Der Roman beginnt als ziemliche Räuberpistole und endet auch so. Dazwischen werden immer mal politische, gesellschaftliche und ethnische Konflikte eingestreut, die das Niveau der Geschichte stellenweise heben. Es liest sich zwar ganz zügig dahin, aber die Figuren wirken flach gezeichnet und die Erzählweise manchmal irgendwie ruckartig. Insgesamt hat das Buch etwas von einem Groschenroman, dessen Handlung lediglich von Rachedurst vorangetrieben wird.
Rainer Nitsche
Alle Bücher von Rainer Nitsche
Keinen Eintrag gefunden.
Neue Rezensionen zu Rainer Nitsche
Voller Vorfreude nahm der Rezensent das Buch zur Hand. Ist er doch selbst Berliner, sogar gebürtiger, und hat es nicht geschafft, diese Stadt zeitlebens auch nur ein wenig zu lieben. In besten Zeiten, das war aber nur kurz, konnte man auch nur von Hassliebe sprechen. Das liegt ganz sicher daran, dass die Stadt ein Blender ist, die Betonmassen, die Monumentalbauten, von denen 80% nach importierten Idee erbaut wurden, das Schnoddrige, Kalte und Rohe, der mangelnde Charme und Taktgefühl, sogar der Opfer des Nationalsozialismus wird in dieser Stadt mit einem einfallslosen Stelenfeld gedacht.
Umso erstaunter war der Rezensent, dass Berlin wohl schon immer so war, denn die in diesem Buch zu Wort kommenden Zeitzeugen, vom 16. bis 20. Jahrundert eine interessante Mischung, beschreiben genau diese Eigenschaften und Mängel, die sich bis heute etabliert haben. Berlin war also schon immer die Stadt, die ohne ein markantes Profil laut schreien musste, damit man sie auch als das wahrnahm, was sie gerne sein wollte: Eine Metropole wie Paris, London oder das kulturelle Wien. Doch anders als die erwähnten, hat es diese Stadt immer irgendwie versäumt, ihre Charakterlosigkeit abzulegen oder ihr Kapital in die richtigen Kanäle zu leiten. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Und so würden wahrscheinlich die Kommentare der hier versammelten Schreiber heute ähnlich aussehen, denn was zu Zeiten eines Lessing, Polgar, Thoma, Scheffler, E.T.A. Hoffmann, Heine und vielen anderen hier wirkenden Autoren Anlaß zu bissigen Bemerkungen war, hat sich nicht geändert, nur dass es in eine andere Zeit verlegt ist.
Da überfiel den Rezensenten dann doch eine gewisse Wehmut, denn er fand es schade für die Stadt, dass sie auch heute noch nicht liebenswert ist. Außerdem hatte er sehr viele Sätze mit Bleistift unterstrichen. Zu viel.
Für den skeptischen Berliner wird das Buch denselben Effekt haben wie für den Rezensenten. Alle anderen könnten sich wohl den Trip nach Berlin überlegen, die Chancen stehen 50 : 50, dass man enttäuscht wird. Der Neugierige wird natürlich wissen wollen, wie es hier wirklich aussieht. Und dass diese Rezension besonders subjektiv ist, soll hier nicht unerwähnt bleiben.
In "Black Star Nairobi" macht uns der amerikanische Literaturprofessor Mukoma wa Ngugi mittels spannendem Krimi die nahezu aussichtslose Situation in Afrika klar.
Aber nicht nur das. Er spricht auch ganz offen aus, was Farbige Mitbürger in ihrer westlichen Heimat empfinden, dass sie nie wirklich akzeptiert sind, immer benachteiligt und jederzeit rassistischen Übergriffen ausgesetzt sind. Ein sehr aktuelles Thema, nicht nur in den USA.
Er vermittelt diese Sehnsucht nach Heimat, nach Ruhe, nach Akzeptanz und dem Ankommen, ein Gefühl, das sehr viele in den Staaten geborene Schwarze nach Afrika zurück gehen lässt. Und da sind sie dann: Unfähig, die afrikanischen Dialekte zu sprechen, Außenseiter der Sippen, immer "Die Amerikaner", nie die "Afrikaner", die sie im Herzen geblieben sind.
Mukoma wa Ngugi lässt den Krimi zu der Zeit der Wahl Obamas spielen, eine gute Gelegenheit, uns klar zu machen, was diese Wahl für die Afrikaner bedeutete. Im Nachsatz erläutert der Autor auch die politische Situation speziell in Kenia, die Rolle Obamas dort und die scheinbare Unmöglichkeit, endlich ehrliche und gewaltfreie Wahlen zu haben.
Der Krimi startet mit einem Anschlag auf ein Hotel in Nairobi. Und natürlich stecken al Quaida hinter dem Anschlag, wer auch sonst.
Der Protagonist Ishmael und ein befreundeter Polizist wollen dies nicht glauben. Was hätten al Quaida von einem Anschlag auf ein Hotel in einem afrikanischen Staat? Sie ermitteln und rutschen damit auf eine Terrorliste und werden zu Gejagten.
Der Schreibstil war mir etwas gewöhnungsbedürftig. Bei jedem Satz sah ich den afrikanischen Autor vor mir, der so lebenslustig und kulturell anders empfindet als ich. Und dennoch muss ich sagen, es steckt so viel Kleinarbeit im Roman, so viel Aufklärung alltäglicher Probleme, die uns Europäern fremd, exotisch und unbekannt sind, dass ich fast zu 5 Sternen tendiere. Abstoßend fand ich die unzähligen Leichen, aber was wäre eine Lösung? Wenn man auch im wackeligen Rechtssystem nur Korruption, Drogen und Machtspielchen findet, sich seines Lebens keine Minute sicher sein kann, wo ist da die Grenze zwischen Gut und Böse?
Ich danke dem Autor für diesen schonungslosen Einblick.
Gespräche aus der Community
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
22 Bibliotheken
2 Merkzettel





