Rachel Kushner

 3,7 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor von Flammenwerfer, Ich bin ein Schicksal und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Rachel Kushner

Rachel Kushners Romane «Flammenwerfer» (2015) und «Telex aus Kuba » (2017) waren beide New-York-Times-Bestseller und Finalisten für den National Book Award. «Ich bin ein Schicksal» war ein internationaler Bestseller, stand auf der Shortlist des Man Booker Prize und gewann 2018 den Prix Médicis Étranger. Ihre Bücher sind in 24 Sprachen übersetzt. Sie hat u.a. im New Yorker, bei Harper's, im Paris Review und in der New York Times publiziert. 2013 erhielt sie ein Guggenheim-Stipendium. Sie lebt in Los Angeles.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Rachel Kushner

Cover des Buches Ich bin ein Schicksal (ISBN: 9783499274404)

Ich bin ein Schicksal

 (12)
Erschienen am 15.12.2020
Cover des Buches Flammenwerfer (ISBN: 9783499238833)

Flammenwerfer

 (16)
Erschienen am 26.08.2016
Cover des Buches Telex aus Kuba (ISBN: 9783499271069)

Telex aus Kuba

 (5)
Erschienen am 19.02.2019
Cover des Buches The Mars Room (ISBN: 9781910702673)

The Mars Room

 (1)
Erschienen am 07.06.2018
Cover des Buches Telex from Cuba (ISBN: 9781448182329)

Telex from Cuba

 (1)
Erschienen am 05.06.2014
Cover des Buches The Flamethrowers (ISBN: 9781439142004)

The Flamethrowers

 (0)
Erschienen am 02.04.2013
Cover des Buches The Mars Room: A Novel (ISBN: 9781476756585)

The Mars Room: A Novel

 (0)
Erschienen am 07.05.2019

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Rachel Kushner

Cover des Buches Ich bin ein Schicksal (ISBN: 9783498035808)Xirxes avatar

Rezension zu "Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kushner

Schicksale, die man im Gedächtnis behält
Xirxevor 6 Monaten

Romy Hall ist zu einer zweimal lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden ohne Aussicht auf eine frühzeitige Entlassung, weil sie ihren Stalker umgebracht hat. Mildernde Umstände waren, wie bei ihren Mitgefangenen, nicht zu erkennen und so muss sie für lange Zeit ihren kleinen Sohn bei ihrer Mutter zurücklassen. Romy ist die Ich-Erzählerin dieses Buches, die nicht nur von ihrem Leben im Gefängnis berichtet, sondern auch von ihrem Leben davor: jede Menge Gründe wie es dazu kam, dass sie jetzt inhaftiert ist.
Wer befürchtet, hier eine mitleidsheischende Gefangenenbiographie aufgetischt zu bekommen, kann beruhigt sein, denn die Hauptfigur erzählt fast schon gefühllos von ihrer Kindheit und Jugend und ihrem kurzen Leben als Erwachsene in Freiheit. Es ist eine wohl typische Geschichte vom Aufwachsen in prekären Verhältnissen, aus denen es praktisch kein Entkommen gibt. Als 11jährige missbraucht, für die Eltern nur eine Last, ist es für die junge gutaussehende Romy nach der Schule nur ein kurzer Weg zum Job als Striptease-Tänzerin im Mars Room, wo sie ihrem zukünftigen Opfer begegnet. Wobei nicht so eindeutig ist, wer nun tatsächlich das Opfer ist. Auch ihre Mitgefangenen haben ähnliche Lebenswege hinter sich: ärmliche Verhältnisse, vernachlässigt, Missbrauch, Drogen - der Weg ins Gefängnis für Frauen aus dieser Schicht scheint vorgegeben.
Das Gefängnis selbst ist eine reine Verwahranstalt, in der die Frauen unter demütigenden Bedingungen ihre Zeit absitzen müssen. Interesse, diesen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern, hat niemand. Für fast alle Wärterinnen und Wärter sind sie Abschaum, der es nicht anders verdient hat und werden entsprechend be- und auch misshandelt - der Gedanke einer Resozialisierung könnte hier nicht weiter entfernt sein.
Angesichts der beschriebenen Zustände, die wohl nicht allzu weit von der Normalität abweichen, ist das Buch harter Stoff. Romy erzählt ihre Geschichte meist neutral, als ob Alles was ihr geschehen ist, völlig normal wäre, so wie auch einige Andere. Alle eint, dass sie schon immer zum Bodensatz der Gesellschaft gehörten und so manche Frau fühlt sich nun im Gefängnis sicherer als in Freiheit.
Was für eine Gesellschaft, was für ein Land, in dem solche Ungerechtigkeit, Härte und Gnadenlosigkeit zum Alltäglichen gehört.

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Cover des Buches Ich bin ein Schicksal (ISBN: 9783498035808)DrWarthrops avatar

Rezension zu "Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kushner

Ungeschminkte Wahrheit
DrWarthropvor 2 Jahren

Romy Leslie Hall oder auch 'Insassin W314159' sitzt nicht nur eine, sondern direkt zwei lebenslange Haftstrafen in einem staatlichen Frauengefängnis der USA ab, in das sie zu Anfang gebracht wird. Von den unhaltbaren Zuständen auf der Fahrt geht es direkt in den Vollzug, der in etwa so reglementiert ist wie ein Zoo: die Insassinnen werden sich selbst überlassen, das Recht der Starken obsiegt. Lediglich für Arbeiten unterhalb jeglicher preislicher Morallinie und unter obligatorischen Zwängen "dürfen" die Insassinnen die bekannten und gefürchteten Räumlichkeiten verlassen.
Jedwede Art der Würde oder Humanisierung wird vom herrschenden System und in dem Fall den ausführenden (zu Sadismus neigenden) Wärtern sofort eingezogen und archiviert. Selbst kleine Freuden des Alltags, wie Duschgel oder Haarbürsten werden zum Luxusartikel, da diese streng verboten sind.
Romy hat, wie viele Insassinnen zusätzlich das Problem, dass ihr Sohn nun in der Obhut der Großmutter ist und außerhalb ihrer mütterlichen Fürsorge und Liebe. Schlimmer kommt es dann, als Romy mitgeteilt bekommt, dass ihre Mutter bei einem Unfall gestorben ist und ihr Sohn ins Waisenhaus verfrachtet wurde, ohne die Chance auf weitere Auskünfte.

