Raffael Rauhenberg

 4.6 Sterne bei 25 Bewertungen
Raffael Rauhenberg

Lebenslauf von Raffael Rauhenberg

Sein erstes Buch »Zerschlag dein Spiegelbild« veröffentlichte Raffael J. Rauhenberg 1996 beim Verlag Jungbrunnen (Jugendroman zum Thema Rechtsextremismus, erschienen unter dem Namen Josef Rauhenberg). Das Buch erhielt mehrere Auszeichnungen: Die besten 7 Bücher, Focus/Deutschlandfunk, Juni 1996; Österreichischer Jugendbuchpreis 1997 (Ehrenliste). Neben beruflichen Irrfahrten in verschiedenen Branchen (Gartengestaltung, Elektro- und Brauindustrie, Handel …) hat Raffael Rauhenberg als Schriftsteller überwiegend Auftragstexte verfasst. Derzeit führt er in einem der wichtigsten Vogelschutzgebiete Mitteleuropas ornithologische Erhebungen durch und leistet Artenschutzarbeit.

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Die Schulter des Riesen

Die Schulter des Riesen

 (25)
Erschienen am 24.10.2018

Neue Rezensionen zu Raffael Rauhenberg

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Rezension zu "Die Schulter des Riesen" von Raffael Rauhenberg

Der Sturz ins Leere
dicketillavor 2 Monaten

Gregor Bach, Silberschmied,34 Jahre.

Eine einzige Unbeherrschtheit gab den Auslöser, der nichts mehr mit seinem unbeschwerten, sorglosen Leben gemein hatte. Doch wenig später musste er dieses Vorgehen teuer bezahlen - und jetzt durchlebte er das Leben derjenigen, die er doch einst so verachtete.

"Sein altes Leben... Damals hatte er für seinen Wohlstand gearbeitet, nun arbeitete er an seiner Armut." (S.139)

Es ist schon verstörend, wie schnell ein Mensch in eine ausweglose Situation, teilweise unverschuldet, gelangen kann. Wie das Labyrinth der behördlichen Unbegreiflichkeiten, ein Entkommen unmöglich machen. Sicher hat Gregor in manchen Momenten falsch gehandelt, aber wie sollte man ihm einen Vorwurf machen, in dieser surrealen Welt.
Der Leser begibt sich mit ihm auf den Weg nach einem warmen Schlafplatz, landet in der Gruft, die ihren Namen zurecht trägt. Bettelt um einige Münzen, um sich sein Schließfach und einen Bissen leisten zu können. Sieht die verachtenden Blicke, die Scham, wie er sich vor seinen Kindern verbirgt.
Aber dennoch verlor Gregor nicht seinen Blick für das Böse, den Dealern, die den Verfall von Menschen in Kauf nahmen, die Perversen, die sich an Jugendlichen, Kindern vergingen.
So sieht er ein Ziel, dem jungen Ricky beizustehen, ihm einen Ausweg zu zeigen.

Die Geschichte spielt in einer fiktiven Stadt in Deutschland, wird als eine Geschichte der Gegenwart geschildert.Und diese Gegenwart lauert bereits vor unseren Türen, ist in unseren Städten präsent. Mich hat diese Geschichte sehr erschüttert, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der die Kluften mehr und mehr auseinander driften.
Raffael Rauhenberg baut seine Gesellschaftskritik geschickt in die Handlung ein. Seine Wortwahl präzise, mit einer Genauigkeit, die Bilder entstehen läßt, die man eigentlich nicht sehen mag, Gerüche denen man entfliehen möchte. Menschen formt, die selbst in ihrer abgrundtiefen Verachtung, dennoch ein wichtiger Teil der Handlung werden. Selbst in dieser Trostlosigkeit etwas wie Sorge, Freundschaft erblühen läßt. Er fordert den Leser auf sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, hinzusehen, was da so schief läuft. Eine Hand, die sich uns entgegenstreckt, oftmals keine andere Wahl hat, geschweige bekommt.
Die Aroganz derer, die sich  im Schoße des Wohlstands befinden, sich dessen ganzen Ausmasses des Elends nicht bewusst sind, ihre Verachtung nach außen tragen.

Ich kann dieses Buch nur jedem Leser empfehlen, sich dem Umstand seines eigenen Lebens bewusst zu sein. In einer Welt, in der Konsum immer mehr im Vordergrund zu stehen scheint, Altersarmut droht, Mieten unerschwinglich werden, man sich nie um seiner Sicherheit sicher sein kann, seine Werte zu überdenken, Menschlichkeit zu bewahren, auch denen gegenüber, die schon ganz unten angekommen zu scheinen.

