Raimund H. Drommel

 2.8 Sterne bei 10 Bewertungen

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Der Code des Bösen

Der Code des Bösen

 (10)
Erschienen am 14.03.2011

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Rezension zu "Der Code des Bösen" von Raimund H. Drommel

Mehr Rauch als Feuer
R_Mantheyvor 3 Jahren

Als ich dieses Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, musste ich lächeln. Für den Schutzumschlag hat sich der Autor in einer Unnahbarkeitspose ablichten lassen. Sein etwas verkniffener Gesichtsausdruck vermittelt den Eindruck, als ob er Schmerzen hätte. Doch wahrscheinlich schaut er nur gerade dem Bösen unerschrocken ins Auge und entschlüsselt dessen geheimnisvollen Code.

Doch was soll das Böse eigentlich sein? Und gibt es überhaupt so etwas, wie einen Code dieses abstrakten Bösen? Die reichlich übertriebene Aufmachung des Buches legt den Verdacht nahe, dass sein tatsächlicher Inhalt diesem Marketing-Gehabe nicht ganz standhalten kann. Und so ist es dann auch.

Statt irgendeinen ominösen Code zu knacken, besteht das Anliegen des Autors im Wesentlichen darin, durch linguistische Methoden herauszufinden, ob ein vorliegendes Schriftstück von einer bestimmten Person verfasst wurde oder nicht. Er präsentiert dazu einige beispielhafte Fälle, in denen er entweder tatsächlich mitgewirkt hat, in denen er seine Mitarbeit anbot oder die er einfach nur interessant fand.

Der Autor schildert zunächst jeden Fall in einem lockeren Boulevardstil, um dann auf das jeweilige Schriftstück zu kommen, das er mit seinen Methoden analysieren kann. Beispielsweise erzählt er den gesamten undurchsichtigen Barschel-Fall, obwohl seine Rolle lediglich darin bestand, im Auftrag einer Zeitschrift herauszufinden, ob ein bestimmter Brief Barschels an seine lieben Parteifreunde, wirklich auch aus dessen Feder stammte. Im Fall des abgestürzten Jürgen W. Möllemann hingegen drängte sich der Autor erfolglos als Gutachter auf, um zu erforschen, ob der Möllemanns Ablösung als Wirtschaftsministers auslösende Brief an Aldi, in dem er die Firma eines Verwandten zu protegieren versucht, tatsächlich von ihm geschrieben wurde. Auch hier wird mehr über Möllemann berichtet als über die Methoden, um die es in diesem Buch eigentlich gehen sollte.

Doch wenn man Drommels Buch aufmerksam gelesen hat, dann kann man sich halbwegs vorstellen, wie der Autor systematisch vorgeht, um den Verfasser eines vorliegenden Textes zu identifizieren oder zu beweisen, dass jemand einen Text nicht geschrieben haben kann. Selbstverständlich werden solche Aussagen immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit behaftet sein.

In einem ersten Schritt führt der Autor immer sogenannte Entlastungsprozeduren durch, die auch von Geheimdiensten genutzt werden. Das sind quantitative Verfahren, in denen zum Beispiel die Satzlänge gemessen wird, oder qualitative Methoden, wie beispielsweise das Erkennen von Wahrnehmungstypen. Ist also ein Verdächtiger ein visueller Typ, der üblicherweise kurze Sätze benutzt, dann kann er als Autor eines Textes nahezu ausgeschlossen werden, in dem vorrangig auditive Schlüsselwörter und lange Sätze stehen.

Diese interessanten Details stehen in den einzelnen "spektakulären" Fällen versteckt auf nur wenigen Seiten und machen vielleicht höchstens ein Zehntel des gesamten Textes aus. Das wichtigste Hilfsmittel des Autors ist offenbar eine Konkordanz-Software. (Wer sich dafür detaillierter interessiert, findet bei Wikipedia einen sehr guten Artikel.) Um sich dieser Software zu bedienen, müssen alle zu vergleichende Texte in ein entsprechendes Programm erst einmal eingelesen werden. Danach ermittelt die Software, wie bestimmte Wörter vom Autor eines vorliegenden Textes benutzt werden.

