Rainer Noltenius

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Mit einem Mann möcht ich nicht tauschen

Mit einem Mann möcht ich nicht tauschen

 (7)
Erschienen am 10.09.2018

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Rezension zu "Mit einem Mann möcht ich nicht tauschen" von Rainer Noltenius

Eine ungewöhnliche Frau
Buchgespenstvor 3 Monaten

Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts gab es für Frauen ein nur eng begrenztes Lebensfeld. So träumte Marie Bode früh davon ein Mann zu sein. Später entdeckte sie dann, wie sie sich als Frau entfalten kann. Selbstbewusst und emanzipiert setzt sie ihre Träume von Kreativität und Selbständigkeit durch. Ihre Briefe und Tagebücher zeigen eine Welt, die heute kaum noch vorstellbar ist. Man begleitet Marie Bode durch das strenge ausgehende 19. Jahrhundert in die neuen Freiheiten der Weimarer Republik bis in den Rückschritt der dreißiger Jahre, die in eine harte Kriegs- und Nachkriegszeit führen. Es sind Blitzlichtaufnahmen untergangener Gesellschaften und großer Träume, dabei gleichzeitig ein Einblick in die Tagebuch- und Briefkultur der Vergangenheit, die mit der privaten und geschützten Sphäre der heutigen Zeit nicht mehr als das Medium gemein hat.

Mit diesem Buch macht Rainer Noltenius sehr viel mehr zugänglich als ein Stück seiner Familiengeschichte. Es ist ein Zeitzeugnis, das einen einzigartigen und exemplarischen Einblick in ein Leben gibt, das von mehreren, umfassenden gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen gezeichnet ist. Das große Ganze in einem Einzelschicksal zu lesen ist äußerst spannend. Schwarzweißfotos, Postkarten und Farbtafeln illustrieren diese großartige Zusammenstellung. Die unkommentiert zusammengestellten Briefe und Tagebuchauszüge werden durch ein umfassendes Nachwort ergänzt, das über Einzelschicksale, Hintergründe und historische Besonderheiten informiert.

Fazit: Ein hochspannender Einblick in das Leben einer außergewöhnlichen Frau, der gleichzeitig Aspekte der Geschichte und Kulturgeschichte aufzeigt, die in allgemeinen Werken unterschlagen werden müssen. Persönliche Schicksale in den turbulenten 100 Jahren vom Kaiserreich bis in die 50er Jahre zeigen erst wie umwälzend sich die Ereignisse auf den einzelnen ausgewirkt haben.

Eine mitreißende Zusammenstellung, die sich nicht aus der Hand legen lässt!

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Rezension zu "Mit einem Mann möcht ich nicht tauschen" von Rainer Noltenius

Zeitgemälde
ulrikerabevor 4 Monaten

Marie Bruns-Bode (1885-1952) war Tochter des Berliner Museumsdirektors Wilhelm von Bode und Ehefrau von Viktor Bruns, Professor für Völkerrechte und Begründer des Kaiser Wilhelm Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Berlin.
Rainer Noltenius, der Enkelsohn der Protagonistin, legt Maries Biografie nach akribischer Recherche in Form von Tagebucheinträgen und Briefen dieser außergewöhnlichen Frau auf.
Privilegiert und bildungsaffin wuchs Marie auf. Ihr Wunsch nach einer fundierten Ausbildung wurde ihr vom Vater zwar nicht erfüllt, aber trotzdem fand sie die Möglichkeit junge Mädchen in Kunstgeschichte zu unterrichten. Sogar die Tochter des Kaisers zählte zu ihren Schülerinnen. Heirat, Kindererziehung und vor allem der erste Weltkrieg beendete ihre Unterrichtstätigkeit, und so fand sie Erfüllung darin, ihren Ehemann beruflich zu unterstützen. Zahlreiche Tagebucheinträge und Briefe erzählen von dieser Zeit.
Über Maries Leben während des NS-Regimes und des Zweiten Weltkrieges finden sich nur wenige Aufzeichnungen, Seiten aus den Tagebüchern waren entfernt worden. Die verbliebenen Berichte lesen sich allesamt sehr unpolitisch, dies wohl aus gutem Grund.
Marie Bruns-Bode war wohl für die Zeit, in der sie aufwuchs, eine Ausnahmeerscheinung. Weltoffen, wortgewandt, kritisch und interessiert an Kunst und dem aktuellen Zeitgeschehen musste sich dennoch gewissen Zwängen der Gesellschaft beugen.
Mir schien, dass in Maries Brust zwei Seelen wohnten, einerseits strebte sie nach Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung anderseits wollte sie dem Ideal der Ehefrau und Mutter entsprechen. So war ihr auch die Verheiratung ihrer Töchter ein großes Anliegen, wollte sie versorgt wissen, allerdings nicht ohne Ausbildung. Sie selbst haderte in späteren Jahren mit ihrer Mutterrolle, ausgedrückt in einem sehr persönlichen und berührenden Brief an ihre Lebensfreundin Marie von Gebsattel.
Die Ausstattung und Gestaltung des Buches möchte ich lobend erwähnen, der Einband haptisch sehr ansprechend, mit Lesebändchen. Fotografien, Bilder und Zeichnungen werten die Ausgabe ungemein auf. Mir persönlich wäre eine chronologische Reihung von Tagebüchern und Briefen lesefreundlicher erschienen und nicht, wie vorgelegt, die beiden Textsorten in voneinander getrennten Blöcken anzuführen. Vieles was im Nachwort stand, hätte ich gerne als Vorwort gelesen, um manche Zusammenhänge richtig zu verstehen. Vermisst habe ich einen Familienstammbaum.


