Rainer Maria Rilke Die Gedichte in einem Band

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Inhaltsangabe zu „Die Gedichte in einem Band“ von Rainer Maria Rilke

Dieser Band - anläßlich Rilkes 60. Todestags - versammelt die Quintessenz seines lyrischen Schaffens. In der Reihenfolge ihrer Entstehung enthält er neben sämtlichen zu Lebzeiten des Autors veröffentlichten Gedichtzyklen auch jene Gedichte aus seinem reichhaltigen Nachlaß, die Rilkes Ruhm als einen der bedeutendsten und einflußreichsten Lyriker deutscher Sprache gefestigt haben. Von den Gedichten des Zwanzigjährigen aus der Zeit vor der Jahrhundertwende bis zur sublimen Bewußtseinslyrik des in den "Duineser Elegien" und den "Sonetten an Orpheus" gipfelnden Spätwerks können wir somit die Entwicklung eines Autors verfolgen, der das deutsche Gedicht auf eine neue Ebene der Bewußtheit gehoben und zugleich unserer Sprache eine Musikalität und Geschmeidigkeit erschlossen hat, die einzigartig ist in der modernen Lyrik.

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  • Rezension zu "Die Gedichte in einem Band" von Rainer Maria Rilke

    Die Gedichte in einem Band
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. March 2011 um 12:44

    Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde rauschend in den Traum der Nacht........... . Rilkes Gedichten gelingt es, wie kaum anderen sonst, mich in den innersten Tiefen zu erreichen und dort etwas zum Klingen zu bringen, das ich mit Worten nur schwer beschreiben kann. Natürlich gibt es viele Literaten, Dichter und Autoren, die man loben kann und auf sie hinweisen, aber bei Rilke ist das noch einen Hauch anders. Rilke gelingt es, das Unaussprechliche in Worte zu kleiden. Rilkes Wortkompositionen sind atemberaubend - Nicht zuletzt deshalb, weil sie in der Wahl ihrer Worte oft ganz schlicht gehalten sind. Einerseits schreibt er in ungeheuerer Üppigkeit und verschwenderischen Bildern, in denen sich der Leser regelrecht suhlen kann und die allen Raum bieten, sich tief und weit in sie hinein zu werfen, ohne Sorge zu haben, an Grenzen zu prallen: "Rast! Gast sein einmal. Nicht immer selbst seine Wünsche bewirten mit kärglicher Kost. Nicht immer feindlich nach allem fassen; einmal sich alles geschehen lassen und wissen: was geschieht, ist gut.... Als Mahl beganns. Und ist ein Fest geworden, kaum weiß man wie. Die hohen Flammen flackten, die Stimmen schwirrten, wirre Lieder klirrten aus Glas und Glanz, und endlich aus den reifgewordnen Takten: entsprang der Tanz..... Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde rauschend in den Traum der Nacht." Auf der anderen Seite gelingt es Rilke, tiefe Gefühle und Wünsche fast schon straff in Worte zu fassen, die in ihrer Schlichtheit beeindrucken. Er konzentriert auf den Kern und legt ihn offen, ohne dabei auch nur eine Ahnung von Härte oder Schärfe zu zeigen: "Mein Leben ist wie leise See: Wohnt in den Uferhäusern das Weh, wagt sich nicht aus den Höfen. Nur manchmal zittert ein Nahn und Fliehn: aufgestörte Wünsche ziehn darüber wie silberne Möven. Und dann ist alles wieder still. . . Und weißt du was mein Leben will, hast du es schon verstanden? Wie eine Welle im Morgenmeer will es, rauschend und muschelschwer, an deiner Seele landen." Rilke spricht aus der Einsamkeit heraus. Und wenn es nicht die Einsamkeit ist, so ist es doch zumindest das Alleinesein. Meist sind seine Gedichte und Texte innere Dialoge mit dem Ich und der eigenen Existenz. Seine Empfindsamkeit und Sensibilität sind ungeheuer ausgeprägt und ich stelle mir gut vor, wie qualvoll es ihm beizeiten gewesen sein muss. Rilke sieht tief. Oft sind seine Themen die ewigen, die zeitlosen Themen. Lieben, Vergänglichkeit, Gott, Sehnsucht, Rast, Hoffnung, Zärtlichkeit und Trost. All die Themen, die in jedem Menschen ruhen, wenn er bereit ist, sich ihnen zu stellen und die nur dann zu betreten sind, wenn wir ihnen alleine entgegentreten. Das innere Alleinesein begleitete Rilke durch sein Leben. Betrachtete er andere Menschen und ihr miteinander, findet sich in seinen Zeilen oft Zorn, und eine Art trauige Enttäuschung. "Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. Sie sprechen alles so deutlich aus: Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, und hier ist Beginn und das Ende ist dort. Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, sie wissen alles, was wird und war; kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott. Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. Ihr bringt mir alle die Dinge um." Dieses Gedicht zeigt mir beeindruckend Rilkes Sensibilität und Scheu. Fast zwangsläufig musste es ihn weit und weiter in eine Art inneren Monolog treiben. Vordergründig mag man denken, Rilke würde über die Liebe als sein Hauptmotiv schreiben, aber ich glaube, das stimmt nur bedingt. Ich meine, sein großes Thema ist eher die Sehnsucht danach. Immer ist es das Motiv der Sehnsucht, welches ich in seinen Zeilen finde. Die Sehnsucht nach der Liebsten - Die Sehnsucht nach der Ruhe - Die Sehnsucht nach Wahrheit usw. Selten lese ich bei Rilke von der Erfüllung dieser Sehnsucht. Mir ist so, als könnte die Erfüllung eine Art Todesstoss für sein so besonderes Wirken bedeuten. Es gab in seinem Leben einen Punkt, wo er diese “Erfüllung” versuchte. Er heiratete und zeugte mit seiner Frau ein Kind. Beide hat er verlassen. Oft gibt es bei Rilke eine Art zartbittere Seite an der Schwelle zur Erfüllung, die sich etwa so anfühlen kann: "Du, der ichs nicht sage, dass ich bei Nacht weinend liege, deren Wesen mich müde macht wie eine Wiege. Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht meinetwillen: wie, wenn wir diese Pracht ohne zu stillen in uns ertrügen? Sieh dir die Liebenden an, wenn erst das Bekennen begann, wie bald sie lügen." Immer, wenn ich Rilke lese, habe ich dieses eigenartige Gefühl, jemandem zu begegnen, der nicht so recht von dieser Welt ist. Ein irdische Welt - voller Tagwerk, Irrtum, Schmutz, Grobheit, niederen Absichten, Lügen und Bedürfnissen. Schon in seinen frühsten Texten schwingt eine sphärische Aura um diesen Mann und vielleicht ist es in der Tat so, dass er voll und zu voll angefüllt mit Attributen war, die doch eigentlich so erstrebenswert sind. Rilke war randvoll mit tiefer Sehnsucht nach Rast. Eine Sehnsucht, die aus dem Wissen geboren wurde, dass Vergänglichkeit durch alle Fugen dringt und mit jedem Atemzug Abschied geatmet wird. Für mich ist Rilke nicht nur der Autor all der wunderbaren Liebesgedichte, sondern in ihm wohnt eine tiefe und schreckliche Tragik. Hermann Hesse schrieb einmal in einem Gedicht, er wäre “Krank an seiner eigenen Kraft” und ich glaube, so kann man Rilke auch beschreiben. Es riss ihn hin und her. Das Leben und seine Möglichkeiten waren ihm wie ein Füllhorn, welches sich zu verschwenderisch über ihm ergoss. "Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten: wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten? Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen? Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich? Wer faßt in sich der Vogelflüge Raum? Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich wie jeder Zweig an einem jeden Baum? Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung ins unbekannte Glück so rein, so reg? Und wer nimmt still und ohne Stolz die Steigung und hält sich oben wie ein Wiesenweg?" Ich glaube, Rilkes Tragik bestand darin, dass er in seinem Innersten - in seiner Seele - Dinge zu fühlen vermochte und Wünsche empfand, deren Erfüllung ihm unmöglich war. Unmöglich deshalb, weil es im irdischen Dasein niemals diese Erfüllung geben kann. Rilke fühlte sich getrieben - Vielleicht ging ihm die Zeit viel zu schnell. Die Eindrücke und Erlebnisse zucken wie Blitze vorbei und versucht man, einen von ihnen festzuhalten - zu betrachten - so mag das gelingen, aber es führt dazu, dass viele weitere vorbeieilten und uns fast unfähig machten, dem Tagwerk entsprechen zu können. Er beschreibt das in folgendem Gedicht, dessen letzter Satz für mich der ungeheuerste - der prachtvollste und elementarste ist, den ich persönlich erleben und erfahren durfte: "Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben! Sie zu halten, wäre das Problem. Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben, wo ein endlich Sein in alledem? - Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt: Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen, und das willig Liegende verschwimmt - Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; - aber auch in ihnen flimmert Zeit. Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit." “Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit” beschreibt mir Rainer Maria Rilke auf den Punkt und in diesem Satz liegen Welten an innerer Wanderung. Er hat keine Grenzen und er beschreibt das Wesen innere Vorgänge. Ich gehe sogar so weit, dass ich sage, dass in dieser Aussage vielleicht die Geburt alle Kunst zu suchen ist. Einerseits das innere Wissen darum, jenen Funken Unvergänglichkeit in sich zu tragen und auf der anderen Seite das Wissen darum, dass diese Unvergänglichkeit obdachlos ist und bleiben muss, da wir brutal sterblich sind. Das Schaffen Rilkes arbeitete sich fast zwangsläufig in Regionen vor, die sich mehr und mehr diesen Themen näherten. Zum Ende seiner künstlerischen Arbeit hin, schuf er seine -wie ich finde - prachtvollsten und atemeraubendsten Werke: Die Duineser Elegien und die Sonette an Orpheus Zu beiden Werken möchte ich mich wenig äussern. Deshalb, weil es meine Fähigkeiten übersteigt, mich ihnen so nähern zu können, wie es ihnen gerecht würde. Beide Werke können nicht einfach gelesen werden. Sie bedürfen eine ganz gewissen Stimmung und vor allem einer inneren Bereitschaft, die schwer zu erarbeiten ist. Die Duineser Elegien und die Sonette an Orpheus sind das prachtvollste Geschenk, dass ich jemals bekommen habe. Sie sind Dialoge mit einer Welt, die Rilke immer versuchte, zu erreichen. Eine Welt, die nicht erreichbar ist, weil sie eine kommende Welt ist. In beiden Werken hat Rilke eine Schwelle überschritten die doch eigentlich nicht überschreitbar ist. Beide verschenken sich dem Leser nicht - sie fordern ihn - teilweise bis an die Schmerzgrenze und eines ist gewiss: sie zersplittern in 1000 Teile bei dem geringsten Geräusch. In ihnen ruht das Vermächtnis eines Menschen - Rainer Maria Rilke - der ihnen sein Leben gewidmet hat, um sich dort hin zu arbeiten. Vor einigen Jahren hat sich das Künstlerpaar Schönherz und Fleer des Werks Rilkes angenommen und beide haben mit viel Liebe seine Gedichte mit Musik unterlegt und sie von schönen Stimmen bekannter Künstler interpretieren lassen. Alle drei CDs des Rilke-Projekts sind ganz wunderbar gelungen und legen dem Hörer Rilke und sein Werk ans Herz.