Es ist nur ein Buch, ein Buch mit einer Geschichte, aber die dennoch weiß den Leser zu erreichen, ihn nie in solch eine Situation gelangen läßt. Im wahren Leben ein Netzt gespannt wird, dass uns davor bewahren möge.

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NorbertSs avatar

Rezension zu "Die Schulter des Riesen" von Raffael Rauhenberg

Breite Schilderung eines Absturzes
NorbertSvor 2 Monaten

Die Schulter des Riesen

Danke an den Autor für das Rezensionsexemplar!

Teils war es gut verständlich geschrieben, teils schwierig, mit vielen Längen und Wiederholungen.

Nett beschrieben ist zunächst Gregors Umgang mit seinen Söhnen, was für Namen er sich dabei ausdenkt.

Sein erster Kontakt mit der Arbeitsagentur hingegen wird ziemlich heruntergeleiert, auch ist dabei nicht alles glaubhaft, etwa wenn ein Sachbearbeiter über Vermittlung wie auch Leistungen so schnell eine Einschätzung abgibt; und was für „Vermögen“ sollte hier vorhanden sein?

Gut geschildert wird der Alltag im Restaurant, obwohl hier viele Banalitäten vorkommen. Aber diese werden unterhaltsam beschrieben. Nicht ganz glaubhaft ist allerdings Gregors Verhalten am Ende dieses Abschnitts, in einer Situation, die zum einen eine Stresssituation gewesen sein muss und in der er doch nichts zu verlieren hatte.

Danach ist es größtenteils gut geschrieben, mit einigen neuen Begegnungen und einigen Enthüllungen. Aber manchmal wird es etwas zu längig, auch wiederholt sich manches.

Das Ende hat mich dann wieder überrascht, mit einer unerwarteten Wendung, hat mich mit manchen Längen kurz zuvor versöhnt.

Rechtschreib- und Grammatikfehler sind kaum vorhanden. Zu einem Kapitel möchte ich aber anmerken:

Kapitel 23, Kindle-Positionen 3765-3766: „Es schien, als hätten ein paar unerlöste Geister aus der Frühzeit des Kapitalismus Gestalt angenommen hatten:“
Auch bringt der Autor hier „derselbe“ und „der gleiche“ durcheinander: Zwei Eheleute können nur den gleichen Ehering tragen, während bei „dem gleichen Zug“ wohl eher „derselbe“ gemeint ist.

Insgesamt nach meiner Einschätzung etwas zu lang, aber gut geeignet vor allem für LeserInnen, die sich mit den Verhältnissen ganz unten befassen möchten.
Und nochmals danke an den Autor für die Einladung und das Rezensionsexemplar.

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Woerterfuchss avatar

Rezension zu "Die Schulter des Riesen" von Raffael Rauhenberg

Auf diesen Schultern liegt eine schwere Last
Woerterfuchsvor 5 Monaten

Das erste was ich erwähnen möchte, ist die raffinierte Sprache, mit der Rauhenberg Gregors Geschichte erzählt. Er zaubert herrliche Analogien und weiss, wann er sie einzusetzen hat. Er schafft es beeindruckende Wortgemälde zu kreieren, ohne sich in seitenlangen Szenenbeschrieben zu verirren, die den Lesefluss stören würden. Der Anfang des Buches zeigt Gregor am Rande einer Klippe und bereit zum Selbstmord, nur ein paar Seiten entfernt von Gregor der (einige Monate früher) glücklich und wild mit seinen Kindern im Wald spielt. Das ist ein vielversprechender Einstieg und weckte bei mir zweifellos das Bedürfnis «das Dazwischen» zu füllen. Gleichzeitig hatte ich Angst vor einem passiven Protagonisten, der einfach von den Umständen niedergeknüppelt wird und sich wehrlos ergibt - diese Klippe hat Rauhenberg aber geschickt umschifft. Meine Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen.


Die Schulter des Riesen zeigt einen Teil unserer Welt, dem viele von uns instinktiv mit gerümpfter Nase aus dem Weg gehen; das Leben jener Menschen, die wir gerne mit abschätzigem Blick und wegwischender Handbewegung als «Unterschicht» jeglicher Relevanz berauben. Die Schritte, die Gregor von seinem stabilen Leben zum Rand der Klippe führen, sind erschreckend nachvollziehbar, auch wenn einige Stellen möglicherweise ab und zu für den kafkaesken Effekt etwas überspitzt dargestellt wurden. Dennoch: Ein unglücklicher Zufall hier, eine kleine Fehlentscheidung, deren Folgen unmöglich abzusehen sind, da, und schon steht ein Leben am Rand des Abgrunds.

