„Formel des Bösen“ war in drei Teile gegliedert, welche wiederum drei verschiedene Handlungsstränge abwechselnd verfolgten: die fünfzehnjährigen Astronautenanwärter Beth und Nicholas der EEJA beim Erkunden eines in London angesetzten Videospiels, das ihnen im Internet zugespielt wurde und seltsam eng mit der Realität verknüpft war, den Ermittler Aldous Fowler mit seiner Partnerin Lieutenant Taylor vom FBI auf der Suche nach dem als „Zauberkünstler“ betitelten Mörder, welcher mehrere renommierte Wissenschaftler umgebracht und ihnen das Gehirn entnommen hatte, sowie die Gegenseite. (SPOILER) Deren Perspektive gestaltete sich zunächst in Form eines von der hinter den Morden steckenden Geheimgesellschaft in einem dunklen Verlies gefangen gehaltenen Mann, ab Teil zwei als Sicht des Anführers des seit dem Mittelalter bestehenden Bundes, welcher Aldous Fowlers Schwester näher war, als es ihm lieb sein konnte. (SPOILER ENDE)
So sehr ich mich auf die Geschichte gefreut hatte, war mein Einstieg zunächst holprig: Beth und Nicholas boten mir wenig Möglichkeit zur Identifizierung, weil sie einerseits total intelligent und computeraffin (unnahbar für mich), andererseits aber fast schon zu kindlich-naiv waren. Auch mit den Kapiteln des in der Kammer gefangenen Mannes konnte ich erst einmal nicht viel anfangen, obgleich sich die drei Handlungsstränge gottlob rasch abwechselten, weshalb es zu keinen unangenehmen Längen kam.
Mit der Zeit, vor allem ab Teil zwei, der nach rund hundert Seiten folgte, kamen mir Beth und Nicholas näher, desgleichen fand ich die Sicht des Geheimbundführers deutlich interessanter als die redundanten Gräuelbeschreibungen im Verlies. Die Spannung wurde zunehmend angezogen, wodurch ich eigentlich bis zum Ende gefesselt war.
Sehr nett fand ich, dass Hinweise, die die Charaktere fanden, häufig als Symbole oder Illustrationen/Gemäldeabdrucke auf den Buchseiten zu finden waren. Nicholas und Beth wurden im Computerspiel zwar ständig angegriffen, ohne sonderlich häufig verwundet zu werden oder gar zu sterben und teilweise wirkte die digitale Welt zu realistisch (ich glaube, einmal schilderten die Kinder sogar Gerüche), aber das störte mich nicht sonderlich. Vielleicht erklärt das die Einordnung als Fantasy auf dem Cover, welche ich mir sonst nicht erklären kann.
Als Deutscher wird man bei dem Plot zwangsläufig an Ursula Poznanskis „Erebos“ denken, abgesehen von dem in das echte Leben übergreifenden Videospiel gab es trotz London als gleiches Setting indes kaum Parallelen.
Mehrmals wurde der junge Gelehrte Grimpow aus dem Mittelalter erwähnt, welcher (SPOILER) das „Manuskript der kosmischen Wunder“ geschrieben haben soll, ferner war die Quelle des Mysteriums, um die sich die Suche der Kinder und der Geheimgesellschaft drehte, anscheinend nichts anderes als der Stein der Weisen. (SPOILER ENDE) Daher frage ich mich, inwieweit sich die Handlung mit dem anderen auf Deutsch erschienen Buch des Autors – tatsächlich genau „Grimpow“ betitelt – überschneidet. Leider ist davon der zweite Teil nicht übersetzt worden.
Das Ende von „Formel des Bösen“ war jedenfalls sehr rund. (SPOILER) Das Einzige, was mich störte, war, dass nicht geschildert wurde, wie Beth und Nicholas gefangen genommen wurden, sondern lediglich, wie sie plötzlich in ebenjenem Verlies waren, in dem sich am Anfang der nicht weiter definierte Mann befunden hatte. Für einen kurzen Moment fürchtete ich einen Cliffhanger, weil Nicholas glaubte, die Hirndaten Adam Groslings, des verrückten Kopfes, der hinter allem gesteckt hatte, implantiert bekommen zu haben, doch bei Berührung mit dem Stein der Weisen wurde beschrieben, wie ihn die „Monster des Geistes“ verließen. (SPOILER ENDE)
Ansonsten kann ich lediglich auf das Gewicht des Buches hinweisen, was bei mir am Anfang und Ende des Lesens ein wenig Schmerz im Handgelenk verursachte.
Fazit: „Formel des Bösen“ war für mich ein echtes Highlight: Die Charaktere wuchsen mir ans Herz und die Jagd durch London in Videospiel wie Realität nach einem alten Mysterium boten Hochspannung.
Noch eine kleine Anmerkung: Auf Seite 258 wird ein Satz durch eine Leerzeile entzweigespalten, auf Seite 268 ist ein Symbol zwei Zeilen, auf Seite 288 drei nach oben gerutscht und auf Seite 547 steht ein Punkt statt einem Fragezeichen.