 

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U

Rezension zu "Mit einem Mann möcht ich nicht tauschen" von Rainer Noltenius

Ein zeitgeschichtliches Dokument
Ubuntuvor 4 Monaten

Ein Zeitgemälde in Tagebüchern und Briefen der Marie Bruns-Bode (1885-1952)

Gebr. Mann Verlag Berlin



In Zeiten eines erstarkenden dumpfen Nationalismus, der Sorge um den Rechtsstaat und um die Menschenwürde ist es ein Aha-Erlebnis, die Tagebücher und Briefe der Marie Bruns-Bode zu lesen.

Sie war die Tochter des berühmten Museumsdirektors Wilhelm von Bode und die Ehefrau des Begründers des heutigen Max-Planck-Instituts für öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg.

Obwohl ihr als Frau (geb. 1885) eine formale Bildung verwehrt war, entwickelten sich ihre Begabungen in der politisch und kulturell anregenden Atmosphäre, in der sie lebte. Und in die sie heutige Leser durch ihre Aufzeichnungen wie durch einen Sog hereinzieht.

Das allein ist schon ein Erlebnis der besonderen Art. Dazu kommt aber eine wichtige Erkenntnis: Das Bildungsbürgertum, zu dem Marie Bruns-Bode gehörte, war relativ immun gegen nationalistische Engstirnigkeit. Nicht nur in beruflichen Zusammenhängen, sondern auch in den Familien wurde mit der Bildung der Sinn für Gerechtigkeit, Menschenwürde und Weitblick gefördert – wichtige Voraussetzungen für unsere heutige Demokratie.

Und das hat Marie Bruns-Bode auf bezwingende und bezaubernde Weise beschrieben.

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»Erobere die Festung! Wozu sind wir Frauen emanzipiert?«

Wir laden herzlich zur Leserunde ein! Ihr möchtet gerne eines von 7 Exemplaren gewinnen und mitdiskutieren? Dann bewerbt euch bis zum 9. September um einen Platz in unserer Leserunde und teilt uns mit, warum IHR nicht mit einem Mann/einer Frau tauschen möchtet!

Die Tagebücher und Briefe der Marie Bruns-Bode entwerfen ein lebendiges Zeitgemälde von Kultur und Gesellschaft, ausgehend vom Berlin der Kaiserzeit bis nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Verfasserin war die Tochter von Wilhelm von Bode, dem Generaldirektor der Berliner Museen.

Sie wurde in eine äußerst anregende kulturelle Atmosphäre hineingeboren. Durch Vermittlung ihres Vaters wurde die junge Frau 1907 Lehrerin für Kunstgeschichte von Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, ging also am Kaiserhof in Berlin und Potsdam ein und aus. 1915 heiratete sie Viktor Bruns, internationaler Richter beim Völkerbund in Den Haag und Begründer des Kaiser Wilhelm Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Berlin.
In ihren Texten, ausgewählt und kommentiert durch Rainer Noltenius, entsteht das Bild einer kreativen und humorvollen Frau, die trotz der restriktiven Atmosphäre autoritär männlich geprägter Gesellschaften in erstaunlicher Weise emanzipatorisch denkt und wirkt.
Eingebunden in das gesellschaftliche Leben des Berliner Bildungsbürgertums zeichnet sie dessen Porträt, von den Zeiten Kaiser Wilhelms II. bis nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Maries Schwiegermutter war eine geborene Weizsäcker, und drei Generationen dieser Familie treten in den Tagebüchern auf. Enge Kontakte gab es u. a. zu Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, Pastor Martin Niemöller und Leopold Reidemeister. Den Hintergrund von Maries Schilderungen bildet stets das an Freundschaften und Festivitäten reiche Leben ihrer eigenen Familie. Ihre Tagebücher sind mit eigenhändigen Aquarellen und Zeichnungen illustriert sowie mit mit zeitgenössischen Postkarten und Fotografien.
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