Rafael Seligmann

 4 Sterne bei 68 Bewertungen
Autor von Hannah und Ludwig, Der Milchmann und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Rafael Seligmann, 1947 in Tel Aviv als Kind deutscher Eltern geboren, kehrt mit ihnen 1957 nach Deutschland zurück. Handwerkerlehre, Studium, Promotion. Lehrtätigkeit an den Universitäten München, Potsdam und Warwick. Später als freier Journalist unter anderem für Spiegel, Stern, Welt und BZ tätig. 2012 gründet er die Jewish Voice from Germany, die größte jüdische Zeitung außerhalb Israels, die er bis heute herausgibt. Er ist Autor der ersten deutsch-jüdischen Gegenwartsromane, wie „Der Musterjude“, und „Der Milchmann“. „Hannah und Ludwig“ ist nach „Lauf, Ludwig, lauf!“ der zweite Teil von Seligmanns Familiensaga.

Neue Bücher

Cover des Buches Brandstifter und ihre Mitläufer – Putin – Trump – Netanyahu (ISBN: 9783451396076)

Brandstifter und ihre Mitläufer – Putin – Trump – Netanyahu

Neu erschienen am 08.04.2024 als Gebundenes Buch bei Verlag Herder.

Alle Bücher von Rafael Seligmann

Cover des Buches Hannah und Ludwig (ISBN: 9783784435695)

Hannah und Ludwig

 (35)
Erschienen am 17.09.2020
Cover des Buches Der Milchmann (ISBN: 9783784436395)

Der Milchmann

 (5)
Erschienen am 19.09.2022
Cover des Buches Ein Stein auf meinem Herzen (ISBN: 9783451375866)

Ein Stein auf meinem Herzen

 (4)
Erschienen am 13.09.2016
Cover des Buches Die Kohle-Saga (ISBN: 9783492251525)

Die Kohle-Saga

 (4)
Erschienen am 01.04.2008
Cover des Buches Der Musterjude (ISBN: 9783423136686)

Der Musterjude

 (4)
Erschienen am 01.06.2008
Cover des Buches Die jiddische Mamme (ISBN: 9783423121729)

Die jiddische Mamme

 (3)
Erschienen am 01.05.1996
Cover des Buches In Deutschland angekommen (ISBN: 9783421044778)

In Deutschland angekommen

 (2)
Erschienen am 22.10.2012
Cover des Buches Deutschland wird dir gefallen (ISBN: 9783351027216)

Deutschland wird dir gefallen

 (2)
Erschienen am 14.09.2010

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Neue Rezensionen zu Rafael Seligmann

Cover des Buches Rafi, Judenbub (ISBN: 9783784436227)
Kathrin_Schroeders avatar

Rezension zu "Rafi, Judenbub" von Rafael Seligmann

3. Teil einer Trilogie
Kathrin_Schroedervor einem Jahr

Rafi Judenbub von Rafael Seligmann gelesen dank Netgalley.

Chronologisch gesehen 3. Buch der Geschichte von Familie Seligmann. Nach Verfolgung und Übersiedlung nach Israel mit geschäftlichem Versagen, kehrt die Familie nach Deutschland zurück. Vater Ludwig versucht wieder als Selbständiger Fuß zu fassen, der Sohn kommt in die Schule und Mutter Hannah krankt am Leben im Land der Nazis.

Die Geschichte wird in wechselnden Perspektiven aller 3 Familienmitglieder erzählt. Da ich die anderen beiden Bücher nicht kenne, bin ich Familie Seligmann hier das erste Mal begegnet.

Vater Ludwig hat vor dem Krieg als Hausierer für Textilien gearbeitet. Er kann verkaufen, organisieren und akquirieren, ist aber dennoch von einer Selbständigkeit überfordert. Hannah habe ich als absolute Nervensäge empfunden, die das Leben von Mann und Sohn steuern und lenken will, die finanziellen Belange regeln und sich dabei so wenig wie möglich mit Deutschen befassen möchte. Sie beschafft ihm eine Arbeit, sie verhandelt den Lohn nach, sie reglementiert ihren Sohn, versucht ihm den Umgang mit deutschen Kindern zu verbieten und später die Liebesbeziehung mit einer Schickse statt einer Hochzeit mit einer nicht geliebten Jüdin.

