Raija Hauck

 4,7 Sterne bei 30 Bewertungen

Lebenslauf

Raija Hauck, geboren 1962, studierte Slawistik in St. Petersburg, Brno und Odessa. Nach ihrem Diplom promovierte sie an der Universität Greifswald, wo sie Tschechisch und Russisch lehrte. Hauck ist freie Übersetzerin, leitet und moderiert Übersetzungsworkshops, Lesungen und Kulturaustauschprojekte im In- und Ausland und zudem als Illustratorin für linguistische und übersetzungswissenschaftliche Veröffentlichungen tätig.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Pfingsten (ISBN: 9783899984606)

Pfingsten

Erscheint am 24.02.2026 als Gebundenes Buch bei Anthea Verlag.

Alle Bücher von Raija Hauck

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Neue Rezensionen zu Raija Hauck

Cover des Buches Unmerklicher Verlust der Einsamkeit (ISBN: 9783792002933)
dunis-lesefutters avatar

Rezension zu "Unmerklicher Verlust der Einsamkeit" von Eli Beneš

dunis-lesefutter
Nach dem Lager

Ich habe schon sehr viele Bücher über das Leid der Menschen gelesen, die durch die Nationalsozialisten verfolgt, misshandelt und getötet wurden. Meist ging es dabei um Geschichten, die im Lager spielten. In diesem Buch erfahren wir, was ein Überlebender nach Ende des Krieges erlebt hat.


Petr Stein hat das Konzentrationslager überlebt. Auf dem Todesmarsch wurde der 17jährige von seinem Vater und seinem Bruder getrennt. Als er unter großen Mühen in Prag ankommt, beginnt ein neues Leben zwischen Hoffnung und Frustration, Einsamkeit und Neuanfang. Er wartet tagtäglich auf die Ankunft seiner Familie, muss feststellen, dass die Wohnung samt dem familiären Eigentum nun jemand anderem gehört und hält mühsam sein Lebenswillen aufrecht.


Er lernt neue Leute kennen, zieht in eine Art Wohngemeinschaft und bekommt Unterstützung von der Repratiierungs Behörde. Die politischen Umwälzungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Verfolgung eines Deutschen, selbst wenn es sich dabei um Menschen handelt, die von den Nazis nicht als solche behandelt wurden. Auch die Erneuerung der jüdischen community, nimmt ihr einen großen Raum ein. Man traut, wenn überhaupt, nur noch seinen eigenen Leuten. Petr beginnt zu Boxen und seinen Körper zu stärken. Er bewegt sich in einem labilen Kreis von Personen, die ähnliches Leid erfahren haben wie er. Er lernt Ilse kennen und entwickelt Gefühle für sie. Doch Ilse ist deutsch, und sie muss das Land verlassen. Welchen Weg Petr nun geht, müsst ihr selber lesen.


Als ich das Buch aufgeschlagen habe hat mich der Detailreichtum und die zugängliche Sprache sofort in ihren Bann gezogen. Ich habe aber trotzdem sehr lange gebraucht, um das Buch zu beenden. Das liegt nicht nur an den sehr klein und eng bedruckten, fast 700 Seiten, sondern auch an der Ausführlichkeit in der Beneš die Sozialisation seines Protagonisten beschreibt . Auch die Grausamkeiten des Lagerlebens, die er im Rückblick erzählt, haben dazu geführt, dass ich das Buch immer mal wieder zur Seite legen musste. Das hier ist harter Tobak, der sich manchmal ganz plötzlich und unerwartet offenbart Beneš springt manchmal so plötzlich von Absatz zu Absatz in ein vergangenes Geschehen, dass ich ein ums andere Mal überlegen musste, in welcher Zeit ich mich denn jetzt befinde.


Der Autor hat es richtig gut geschafft, die Einsamkeit gequälter und vertriebener Menschen festzuhalten, die eine Heimat, aber kein zu Hause mehr haben. Die Erinnerungen aber keine Familie mehr haben und die sich auch noch so verzweifelt an jede Kleinigkeit aus ihrer Vergangenheit, klammern und sei es nur ein Wasserkocher. Es offenbart auch die egoistische Haltung des Menschen. Es gibt wenig Zusammenhalt in Krisenzeiten. Jeder ist sich selbst der Nächste und kümmert sich erst mal um sich selbst. Nächstenliebe kann nicht überleben, wenn Vertrauen in die Menschheit zerstört wurde.


Sehr drastisch wird auch der Verfall und dessen Rekonvaleszenz beschrieben. Es ist ein sehr körperliches Buch. Es werden aber nicht nur die Brutalität verschiedener Kriegsparteien explizit beschrieben, sondern auch die Liebe entbehrt hier jeder Romantik und dient manchmal nur dazu, sich zu spüren. 