Was mich besonders an der Geschichte begeistert hat, waren die philosophischen Gespräche und Momente, und davon gibt es einige. Sei es Rado, der Koch, der gegen das Kapitalistische System wettert oder Nirwana, der betrunkene Möchtegernbuddhist, es fehlt nicht an Momenten, wo über die grossen und kleinen Fragen des Lebens sinniert wird. Dabei nimmt das Buch aber keine predigende Haltung ein und lässt den Leser zu eigenen Schlüssen kommen. Die Schulter des Riesen lässt sich durchaus als reiner Unterhaltungsroman lesen und wird auch da den Erwartungen gerecht, trotzdem empfehle ich das Buch hin und wieder aus der Hand zu legen und über das Geschriebene nachzudenken.

Auch wenn der grobe Handlungsverlauf vorweggenommen wird, bietet die Geschichte einige Überraschungen und Wendungen, strotzt vor Menschlichkeit und überzeugt mit Charakteren, die eine Echtheit und Lebendigkeit, eine Tiefe und Vielschichtigkeit aufweisen, die dafür sorgt, dass sie mich noch eine ganze Weile begleiten werden. 5 Sterne.

Vielen Dank an den Autor, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat, was meine Bewertung jedoch in keinster Weise beinflusst hat.

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Gespräche aus der Community

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Raffael_Rauhenbergs avatar


Was bleibt einem, wenn man alles verloren hat? Gibt es im Leben ein Licht, das der Dunkelheit ihre Schrecken nimmt?

Hallo,
ich möchte euch gerne meinen neuen Roman »Die Schulter des Riesen« vorstellen und zugleich 20 Leseexemplare verlosen. Der Roman hat mich viele Jahre beschäftigt (ich sage jetzt nicht, wie viele), und umso mehr bin ich gespannt auf eure Reaktionen und Meinungen!

Worum geht es in dem Buch?
Als Gregor Bach, Silberschmied und Liebhaber schöner Dinge, an einem heißen Septembernachmittag seine Wohnung betritt, trifft er nicht nur seine zwei kleinen Söhne an, sondern auch eine verwahrloste junge Frau, die sich das Vertrauen der Kinder erschlichen hat. Er reagiert jähzornig, ja gewalttätig, und löst damit eine Kettenreaktion aus, der er nichts entgegenzusetzen hat: Unaufhaltsam frisst sich von diesem Tag an ein zerstörerisches Feuer in seine Beziehungen und seine materielle Existenz. ...

So beginnt die Buchbeschreibung, weiter geht es hier.

Wie liest sich der Roman?
Die Schlucht klaffte in der Landschaft wie eine offene Wunde. Direkt vor Gregors Füßen endete der weiche Teppich von Moos und Waldmarbeln abrupt, und jenseits der Kante stürzte die Felswand fast senkrecht ab. Zwanzig, dreißig Meter weiter unten glänzten massige, glattgeschliffene Steine wie urzeitliche Flusspferde. Ein silbergraues Rinnsal wand sich tänzelnd zwischen ihnen hindurch und erreichte schließlich die Ebene, die sich zu Gregors Linken ausbreitete. Auf der anderen Seite der Schlucht eine weitere Felswand, vom Wetter zerfurcht wie von einer gewaltigen Klaue, darüber Wald. ...

So weit die ersten Sätze. Eine umfangreiche Leseprobe gibt es hier.


Wie könnt ihr euch bewerben?
Schreibt doch einfach, was euer Interesse geweckt hat! Titel, Buchumschlag, Inhaltsangabe, Leseprobe ...? Ein Satz genügt - mehr ist immer willkommen.


Was wird verlost?
Das Buch ist derzeit nur als E-Book verfügbar, folglich verlose ich 20 Amazon-Gutscheine, die jeweils dem aktuellen Kaufpreis des Buches entsprechen (€ 3,50). Wer keinen Kindle hat, kann das Buch auch auf Smartphone, Tablet oder PC bzw. Mac lesen. Die Gutscheine werde ich unmittelbar nach der Verlosung per Mail versenden.


Und wie geht’s weiter?
Jetzt freue ich mich auf eure Bewerbungen - und natürlich werde ich jederzeit gerne auf eure Fragen eingehen.
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Zusätzliche Informationen

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