Rainer F. Schmidt

 3,7 Sterne bei 10 Bewertungen

Lebenslauf

Rainer F. Schmidt ist Professor für Geschichte der Neuzeit und der Didaktik der Geschichte an der Universität Würzburg. Er ist u.a. Autor einer Biographie über Graf Julius Andrássy und einer Studie über den Flug von Rudolf Heß nach Schottland.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Rainer F. Schmidt

Cover des Buches Der Zweite Weltkrieg (ISBN: 9783898094108)

Der Zweite Weltkrieg

(6)
Erschienen am 01.04.2008
Cover des Buches Kaiserdämmerung (ISBN: 9783608983180)

Kaiserdämmerung

(4)
Erschienen am 18.09.2021

Neue Rezensionen zu Rainer F. Schmidt

Cover des Buches Kaiserdämmerung (ISBN: 9783608983180)
✗

Rezension zu "Kaiserdämmerung" von Rainer F. Schmidt

Ein LovelyBooks-Nutzer
Versuch der Weißwaschung deutscher Geschichte

Ein Buch rezensieren, das man nicht zuende gelesen hat? Eigentlich kein guter Stil, aber nach der Lektüre des ersten Kapitels drängte sich mir der arge Verdacht auf, dass da jemand die deutsche Geschichte weiß waschen möchte. Rainer F. Schmidt schreibt viel von der Verantwortung der Franzosen, Briten und Russen für den Ersten Weltkrieg und spielt demgegenüber die deutsche Rolle deutlich herunter,. Zudem wirft er renommierten Historikern eine Art Schuldkult vor. Klar ist die Frage nach den Ursachen und der Verantwortung für den Beginn (nicht Ausbruch, Vulkane brechen aus) umstritten und definitiv auch kein Ruhmesblatt für die deutsche Geschichte. Aber Erkenntnisse, die sich seit der Fischer-Debatte in den späten Fünfzigern eigentlich durchgesetzt haben, mal mir nichts, dir nichts zu verwerfen, ist mir dann doch zuviel. Die deutsche Alleinschuld, 1919 im Versailler Vertrag eigentlich als juristische Krücke für die Begründung der enormen Reparationsansprüche eingebaut, ist längst kein Thema mehr, aber die deutsche Politik zum Opfer französischer Revanchepolitik sowie britischer und russischer Machtinteressen umzustilisieren, geht gar nicht. Und dann ausschließlich den  Versailler Vertrag für den Nationalsozialismus verantwortlich zu machen, hieße dann ja auch, dass eigentlich die Siegermächte die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg tragen..Billiger kann man sich aus der deutschen Verantwortung nicht davonschleichen. Das mag Gauland , Höcke und andere AfD-Konsorten freuen, aber seriös geht anders. Als ich nach der Lektüre des ersten Kapitels diese Verdachtsmomente hatte, habe ich mal über den Autor und sein Werk recherchiert, und siehe da, mein Verdacht wurde durch namhafte Fachleute unterfüttert, die Schmidt nicht nur Geschichtsrevisionismus vorwerfen, sondern auch handwerkliche Mängel. Insofern spare ich mir wertvolle Lebenszeit und verzichte (keineswegs schweren Herzens)nach 48 Seiten  auf die Lektüre der restlichen 830 (878 Seiten Gesamtumfang). Warum allerdings diese Werk auf den Listen der Zentralen für politische Bildung erscheint, lässt Schlimmes befürchten. Entwede hat da jemand nicht gelesen (oder verstanden) oder es handelt sich um den Versuch staatlichen Geschichtsrevisionismus, aber in einem Staat, der sich Maaßen als obersten Verfassungsschützergeleistet hat, vermag ich das leider nicht gänzlich auszuschließen.

 

PS: eigentlich ist ein Stern schon zuviel, das Buch hätte Minus-Sterne verdient.

