Rafael Chirbes

 3.7 Sterne bei 58 Bewertungen
Autor von Am Ufer, Der Fall von Madrid und weiteren Büchern.
Autorenbild von Rafael Chirbes (© Jo Schwarz)

Lebenslauf von Rafael Chirbes

Rafael Chirbes, geboren 1949 in Tabernes de Valldigna bei Valencia, studierte in Madrid und lebt heute als freier Publizist in Beniorbeig /Alicante.

Alle Bücher von Rafael Chirbes

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Cover des Buches Am Ufer (ISBN: 9783442749102)

Am Ufer

 (14)
Erschienen am 14.12.2015
Cover des Buches Die schöne Schrift (ISBN: 9783888974953)

Die schöne Schrift

 (10)
Erschienen am 09.07.2007
Cover des Buches Der Fall von Madrid (ISBN: 9783888979224)

Der Fall von Madrid

 (10)
Erschienen am 11.09.2013
Cover des Buches Krematorium (ISBN: 9783596186631)

Krematorium

 (5)
Erschienen am 23.02.2012
Cover des Buches Der Schuß des Jägers (ISBN: 9783956141096)

Der Schuß des Jägers

 (3)
Erschienen am 16.03.2016
Cover des Buches Paris-Austerlitz (ISBN: 9783956141225)

Paris-Austerlitz

 (3)
Erschienen am 24.08.2016
Cover des Buches Der lange Marsch (ISBN: 9783453404823)

Der lange Marsch

 (4)
Erschienen am 06.06.2006
Cover des Buches Paris - Austerlitz (ISBN: 9783442716173)

Paris - Austerlitz

 (3)
Erschienen am 11.06.2018

Neue Rezensionen zu Rafael Chirbes

Neu
H

Rezension zu "La buena letra" von Rafael Chirbes

Familiengeschichte
Haselnussavor 6 Monaten

Es ist eine trauruge Familiengeschichte, geschrieben als Monolog aus der Perspektive von Ana, die das Drama ihrem erwachsenen Sohn erzählt. Es ist ein Lebensbericht einer einfachen Familie während des spanisches Bürgerkriegs und die Zeit danach.
Das Buch ist schlicht aber trotzdem schön und berührend geschrieben. Man bekommt Einblicke in ein Leben, das so weit weg scheint und doch zeitlich gesehen noch gar nicht so lange her ist. 

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Rezension zu "Paris - Austerlitz" von Rafael Chirbes

Von der Liebe
Giselle74vor 2 Jahren

Dieser posthum veröffentlichte Roman des bekannten spanischen Schriftstellers Rafael Chirbes erzählt eine ganz gewöhnliche Liebesgeschichte. Man lernt sich kennen, zieht noch im ersten Taumel zusammen, der Alltag bricht irgendwann herein, die ersten ernsteren Zwiste folgen und irgendwann trennt man sich wieder. Auch das einer der Liebenden innigere Gefühle hat, eifersüchtiger ist, die Trennung nur schwer akzeptieren kann, gehört, platt gesagt, zum Lauf der Dinge.
Der junge Ich-Erzähler strandet ohne Geld und Unterkunft in Paris, geflohen vor seiner dogmatischen Familie. Künstler möchte er sein, Geschäftsmann soll er werden. Er lernt den erheblich älteren Arbeiter Michel kennen, einen lebendigen, großherzigen Mann, der ihn aufnimmt und mit durchfüttert. In der Phase der ersten Verliebtheit merkt der junge Mann nicht, was der Preis dieser Fürsorge ist: Michel wünscht seine ungeteilte Aufmerksamkeit, die totale Aufgabe aller anderen Kontakte und Wünsche. Nach einem Besuch bei seinen Eltern kommt es zum Bruch, der junge Mann zieht aus. Er erträgt die erzwungene Nähe nicht mehr.
So weit, so altbekannt. Doch nun kommt "die Plage" ins Spiel. Michel erkrankt daran, an eine Rettung ist nicht zu denken. "Die Plage", nie wird diese Erkrankung beim richtigen Namen genannt, aber es liegt nahe, ist AIDS. Chirbes beschreibt den Niedergang, den Verfall Michels. Er erzählt, wie der junge Mann zunächst panisch auf jedes Erkrankungszeichen seinerseits achtet, fest davon überzeugt, er müsse nun auch sterben. Wie er den Anblick Michels, das sich an ihn Klammern einer aufgegebenen Liebe nur schlecht erträgt. Muss man sich im Angesicht eines Todkranken zusammenreißen? Muss man ihn pflegen, ihm helfen, obwohl man sich dazu nicht imstande fühlt? Gibt es Verpflichtungen aus vergangenen Tagen, obwohl die Beziehung beendet ist?
Streckenweise ist es mir schwer gefallen, weiterzulesen. Zu genau kenne ich die Abläufe im Krankenhaus, die notwendigen Hilfestellungen bei Totkranken.Ich kann aber auch verstehen, dass man davor zurück schreckt, die Veränderung eines vertrauten Menschen einfach nicht erträgt.
Chirbes schreibt recht nüchtern, die Fragen nach Moral, nach der richtigen Verhaltensweise muss der Leser sich schon selbst stellen und beantworten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich diese Geschichte nicht so berührt hat, wie sie sicherlich hätte können. So habe ich das Buch leider recht gleichmütig zugeklappt. Der Gedanke allerdings, was eine Erkrankung wie AIDS mit den Betroffenen und ihrem Umfeld macht, der hat mich lange verfolgt.

