Rahim Taghizadegan

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Neue Rezensionen zu Rahim Taghizadegan

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Wenn man sich für die Österreichische Schule der Nationalökonomie interessiert und noch nie etwas von ihr gehört hat, obwohl man vielleicht der Volkswirtschaftlehre im Studium nicht aus dem Weg ging, dann ist es sicher kein guter Anfang für eine fruchtbare Beziehung, wenn man von einem Autor dieser Schule mit "Systemtrotteln" in Verbindung gebracht wird. Ob solche  Beschimpfungen nun aus Frust über die eigene universitäre Bedeutungslosigkeit oder aus elitärer Arroganz erwachsen, ist völlig nebensächlich. Von Souveränität zeugen sie jedenfalls nicht. Und dafür gibt es überhaupt keinen Grund. Die Österreichische Schule  erläutert ökonomische Zusammenhänge immer noch am schlüssigsten von allen ökonomischen Denkrichtungen. 


Schließlich entstehen wirtschaftliche Zusammenhänge nur durch das Handeln von Menschen. Und nur so sind sie deshalb auch erklärbar. Das ist die Grundannahme dieser Schule. Es wird kein ausschließlich rational handelnden Modellmensch vorausgesetzt, der nur für realitätsfremde mathematische Modelle gebraucht wird, sondern der Mensch, wie er nun einmal ist. Aus dieser Grundannahme erwächst letztendlich die starke Prognosekraft, die dieser Schule seit ihrer Gründung eigen ist. 


Als ich den Titel dieses Buches das erste Mal sah, schwante mir schon nichts Gutes, weil er völlig unnötig jede weitere tiefere Beschäftigung mit den Erkenntnissen dieser Schule als  überflüssig definiert. Am Ende dieser Broschüre verrät einem der Autor dann auch noch, dass es sich um ein Auftragswerk des Verlages handelt. Geschrieben wurde es, weil der rastlose Mensch der Gegenwart angeblich als Folge seiner Dauerbeschäftigung mit seinen elektronischen Lebenshilfen an Konzentrationsschwäche leidet und ihm längere Texte nicht mehr zugemutet werden können. Die Österreicher werden hier also gewissermaßen  “to go” im Vorbeigehen angepriesen. 


In Anbetracht dieser leicht grenzwertigen Herangehensweise muss man das Ergebnis sogar ein wenig loben, ohne allerdings in Begeisterungsstürme auszubrechen. Ich hatte Schlimmeres erwartet. Man könnte sich fragen, für wen dieses Büchlein eigentlich geschrieben wurde. Menschen, die sich mit der Wiener Schule schon befasst haben, werden an diesem Text inhaltlich wenig auszusetzen haben. In Fragen und Antworten wird kurz und bündig die Essenz der Lehren dieser Schule dargeboten. Doch solche Leser brauchen dieses Buch nicht wirklich. Und deshalb kann es für sie auch nicht konzipiert worden sein. Es hätte nur einen Sinn für Interessierte, die sich erstmalig mit den Österreichern auseinandersetzen möchten. 


Abgesehen von der unfreundlichen Ansprache treffen solche Leser dann aber auf eine absichtlich gewählte Kürze, die nicht immer zielführend ist. Wenn man beispielsweise verstehen möchte, warum ein Mindestlohn gesamtgesellschaftlich gesehen mehr schadet als nützt, dann sind die drei Sätze dazu in diesem Buch eher nicht verständlich. 


Um es also kurz auf den Punkt zu bringen: Zwar erklärt dieser Text die Grundlehren der Österreichischen Schule kurz und knapp, doch auf Begeisterung wird er nur bei den Lesern treffen, für die dieses Buch nicht verfasst wurde. Für die anderen kann er bestenfalls das Bedürfnis erzeugen, sich tiefer mit dieser Lehre zu beschäftigen, wenn sie sich nicht durch den gelegentlichen arroganten Unterton  unnötig vor den Kopf gestoßen fühlen. Drei Sterne bedeuten "nicht schlecht" für diesen Text und stellen selbstverständlich keine Wertung der Wiener Schule dar. 