Am meisten aber schmerzt die Einsamkeit. Petr ist ein Einzelkämpfer. Auf Basis seiner Erfahrungen und den gegebenen Umständen bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Seine Freundschaft zu Iček hat mich sehr berührt und das Ende dieser unfassbar schockiert. Auch sein Warten auf Verwandte, die niemals mehr kommen werden hat, mich sehr mitgenommen. Immer wieder musste ich mir bewusst machen, dass Petr erst 17 Jahre alt ist und die Lebenserfahrung eines Greises hat. 


Das Ausführliche an diesem Roman ist zugleich die positive wie die negative Seite dieser Lektüre. Beneš hat mir Orte und Handeln von 1945 sehr nahe gebracht. Man lernt die meisten Figuren sehr gut kennen. Der Detailreichtum mag aber vielleicht den ein oder anderen Leser abschrecken. Wenn man sich aber darauf einlassen kann, dann hat man hier ein monumentales Werk über die Zeit nach dem Lager, wie ich es so noch nie gelesen habe. Eine unbedingte Leseempfehlung für alle die gute umfangreiche Literatur lieben und aus dieser dunklen Zeit lesen mögen.

Cover des Buches Unmerklicher Verlust der Einsamkeit (ISBN: 9783792002933)
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Rezension zu "Unmerklicher Verlust der Einsamkeit" von Eli Beneš

Kiara
Ein fordernder, aber bedeutender Roman

“Unmerklicher Verlust der Einsamkeit” von Eli Beneš schildert das Schicksal eines jungen Auschwitz-Überlebenden, der nach Prag zurückkehrt und sich in einer Gesellschaft zurechtfinden muss, die den Wunsch hegt, das Vergangene zu vergessen. Bei seinem Versuch, ins Leben zurückzufinden, verliebt er sich in die Prager Jüdin Ilse, die jedoch von den Behörden als Deutsche eingestuft wird, was zu einer Odyssee durch das Nachkriegseuropa führt.

Die Bedeutung des Romans, der 2023 mit dem Magnesia Litera Preis in Tschechien als bestes Debüt des Jahres ausgezeichnet wurde, liegt nicht nur in der individuellen Geschichte von Petr und Ilse, sondern auch in der präzisen Darstellung der historischen Umbruchszeit, in der persönliche und kollektive Traumata aufeinandertreffen. Der Autor stützt sich auf wahre Begebenheiten und umfangreiche Archivarbeit, wodurch das Buch einen glaubhaften und eindrücklichen Blick auf die Nachkriegsjahre eröffnet.   

Der Schreibstil von Eli Beneš verlangt uns Lesenden - genau wie das Thema des Buches - einiges ab. Denn er ist sperrig, verschachtelt, ausufernd und erwartet von uns volle Konzentration. Das macht die Lektüre zu einer anspruchsvollen Erfahrung, der man sich mit ganzer Aufmerksamkeit widmen muss. Auch der Umfang des Romans ist mit knapp 700 Seiten eine zusätzliche Herausforderung mit erzählerischen Längen, die es dem Autor jedoch ermöglicht, sich seiner Geschichte und seinen Figuren in allen Facetten zu widmen. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer vielschichtigen und tiefgründigen Lektüre belohnt.

Fazit: “Unmerklicher Verlust der Einsamkeit” von Eli Beneš ist ein fordernder, aber bedeutender Roman, der die Themen Holocaust und Nachkriegszeit aus einer selten beleuchteten Perspektive schildert und ein wichtiges Dokument gegen das Vergessen darstellt.

Cover des Buches Hana (ISBN: 9783293209237)
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Rezension zu "Hana" von Alena Mornštajnová

Jana_hat_buecher
Highlight Buch!

Mira ist ein Wildfang und ihre Eltern haben es nicht immer leicht mit ihr. Weil sie im Winter wegen eines Abenteuers in den Bach gefallen ist, darf sie im Gegensatz zum Rest der Familie keinen Nachtisch essen. Es rettet ihr das Leben. Ihre Eltern und Geschwister sterben an Typhus und sie kommt erst bei einer befreundeten Familie und dann bei ihrer seltsamen Tante unter. Doch warum ist ihre Tante so vollkommen aus der Welt gerückt?


Dieses Buch ist ein echtes Highlight in diesem Lesejahr! Die Autorin nimmt uns mit in die 30-50er Jahre aus Perspektive von Mura und ihrer Tante Hana. Welche Ereignisse in ihrem jeweiligen Leben sie genau zu der Person gemacht haben, die sie sind. Auch wenn es vor fast 100 Jahren spielt, kann man als Leser alles nachvollziehen und verstehen. Es geht einem sehr nahe und man hofft inständig, dass dies alles nicht nochmal passiert bzw. es in andren Ländern endlich ein Ende mit den Kriegen nimmt.

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