Rainer Nikowitz

 4 Sterne bei 42 Bewertungen
Autor von Volksfest, Nachtmahl und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Rainer Nikowitz

Rainer Nikowitz, geboren 1964, ist Kolumnist des Wochenmagazins «profil». Er lebt in Wien und «Nachtmahl» ist nach «Volksfest» sein zweiter Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Rainer Nikowitz

Cover des Buches Volksfest9783499259111

Volksfest

 (19)
Erschienen am 01.11.2012
Cover des Buches Nachtmahl9783499268359

Nachtmahl

 (15)
Erschienen am 31.07.2015
Cover des Buches Altenteil9783499268342

Altenteil

 (4)
Erschienen am 15.12.2017
Cover des Buches Ein Lama für Mama9783800073870

Ein Lama für Mama

 (2)
Erschienen am 09.09.2008
Cover des Buches Wer, wenn nicht er?9783900625009

Wer, wenn nicht er?

 (1)
Erschienen am 07.10.2004
Cover des Buches Nichts als die Wahrheit!9783707603019

Nichts als die Wahrheit!

 (1)
Erschienen am 24.09.2009
Cover des Buches Es kann nur einen geben!9783900625696

Es kann nur einen geben!

 (0)
Erschienen am 01.09.2006

Neue Rezensionen zu Rainer Nikowitz

Neu

Rezension zu "Altenteil" von Rainer Nikowitz

Vergnügliches Geriatriegemetzel
awogflivor einem Jahr

„Wer bringt denn Leute um, die sowieso bald von selber sterben?“

Diese sehr berechtigte Frage stellt sich der Autor in seinem bitterbösen mit dunkelschwarzem Humor getränkten morbiden Kriminalroman, indem er das Setting seiner Mordhandlungen in ein Seniorenheim verlegt. Hier möchte ich vorab gleich eine Warnung herausgeben, denn wer bezüglich der Grauslichkeiten* des Alterns etwas zart besaitet ist, sollte diesen Roman meiden, Rainer Nikowitz spricht sie alle an … plastisch, gnadenlos und teilweise bis zur Schmerzgrenze widerlich. Ganz meine Abteilung, aber ich darf das ja auch lustig finden, bin ich doch seit 2018 in die Gruppe der UHU’s aufgenommen worden und sollte mich mit dem nötigen Galgenhumor schön langsam genau auf diese Situation vorbereiten ;-) .

Im dritten Band seiner Kriminalreihe rund um Suchanek, den Ermittler wider Willen, der permanent unschuldig in solche mörderischen Kalamitäten hineingezogen wird, hält dieser sich also längerfristig in einem Altenheim auf. Warum? Alleine schon wie der Autor diese Situation auflöst, beschreibt die Skurrilität des Plots. Den notorischen Kiffer hat es zwangsläufig einmal tatsächlich erwischt, er ist mit 100 g Marihuana aufgegriffen worden und wurde vom Richter postwendend zu einer gehörigen Portion Sozialstunden im Haus Sonne, der Aufbewahrungsstation für halbtote Senioren, vergattert.

Kaum trifft unser Antiheld an seinem neuen längerfristigen Arbeitsplatz ein, hat die Einführungen des Pflegepersonals über sich ergehen lassen, die Situation gecheckt und sich nächtens durch die Beschaffung von THC-freiem Urin für die nächste gerichtliche Überprüfung in abgesperrte Bereiche des Heims begeben, stolpert er prompt über die in einer Waschmaschine befindliche erste Leiche, die aber nicht die einzige in dieser Geschichte bleiben wird. Ist der Mörder jemand vom Pflegepersonal? Oder ein Angehöriger, der den Eintritt der Erbfolge nicht erwarten konnte? Der Verdächtigen sind viele, die dem Leser gemäß einer möglichst optimalen Krimikonstruktion ein lustiges Mörderraten bescheren. Zudem ist einer der potenziellen Seniorenmetzler, der Enkel einer Insassin, auch noch sein ehemaliger Nebenbuhler um die Gunst der schönen Susi, der großen Liebe Suchaneks aus seinem Heimatdorf, der das Rennen um die Frau auch noch gewonnen hat.

Auch die anderen Figuren sind sehr liebevoll bis ins letzte Detail entwickelt, Frau Zillinger, eine demente Patientin, die immer wegläuft und eingefangen werden muss, alle Figuren aus medizinischem und Pflegepersonal, von denen jeder so seine Geheimnisse hat, und die teilweise den Arbeitsplatz für die Abwicklung ihrer krummen Geschäfte nutzen, der hellwache, aber gelähmt ans Bett gefesselte ehemalige Universitätsprofessor Renner, der eine ganz fiese, bitterböse Ader hat und sich zumindest geistig als Hobbyermittler und kriminologischer Berater Suchaneks betätigt, die pensionistische Saunagruppe, die den Begriff Sex im Alter zumindest für mich neu definiert hat … .