Hinter diesem etwas ungriffigen Titel versteckt sich eine einmalig brillante, einfühlsame und charmante Geschichte, die gerade in Hinblick auf Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten innerhalb des Rechtsystems Amerikas immer präsent bleibt, als auch deutliche Spuren beim Leser zu hinterlassen vermag. Das liegt zum einen an der verspielten und etwas obszönen Diktion der Protagonistin, die gerade im stressigen und aggressiven Umfeld des Gefängnisses ihre Wirkung durch ruhige und gefasste Erzählung ausladend entfaltet und zum anderen an den spleenigen Leuten, die das neues Umfeld ausmachen. Diese zusammengewürfelte Gemeinschaft verschiedenster Charaktere vermittelt ein ambivalentes und zugleich verständnisvolles Bild persönlicher Schicksale, als auch der Frage nach Schuld und Sühne. Unterstützt durch luzide Ausbrüche in die Retrospektive, als auch mögliche Zukunftsszenarien bricht Romy wieder und wieder aus dem physischen Gefängnis aus, um wenigstens kognitiv Frieden zu suchen. Dabei treten sowohl mitreißend traurige, sowie humoristische Elemente auf, wodurch die Schwere der Thematik teilweise torpediert wird.

Ungeschminkt präsentiert Rachel Kuschner die brutale, klebrige und ekelige Wahrheit des fragilen Menschen in der erdrückenden Umarmung moderner Gesellschaften, sowie deren Auswirkungen auf die, die dem Druck nicht standhalten konnten. Eine fragile Trennwand, die sonst "normal" und "böse" von einander trennt existiert hier erst gar nicht, wodurch etablierte Vorurteile keinen Spielraum haben, um Wurzeln zu schlagen und somit den Leser direkt angehen. Sonst im Schatten liegende Aspekte, wie die geistigen Labilität in einem so unterrückenden System oder der Umgang mit der eigenen Schuld werden grell ausgeleuchtet. Dabei setzt Kuschner jedoch zu keiner Zeit auf eine schulmeisterliche Weise den Leser zurecht zu weisen, sondern entfaltet in der absoluten Aussage der Narrative seine flamboyante, passende Wirkung.
Zudem vermittelt 'Ich bin ein Schicksal' wie kein zweites Werk die Schwierigkeit in einer Welt, die einen ständig nur spukt, tritt und schlägt lebensfroh zu bleiben und den Widrigkeiten zu trotzen.

Luzide Sprachgewalt, gepaart mit einer direkten, einträglichen Narrative und spleenigen Charakteren., sowie einer grandiosen Darstellung inhumaner Gerechtigkeitsformen, sowie deren niederschmetternden Effekten. Für Freunde etwas dunklerer Natur durchaus geeignet; alle anderen lesen lieber was anderes.

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Cover des Buches Ich bin ein Schicksal (ISBN: 9783498035808)V

Rezension zu "Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kushner

Mars Room ist überall
Vielhaber_Juergenvor 2 Jahren

Rachel Kushner hat Glück gehabt, sie ist als Kind geliebt und in ihrer Besonderheit erkannt und gefördert worden.
Was sie auch besonders macht, ist ihre Solidarität mit denen, die kein Glück gehabt haben.
Sie hat einen umwerfenden Roman geschrieben und ja, das Setting ähnelt dem von Orange is the new Black aber dieser Roman ist so vieles mehr..
Mars Room, der Originaltitel trifft es meiner Ansicht nach besser...der Schuppen, in dem die weibliche Hauptperson Männer animierte. Auch der Knast ist Mars Room, da wie dort behält man den richtigen Namen für sich und erzählt nichts von sich..
Hauptperson Romy ( benannt nach Romy Schneider, deren offenkundige Sympathie für einen Haftentlassenen in einer deutschen Talkshow 1974 Romys Mutter inspirierte) ist zu zweimal lebenslang ohne Aussicht auf Entlassung verurteilt. Als dann noch ihre Mutter bei einem Unfall stirbt und ihr kleiner Sohn in eine Pflegefamilie kommt, wird diese existenzielle Krise nicht aufgefangen, sondern mit Isolationshaft sanktioniert.
Aber Romy ist zu gesund, um gebrochen zu werden. Ihr wundester Punkt, die Mutterliebe, gibt ihr zugleich enorme psychische Kraft.
Wie Kushner das ohne Kitsch erzählt- wirklich große Erzählkunst. Aber ganz ohne Hilfe anderer Menschen kann auch Romy nicht sein.


Hier ist es Gordon, Sozialarbeiter, Einzelgänger, mit einem Faible für Dostojewski und Thoreau. Thoreau erweist sich als sehr aktuell, für Frau Kushner ist die existenzielle Bedeutung der Natur ein großes Anliegen.
Weitest gehend überzeugend auch der Perspektivwechsel zu männlichen Figuren, neben Gordon kommt neben anderen auch Romys Stalker  Kennedy zu Wort.
Ich freue mich auf mehr von Rachel Kushner...

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