Da jeder Mensch meist völlig unbewusste sprachliche Eigenarten besitzt, kann so ein linguistisches Profil erstellt werden, das ihn entweder als Autor eines Textes ausschließt oder überführt. Drommel erklärt das mehrfach beispielhaft an seinen Fällen, jedoch nie auf einer allgemeinen Ebene. Kommt die Konkordanzanalyse zu einem Ergebnis, das mit den anderen Verfahren übereinstimmt, die in diesem Buch sehr kurz vorgestellt werden, dann besteht eine sehr hohe Aussagewahrscheinlichkeit.

Das Buch konzentriert sich leider mehr auf die einzelnen Fälle, die nicht immer tatsächlich so spektakulär sind, wie der Autor behauptet, als auf die Methoden, die lediglich angedeutet werden. Etwas befremdlich erschienen mir auch die wiederholten direkten oder indirekten Eigenlobe des Autors. Auf diese Weise schließt sich dann auch der Kreis zurück zur Aufmachung des Buches.

Fazit.
Ein durchaus lesenswertes Buch zu einem sehr interessanten Thema. Leider werden die Verfahren des Autors nicht wirklich offengelegt, sondern lediglich oberflächlich in den einzelnen Kapiteln angedeutet. Der Schwerpunkt liegt mehr auf der Schilderung der Fälle unter dem Gesichtspunkt eines tatsächlichen oder vermeintlichen Einflusses des Autors.

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Rezension zu "Der Code des Bösen" von Raimund H. Drommel

Rezension zu "Der Code des Bösen" von Raimund H. Drommel
hproentgenvor 7 Jahren

Raimund H. Drommel analysiert die Sprache der Täter, er ist ein Sprachprofiler. Und in diesem Buch beschreibt er eine Menge Beispiele, wie sich Täter durch ihre Sprache verraten. Was man alles einem Erpresserbrief entnehmen kann.

Etwa aus dem Abschiedsbrief einer toten Frau, die ihren Ex-Geliebten erklärt, dass er nicht der Vater ihres Kindes sei. Doch Drommel kann nachweisen, dass dieser Brief zwar von der toten Frau geschrieben wurde, Sprache und Stil aber darauf hinweisen, dass es wohl der Geliebte wahr, der den Inhalt formulierte. Und ihn der Frau diktierte und sie zwang, es zu schreiben. Die Analyse war so überzeugend, dass der Täter gestand. Das ist nicht das einzige Beispiel im Buch, auch prominente Fälle – etwa ein Brief von Barschel – werden erläutert.

Bücher von Profilern und Kripobeamten boomen im Moment, aber natürlich ist die Qualität dieser Bücher unterschiedlich. Drommel kann spannend schreiben, vorausgesetzt, man interessiert sich für die Feinheiten der Sprache, für die vielen Beispiele, die er in seinem Buch bringt. Es ist in der Tat erstaunlich, wie spezifisch Menschen schreiben und reden, wie sich die Sprache unterscheidet, je nachdem, wer der Sprecher ist. Das Buch bringt eine Fülle von Beispielen dazu, ist eine Fundgrube für jeden Krimiautor, überhaupt für jeden, der schreibt. Weil es die Möglichkeiten der Sprache aufzeigt und wie individuell sie ist. Und wer einmal etwas anderes als die gängigen Profiler lesen will, findet hier Neues, spannend verpackt.

Doch Drommel ist auch selbstverliebt, sehr von sich überzeugt und lässt an seinen Konkurrenten kein gutes Haar, egal, ob die aus dem BKA stammen oder aus der Wissenschaft. Am Anfang erklärt er noch, dass ein Sprachprofil nicht so eindeutig sein kann, wie eine DNA Analyse oder ein Fingerabdruck, doch im weiteren Verlauf verliert er diese Erkenntniss bald aus den Augen. Ist es wirklich so unmöglich, die Sprache eines anderen Menschen nachzuahmen, wie er behauptet? Sind seine Sprachprofile so eindeutig, wie er manchmal suggeriert?

Das sind Fragen, die sich mir beim Lesen gestellt haben. Dennoch spannend die ganz unterschiedliche Verwendung von Sprache zu verfolgen und das ist für mich die Stärke des Buches: Dass es zahlreichen Beispiele mit vielen Details bringt.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/345317691X/ref=sib_dp_pt#reader-link
Homepage des Autors: http://www.sprachdetektiv.de/index.htm

Der Code des Bösen, Sachbuch, Raimund H. Drommel, Heyne, März 2012
ISBN-13: 978-3453176911, Tb, 304 Seiten, Euro 19,99

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