Rachel Shabi Wir sehen aus wie der Feind

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Inhaltsangabe zu „Wir sehen aus wie der Feind“ von Rachel Shabi

Shabi beschreibt das konfliktträchtige Verhältnis zwischen europäisch- und arabischstämmigen Juden, das Israel seit seiner Gründung prägt. Ungewöhn - liche Einblicke in eine komplexe, ja zum Zerreißen gespannte Gesellschaft. Rachel Shabi beschreibt eine hierzulande kaum wahrgenommene Spaltung innerhalb der israelischen Gesellschaft: die zwischen aschkenasischen Juden, deren Familien vor allem aus Europa stammen, und orientalischen Juden, auch Mizrahim genannt, die ihre Wurzeln in arabischen Ländern des Nahen Ostens haben. Shabi, die selbst aus einer Familie irakischer Juden kommt, erforscht die Geschichte dieser belasteten Be ziehung und verfolgt sie bis in die Anfänge des neu gegründeten Staates Israel zurück. In einer Gesellschaft, die sich unbedingt mit Europa identifizieren wollte, galten Einwanderer, die Arabisch sprachen und nahöstliche Gebräuche pflegten, als zweitklassig. Sechzig Jahre später sind Mizrahim, die immerhin fast die Hälfte der israelischen Bevölkerung ausmachen, nach wie vor deutlich weniger erfolgreich als Aschkena sim, ihr Ausbildungsniveau ist häufig niedriger, ihre Wohnsituation ist schlechter, und sie werden für ihren Akzent, ihre Vorlieben und Lebensstile verspottet oder gar verachtet.

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  • Rezension zu "Wir sehen aus wie der Feind: Arabische Juden in Israel" von Rachel Shabi

    Wir sehen aus wie der Feind

    WinfriedStanzick

    10. September 2012 um 12:19

    Mit ihrem ersten Buch hat die aus einer Familie irakischer Juden stammende, in Israel geborene und in England aufgewachsene Journalistin Rachel Shabi einen Konflikt beschrieben und in seinen historischen Dimensionen gezeigt, der den Staat Israel und seine Gesellschaft prägt und quält seit seiner Gründung. Die Rede ist von dem Verhältnis zwischen den Juden, die aus Europa stammen, den sogenannten Aschkenasim und den orientalischen Juden, die Misrachim genannt werden. Wurzeln die ersten in der europäischen Kultur und Tradition, haben die zweiten ihre kulturellen Wurzeln in den Gesellschaften der arabischen Länder des Nahen Ostens. Israel war bei seiner Gründung 1948 eine Gesellschaft, die sich unbedingt mit Europa identifizieren wollte, obwohl die Juden gerade dort so viel Verfolgung erlitten hatten. Deshalb galten Einwanderer, die Arabisch sprachen und nahöstliche Bräuche pflegten als Menschen und Bürger zweiter Klasse. Rachel Shabi zeigt in ihrem gut recherchierten und hervorragend aufgebauten Buch, wie sich diese ethnischen Spannungen von der Gründung des Staates bis in die heutige Gegenwart entwickelt haben. Sechzig Jahre nach der Gründung des Staates machen die Misrachim mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus, und sie sind gegenüber den Aschkenasim sozial und wirtschaftlich sehr benachteiligt. Schon andere Autoren aus Israel haben in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen, dass es auch dieser Konflikt und diese Spaltung, die mitten durch die israelische Gesellschaft geht, sei, die die Zukunft des Landes erheblich gefährde. Wenn man das Buch von Rachel Shabi gelesen hat, hat man nicht nur einen Eindruck bekommen von der Zerrissenheit der Identitäten dieser arabischen Juden, die aussehen „wie der Feind", sondern man versteht, warum dieser innere Zustand der israelischen Gesellschaft diese mehr gefährdet als alle Kassam-Raketen der Hamas, die antiisraelischen Deklarationen der UN, der Hass der Islamisten auf die Juden oder die iranische Atompolitik. Das Buch macht nachdenklich, und man sieht den arabischen Teil der israelischen Gesellschaft mit anderen Augen. Auch sie sind Juden, doch wenn es nicht gelingt , sie in den nächsten Jahrzehnten zu integrieren und ein neues Selbstverständnis jenseits der aschkenasisch-kulturellen Hegemonie zu entwickeln, dann ist die ursprüngliche Idee von Israel als dem Zufluchtsort aller Juden der Welt gestorben, auch ohne islamistische Bedrohung. Ja, nach der Lektüre des Buches sehe ich die größere Bedrohung des israelisch-jüdischen Gemeinwesens von innen kommen statt von außen.

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