große Literatur liebt, muss unweigerlich auch Aaliya lieben.

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  • „Literatur, die alles erklärt, macht Leser dumm.“

    Eine überflüssige Frau
    serendipity3012

    serendipity3012

    30. June 2016 um 18:26

    „Literatur, die alles erklärt, macht Leser dumm.“ „Ich habe das Alter erreicht, in dem das Leben zu einer Reihe von hingenommenen Niederlagen geworden ist – Alter und Niederlage: Zwei Blutsbrüder, treu bis ans Ende.“ S. 78In einer Beiruter Wohnung, die eigentlich zu groß für sie ist, lebt seit vielen Jahren allein die 72-jährige Aaliya. In ihren 20ern war sie kurz verheiratet, wurde verlassen und seitdem hat sich die inzwischen ältere Dame immer selbst genügt. Ihrem Mann hat sie nie hinterhergetrauert, vielmehr ist er für sie immer ein Schwächling gewesen, den sie froh ist, los zu sein.Aaliya kämpft inzwischen mit Alterserscheinungen, ihr Leben folgt im Großen wie im Kleinen selbst auferlegten Regeln. Eine davon bestimmt sie seit ca. 50 Jahren: An jedem 1. Januar beginnt Aaliya mit der Übersetzung eines Romans ins Arabische. Aaliya ist nicht nur eine fanatische Leserin – sie hat außerdem jahrelang in einer Buchhandlung gearbeitet – sondern auch eine leidenschaftliche Übersetzerin. Eine Übersetzerin nur für sich selbst allerdings, denn die fertigen Manuskripte bekommt nie jemand zu sehen, stattdessen werden sie in Kisten geräumt und im sogenannten Dienstmädchenzimmer und als dieses voll ist, im Dienstmädchenbad gelagert und nicht wieder angesehen.„Jetzt könnten Sie mich fragen, warum ich so viel Mühe in meine Übersetzungen investiere, wenn ich kaum mehr an sie denke, sobald sie weggepackt sind. Nun, mein Engagement gilt der Erschaffung, nicht dem Ergebnis. Ich weiß, das klingt esoterisch, und so möchte ich nicht klingen, aber der Akt an sich, das Erschaffen ist es, was mich inspiriert.“ S. 168Der in Jordanien geborene Autor Rabih Alameddine, dessen vierter Roman „Eine überflüssige Frau“ der erste ist, der in Deutschland erscheint, erzählt ganz aus der Perspektive Aaliyas das Leben einer Frau, die sich stets selbst genug war. Aaliya lebt ein eher einsames Leben. Die Nachbarinnen, die sich regelmäßig zum Kaffeeklatsch treffen, gehören dazu, ihre Stimmen sind aber eher der Hintergrund, vor dem sich Aaliyas Tage abspielen. Enge Freunde hat sie nicht, nicht mehr, seitdem ihre Vertraute Hannah nicht mehr lebt. Hannah, von der Aaliya uns erzählt, wie sie auch von ihrer kurzen Ehe, ihrer Familie, die immer wieder versucht hat, sie aus ihrer Wohnung zu verscheuchen, ihrer Arbeit in der Buchhandlung erzählt. Und natürlich von den Zeiten, in denen Krieg herrschte im Libanon, in dem man Angst um sein Leben oder wenigstens um sein Hab und Gut haben musste.So ist es auch der Charme der Erzählerin, die den Roman ausmacht. Aaliya erzählt ehrlich und immer mit ein wenig Selbstironie, sie nimmt sich selbst nicht so wichtig, was beim Lesen ungeheuer erfrischend ist. Sie spricht den Leser immer wieder auch direkt an, so als sei man der einzige Adressat, an den sich der Roman überhaupt richtet, stellt Fragen, bezieht einen ein Stück weit mit ein. Sie spart nicht mit Verweisen auf die vielen Bücher, die sie gelesen hat, auf die Lehren, die sie liefern, auf Anekdoten aus den Leben der Schriftsteller. Manchmal ist es auch nur ein Romantitel, der ohne weitere Erläuterung fallengelassen wird. Vielleicht macht Aaliya das ja zur Angeberin, zur Zurschaustellerin ihres Wissens – welches Werk der Weltliteratur hat die alte Dame nicht gelesen? – andererseits glaubt man ihr gern, dass dies ihre Welt ist, eine Welt mehr bevölkert von Büchern als von Menschen. Als Erzählerin neigt sie auch immer wieder dazu, abzuschweifen – um dies dann auch meist gleich zu thematisieren – manchmal bewegt sie sich an der Grenze zur Geschwätzigkeit, die sie aber nicht überschreitet. Immer wieder blitzen kleine, kluge Gedanken auf.„Die meisten unter uns denken, dass wir durch Entscheidungen, die wir getroffen haben, durch Ereignisse, die uns geprägt haben, durch Entscheidungen der Menschen um uns herum zu dem Menschen geworden sind, der wir sind. Wir ziehen selten in Erwägung, dass wir auch durch die Entscheidungen geprägt wurden, die wir nicht trafen, durch die Ereignisse, die hätten geschehen können, es aber nicht taten, oder, so gesehen, auch durch den Mangel an Alternativen.“ S. 39Der Roman hat keinen großen Spannungsbogen, steuert nicht auf einen großen Konflikt zu, sondern folgt ganz der inneren Logik seiner Erzählerin. Es ist ein stilles Buch ohne Effektheischerei, das aber unterhält und bezaubert. „Eine überflüssige Frau“ hat ein eher ruhiges Tempo. Ein Buch über das Leben in einer Welt, die sich von unserer unterscheidet und ihr dann wieder sehr ähnlich ist, ein Roman über Literatur und, wenn sich dies auch nicht gleich offenbart, ein Plädoyer für die Freundschaft. Ein Roman, dem viele Leser zu wünschen sind.

