Rezension zu "Der Präsident besitzt keinen Bademantel (Der 13. Finger)" von Rainer Bauer
RitaKlussmannRainer Bauer ist es gelungen, eine Science-Fiction-Satire mit geradezu perfekter Ironie zu schreiben. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig, also wohl ausgeschlossen.
Die Handlung: Eine Nacht und ein Tag im Leben des Präsidenten Frederik J. Finger (Freddie) im Weißen Haus gegen Ende des 21. Jahrhunderts geben tiefe Einblicke in den Menschen Freddie als Präsident und seine Gedankenwelt. Er denkt sehr viel nach und da schmerzt das Gehirn schon einmal. Genau das lässt ihn in dieser Nacht nicht schlafen und treibt ihn im Schlafanzug aus seinem Präsidenten-Schlafzimmer. Um Entspannung zu finden, schleicht er sich durch das Weiße Haus an der Security vorbei ins Untergeschoss, findet dort eine Tür, die sich auch öffnen lässt und landet in der 'weißenhauseigenen' Zahnarztpraxis. Auf dem Patientenstuhl entspannt er sich und sucht nach Inputs für seine große Aufgabe. Er ist der Präsident! Wie haben es der erste Finger (Richie) und der zweite Finger gemacht? Wie die anderen Präsidenten? Was waren ihre Stärken, ihre Niederlagen? Sein Berater Sherman, der ihn schon seit früher Jugend kennt, findet ihn auf dem Stuhl. Die Szenen und die Gespräche sind so herrlich ironisch und komisch, dass ich sie im Detail nicht schildern kann. Man lernt Präsident Freddie im Schlafanzug mit seinen intimsten Gedanken über Medien, Familie und seine Berater kennen. Der Präsident wurde mir mit seinen pragmatischen Ansichten immer sympathischer, schon deshalb, weil ich nicht nur grinsen sondern lauthals loslachen konnte.
Freddie kann in dem Patientenstuhl endlich einschlafen, wird aber dann brutal durch Sirenen und dem Aktionismus der höchsten Alarmstufe geweckt. Das Weiße Haus muss geräumt werden. Die größte Katastrophe, die es jemals gegeben hat, ist eingetreten: New York ist komplett zerstört, mehrere Millionen Tote (Buchbeschreibung). Die Suche nach der Ursache, dem Verursacher: Guter Rat ist teuer, eine medienwirksame Reaktion auch. So sitzt Freddie Stunde um Stunde mit seinen Beratern zusammen. Die Lage ist schwer einzuschätzen ...
Meine Meinung: Reiner Bauer hat mich mit seinem Schreibstil wieder einmal voll überzeugt, aber auch überrascht. Diese Satire unterscheidet sich von seinen bisherigen Werken dadurch, dass sie nicht sarkasmusbetont ist, sondern sehr humorvoll und mit Ironie gespickt. Außerdem spielt sie in der Zukunft, in rund achtzig Jahren, und verbindet Historie mit Science-Fiction. Zwischen den Zeilen lesen darf man auch. Ich habe das Buch in zwei Tagen mit größter Freude gelesen und richtig viel Spaß gehabt.