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Rezension zu "Paris-Austerlitz" von Rafael Chirbes

Abgesang einer Liebe
Buecherschmausvor 4 Jahren

Am 15.August 2015 starb der spanische Autor Rafael Chirbes im Alter von 66 Jahren.
Chirbes war nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller seines Landes, er war auch einer der schärfsten Analytiker der spanischen Gesellschaft seit den Zeiten des Bürgerkriegs.
1990 erschien sein erster Roman, „Mimoun“, auf Deutsch. Und zeitweise war Rafael Chirbes in Deutschland erfolgreicher als in seinem Heimatland.
Mit diesem ging er stets hart ins Gericht, thematisierte immer wieder, dass Spanien seine Vergangenheit nie offen aufgearbeitet hat, die durch den Bürgerkrieg entstandenen Gräben nur locker zugeschüttet wurden. Auch mit der Nachkriegsgesellschaft kannte er kein Pardon. Die Verlogenheit, der Materialismus der Mittel- und Oberschicht, besonders auch das Umgehen mit dem Wirtschaftsboom und dann der Wirtschaftskrise, in der immer nur die „Kleinen Leute“ die Verlierer waren, vor allem auch die Immobilienblase, die in Spanien besonders ausgeprägt war, waren ihm als altem „Linken“ ein Dorn im Auge.
So wurde er mit seinen Romanen, begonnen mit dem wunderbaren „Die schöne Schrift“ bis zu „Am Ufer“ zum unbestechlichen Analytiker und Chronisten der spanischen Gesellschaft. Dabei verpackte er seine Themen meist in generationenumspannenden Familiengeschichten und wurde mit den Jahren zunehmend komplexer und auch umfangreicher. Trotz der zahlreichen Auszeichnungen, die gerade seine jüngeren Werke bekamen, tat das den Texten nicht immer gut.
Nun erschien aus dem Nachlass ein Werk, an dem Chirbes wohl seit mehr als zwanzig Jahren gearbeitet hatte und das mit nur 160 Seiten an die schmalen Werke seiner Frühzeit anknüpft. Auch thematisch bildet es mit „Mimoun“ eine Art Klammer. Denn es ist wie dieses ein sehr persönliches Buch geworden.
Es spielt in den frühen 90 er Jahren in Paris. Der junge Ich-Erzähler, Sohn aus begütertem Haus und Maler, flieht aus dem für ihn eng gewordenen Madrider Elternhaus in die französische Hauptstadt. Dort lernt er den wesentlich älteren Arbeiter Michel kennen. Die beiden werden ein Paar. Der unkomplizierte Michel fasziniert den Erzähler zunächst durch seine Andersartigkeit, seine Leidenschaftlichkeit, seine ausschweifende Sexualität.
"Ein Typ, dem es genügte, wenn der Lohn bis Monatsende und zum Ausgehen mit dem Freund am Wochenende langte; der zufrieden damit war, durch die Stadt zu streunen, ins Kino zu gehen, in einen Animierclub, zu einem Abendessen, trinken und lachen, sich berühren, Liebeserklärungen abgeben, die mit steigendem Alkoholpegel immer feuriger wurden(…)“
Doch nach und nach sind es gerade diese Dinge und Michels bedingungslose, besitzergreifende Liebe, die den Ich-Erzähler zunehmend erdrücken und schließlich gar abstoßen. Es kommt zum Bruch.
Erzählt wird die Geschichte rückblickend, das Ende vorwegnehmend. Michel ist mittlerweile an einer Krankheit, sie wird nicht ausdrücklich benannt, aber es wird wohl AIDS sein, tödlich erkrankt. Der Erzähler zieht sich noch mehr zurück, benennt auch Widerwillen, Abwehr und Angst.
„Und mich ärgerte die Willfährigkeit, mit der er sich hatte packen lassen, dass er es der Krankheit so leicht gemacht hatte. (…) In jenen Tagen wollte mir der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass dieses Übel im Grunde Ausdruck von mangelndem Ehrgeiz, ja sogar von fehlendem Stolz sei.“
In einer grausam genauen Selbstbefragung durchlebt der junge Maler noch einmal die Stationen dieser Liebe, nicht chronologisch, sondern in Erinnerungsbruchstücken, in denen Chirbes Zeit- und Perspektivebenen kunstvoll ineinander verwebt. Zunächst nach einer Selbstrechtfertigung klingend, wird die Analyse immer mehr auch zu einer Selbstanklage. Nachdem der junge Spanier eine Weile bereitwillig in die Parallelwelt der schäbigen Wohnungen, der Alkohol- und Drogenexzesse, des ausschweifenden Sex eingetaucht ist, wird er ihrer doch bald überdrüssig. Die sozialen Schranken, die die beiden Männer voneinander trennen kann auch die Liebe nur schwer überwinden. Bei aller Intimität des Erzählten, kommt bei Rafael Chirbes so doch auch wieder die Klassenfrage zum Tragen, werden soziale Muster aufgezeigt, drängt das Politische ins Private.
Chirbes schreibt ungeheuer intensiv und dicht, unsentimental und kühl, schreckt auch vor expliziten Schilderungen von Sexualität nicht zurück, ohne jemals voyeuristisch zu sein. Er schafft dadurch ein sehr atmosphärisches Buch, das gerade durch seine Offenheit und Wucht sehr zu berühren vermag.
Es ist sehr traurig, dass „Paris-Austerlitz“ das letzte Werk von Rafael Chirbes bleiben wird.

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