Rainer Nocht

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Ankerzurren und Himmelsmarmor.
Rainer Nocht

Lebenslauf von Rainer Nocht

5 Jahre Fortbildungsreferent Verwaltungsakademie Berlin (Beamter), 7 Jahre Bildungsreferent Industrieunternehmen Friedrichshafen, 3 Jahre Leiter Personalentwicklung Industriekonzern Hannover, 18 Jahre selbständiger Trainer und Moderator, seit 2007 Schriftsteller.

Alle Bücher von Rainer Nocht

Ankerzurren

Ankerzurren

 (3)
Erschienen am 01.12.2010
Himmelsmarmor

Himmelsmarmor

 (2)
Erschienen am 01.10.2012

Neue Rezensionen zu Rainer Nocht

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Rezension zu "Ankerzurren" von Rainer Nocht

Rezension zu "Ankerzurren" von Rainer Nocht
sternthaler75vor 6 Jahren

Da ist er wieder, dieser Penner aus der Leinemasch, Kai sieht ihn fast täglich. Der Typ wohnt in einem alten Zirkuswagen, bestimmt total heruntergekommen, Hartz 4, ungepflegt, zugemüllt, ewig breit. So zumindest stellt der Banker sich das vor. Für ihn unvorstellbar, so zu leben. In seinem Penthouse mit eigenem Fahrstuhl, Whirrlepool, Blick über Hannover, das ist genau das richtige für Kai.
Doch bei einer seiner Trainingsläufe für den Hannover-Marathon kommt dieser Penner ihm näher, als Kai lieb ist. Mit einem Sprung vom Dach des Zirkuswagens rettet er Kai vor der Beißattacke eines Dobermanns. Ein Sprung, der vieles für Kai verändert, ein Sprung in eine Männerfreundschaft, an die er im Leben nie geglaubt hätte.

Meine Meinung

Das ist wieder so ein Buch, das ich erst einmal zuklappe und für einen Moment in mich gehe, warte, nachdenke, überlege.
Ankerzurren . . . schon der Titel ist irgendwie anders. Jeder von uns hat irgendwo seinen Anker festgemacht, fühlt sich sicher in seinem Hafen, das hoffe ich zumindest. Aber wie schnell kann die Ankerkette reißen, alles verändern, mich ziellos werden lassen.
So ist es hier geschehen: Rolf ist so ein Mensch. Seine Ankerkette war stark, sicher, fest in ihren Gliedern. Bis zu einem tragischen Ereignis, bei dem er seine Frau und einen seiner Söhne verlor. Schnell war der soziale und gesellschaftliche Abstieg vollbracht, vom Studierten bis zum drogen- und tablettenabhängigen Nichtsnutz. Aus dieser Talsohle zu entkommen, das schaffen nicht viele.
Ganz anders ist Kai, 20 Jahre jünger als Rolf, mitten im Leben, im Beruf stehend, klare Ziele vor Augen, alle mit Aussicht auf Erfolg. Sein Anker ist fest verzurrt, bewegt sich keinen Millimeter. Nur keinen Blick über den Tellerrand wagen.

Als Kai und Rolf aufeinander treffen, knallen somit zwei Welten aufeinander. Zu Beginn prallen sie voneinander ab. Und doch ist da etwas, was Kai dazu bewegt, näher heran zu treten an das Leben von Rolf. Ein Dankeschön in Form eines Schecks ist eine Option für Kai, keinesfalls aber für Rolf. Ein Einkauf und ein gemeinsamer Kochabend aber ändert das Gesamtbild der beiden so unterschiedlichen Männer.

Rainer Nocht lässt die beiden wunderbare, gesprächreiche Abende verbringen, in denen sich eine besondere Freundschaft entwickelt. Dass die Gespräche nicht immer reibungslos verlaufen, ergibt sich ganz von selbst. So beginnen Fassaden zu bröckeln, Blickwinkel ändern sich, oberflächliches bekommt einen tieferen Sinn. Manchmal eher bissig, oft sehr poetisch, aber niemals kitschig, einfach nur schön.

Unterm Strich

168 Seiten, in denen sich vieles ändert, mich sehr berührt hat und mich daran erinnert, meinem Anker mehr Spielraum zu geben.

