Raik Thorstad Opiumschwaden: Der Mörder von St. Audrey

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Inhaltsangabe zu „Opiumschwaden: Der Mörder von St. Audrey“ von Raik Thorstad

Ein Briefroman, der wie ein Werk des 19. Jahrunderts wirkt, mit einer spannenden Handlung und interessanten Reflexionen der Hauptfigur

— marstraveller
marstraveller

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  • Schauerromantik des 19. Jahrhunderts mit außergewöhnlichen Zügen

    Opiumschwaden: Der Mörder von St. Audrey
    marstraveller

    marstraveller

    25. July 2017 um 00:46

    Die Geschichte des Londoner Rechtsgelehrten Benjamin L. Underwood, der 1832 auf einer dienstlichen Reise im Dartmoor strandet und sich dort gezwungen sieht, die scheinbar von einem Wahnsinnigen begangenen Morde aufzuklären, liest sich wie ein Schauerroman des 19. Jahrhunderts. Dem Autor gelingt es, Handlung, Form und Sprache des Romans genau so wirken zu lassen, als lese man ein Werk dieser Zeit. Die gesamte Handlung wird in Form eines Briefes erzählt, den Benjamin an seinen Jugendfreund verfasst und in dem er die Ereignisse aus der Rückschau, elf Jahre später, nicht nur berichtet, sondern auch reflektiert und kommentiert. Die Art, wie Benjamin seinem Freund die Geschehnisse schildert, trägt Züge eines Kriminalromans, verbindet diese aber vor allem mit Elementen einer Schauergeschichte und mit philosophischen sowie psychologischen Reflexionen. Alles zusammen wird sprachlich und erzähltechnisch so präsentiert, dass es ins 19. Jahrhundert passt und man als Leser stets das Gefühl hat, wirklich den Text eines Menschen aus dieser Zeit vor sich zu haben. Bis in die kleinsten Nuancen der Wortwahl hinein wirkt dieser Briefroman stimmig und der Epoche, in der er angesiedelt ist, angemessen. Vor allem die sprachliche Gestaltung, aber auch die Zeichnung der Figuren vermitteln das Gefühl, als lese man das Werk eines Autors dieser Zeit. Aus heutiger Sicht wirkt Raik Thorstads Roman sowohl erfrischend exotisch (weil sprachlich ungewöhnlich) als auch außerordentlich ausgefeilt und niveauvoll, was ein Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite garantiert. Die Handlung, die im Dartmoor angesiedelt ist, besticht durch den mit Gruselfaktor durchsetzten Spannungsbogen, der den Leser – ähnlich wie die Hauptfigur - immer wieder auf falsche Fährten lockt oder das, was zuvor als verlässliche Gewissheit erschien, brüchig werden oder sich vollständig auflösen lässt. Untermalt wird die Erzählung durch die eingeschobenen Reflexionen des Briefautors Benjamin, die teilweise wunderbar selbstkritisch oder ironisch sind, teilweise aber auch zutiefst philosophische Gedanken offenbaren und dabei stets dem Bewusstsein eines Menschen des 19. Jahrhunderts angemessen erscheinen. Die winterliche Moorlandschaft, deren Bewohner so undurchsichtig wirken wie der immer präsente Nebel, der alles umhüllt, prägt die Atmosphäre der Erzählung genauso wie die verzweifelten Versuche Benjamins, mit seinem Verstand Licht in den Nebel der Ereignisse zu bringen. Dass dabei die Ratio immer wieder von diversen Anfeindungen heimgesucht wird, seien es nun die Opiumschwaden des so verrückt wie anziehend wirkenden Einsiedlers am See oder die Kräutertränke der Heilerin des Dorfes, erschwert es dem Protagonisten zunehmend, einen klaren Blick auf die Ereignisse zu behalten. Im letzten Drittel des Romans wandelt sich der Kampf gegen die äußeren Gefahren, die Benjamins Leben während seines Aufenthalts im Dartmoor bedrohen, zunehmend in einen Kampf mit den eigenen, inneren Dämonen, denen die Hauptfigur sich nach der Rückkehr nach London stellen muss. Benjamin muss sich mit der Frage nach der eigenen Identität auseinandersetzen. Er muss lernen, sich von den verinnerlichten Werten zu emanzipieren, seine homosexuellen Neigungen zu akzeptieren und Wege zu beschreiten, die ein Leben abseits gesellschaftlicher Konventionen erlauben. Die Art, wie die Hauptfigur sich mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzt, wirkt stets zeitgemäß, historisch gründlich recherchiert und in jedem Detail überzeugend, - aus meiner Sicht eine besondere Qualität dieses Romans, die ihn positiv von anderen Werken dieses Genres abhebt. „Opiumschwaden“ bietet nicht nur eine spannende Geschichte mit einer besonders liebenswerten Hauptfigur, sondern auch eine außergewöhnliche Darstellungsweise, die sich an literarische Formen des 19. Jahrhunderts anlehnt. Ein Roman, der mich in vielfacher Weise in Staunen und Begeisterung versetzt hat.

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