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  • Rezension zu "Die Gedichte in einem Band" von Rainer Maria Rilke

    Die Gedichte in einem Band
    ratz

    ratz

    25. June 2008 um 19:23

    Diesen Band als "Gelesen" abzuhaken, ist eigentlich unmöglich, man wird ihn ein ganzes Leben lang immer wieder in die Hand nehmen (müssen). So habe ich derzeit auch nicht alles 'gelesen', sondern, nach immer mal wieder darin Herumlesen, mit der Sammlung "Mir zur Feier" begonnen - hier fängt, so scheint mir, Rilke an, das Gegenständliche langsam zu überwinden und stellenweise leicht dunkel zu werden (Grandioses findet sich natürlich schon vorher, man denke nur an 'Konstanz'). Ausserdem muss er damals ungefähr so alt gewesen sein, wie ich jetzt ;-) Diese Insel-Ausgabe ist allerdings eine für Unerschrockene oder sehr Erfahrene, je nachdem - es gibt weder Anmerkungen, noch ein ausführliches Begleitwort. Man ist also darauf angewiesen, selbst zu erschliessen und/oder einiges Rätselhafte vorerst stehen zu lassen, weil es noch nicht verstanden werden kann. So geht es mir jedenfalls, und vermutlich nicht nur mir, denn wer kann schon die Anspielungen und Zeitbezüge sämtlich aus dem Hut zaubern. Die Sprache Rilkes ist ja bekanntermaßen mit die beeindruckendste, die auf uns gekommen ist, zugleich einfach und unglaublich reich, erst im Wiederlesen offenbart sich so manche Kunstfertigkeit... Wie gesagt, mit diesem Buch wird man so schnell nicht 'fertig'!

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