Radka Denemarková

 4 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf von Radka Denemarková

Radka Denemarková, geboren 1968, ist eine tschechische Autorin, Dramatikerin, Drehbuchautorin, Essayistin und Übersetzerin deutscher Literatur und lehrt Creative Writing. Als einzige tschechische Autorin ist sie dreifache Preisträgerin des Magnesia Litera Preises (in den Kategorien Prosa, Sachbuch und Übersetzung). Ihre Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. 2017 war sie Stadtschreiberin von Graz.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Radka Denemarková

Cover des Buches Ein Beitrag zur Geschichte der Freude (ISBN:9783455005110)

Ein Beitrag zur Geschichte der Freude

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Erschienen am 05.02.2019
Cover des Buches Ein herrlicher Flecken Erde (ISBN:9783421044044)

Ein herrlicher Flecken Erde

 (1)
Erschienen am 01.09.2009
Cover des Buches Ein herrlicher Flecken Erde (ISBN:9783641037031)

Ein herrlicher Flecken Erde

 (0)
Erschienen am 20.11.2009
Cover des Buches Ein Beitrag zur Geschichte der Freude (ISBN:9783455005127)

Ein Beitrag zur Geschichte der Freude

 (0)
Erschienen am 05.02.2019

Neue Rezensionen zu Radka Denemarková

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Rezension zu "Ein Beitrag zur Geschichte der Freude" von Radka Denemarková

Krimi plus eine Auseinandersetzung mit der Gewalt gegen Mädchen und Frauen
nocheinbuchvor 6 Monaten

"Ein Beitrag zur Geschichte der Freude" von Radka Denemarková oder auch ein Beitrag zur Geschichte der Gewalt gegen Frauen:
1989 verübt ein reicher, älterer Herr Suizid, was den zuständigen, skeptischen Ermittler auf drei ältere, äußerst kultivierte Damen, die mal vier waren, aufmerksam werden lässt. Aktenordner voller Daten zu unzähligen Fällen sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen findet er in ihrem Haus - flankiert von Musik, Filmmaterial und Selbstgeschriebenem.
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Während diese Verdächtigen und Feministinnen erster Stunde den Ermittler in einen unlösbaren Konflikt stürzen und er zugleich eine Affäre mit der Witwe des vermeintlichen Suizidopfers beginnt, zieht Denemarkovás Sprachgewalt in den Bann: Filigranes Gezwitscher, das im Vogelsturm durchaus kurzzeitig die Orientierung nehmen kann, dann wieder glasklar trillernd on point. Vögel zitiere ich, weil Denemarková es durchweg tut, vor allem die Schwalben in ihren Eigenarten. Ihr ornithologisches Fachwissen trägt nicht nur flügelgleich das faktische und fiktionale Geschehen, es spitzt dieses zu und lässt zugleich ertragen sowie verstehen, worum es geht:
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Vergewaltigungen und Erniedrigungen. Viele. (Ohne Details).
Sowohl im Nationalsozialismus als auch gefördert von Religionen, oft genug assistiert von Frauen oder schlichtweg unseren gesellschaftlichen Strukturen, die selten eine strafrechtlich korrekte Verfolgung fordern, auch wenn Selbstjustiz keine Antwort ist. Oder doch? Denn eine Vergewaltigung schreibt sich in den Körper ein, der nicht vergisst und weiter vererbt über Generationen hinweg.
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Deshalb forscht Denemarková, welche neuen Strukturen nötig wären und warum überhaupt Milliarden von Menschen degradiert werden. Parallel stellt sie die romantische, real abgründige Liebeserfahrung des Ermittlers dar, welche das Mann-Frau-Komplott um positivere, weitere Facetten ergänzt.
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Ein Roman, der als Gesamtbild voller Ebenen, Tiefen und Spiegel funktioniert, mit einem verträglichen Maß an Mystik ausgestattet. Sprachlich extrem beeindruckend und wirkmächtig gibt er den Opfern eine Stimme.
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Rezensionsexemplar
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Übersetzung aus dem Tschechischen: Eva Profousová
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Rezension zu "Ein Beitrag zur Geschichte der Freude" von Radka Denemarková