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Rezension zu "Himmelsmarmor" von Rainer Nocht

Rezension zu "Himmelsmarmor" von Rainer Nocht
sternthaler75vor 6 Jahren

Leon hat sein eigenes kleines Haus auf Fuerteventura. Ein wunderbarer Platz, nur für sich allein.
Nein, nicht ganz, Poseidon, ein zugelaufener Hund lebt bei ihm.
Eigentlich sollte Leon in die Zukunft schauen, nach vorn, vielleicht in eine Zukunft mit Consuela. Immerhin ist er schon 60, und sie 52.
Aber stattdessen treiben seine Gedanken in die Vergangenheit. Die Zeit in Hannover, verheiratet mit Geraldine. In guten wie in schlechten Zeiten . . . bis der Krebs sie besiegte.
Und dann die Rosemarie, flippig, reich, Beruf: Tochter. Sein Rettungsanker vor der Angst vorm Allein-sein? In guten wie in schlechten Zeiten . . . bis er vor ihr geflohen ist. Und auch jetzt, 8 Jahre später noch immer nicht geschieden.

Meine Meinung

Himmelsmarmor- eine Geschichte voller Erinnerungen, Gedanken, Rückblicke.
Zu Beginn fand ich die Geschichte etwas holprig, den Gedankensprüngen konnte ich kaum folgen, weil ich nicht wusste, worum genau es geht. Doch wie ein verworrenes Knäuel entspinnt sich langsam ein Faden, und ich kam nach und nach dahinter, um was Leon sich hier so seine Gedanken macht. Und je mehr es sich entwirrte, umso mehr wollte ich erfahren. Dabei wird der Verlauf sehr emotional und tiefsinnig, zudem manchmal sehr traurig, aber dennoch auch poetisch.

Rainer Nocht schafft es, die Charakterzüge zweier Frauen so lebhaft und detailliert zu beschreiben, das ich mir die Personen in meinem Kopfkino sehr gut vorstellen konnte. Die eine so sensibel und gut, die andere arrogant und förmlich bedrohlich.
So durfte ich als Leserin viele Stationen in Leon's Leben mit erleben, mitlachen, mitweinen, mitfliehen.
Und obwohl es nur 130 Seiten hat, gibt es viel, über das Leon sinniert, während im Buch nur eine einzige Nacht vergeht. Abwechselnd im Jetzt und im Damals springen seine Gedanken hin und her.

Der Schreibstil des Autors ist zu Beginn recht gewöhnungsbedürftig. Kurze, abgehackte Sätze, mehr wie Gedanken, viel aus der Sicht des Erzählers, dann spontan aus Leons Sicht, das hat meinen Lesefluss anfangs sehr eingebremst, manchmal musste ich den einen oder anderen Absatz zweimal lesen.
Im weiteren Verlauf habe ich mich dann aber einlesen können und es ging zügiger voran.

Unterm Strich

Ein Buch, das berührt, nichts für nebenbei, voller Gefühl und Tiefgang,

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Rezension zu "Ankerzurren" von Rainer Nocht

Rezension zu "Ankerzurren" von Rainer Nocht
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Kai weiß noch nicht genau, was er von diesem Abend halten soll. Auf dem Weg nach Hause reflektiert er die Ereignisse noch einmal. Ganze fünf Stunden hat er bei diesem Mann verbracht, wer hätte das gedacht! Zum gemeinsamen Kochen hatten sie sich verabredet, was für eine verrückte Idee! Er hatte sich auch noch bereit erklärt, einkaufen zu gehen. Wie kommt ein Banker in seiner Position überhaupt auf den Gedanken, sich auf so etwas einzulassen? Er, zu Gast bei einem Penner in dessen Bruchbude. Schräger geht es nicht mehr, zumal sich alle seine Erwartungen in Luft auflösten. War er sich nicht sicher gewesen, dass der Stadtstreicher seine Einkäufe gleich verschwinden lassen würde und ihm statt dessen ein preiswertes Dosenessen auftischen würde? Hatte er erwartet, dass Überzeugungen im Zusammenhang mit seiner bis dato erworbenen Menschenkenntnis in den Grundfesten erschüttert würden? Hatte er erwartet, wie gemütlich es in diesem Zirkuswagen sein wird? Hatte er einen so gebildeten Menschen erwartet, der in der Lage ist, mitzufühlen und ihn mit Humor und Schlagfertigkeit zu beeindrucken? Sicher nicht. Fünf Stunden seines Daseins waren total ausgefüllt. Mit Staunen, Zuhören, Aufwachen, Begreifen ... einem guten Essen, gutem Wein und Gesprächen, die sein Leben nachhaltig verändern sollten. Doch es stellen sich auch viele Fragen, denn der Mann scheint, trotz der vielen unerwarteten positiven Eigenschaften, ein Problem zu haben. Vielleicht sogar ein ziemlich großes ...