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    • 8
  • Über eine Frau, die sich ihr Leben lang selbst genügt hat...

    Eine überflüssige Frau
    renie

    renie

    06. April 2016 um 21:42

    "Beirut ist eine Stadt gewordene Elisabeth Taylor: verrückt, schön, kitschig, im Zerfall begriffen, alternd und ewig dem Drama ergeben." (S. 139) In diesem Beirut spielt der Roman "Eine überflüssige Frau" von Rabih Alameddine, erschienen im Louisoder Verlag. Und man ahnt es: dieser Roman zeichnet sich durch eine phantasievolle und poetische Sprache aus, die mich völlig begeistert hat. Worum geht es in diesem Roman?Wie der Titel schon sagt geht es um eine "überflüssige" Frau namens Aaliya, die seit ihrem 20. Lebensjahr allein mit ihren Büchern und Erinnerungen in ihrer Wohnung in Beirut lebt. Mit 16 Jahren wird sie mit einem älteren Mann verheiratet. Da die Ehe kinderlos bleibt, reicht er nach wenigen Jahren die Scheidung ein - das Beste, was Aaliya passieren konnte. Denn endlich ist sie frei und kann ihr Leben frei gestalten. Sie arbeitet lange Zeit als Buchhändlerin und kann sich dabei ihrer Leidenschaft für Literatur hingeben. Sie macht es sich zur Lebensaufgabe, ihre Lieblingsbücher ins Arabische zu übersetzen. Dabei wählt sie immer den 1. Januar als Beginn für die Übersetzung eines weiteren Buches. Über die Jahre sind etliche Übersetzungen zusammengekommen, die einen ganzen Raum ihrer Wohnung füllen. Doch jetzt, im Alter von 72 Jahren, ist sie das erste Mal unschlüssig, welches Buch sie diesmal übersetzen soll. So viele Bücher, die noch auf sie warten und so wenig Zeit, die ihr im Leben noch bleibt. Sie beginnt, über ihr Leben nachzudenken. Sie blickt auf ihre Kindheit zurück, auf ihr Leben in Beirut, auf die Kriegsjahre. Sie denkt über ihre Familie nach. Und an ihre Freundin Hannah, der einzige Mensch, der ihr nahe gestanden hat, den sie an sich herangelassen hat, und der sie verstanden hat. "Es hat mich mein ganzes Leben lang beschäftigt, dass ich nicht bin wie alle anderen. Jahrelang konnte ich mir einreden, ich sei etwas Besonderes und dass ich bewusst anders sein wollte. Tatsächlich wollte ich glauben, dass ich erhaben war, keine Künstlerin, kein Genie wie Matisse, aber anders als der Mob. Ich bin außergewöhnlich, ein Individuum, nicht nur eigenartig, sondern einzigartig. Ich empfand meine Individualität als Tugend, die mich vor den kollektiven Launen und Verrücktheiten schützte und mir half, über familiären und gesellschaftlichen Strömungen zu schweben. Das gab mir Trost und Sicherheit. Nur lässt mich diese Überzeugung jetzt im Stich." (S. 291) Aaliya ist ein ganz besonderer Mensch. In einer von Männern dominierten Welt, schafft sie es, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie war immer das schwarze Schaf der Familie, ein Anhängsel aus der ersten Ehe der Mutter. Aaliya bleibt in ihrer Ehe kinderlos. Wen interessiert's da, dass ihr Mann impotent ist? Schuld hat in solchen Fällen die Frau. Geschieden, allein lebend, berufstätig und dann noch ihr merkwürdiges Hobby, das Lesen! Ihre Familie empfindet für sie nur Verachtung. Doch Aaliya liegt nichts an der Zuneigung ihrer Familie. Sie wählt den für sie einzig richtigen Weg: Ein Leben in Einsamkeit, in dem sie tun und lassen kann, was sie will. "Mein Exmann erfüllte die wichtigsten Anforderungen an einen Mann aus Stendhals Zeit, wie sie Graf Mosca der delikaten Duchezza in Die Kartause von Parma darlegt: 'Heutzutage, das heißt etwa in den nächsten fünfzig Jahren, solange wir Angst haben und die Tradition noch nicht wiederhergestellt ist, kommt es für einen