Ich denke wirklich gerecht kann man dem Buch nur werden, wenn man alle 3 Teile kennt. Losgelöst fällt es mir eher schwer Sympathie zu den Personen im Buch - egal ob Familie Seligmann oder die beiden Chefs zu entwickeln. Obwohl aufgrund des Schicksals ein Kontrollversuch des Lebens der Familie nachvollziehbar ist, muss ich mir dies doch immer wieder vorsagen. Die beiden Chefs beuten die Mitarbeiter aus und gehen bei jeder kleinen Kritik oder Bitte direkt an Antisemitismus aus. Vergleiche zu KZ und Gestapo sind bei ihnen normaler Sprachgebrauch.

Bei Rafi verläuft die Schule wellenförmig. Gleichbleibend ist seine Faulheit plus Begabung und durch die Schulkarriere ist er mal ganz normales Schulkind, mal als Jude der Außenseiter, mal als schwacher Schüler der Klassenclown. Ein Problem ist an manchen Stellen die Mutter, die gern da eingreift, wo es nur Probleme bringt und den Sohn zu seinem Leidwesen damit ein wenig an den Pranger schickt.

Habe ich das Buch gern gelesen? Soweit ja, obwohl mir die Personen oft unangenehm waren.

Leider habe ich kein Coverbild, da die von Netgalley zur Verfügung gestellte Amazonausgabe kein Cover hat.

#RafiJudenbub #NetGalleyDE! #RafaelSeligmann #KathrinliebtLesen #Rezension

Cover des Buches Der Milchmann (ISBN: 9783784436395)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der Milchmann" von Rafael Seligmann

Wenn aus den Schatten der Vergangenheit, Dämonen der Gegenwart werden
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Dieses Buch ist aus mehreren Gründen für viele schwer zu lesen. Zum einen sind viele Dialoge in jiddisch geschrieben und zum anderen zeigt es eine Seite der KZ-Häftlinge über die nicht so gerne geschrieben wird: Um selbst zu überleben, werden auch Juden zu Verrätern und Tätern.  

Worum geht’s also? 

Jakob Weinberg arbeitet als Zwangsarbeiter der KZ Auschwitz an den Geleisen der Bahn als eine Kiste von einem Zug fällt, die Dosen mit Trockenmilch enthält. Da er allein zu schwach ist, die Kiste mit in die Baracke zu nehmen, helfen ihm mehrere Mitgefangene in der Hoffnung etwas davon abzubekommen. Noch bevor Jakob selbst von „seiner“ Trockenmilch nehmen kann, haben die anderen verhungernden Juden die Dosen unter sich aufgeteilt. Jakob fühlt sich betrogen. Es kommt zum Tumult, der weitreichende Folgen für Jakob haben wird.  

Nach dem Krieg bildet sich die Legende vom Milchmann, der die gefundene Dosenmilch quasi selbstlos mit seinen Mitgefangenen geteilt hat. Jakob widerspricht nicht, obwohl er genau weiß, was wirklich passiert ist. 

Weinberg lebt wieder in Deutschland, wird wohlhabend, hat nun erwachsene Kinder und nach dem Tod seiner Frau eine neue, die allerdings eine Schickse (also Nichtjüdin) ist. Doch glücklich ist er nicht. Die Schatten der KZ-Vergangenheit und die Ablehnung der Deutschen lassen sich nicht verdrängen. Als ihm der Arzt zu einer Biopsie rät, kommen seine Todesängste wieder hoch.  

Völlig aus der Bahn wirft ihn das tödliche Attentat auf Israels Premierminister  Yitzhak Rabin vom 4. November 1995, denn der Täter ist ein rechtsradikaler Jude.    

Meine Meinung:

Autor Rafael Seligmann ist selbst Sohn von KZ-Überlebenden, die nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurückkehren. Der Vater freiwillig, die Mutter nicht. Das ist in seinem autobiografischen Roman „Rafi, Judenbub“ nachzulesen.