Cover des Buches Kaiserdämmerung (ISBN: 9783608983180)
wschs avatar

Rezension zu "Kaiserdämmerung" von Rainer F. Schmidt

wsch
Die von Ludendorff in die Welt gesetzte und geschürte 'Dolchstoßlegende' wird gerade gerückt!

Der Geschichtsunterricht an den Schulen hat nach meiner allerdings schon einige Jahrzehnte zurück liegenden Erfahrung einen riesigen Fehler: in der Unterstufe des Gymnasiums beginnt der Unterreicht mit der Antike, also Griechen und Römer, geht dann über einige Ereignisse des Mittelalters bis zum Ersten Weltkrieg, eventuell auch noch bis zum Niedergang der Weimarer Republik und den Anfängen der Nazi-Diktatur. 

Auf die Mittelstufe folgt bekanntlich die Oberstufe. Und da beginnt das Spiel von Neuem: Antike - Mittelalter - Anfänge des 'Dritten Reiches'.

Kommt das Thema "Erster Weltkrieg" zur Sprache, geht das Husch Husch und endet mit dem Vertrag von Versailles. In welchem dem Deutschen Reich die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg angelastet wurde. Mit der Folge der ungeheuren Reparationszahlungen, der Besetzung des wirtschaftlich für Deutschland so wichtigen Rheinlandes, Gebietsverlusten etc. 

Der höchst intrigante Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff, der ab August 1914 mit Paul von Hindenburg ein 'erfolgreiches Feldherren-Duo' bildete, hatte bereits ab 1916 die Vorstellung einer Militärdiktatur in Deutschland. Als 'Blitzableiter' für seine eigenen Fehler und Unfähigkeit setzte er die Dolchstoß-Legende in die Welt und sorgte so auch dafür, dass die Weimarer Republik wenig bis gar keine Überlebenschancen hatte. Dass auf die Weimarer Republik das 'Dritte Reich', die Nazi-Diktatur folgte.


So weit, so gut beziehungsweise schlecht.


Was im Geschichtsunterricht jedoch völlig untergeht, das sind die Geheimansprachen, die Geheimverträge, der Revanche-Gedanken für die Niederlage Frankreichs am Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 mit dem Verlust Elsass-Lothringens an das Deutsche Kaiserreich. Von Raymond Poincaré bis zum Exzess vorangetrieben.

Die Britten standen dabei in der Niederträchtigkeit mit der Absicht, ihr zusammengeraubtes Empire zu retten, in keiner Weise zurück. 

Gleiches gilt für das russische Zarenreich. Wobei es in dem Fall natürlich nicht um das Empire ging. Sondern um die Vormachtstellung auf dem Balkan mit dem zerfallenden Osmanischen Reich, die Verfügungsgewalt über den Bosporus und die Dardanellen.

Wer mit wem warum 'mauschelte', welcher Staat mit welchem unter welchen Bedingungen, welchen Versprechungen und Zielsetzungen und welchen nicht vorstellbaren Grausamkeiten den ersten maschinell geführten Krieg führte, all das beschreibt Rainer F. Schmidt ausführlich. 

Es soll in keiner Weise eine Rechtfertigung für alle historischen Folgen sein. Aber die Zuweisung der 'alleinigen Kriegsschuld' an das Deutsche Reich war völlig unbegründet. 

Nochmals und ausdrücklich betont: es geht um den Begriff der 'alleinigen Kriegsschuld'! 

Die Friedenbemühungen des 28sten US-amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson mit seinem 14 Punkte Programm wurde mal von dieser, mal von jener und dann wieder von einer anderen Kriegspartei hintertrieben. Das Gemetzel ging weiter.

Wie es überhaupt zu diesem vier Jahre andauernden Gemetzel kommen konnte, weswegen das Attentat am 28. Juni 1914 auf Österreich-Ungarns Erzherzog Franz Ferdinand fälschlicherweise als Ursache für den Ersten Weltkrieg gedeutet wird, das erfährt man in diesem absolut lesenswerten Buch,

Die Vorgeschichte, Entwicklung und auch die Familienbande des deutschen Kaisers Wilhelm II, des britischen Königs George V. sowie des Zaren Nikolaus II, alle drei Vettern untereinander (Großmutter aller drei war Queen Victoria,  Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland, ab Mai 1876 trug sie als erste britische Monarchin zusätzlich den Titel Kaiserin von Indien), das beleuchtet, begründet, erklärt Rainer F. Schmidt.