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Rezension zu "Österreichische Schule für Anleger" von Rahim Taghizadegan

"Die Theorie der Österreichischen Schule hilft uns, langfristige Muster zu erkennen."
R_Mantheyvor 3 Jahren

Das steht auf einer der letzten Seiten dieses Buches, auf denen die Autoren in ihrem Fazit noch einmal versuchen, eventuelle Enttäuschungen ihrer Leser zu dämpfen. Schon beim Titel dieses Buches entstehen zwei Fragen: Was ist die Österreichische Schule der Nationalökonomie und was ist ein Anleger? In der ersten Hälfte des Textes findet man in sieben Kapiteln die erste Frage recht gut beantwortet. Danach folgen zwei Kapitel, in denen aus der Theorie der Wiener Schule eine "Österreichische Anlagephilosophie" und eine "Österreichische Anlagepraxis" abgeleitet werden.

Was hingegen ein Anleger ist, wird nur indirekt deutlich. Wenn man in seinem Leben vier oder fünf sehr gute Anlageentscheidungen trifft, wäre man schon sehr gut, steht irgendwo im Text. Das definiert einen sehr weiten Anlagehorizont. Und auf Seite 202 findet man folgende Aussage: "Der Gedanke, dass man, wenn man nur wüsste wie, bequem, einfach und bei vertretbarem Risiko durch gute Anlageentscheidungen nebenbei vom PC aus - ohne jedes verantwortungsintensive Unternehmertum - ein Vermögen aufbauen könnte, ist jedenfalls Teil der Wohlstandsillusion. Wer sich von dieser nicht zu trennen vermag, wird von diesem Buch schwer enttäuscht sein."

Damit sind die Fronten einigermaßen abgesteckt. Hintergrund der Österreichischen Anlagepraxis ist die österreichische Konjunkturzyklustheorie, welche auf Ludwig von Mises zurückgeht. Solche Zyklen entstehen nach von Mises durch die permanenten Marktmanipulationen der Notenbanken, wie wir sie auch gerade jetzt wieder beobachten können. Die Autoren geben sich viel Mühe, diese Mechanismen zu erklären. Leider ist es ihnen nicht durchgängig gelungen, den Text leicht verständlich zu halten.

Zunächst erläutern sie die vier Säulen, auf denen die Österreichische Schule steht, dann diskutieren sie die immer noch selten infrage gestellte Wohlstandsillusion, der bekanntlich gigantische Schuldenberge gegenüberstehen. Danach folgt ein Kapitel über Prognosen und Prophezeiungen, bei denen die "Österreicher" immer schon sehr gut ausgesehen haben. Nachdem dann in einem weiteren Kapitel das Geldsystem erklärt wird, beschreiben die Autoren anschließend die sogenannte monetäre Tektonik, also die Entstehung und Wirkung von Inflation und Deflation. Danach sind sie in der Lage die Konjunkturzyklustheorie zu erläutern. Bevor sie dann zu den abschließenden Kapiteln über eine sinnvolle Anlage kommen, beschreiben sie noch verschiedenen Szenarien, die uns in der Zukunft erwarten.

Das Grundprinzip der Österreichischen Anlageentscheidungen besteht nach Ansicht der Autoren darin, wie ein Unternehmer Kapital aufzubauen. Insofern stehen solche Entscheidungen dem sogenannten Value Investing sehr nahe, was auch im Text betont wird. Value-Investoren haben aber nicht selten ein Problem mit dem Verhalten des Gesamtmarktes, weil sie den nicht immer in ihre Perspektive miteinbeziehen. Wenn es jedoch kracht, dann kracht es überall, also auch in den Portfolios von Value-Investoren. Der berühmte Warren Buffett (der übrigens indirekt auch vom US-Steuerzahler gerettet wurde) wird im Buch so zitiert, dass er auch dann keine anderen Entscheidungen treffen würde, wenn er wüsste, was die FED demnächst macht. Österreichische Anleger besitzen demgegenüber jedoch den Vorteil, dass sie zumindest ahnen können, wann eine Börse in die Knie gehen kann. Beiden gemeinsam ist aber, dass sie leider oft ein schlechtes Timing aufweisen.