Womit Seligmann aufräumt, ist das bis zur glorifizierten Selbstaufgabe stilisierte Leben der KZ-Häftlinge. Hier kommen Wahrheiten ans Tageslicht, über die nicht gerne gesprochen wird. Um das eigene Überleben zu sichern, werden noch schwächere geopfert. Der Kampf ums tägliche Stück schimmelige Brot macht die Menschen zu Todfeinden. Kapo gegen Barackenbewohner, Stärkere gegen Schwächere - so intensiv ist das noch selten beschrieben worden. 

Darf das sein, dass Juden so denken und handeln wie Nazis? Dürfen Juden rechtsextrem sein? 

Das Buch, das erstmals 1999 erschienen ist, zeigt deutlich, dass auch Juden keine homogene Gruppe sind. Da gibt es die säkularen, die gemäßigten und die ultra-orthodoxen. Da werden die aus Russland Vertriebenen verächtlich angesehen. Rafael Seligmann wird wegen des schonungslosen Aufzeigen der Interessenkonflikte zwischen den Juden untereinander als Nestbeschmutzer beschimpft.  

Fazit:

Ein Buch das auch mehr als zwanzig Jahre nach seiner Entstehung polarisiert und zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

 

Cover des Buches Der Milchmann (ISBN: 9783784436395)
Sigismunds avatar

Rezension zu "Der Milchmann" von Rafael Seligmann

Besser als jede Talkshow zum Thema
Sigismundvor einem Jahr

REZENSION – Obwohl der „Der Milchmann“ schon im Jahr 1999 erstmals erschien, hat der jetzt im Verlag Langen-Müller erneut veröffentlichte Roman des in Israel geborenen und seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland lebenden Schriftstellers und Historikers Rafael Seligmann (75) auch nach 23 Jahren nichts an seiner gesellschaftspolitischen Brisanz verloren. Im Gegenteil: Angesichts des aktuell wachsenden Antisemitismus ist er aktuell wie zuvor und kann immer noch zum besseren Verständnis des deutsch-jüdischen wie des deutsch-israelischen Verhältnisses beitragen. Denn beiderseitiges Verständnis, aber auch Streit - „Streit wie in der Judenschule“ - sind nach Seligmanns Auffassung unabdingbare Voraussetzung, um die nach dem Holocaust zurückgebliebenen seelischen Verletzungen bei Opfern und Tätern sowie bei deren Nachkommen zu heilen. Diese tiefgreifende Vielschichtigkeit der Konflikte nach der Shoah bei den Überlebenden, ihren Angehörigen und deren Nachkommen beschreibt Seligmann, selbst Sohn eines jüdischen Emigranten aus Bayern, in seinem „Milchmann“.

Der aus Polen stammende 70-jährige Jakob Weinberg hat das Vernichtungslager Auschwitz überlebt und lebt in den 1990er Jahren als angesehener Geschäftsmann nach dem Tod seiner jüdischen Ehefrau mit einer nicht-jüdischen Geliebten in München. Seine jüdischen Freunde, alle wie er selbst osteuropäische Überlebende der Shoah, nennen ihn den „Milchmann“. Damals im Vernichtungslager hatte er eine Kiste Trockenmilch gefunden und soll damit – so wird erzählt – seine Mithäftlinge vor dem Hungertod gerettet haben. Weinberg hat dieser Legende aus Eigennutz nie widersprochen. So weit, so gut. Als sein Arzt ihm im Jahr 1995 eine Gewebeprobe entnimmt, um sie im Labor untersuchen zu lassen, wird Weinberg von Todesangst gepackt. Und es kommt noch schlimmer: Nicht nur, dass seine beiden verheirateten Kinder und seine junge Geliebte ihn wegen des beträchtlichen Erbes unter Druck setzen und zusätzlich seine Kumpel von ihm Geld für die Operation eines erkrankten Freundes fordern, sondern völlig ins Wanken gerät seine Welt, als der von ihm verehrte israelische Präsident Yitzhak Rabin einem Attentat zum Opfer fällt und Weinberg erkennen muss: Nicht nur die deutschen Nazis haben Juden ermordet, sondern jetzt ermordet ein Jude den anderen. Gibt es also auch jüdische Nazis? Sind die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend?