jungen Mann vor allem darauf an, unfähig zur Begeisterung und arm an Geist zu sein.'So war der Narr, den ich geheiratet habe, selig sei seine widerliche Seele." (S. 317) Aaliya lebt mit der Literatur und denkt in der Literatur. Bücher sind ihr Leben und ihre Freunde. Sie hat die Angewohnheit, für jede Situation ein angemessenes Zitat aus ihren Lieblingsbücher parat zu haben. Wenn sie allein in ihren Gedanken versinkt, zieht sie Parallelen zu den unzähligen Geschichten, die sie während ihres Lebens gelesen hat. Anhand ihrer literarischen Erinnerungen philosophiert sie über das Leben. Für den Leser bedeuten diese Momente ein Abtauchen in berühmte Werke der Literatur. Und es ist faszinierend festzustellen, wie intensiv sich Aaliya mit diesen Büchern beschäftigt hat, und welchen Einfluss Literatur auf einen Menschen haben kann. "In einem seiner Essays verfolgt Marías die These, dass seine Bücher sich genauso sehr um das drehen, was nicht passiert ist, wie um das tatsächliche Geschehen. Mit anderen Worten: Die meisten unter uns denken, dass wir durch Ereignisse, die uns geprägt haben, durch Entscheidungen der Menschen um uns herum zu dem Menschen geworden sind, der wir sind. Wir ziehen selten in Erwägung, dass wir auch durch die Entscheidungen geprägt wurden, die wir nicht trafen, durch die Ereignisse, die hätten geschehen können, es aber nicht taten, oder, so gesehen, auch durch den Mangel an Alternativen." (S. 39) Mit 72 Jahren ist Aaliya an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, der sie doch zweifeln lässt. Sie hat sich für die Einsamkeit entschieden und sich Zeit ihres Lebens immer selbst genügt. Ihre Mutter lebt noch, ist allerdings ein Schatten ihrer selbst. Ihre Gebrechlichkeit und Hilflosigkeit erwecken bei Aaliya Ängste darüber, was ihre eigene Zukunft noch für sie bereithält. Wird sie genauso enden wie ihre Mutter? Und wenn sie am Ende ihres Lebens angekommen ist, wird sie sich dann fragen, was sie in ihrem Leben erreicht hat? Was bleibt von ihrem Leben übrig? Sie hatte nie jemanden, für den sie gelebt hat. War ihr Leben daher überflüssig? "Joseph Roth beendet Flucht ohne Ende mit dem Satz: 'So überflüssig wie er war niemand in der Welt.' Das sehe ich anders. Niemand auf der ganzen Welt ist so überflüssig wie ich. Nicht Franz Tunda, Roths Hauptfigur, nein. Ich bin diejenige, die keine Arbeit, keine Hoffnung, keinen Ehrgeiz, noch nicht einmal Liebe für sich selbst hat." (S. 415 f.) Wie ich anfangs erwähnte zeichnet sich dieser Roman durch seine besondere Sprache aus. Rabih Alameddines Erzählstil ist phantasievoll und sehr bildhaft. Seine kunstvollen Metaphern haben mich zum Staunen gebracht. Es ist kaum zu glauben, dass derartige Sprach-Kunststücke möglich sind. "Eine überflüssige Frau" ist sein vierter Roman, jedoch der erste, der auf Deutsch erschienen ist. Ich kann nur hoffen, dass noch weitere Übersetzungen folgen werden. Denn mit der Geschichte von Aaliya und seinem außergewöhnlichen Sprachstil hat er sich in die Riege meiner Lieblingsautoren eingereiht. Und da wir gerade bei den Lieblingen sind: Dies ist das 2. Buch, das ich aus dem Louisoder Verlagsprogramm gelesen habe. Und Louisoder entwickelt sich damit zu einem meiner Lieblingsverlage. Beachtlich, was dieser Verlag aus München zustande bringt. Leser, die sich für anspruchsvolle und besondere Literatur interessieren, sollten unbedingt mal einen Blick riskieren: Louisoder-Verlagsprogramm Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere literarische Highlights aus dem Hause Louisoder. © Renie

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