Kai, der erfolgreiche Geschäftsmann, wollte für einen Marathon-Lauf, den er dann in seiner Vita nicht ganz uneigennützig präsentieren könnte, trainieren. Doch das sündhaft teure Diagnostik-Center an seinem Oberarm konnte nicht verhindern, dass ihn auf seiner Strecke der Dobermann eines Rechtsradikalen angefallen hat. Glücklicherweise kam er am Zirkuswagen des vermeintlichen Penners Rolf vorbei, der gerade das Dach reparierte. Ohne zu zögern und ebenso unerwartet griff der Mann ein, stürzte sich vom Dach herunter auf den angreifenden Kampfhund und schnürte ihn mit einem Gürtel kampfunfähig zusammen. Nachdem der vorauseilende "Glatzkopf" zum Ort des Geschehens zurückkehrte, entwickelte sich die nächste brisante Situation, als der entrüstete Hundebesitzer eine handfeste Schlägerei anzetteln wollte. Auch ihn besiegte Rolf ohne große Mühe und fixierte ihn, bis die Polizei eintraf.

Nach einer Familientragödie hat Rolf seinen Platz gefunden. Auf einer unverpachtbaren Randparzelle einer Laubenkolonie durfte er seinen Zirkuswagen aufstellen. Als Gegenleistung geht er in der Kleingartenanlage Streife und passt auf, dass niemand die Idylle stört. Hier und da hilft er auch bei verschiedenen Arbeiten. Sogar ein Handy hat ihm der Vereinsvorstand überlassen, allerdings mit der Auflage, es nur für Notrufe zu verwenden.

Nach den dramatischen Ereignissen möchte Kai sich revangieren. Den 1000€-Scheck lehnt Rolf aber ab. Er kennt dieses Verhalten aus eigener Erfahrung und weiß deshalb, dass man sich auf andere Weise bedanken kann. Von Herzen und nicht mit einem Geldschein. Stattdessen lädt er zu einem Männerabend ein. Er würde den Wein kaufen und Kai soll sich um die Lebensmittel kümmern. Sie würden dann zusammen kochen. Kai ist entsetzt, lässt sich aber überreden. Kochen kann er nicht, doch (auch) das sollte sich ändern ...

Eine imaginäre Person erzählt die Geschichte, die oftmals plötzlich zur Ich-Form wechselt, was mich etwas verwirrt. Vielleicht eine Absicht des Autors, der auf diese Weise versucht, uns an die Persönlichkeiten und deren Gedankenwelt heranzuführen? Ungewohnt holprig wirkt auch der oftmalige Gebrauch der infiniten Verbform (Partizip I). Sätze wie "Stampfend, mit platter Sohle auf dem Schotter aufsetzend", wirken dann doch etwas geschraubt und beeinträchtigen aus meiner Sicht den Gesamteindruck.

Rainer Nocht zeichnet zwei (vordergründig) sehr unterschiedliche Charaktere, die das Schicksal zusammenführt. Zwei Klischees prallen aufeinander, unvereinbare Gegensätze und Lebensentwürfe, die diametral auseinanderliegen. Der Zufall will eine Begegnung, die Wege kreuzen sich. Doch die eigentliche Hauptgeschichte lässt der Autor genau in den Abgründen zwischen diesen beiden Menschen entstehen. In jenem Zirkuswagen treffen sich zwei Welten, die das Leben neu entdecken. Welche Pläne das Leben aber wirklich hat, können sie noch nicht ahnen ...

Wer sich auf ein "Zurren am eigenen Anker" einlassen kann, wird Grundlegendes erfahren (oder bestätigt finden). Bestehende Grenzen werden nicht nur in Frage gestellt, sondern verschwinden einfach. Rainer Nocht hat ein (leider viel zu kurzes) Buch von Freundschaft, dem Leben und der Liebe geschrieben. Ich weiß ganz genau, dass ich noch viele Nächte von diesem Zirkuswagen träumen werde ...

© Thomas Lawall - www.querblatt.com

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