Ist man als deutscher Leser gewohnt, in Büchern über den Holocaust und die Folgezeit eine meist klischeehaft pauschale Trennung zwischen Tätern (Deutsche) und Opfern (Juden) zu finden, sieht man sich in Seligmanns „Milchmann“ einer fast irritierenden anderen Sichtweise gegenüber: Der Autor beschränkt sich in seinem Roman ausschließlich auf Weinberg und seine jüdische „Mischpoke“, auf dessen eigene Familie und Freundeskreis, und zeigt die gesellschaftspolitischen Konflikte innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Es gibt demnach gravierende Unterschiede im Leben, Denken und Handeln zwischen den Generationen der Überlebenden aus Osteuropa und denen aus Deutschland, zwischen den in der jungen Bundesrepublik aufgewachsenen Kindern und den in Israel lebenden oder den nach Deutschland heimgekehrten Nachkommen – wie Rafael Seligmann selbst. Deutsche Juden sind also keineswegs als homogene Gesellschaftsgruppe anzusehen, sondern so unterschiedlich wie alle Menschen.

Seligmann lässt in seinem provozierenden Roman seine in Deutschland lebenden Glaubensgenossen nicht unverschont. In seinem Roman bestehen die Konflikte nicht zwischen Juden und Deutschen, sondern zwischen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration sowie zwischen den orthodoxen und liberalen Juden. Wegen seiner harschen „Kritik in alle Richtungen“ und seiner Forderung nach „mehr Normalität“ im Zusammenleben von Deutschen und Juden wurde Seligmann, der sich selbst als „deutscher Jude“ sieht, schon in den eigenen Reihen als „Nestbeschmutzer“ beschimpft. Doch gerade diese Offenheit und Ehrlichkeit des Autors lässt seinen Roman „Der Milchmann“ noch heute aktuell wirken, provoziert auch den heutigen Leser zum Nachdenken und macht das Buch auch 23 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch immer zu einer empfehlenswerten Lektüre: „Der Milchmann“ trägt leichter zum besseren Verständnis und Miteinander bei als jede Talkshow.

Gespräche aus der Community

Mit "Hannah und Ludwig" setzt der deutsch-israelische Autor Rafael Seligmann seinen Eltern ein Denkmal. Was treibt ein junges jüdisches Paar dazu, ins Nachkriegs-Deutschland zurückzukehren, einem Land, aus dem sie einst geflohen sind?

"Hannah und Ludwig" ist eine Geschichte, die euch nachhaltig prägen wird. 

1.150 BeiträgeVerlosung beendet
Kolumna_liests avatar
Letzter Beitrag von  Kolumna_liestvor 3 Jahren

Und hier kommt meine Rezension. Vielen Dank für deine Geduld, den Grund hatte ich dir ja geschrieben.

Die Rezension erscheint wortgleich bei hugendubel.de, Thalia, Weltbild, Lesjury sowie auf Facebook unter meinem Account und in einigen Lesegruppen.

Mich konnte die Geschichte nicht überzeugen - zum einen, weil nicht klar ist, was Fiktion und was Realität ist. Nimmt man den Vorsatz im Buch wörtlich, müsste man davon ausgehen, dass lediglich die Flucht, die Art der Flucht sowie die Heirat und die Rückwanderung den Tatsachen entsprechen. Bei mir war nach dem Lesen der Werbung sowie des Klappentextes jedoch der Eindruck entstanden, dass es sich um eine biografische Geschichte handelt. Von daher könnte man sich auch getäuscht fühlen, vor allem, weil gerade eine der fiktiven Personen für mich eine der tragenden Figuren der Geschichte ist.

Zum zweiten konnte mich die Geschichte auch vom Erzählstil nicht begeistern. Mir war die Sprache zu hölzern, in Teilen merkwürdig gestelzt.

Auch wenn ich mir von dem Buch mehr erwartet hatte, habe ich mich doch gefreut, das Buch erhalten zu haben und an der Leserunde teilnehmen zu können. Vielleicht war es ja auch nur der häufig auftretende "Hänger" eines zweiten Teils bei Trilogien ;-)

https://www.lovelybooks.de/autor/Rafael-Seligmann/Hannah-und-Ludwig-2572010037-w/rezension/2828348509/

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