Rachilde

 4,6 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf von Rachilde

»Rachilde, homme de lettres«, stand auf der Visitenkarte von Marie-Marguerite Valette, die 1860 in Paris geboren wurde. Sie kleidete sich als Mann und verfasste etwa 60 Romane, in denen sie sich explizit mit Geschlechterkonventionen und Themen wie Homo- und Transsexualität auseinandersetzte. Sie war Teil des Pariser Fin de Siècle und zählt neben Colette zu den wenigen einflussreichen Frauen dieses Kreises. Rachilde starb 1953 in Paris.

Quelle: Verlag / vlb

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Cover des Buches Monsieur Vénus (ISBN: 9783150112878)

Monsieur Vénus

 (4)
Erschienen am 25.09.2020

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Cover des Buches Monsieur Vénus (ISBN: 9783150112878)Belladonnas avatar

Rezension zu "Monsieur Vénus" von Rachilde

Eine tolle Klassiker-Neuentdeckung und eine gewagte Geschichte, in der mit Geschlechterrollen gespielt und die Zeit der Dekadenz Ende des 19. Jahrhunderts wachgerufen wird.
Belladonnavor einem Jahr

Beschreibung

Die wohlhabende junge Frau Raoule de Vénérande stammt aus altem Pariser Adel und verliebt sich in einen jungen Mann aus einfachen Verhältnissen. Raoule sieht darin kein Hinderungsgrund und fühlt sich zu dem sanften Künstler Jacques Silvert so hingezogen, dass sie ihn zu ihrem Geliebten und schlussendlich zu ihrer Frau macht.

Meine Meinung

Die französische Schriftstellerin Marguerite Eymery veröffentlichte unter diversen Pseudonymen Ende des 19. Jahrhunderts, ihre zur damaligen Zeit skandalösen Geschichten, in denen sie Geschlechterrollen auflöst und mit der Sexualität ihrer Protagonisten spielt. Bisher war mir ihr wohl bekanntestes Pseudonym Rachilde kein Begriff, doch im Reclam Verlag ist ihr Werk »Monsieur Vénus« nun zum ersten Mal in der deutschen Übersetzung erschienen, und dieses hat sogleich mein Interesse geweckt.

Mit gerade einmal zwanzig Jahren hat Rachilde »Monsieur Vénus« geschrieben und so trägt die Geschichte eindeutig den Stempel der Fin de Siècle, jenem Dekadentismus der das Lebensgefühl in Zeiten des Umbruchs zu einem offeneren und freien Lebensstil wandelt.

Im Gegensatz zu den gesellschaftlichen Konventionen und Normen dieser Epoche in der die Welt von Männern beherrscht und Frauen in Sachen Heirat und Liebe von einem engen Korsett der Etikette eingeschnürt sind, wagt die junge Autorin einen skandalverdächtigen Drahtseilakt, der ihr sogar eine Geld- und Haftstrafe in Belgien einbringt.

In »Monsieur Vénus« erzählt Rachilde die Geschichte einer reichen jungen Frau, die von einem beherrschenden Wesen geprägt ist und sich in einen zarten Mann unter ihrem Stand verliebt. Die Geschlechterrollen werden in dieser Liebesbeziehung gespiegelt, in der alle Tabus jener Epoche aufgebrochen werden. Mit dieser kritischen, durchaus feministischen, Betrachtung der sozialen Gesellschaftsstrukturen war die junge Autorin ihrer Zeit weit voraus.

Zwischen den Zeilen dieser toxischen Tragödie kann man den provokanten Ton heraushören, der diese Geschichte zu einem interessanten Leseerlebnis werden lässt.

Besonders gut hat mir das verwirrende Spiel mit der Umkehrung der Geschlechter gefallen, welches in einem furiosen Showdown noch einmal auf die Spitze getrieben wird. Der Star der Geschichte ist Raoule de Vénérande, die sich auf der einen Seite ihrer Vermännlichung immer stärker hingibt, auf der anderen Seite als wahre Diva agiert und mit ihrer Gier nach ihrem ausgelieferten Liebhaber vor nichts mehr zurückschreckt.

Außerdem erhält die Geschichte durch Nebenrollen wie Baron de Raittolbe, der eigentlich ein perfekter Heiratskandidat für die junge Adlige wäre und Jacques Schwester Marie, die unverhohlen dem lasterhaften Leben einer Prostituierten frönt, einen unvergesslich frivolen Touch.

Das Buch enthält zudem noch umfangreiches Zusatzmaterial, wie Abdrucke diverser Vorworte der einzelnen Auflagen und ein Nachwort der Literaturwissenschaftlerin und Expertin für weibliches Schreiben Martine Reid.

Fazit

Eine tolle Klassiker-Neuentdeckung und eine gewagte Geschichte, in der mit Geschlechterrollen gespielt und die Zeit der Dekadenz Ende des 19. Jahrhunderts wachgerufen wird.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 26.10.2020

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