Geschichte kann ja so interessant sein!!


Cover des Buches Kaiserdämmerung (ISBN: 9783608983180)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Kaiserdämmerung" von Rainer F. Schmidt

Bellis-Perennis
Hat mich zwiegespalten zurückgelassen

Zunächst fällt einmal auf, dass im Titel eine wichtige Hauptstadt fehlt: Wien, immerhin die Hauptstadt der Donaumonarchie Österreich-Ungarn. Das missfällt mir als Österreicherin sehr.  

1871 also vor 150 Jahren wurde das deutsche Kaiserreich gegründet. Zu diesem Jubiläum sind etliche Sachbücher erschienen wie auch zum Erbe dieser Zeit. Der Historiker Rainer F. Schmidt beschreibt das Wilhelminische Reich vom Abgang Bismarcks als Reichskanzler bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. 

In acht Kapiteln, die jeweils noch in Unterabschnitte gegliedert sind, versucht Rainer F. Schmidt die Geschichte vom Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs im großen europäischen Kontext darzustellen. 

  • Die „Urkatastrophe“ und die Frage nach der Verantwortung
  • Zur Signatur der Epoche um die Jahrhundertwende
  • Zur Anatomie des Wilhelminischen Reiches - Strukturen und Kräfte zwischen 1890 und 1914
  • Die Innenpolitik der Wilhelminischen Ära (1890-1914)
  • Die Außenpolitik der Wilhelminischen Ära (1890-1914)
  • Der Kriegsausbruch
  • Der Weltkrieg (1914-1918)
  • Epilog 


Meine Meinung: 

Sehr detailliert geht Rainer F. Schmidt auf die Regierungszeit von Wilhelm II. und seine Persönlichkeit ein. Eine Persönlichkeit, die mit seiner erzkonservativen Auffassung eines Herrschers  einer konstitutionellen Monarchie mit Argwohn begegnet. Auch wenn ein Parlament den Anschein erwecken soll, dass der Kaiser nicht autokratisch regiert, tut er das indirekt. Kein Regierungsamt, sei es auch noch so klein und unbedeutend, das nicht das Placet des Kaisers benötigt. Nach dem Hinauswurf von Bismarck, (dessen erklärter Fan Schmidt ist) üben einige mehr oder weniger fähige Kanzler dieses Amt aus.  

Während seiner dreißigjährigen Regierungszeit versucht er Deutschland zu einem Global Player aufzurüsten und scheitert 1918 grandios. Seine auf Expansion gerichtete Außenpolitik und seine auf Bewahrung der herrschenden Eliten im Inneren, konnten nur scheitern. Hier wurde der Kaiser (absichtlich?) schlecht beraten und hat die wenigen Mahner aus seinem Umkreis entfernt. Diese katastrophale Negierung der Verhältnisse führen u.a. in den Ersten Weltkrieg.  

In weiterer Folge verliert sich der Autor stellenweise in zahlreichen Details, die den Leser manchmal ermüden. So erfahren wir auf rund 100 Seiten über die Erotomanie von Gortschakow, die jetzt meiner Meinung nach mit den ursächlichen Thema wenig zu haben, aber vermutlich den trockenen Stoff ebenso auflockern sollen wie andere Anekdoten.    

Fazit: 

Das Buch lässt mich in wenig zwiegespalten zurück. Vor allem deswegen, weil Österreich-Ungarn genauso wie das Zarenreich gefühlsmäßig nur als Randnotiz vorkommt und so ein Ungleichgewicht zugunsten Deutschlands entsteht. Ich habe eine etwas andere Erwartung an das Buch gehabt. Deshalb vergebe ich nur 3 Sterne. 

 

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