Es nützt nämlich für eine Anlage nichts, wenn man bereits 1940 weiß, dass die Sowjetunion zusammenbrechen wird, dann darauf aber noch ein halbes Jahrhundert warten muss. Im Buch werden noch andere Aussagen dieses Typs zitiert. Das Dilemma der Österreicher besteht darin, dass sie zwar das Unheil voraussehen, aber eine Theorie vertreten, die weit jenseits des Mainstreams verläuft. Der Mainstream aber bestimmt schon allein wegen seiner Massenwirksamkeit das Verhalten der Märkte. Diese können folglich noch eine gewisse, manchmal auch sehr lange Zeit genau das Gegenteil von dem machen, was die Österreicher richtig voraussagen.

Für ein besseres Timing verweisen die Autoren auf die sogenannte technische Analyse der Finanzmärkte, die sie aber andererseits nicht wirklich praktisch verstehen und von der sie glauben, dass sie kein ökonomisches Handeln widerspiegelt, weswegen sie eigentlich abgelehnt werden muss. Diese paradoxe Argumentation hat auch etwas Lustiges an sich. Tatsächlich nämlich verbindet sich die technische Analyse, wenn man sie richtig versteht, vernünftig anwendet und sie nicht als Prognoseform interpretiert, sehr gut mit der Österreichischen Schule. Deren Grundprinzip besteht ja gerade darin, vom realen oder wahrscheinlichen Handeln von Menschen auszugehen und keine vereinfachenden mathematischen Modelle zu benutzen, die auf unrealistischen Annahmen aufgebaut wurden. Die technische Analyse der Finanzmärkte spiegelt die Gesetze menschlichen Handelns an den Finanzmärkten wider, ganz unabhängig davon, ob es nun irrational ist oder nicht.

Wirklich praktisch wird es nur beim sogenannten Permanenten Portfolio, das vom Ansatz der Österreicher ausgeht, dass die Zukunft nicht prognostizierbar ist und man deshalb auf jedes Szenario vorbereitet sein muss. Dieses Portfolio erreichte eine durchschnittliche Rendite von 9,2% pro Jahr bei vergleichbar geringerem Risiko zu ähnlich erfolgreichen Ansätzen. Im letzten Kapitel stellen die Autoren viele Anlageinstrumente aus der Sicht der Österreicher vor. Das ist zum größten Teil recht informativ, aber auch wiederum nicht so detailliert, dass man damit praktisch viel anfangen kann.

Nach meiner Ansicht besitzt dieses Buch seine enormen Stärken vor allem in der Erklärung der Österreichischen Schule. Die daraus von den Autoren abgeleitete Anlagepraxis braucht einen sehr weiten Horizont und gelegentlich aus obigen Gründen einen langen Atem, den nicht jeder haben wird oder haben kann. Man kann allerdings einige Dinge auch als Anhänger der Österreichischen Schule etwas anders sehen. Den Märkten enger zu folgen, steht zum Beispiel keineswegs im Widerspruch zu den "Österreichern". Jim Rogers, den die Autoren als einen Vertreter dieser Schule identifizieren, wäre nicht so schnell so reich geworden, wäre er diesem Buch gefolgt.

Immerhin aber lernt man als Leser dieses Buches viele grundsätzliche Ideen und Ansichten zur Kapitalanlage, die vielleicht auch nicht ohne Folgen bleiben. So schreiben die Autoren am Ende des Textes: "Wenn der Leser, nachdem er die Lektüre etwas auf sich wirken ließ, nun das Tagesgeschehen mit ein wenig anderen Augen sieht, einen neuen Gedanken gewinnt, irgendwann etwas sieht, was er sonst übersehen hätte, etwas nüchterner, standhafter, verantwortungsvoller der ungewissen Zukunft entgegengeht, dann hätten wir schon viel erreicht."