Alle sind wundervoll, sehr genau, treffend und teilweise bis zum Anschlag boshaft und respektlos mit spitzer Feder gezeichnet. Die Sprachfabulierkunst von Nikowitz ist ohnehin legendär. Die Wuchteln* fliegen wie schon in seinen letzten Romanen aus der Suchanek-Krimireihe tief – respektive infolge des Themas noch tiefer. So nun meine Triggerwarnung für total unkorrekten bösartigen Geriatriehumor – weiterlesen auf eigene Gefahr – gesteigert von größtenteils harmlos bis urgrauslich*.

Aber das wusste man ja über das Geriatriegeschwader. Frühe Vögel allesamt, flügellahm zwar, aber früh. Beim Aufstehen, beim Essen, bei allem. Wenn du willst, dass ein Alter um drei irgendwo ist, sag ihm, er soll um vier kommen.

Wozu klopfen Sie? Um mir das Gefühl zu geben, hier drin gäbe es noch Spurenelemente von Privatsphäre? […]
Ich weiß nicht, warum diese Sozialwimmerln (Anm. Pflegepersonal) immer so randvoll mit pickigem Betulichkeitseiter sein müssen. Immer besorgt, immer sendungsbewusst, immer hilfsbereit. Wenn er mir wirklich helfen will, dann erschießt er mich endlich.

Und sie war überall blond. Nicht, dass sich das bei den vielleicht vier Schamhaaren, die sich noch tapfer auf ihrem eingestürzten Venushügel festkrallten, groß ausgezahlt hätte. Aber sie hatte diese sogar noch, wie moderne Frauen das nun einmal taten, akkurat gestuzt. Und Suchanek hatte das Privileg, diese Pracht aus nächster Nähe genießen zu dürfen […]
Wie er mit eindrucksvoll wogenden Hängetitten (ja der Gustl war ein Mann: warum die Frage?) und bis unter halbe Oberschenkelhöhe pendelndem Skrotum den schneidenden Alkoholdampf mit dem Handtuch auf einen herunterprügelte – das konnte nicht gesund sein.

Im Kriminalplot war zumindest für mich die Handlung bis zum Ende nicht durchsichtig. Der Täter und das Motiv waren zwar überraschend konzipiert, aber plausibel und plottechnisch nicht an den Haaren herbeigezogen. Für mich war also nicht nur die Geschichte, die Figuren, die Sprache und der böse Humor perfekt gestaltet, sondern auch mein Krimiherz wurde restlos befriedigt. In der letzten Szene war ich sogar richtig gerührt, denn der Autor schafft es auch noch, einen Schuss Traurigkeit in dieser bösen Story zu plazieren.

Fazit: Extrem genial und schon wieder ein absolutes Highlight in diesem Jahr. Ein witziger, grandios konzpierter Krimi, aber beileibe nicht für jedermann geeignet. Ich überlege mir gerade, das witzig unter Anführungszeichen zu setzen, lasse dies aber bleiben, denn ich fand ihn unglaublich lustig.

*grauslich, Grauslichkeit – widerwärtig, ekelerregend.
*Wuchtl – ein Scherz der so heftig so witzig, tief und manchmal auch dreckig ist, dass er wie ein Fußball mitten in Dein Gesicht klatscht – die Bezeichnung Wuchtel kommt sogar aus dem Fussball, wurde aber in Österreich bald auf jedweden wirkungsvollen Scherz im Bereich der Ironie aber auch in tieferen Gefilden angewendet.

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Rezension zu "Volksfest" von Rainer Nikowitz

Weniger Krimi, aber viel Witz und Biss
awogflivor 3 Jahren

Hab ich mal gesagt, dass ich mit Dennis Scheck übereinstimme, der das Genre des Regionalkrimis als Bassena der Belletristik bezeichnet hat? Ok ich muss meinem früheren Selbst widerspechen, denn dieses Buch hat mich ganz vom Gegenteil überzeugt....

Das Werk von Rainer Nikowitz glänzt mit Sprachwitz, grandios gnadenlose Wuchteln* prasseln gleich einem Maschingengewehrfeuer auf den Leser ein, auf den ersten zwei Seiten kleben bereits 10!! Post-iTs, nur um meine Highlights zu markieren - Wahnsinn! Mein Mann hielt mich fast schon für verrückt, weil ich im Bett lag und Tränen lachte. Wenn einige Rezensenten die Schachtelsätze und die gewöhnungsbedürftige Sprache bemängeln, dann bin ich entzückt und total hingerissen. Knackige Anekdoten, wundervolle Methaphern, Allegorien und Seitenhiebe auf wichtige vergangene Ereignisse aus Politik, Kultur und Kriminalfällen und sensationelle Wortkreationen zeichnen den Stil des Autors aus. Hier einige Beispiele:

