Rafik Schami , Franz Hohler Reisen

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Inhaltsangabe zu „Reisen“ von Rafik Schami

Im neuen Jahr gibt es noch einen guten Grund mehr, sich auf das Frühjahr zu freuen. Denn Ende Februar, wenn sich die Menschen nach der Sonne sehnen und die ersten Krokusse aus der Erde spitzen, erblickt auch der erste Band der Sechs-Sterne-Reihe das Licht der Welt. Ein Band, dessen Kurzgeschichten das Thema REISEN umkreisen, es erkunden, im Innen und Außen erfahrbar machen, lebendig gestalten, facettenreich beleuchten, mit sprachlicher Virtuosität funkelnd erhellen, in poetischem Ton feiern. Ein Band, der zugleich auch die so ausdrucksstarke Gattung der Kurzgeschichte im deutschsprachigen Raum aus dem Dunkel holt, ins rechte Licht rückt, würdigt, mit einer literarischen Hommage feiert. Es ist eine faszinierende Vielstimmigkeit, die sich hier Gehör verschafft – und es ist einfach schön zu wissen: In den folgenden fünf Jahren erscheint mit den Vorboten des Frühlings ein neuer Band.

Wirklich süße Kurzgeschichten, die dem Genre gut tun und den eigenen Geist auf ganz unterschiedliche Reisen mitnimmt.

— MBuchling
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  • Phantasiewelt, Nachbardorf oder einsame Strandhütte - egal, hauptsache es wird verreist.

    Reisen

    MBuchling

    13. August 2015 um 16:57

    Dieses hübsche kleine Büchlein ist ein wahrer Schatz - vor allem für diejenigen, die zur Zeit nicht in Urlaub fahren können. Mit "Reisen" kann zumindest euer Kopf in die Ferne schweifen. Den sechs darin versammelten Autoren Franz Hohler, Root Leeb, Monika Helfer, Michael Köhlmeier, Natasa Dragnic und Rafik Schami wurde das Motiv "Reisen" vorgegeben und jeder hat dazu eine oder mehrere Kurzgeschichten geschrieben. In einem kurzen Vorwort erläutert Rafik Schami in seiner Funktion als Herausgeber die Idee hinter diesem Band: "Dieses Buch ist keine Anthologie, sondern eine neue Art, Texte zu inszenieren. Sechs Autorinnen und Autoren greifen einen Themenvorschlag auf und erzählen aus ihrere Sicht darüber. Es sind allesamt Liebeserklärungen an eine der feinsten Erzählkünste: der Kurzgeschichte. Besuchen Sie die sechs Erzählbühnen. Dort warten Überraschungen auf Sie. Ich garantiere Ihnen große Unterhaltung. Ich war dort." Diese Worte haben in mir als Leser schon mal eine große Erwartungen geweckt und am Ende konnte ich auch sagen, dass sie erfüllt wurden. Nun zu jedem Autor ein kurzer Absatz: Franz Hohler: Der Enkeltrick  Die erste Geschichte ist eine der längsten und realsten. Eine alte Dame fällt fast auf eine Trickbetrügerin  herein: Eine Frau steht eines morgens vor ihrere Wohnungstür und erzählt ihr, dass ihre Enkelin in Not sei und dringend Geld bräuchte. Die alte Dame geht zur Bank und holt Geld, doch als sie es der Fremden geben will ist diese verschwunden. Die alte Dame versteht nicht, dass das ein Betrugsversuch ist. Darum macht sie sich  selbst auf nach Rom, um ihrer Enkelin das Geld zu bringen. So eine Reise ist für eine alte, halbsenile Dame selbstverständlich sehr aufregend. Ich fand die Geschichte sehr süß. Ein guter Start schon mal. Root Leeb: Fünf Frauen machen eine Reise Root Leeb nimmt uns Leser mit auf Fantasiereisen, das hat mir besonders gut gefallen. Sie hat ihren Part in Untergeschichten eingeteilt mit den folgenden Titeln: Nach links, Nach rechts, Nach unten, Nach oben, Nach innen. Jede Erzählung ist dadurch nur ca. 3 Seiten lang und trotzdem total tiefgründig und abgerundet - das fand ich wirklich ein Kunststück! Dabei dreht es sich immer um eine weibliche Figur, die sich auf eine abstrakte Reise begibt z.B. durch eine Öffnung im Teppich eine Leiter hinabsteigt oder in ein Schneckenhaus hineinkriecht, in der sich eine Bibliothek verbirgt. Monika Helfer: Sechs Geschichten Wie der Titel schon sagt, sind auch in diesem Abschnitt wieder mehrere Geschichten mit unterschiedlicher Länge gruppiert. In den Geschichten kommen die unterschiedlichsten Figuren auf, die aber irgendwie alle etwas besonders sind. Überhaupt ist jede Geschichte etwas besonderes und sehr phantasievoll. Ich hatte das Gefühl, dass hinter jeder Geschichte die Bemühung steckt, eine einzigartige Geschichte zu erzählen.  Michael Köhlmeier: Lange Nacht heim Köhlmeier hat sich ebenso wie Hohler darauf konzentriert eine einzige Geschichte zu verfassen. Gefühlt war es die längste von allen. Und dabei habe ich das erste Mal richtig gespürt, dass es wirklich nicht auf die Länge ankommt, um Tiefe zu vermitteln. Seine Geschichte über eine Frau, die auf der Straße überfallen wird, und der ein junges Mädchen zu Hilfe eilt, war nicht schlecht. Aber im Vergleich haben mir andere Geschichten besser gefallen. Natasa Dragnic: Sandfluchten Zwei Geschichten in denen die Hauptfigur durch eine Reise ans Meer versucht, Abstand von schlimmen Erlebnissen zu Hause zu gewinnen und Kraft für einen Neuanfang zu schöpfen. Die zweite Geschichte "Das Meer aus Sand" hat mir fast am besten gefallen von allen. Denn hier ist was für Bücherwürmer dabei :) Der Protagonist beschreibt seine Gefühlszustände mit Buchtiteln, da er stelbst den ganzen Tag lang da sitzt und schreibt. So verarbeitet er ein traumatisches Erlebnis. Dargestellt wird das ganz dann so: "Um am nächsten Morgen wieder von der Sonne geweckt zu werden, verschwitzt und in einem leichten Panikzustand. Krieg und Frieden." (S. 139). Das ist doch mal eine sehr originelle Form. Rafik Schami: Das Fremde und das Eigene  Zwei Geschichten teilen sich diese Kapitel. Beide sind wie die Eröffnungsgeschichte wieder sehr realistisch gehalten. Der erste Protagonist bereist als Rentner und Witwer fernöstliche Ländern, gibt er zumindest vor. In Wahrheit verbringt er einfach viel Zeit mit Einwanderern, die um seinen Heimatort rund herum leben und ihn mit ihren traditionellen Gerichten bekommen und von ihrer Heimat erzählen. Der zweite Protagonist reist nach Italien um seinem eigenen Charakter zu entkommen. Denn er wurde in München schon 10 Frauen verlassen und versteht nicht warum. In Italien scheint es auch mit einer neuen Liebe zu klappen, weil er dort wie ein andere Mensch ist. Zurück in München fällt er leider wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Reisen kann viel bewirken und ist auch immer eine Reise zu sich selbst. Das macht dieser Band mehr als deutlich. Eine sehr schöne Abwechslung zu manch langen und zähen Romanen :) Diese Rezension gibt es auch auf meinem Blog: http://buchlingreport.blogspot.de/2015/08/reisen-kurzgeschichten-herausgegeben.html

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