„Schwalbenmosaik“ (S. 159)
leseleavor 7 Monaten

Der Klappentext von Radka Denemarkovás Ein Beitrag zur Geschichte der Freude versprach einen Roman genau nach meinem Geschmack: Drei ältere Damen, die in Prag ein geheimes Archiv unterhalten, das ungesühnte Gewalttaten an Frauen seit dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert. Ein Kriminalpolizist, der den vermeintlichen Selbstmord eines Geschäftsmannes aufnimmt und dabei ins Zweifeln gerät. Die Andeutung, dass diese drei älteren Damen sich als drei erfahrene Racheengel entpuppen, die mehr als einen Geschäftsmann für seine Übergriffe gegenüber Frauen bestraft haben. Das klang drastisch, sogar überzogen, doch ich erhoffte mir, hinter diesem ungewöhnlichen Plot eine in mehrerer Hinsicht hochmoralische Geschichte zu finden: Warum schaffen es die Justizsysteme so vieler Länder nicht, Frauen vor Gewalt und Missbrauch zu schützen und die Täter angemessen zu bestrafen? Wieso gelten Vergewaltigungen vor allem in Kriegszeiten als etwas, „was leider unweigerlich passiert“? Welche Rollenerwartungen sind mit der gesellschaftlichen Zuschreibung „Vergewaltigungsopfer“ verbunden und was passiert, wenn eine Frau, ein Mädchen diese „Vorgaben“ nicht erfüllt? Und über allem schwebend: Wie bewerten wir Selbstjustiz in solchen Gewaltfällen und was macht es mit einer Gesellschaft, wenn einige wenige das Recht in die eigenen Hände nehmen?

Diese Fragen spielen tatsächlich alle eine entscheidende Rolle im neuen Roman der tschechischen Autorin und bilden meiner Meinung nach eine hervorragende Grundlage für die Geschichte, die sich auf circa 330 Seiten rund um die drei kämpferischen Damen Diana, Birgit und Erika  entwickelt. Leider fokussiert sich Radka Denemarková aber nicht auf dieses erzählerische Kraftfeld, sondern weitet die Geschichte auf einen zweiten, absolut unnützen Erzählstrang rund um den Ermittler der tschechischen Polizei aus. Abwechselnd erzählt sie von seinen Nachforschungen, die jedoch immer mehr in eine Affäre/kitschige Liebesgeschichte mit der Witwe des Mordopfers abweichen, und den geheimen Operationen der drei Protagonistinnen, das Leid unschuldiger Frauen zu rächen. Vermutlich sollte dies dem Roman Dynamik verleihen, vielleicht auch Spannung, der Ermittler steht mutmaßlich auch für die moralische Zerrissenheit des Einzelnen, die Taten der Frauen verurteilen zu müssen, obwohl man sie für richtig hält; doch insgesamt reißen seine Passagen die gelungenen Absätze um die verschiedenen Frauenschicksale und das im Verborgen arbeitende Netzwerk lediglich auseinander, drosseln das Interesse und lenken die Aufmerksam weg von dem, worum es in diesem Roman eigentlich gehen sollte. Erzähltechnisch muss daher eindeutig gesagt werden: Das Buch ist leider nur zur Hälfte gut!

Hinzu kommt zudem ein nur schwer aushaltbarer Stil. Generell schreibt Denemarková sehr distanziert, beinahe sezierend, gleichzeitig aber auch sehr symbolisch, als wären ihre Worte mythisch aufgeladen. Man muss sich durch diesen Text schon etwas durcharbeiten, womit ich prinzipiell kein Problem habe, allein: das Durchkämpfen führt zu keinem Ziel! Der Roman verliert sich in Andeutungen, die der Leser nicht entschlüsseln kann, besteht aus Zeichen, die er nicht lesen kann. Das Sprechen in Metaphern hat hier für mich keinen Zweck, es verschleiert nur, führt jedoch zu keiner Erhellung, keiner emotionalen Bildung, keiner erschütternden Erfahrung. Stattdessen stumpft der Leser während der Lektüre gegenüber dem Text ab, der in einer überbordenden Schwalben-Metaphorik (andere Vögel werden auch gerne, aber nicht so häufig herbeigezogen) unterzugehen scheint. Kann das wirklich die Intention der Autorin sein, das Leid der Frauen – dem sie sich hier doch „verschrieben“ hat – so zu zerreden, dass es für den Leser nicht mehr von Interesse ist? Da ich das nicht glaube (glauben will), muss Ein Beitrag zur Geschichte der Freude auch hinsichtlich seiner Erzählweise als unzureichend bewertet werden.

Insgesamt habe ich mich tatsächlich über weite Strecken durch das Buch gequält. Die starken Szenen, die klugen Fragen, die einen als Leser mitnehmen kann man an einer Hand abzählen; die mutige, weil eben unkonventionelle Grundidee des Plots wurde für mein Empfinden nicht konsequent auserzählt, sodass der Roman deutlich hinter meinen Erwartungen, aber eben auch hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Schade! Dafür kann ich leider nur zwei Sterne und eindeutig keine Leseempfehlung geben.

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