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Rezension zu "Wirtschaft wirklich verstehen" von Rahim Taghizadegan

"Die Zahl der Illusionen, auf denen unser modernes Leben basiert, ist erschreckend groß."
R_Mantheyvor 4 Jahren

Eine solche Illusion besteht in der besonders bei Politikern beliebten Annahme, man könne ökonomische Gesetze einfach willkürlich umschreiben. Weil aber jede Art von Wirtschaft auf dem Handeln von Menschen beruht und menschliches Verhalten sich in der Regel kaum ändert, werden sich ökonomische Gesetzmäßigkeiten unter jeder denkbaren Konstellation immer wieder durchsetzen. Nimmt man menschliches Verhalten als Grundlage jeder Ökonomie an, dann kann man solche Gesetzmäßigkeiten auch leicht erklären.

Doch merkwürdigerweise beruhen die meisten gängigen Volkswirtschaftstheorien auf realitätsfremden Modellen. Sie gehen nicht von wirklichem menschlichen Handeln im Sinne einer realistischen Verhaltenseinschätzung aus, sondern zum Beispiel vom so genannten homo oeconomicus, einem Scheinmenschen mit einem Verhalten, das zwar in die Modelle passt, aber nicht in die Wirklichkeit. In der Folge waren all diese Theorien auch unfähig die großen Wirtschaftskrisen vorauszusagen.

Das jedoch konnte die so genannte österreichische Schule der Nationalökonomie bisher immer, denn sie sieht ihre Grundlage in der Analyse realistischen menschlichen Verhaltens, kommt ohne Modelle und folglich auch ohne Mathematik aus. Das ist kein Nachteil, denn fast alle vorhandenen ökonomischen Modelle sind linear und deshalb unrealistisch. Da Wirtschaft auf Wechselwirkungen von Menschen beruht, können vernünftige mathematische Modelle daher zwangsläufig nur nichtlinear, in der Regel also nicht quantifizierbar und deshalb (jedenfalls gegenwärtig) auch nicht hilfreich sein.

In diesem sehr lehrreichen Buch wird die Österreichische Schule der Ökonomie vorgestellt. Glücklicherweise fällt der Autor niemals in den Stil eines Lehrbuches, sondern erklärt Wirtschaft aus der Sicht dieser Schule in der brillanten Einfachheit, die die "Österreicher" schon immer ausgezeichnet hat.

Diese sehr lebensnahe Theorie ist ideologiefrei. Doch sie führt natürlich bei jedem, dessen Weltsicht auf einer Ideologie beruht, zu Ärger und Widerspruch. Davon geht auch der Autor aus. Doch wer die Welt so sehen möchte, wie sie ist und nicht so, wie sie nach dieser oder jener Vorstellung sein sollte, muss das ertragen können.

Zunächst ordnet der Autor die Österreichische Schule in den historischen Wissenschaftskontext ein. Später wird dem Leser klar werden, warum diese Theorie trotz ihrer offensichtlichen Qualität kaum noch gelehrt wird. Dann erklärt er in einem leicht lesbaren und sehr angenehmen Stil die Sichtweise der alten Österreicher auf Grundkonzepte wie Werte und Kosten, Handel und Märkte, Markversagen und Interventionen, Arbeitsplätze, Wohlstand und Armut, Zinsen, Unternehmer, Geld, Banken und Wirtschaftskrisen, Regulierung und Steuern und den Kapitalismus oder besser die Gesellschaftsform, in der wir zurzeit leben. Es würde leider den Rahmen einer Rezension sprengen, wollte man auf den Inhalt des Buches genauer eingehen.

Obwohl das Thema "Geld" nicht im Zentrum der Theorie steht und deshalb relativ weit hinten beleuchtet wird, wird jedem, der die Rolle des Geldes in der Gesellschaft auch aus aktuellen Gründen verstehen möchte, in diesem Buch eine realistische Sichtweise auch auf die gegenwärtige Schuldenkrise vermittelt. Insbesondere verdeutlicht der Autor, dass das Finanzsystem absichtsvoll genau so konstruiert wurde, dass solche Krisen unausweichlich sind.

Fazit.
Dem Autor ist es hervorragend gelungen, die Österreichische Schule der Ökonomie so zu erklären wie sie ist, nämlich einfach und realitätsnah. Dieses Buch kann man wirklich jedem empfehlen, der volkswirtschaftliche Zusammenhänge (auch ohne Vorkenntnisse) verstehen möchte.

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