  • "30 hochmotivierte Niederwildniedermetzler" =  Jäger in Niederösterreichs Flachland (dort gibt es kein Hochwild)
  • "In Suchaneks Augen leuchtete ein beeindruckendes Morgenrot. In denen seiner Mutter kondensierte langsam der Zorn."
  • "Keine Geschwindigkeitsbegrenzung, keine Ortstafel, kein Zebrastreifen, gar nichts vermochte Suchanek zu bremsen. Auch nicht das weiße Kreuz, das knapp vor Wulzendorf an jenem Kirschbaum angebracht war, an dem der Lengauer Edwin und sein GTI, unzertrennlich wie immer, ihre Leben ausgehaucht hatten."
  • "Andererseits ist es ja Allgemeingut, dass es der Einbrecher als solcher gemeinhin eher weniger schätzt, wenn sich im Zielobjekt noch ein Subjekt befindet."
  • "Bisher war Suchanek eigentlich immer davon ausgegangen, es könne keinen schlimmeren Job geben, als Gesangslehrer vom Hansi Hinterseer zu sein. Jetzt musste er allerdings einräumen, dass die Vorstellung, in einer trüben Algenbrühe, in der man wahrscheinlich keinen Meter weit sah, nach einem halbverfaulten Kopf zu tasten, dem hohen C vom Hansi zumindest nicht viel nachstand."

Ich weiß schon, der Humor ist etwas ganz Spezielles, aber für mich war er maßgeschneidert, vor allem weil ich ja genau in diesem Bundesland lebe.

Der Krimiplot ist zwar nicht durchsichtig aber auch nicht wirklich richtig spannungsgeladen.  Da jeder im Buch, so wie es in Niederösterreich am tiefen Land üblich ist, zwei Namen hat - nämlich den Hausnamen und den richtigen Familiennamen - und diese abwechselnd eingesetzt werden, entsteht beim lustigen Mörderraten eher unnötige heillose Verwirrung als dass Freude aufkommt. Fakt ist aber, dass dies exakt der Realtität entspricht. Jedes Mal, wenn ich am Land umgezogen bin, musste ich auch die Hausnamen mühsam zu den eh schon fremden Personen und Namen dazulernen. Für den etwas zu gemächlichen Krimiplot muss ich mit Bedauern einen Stern abziehen, da bin ich immer sehr puristisch und streng, als Heimatkomödie mit mehreren zufällig auftauchenden Leichen hat sich dieser Roman jedoch allemal fünf Sterne plus verdient.

Fazit:: Wundervoll - Schmähätzungssäuregrad des Textes gefährlich mit Verdacht auf Lach-Bauchmuskelkater


*Eine Wuchtel ist ein Scherz der so heftig so witzig, tief und manchmal auch dreckig ist, dass er wie ein Fussball mitten in Dein Gesicht klatscht - die Bezeichnung Wuchtel kommt sogar aus dem Fussball, wurde aber in Österreich bald auf jedweden wirkungsvollen Scherz im Bereich der Ironie aber auch in tieferen Gefilden angewendet. Auf jeden Fall fällt Dich die Wuchtel schmähmäßig wie einen Baum und lässt Dich lachend und hilflos am Boden liegen.

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Rezension zu "Nachtmahl" von Rainer Nikowitz

Nachtmahl
twentytwovor 4 Jahren

Kaum dass der Suchanek gedacht hat, mit dem Gutschein zum Abenteuerwochenende würde für ihn mal was ganz Spezielles und Besonderes rausspringen, hat er sich auch schon wieder geirrt. Also, speziell wars dann schon, aber eben ganz anders als er sich das so vorgestellt hat.

Eigentlich ist er ja keiner der sich rege am Smalltalk beteiligt und schon gar nicht an so einem abgedrehten Kennenlernabend wie im Hinterland. Aber wenn man ihn provoziert rutscht ihm doch schon mal das ein oder andere unbedachte Wort vorschnell über die Lippen. Dazu kommt, das ihm sein Ruf als Held von Wulzendorf ständig vorauszueilen scheint. Damit werden aber nur falsche Erwartungen in ihn gesetzt und Hoffnungen auf seine Talente geweckt, die er selbst nicht kennt, aber umständehalber bereit ist zu erfüllen. Das bringt ihm tatsächlich einen lukrativen Job ein und so blöd, dass er diesen nicht annehmen würde ist er, entgegen landläufiger Meinung, dann doch nicht.

Nicht ganz uneigennützig kommt ihm auch noch der Grasel zu Hilfe, nicht, dass der Suchanek ihn darum gebeten hätte. Aber wenn er schon mal da ist und weil ja bekanntlich vier Augen mehr sehen als zwei, läßt er ihn gewähren. Und das ist gut so. Denn Grasel, umtriebig wie er ist, kommt so mancher Ungereimtheit auf die Spur und wenn auch der Suchanek endlich mal sein umnebeltes Hirn einschaltet, steigen die Chancen den Fall aufzuklären erheblich.

Fazit
Eine verrückte Story, bei der sehr einfallsreich gemordet und nicht weniger einfallsreich ermittelt wird. Schräg, komisch und abgefahren, eine Kriminalkomödie voller Überraschungen.

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