Rainer Stache Perry Rhodan. Überlegungen zum Wandel einer Heftromanserie

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Inhaltsangabe zu „Perry Rhodan. Überlegungen zum Wandel einer Heftromanserie“ von Rainer Stache

PERRY RHODAN sekundär

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    Perry Rhodan. Überlegungen zum Wandel einer Heftromanserie
    ralf_boldt

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    17. October 2014 um 09:16

    Mit der Arbeit Evolution und Beharrung in der Genese der Paraliteratur, untersucht am Beispiel Perry Rhodan promovierte Rainer Stache 1984 an der FU Berlin zum Doktor der Philosophie. Als Perry Rhodan - Überlegungen zum Wandel einer Heftromanserie" wurde der Text als Buch veröffentlicht und liegt aktuell in der zweiten Auflage beim Shayol-Verlag vor. Bei dieser Ausgabe wurde der ursprüngliche Text behutsam bearbeitet und um drei Epiloge ergänzt bzw. weitergeführt. Der Betrachtungsgegenstand PERRY RHODAN erreichte bis zu diesem Zeitpunkt im Jahre 2002 den Band 2135; wir befinden uns im THOREGON-Großzyklus und im Zyklus Das Reich Tradom". Robert Feldhoff hatte vor gut zwei die alleinige Verantwortung für die Exposés übernommen. Die Serie hatte bis zu diesem Zeitpunkt eine Laufzeit von bereits vierzig Jahren. Lohnt sich für den normalen" Leser und Fan der Serie die Beschäftigung mit diesem Werk? Diese Frage lässt sich mit einem klaren Ja" beantworten. Es ist zwar eine Arbeit, die den guten wissenschaftlichen Grundsätzen Tribut leisten muss, aber der Autor hat einen wichtigen Vorteil gegenüber vielen seiner Kollegen: Er kennt die Serie - und zwar als Ganzes und nicht nur bruchstückhaft. Er hat die Romane gelesen, kennt die Autoren und die Leser und hier auch das Fandom. Darüber hinaus hat Rainer Stache eine angenehme Schreibe, die bei aller wissenschaftlicher Genauigkeit gut lesbar und damit auch für den Nichtwissenschaftler verständlich ist. Gerade die Epiloge, die ja nicht Bestandteil der ursprünglichen Arbeit gewesen sind, sind recht amüsant, weil kritisch zu lesen. Obwohl er als Leser und Kritiker und wohl auch Fan (im positiven Sinn - also nicht als Fanatiker) der Serie einen nahen Bezug zu untersuchten Stoff hat, fällt es ihm nicht schwer, volldurchdachte Kritik an PERRY RHODAN und auch seinen Autoren zu üben. Stache analysiert das Umfeld der Serie, die Produktionsbedingungen" und den Text an sich. Hier geht er nach einer globaleren Beschreibung auch auf den einzelnen Text ein. Sprich: er untersucht das geschriebene Wort auf vielerlei Kriterien. Ist der Text glaubhaft, in sich schlüssig? Welche Stilmittel werden eingesetzt? Identifiziert sich der Autor mit seinem Werk? Aber auch der Leser an sich wird dargestellt und untersucht. Was unterscheidet einen PERRY RHODAN-Leser von einem Literatenliteratur"-Leser oder von anderen Heftroman-Lesern? Wie bindet der Verlag die Leser an das Produkt? Und ganz wichtig: Welchen Einfluss hat der Leser auf das Produkt? Diese sind gerade bei einer Serie wichtig, die sich jede Woche erneut eine Leserschaft, auch außerhalb der Stammleserschaft stellen muss. Eine abschließende Bewertung nach verschiedenen Kriterien rundet das Buch ab. Rainer Stache benutzt den Begriff Paraliteratur" anstelle von Trivialliteratur". Unter Paraliteratur versteht er eine gesellschaftlich nicht anerkannte Literatur im Gegensatz zu Literatenliteratur" - der Hochliteratur. Schon mit dieser Begrifflichkeit grenzt er sich positiv von den - meist ideologisch schon voreingenommenen - Wissenschaftlern wie Ellerbrock, et al. oder Claus Hallmann , die sich auf Ausschnitte der Serie stürzten und aus diesen dann ihre Schlussfolgerungen zogen. Schon mit diesem begrifflichen Ansatz zeigt Stache, dass er zwar bereit ist, kritische Sachverhalte der Serie herauszuarbeiten, nicht aber alleine um der Kritik an sich, sondern auch mit der Bereitschaft, sich mit den positiven Seiten auseinanderzusetzen. Er arbeitet sehr schön heraus, dass PERRY RHODAN eine wechselhafte Qualität besitzt bzw. auch schon immer besessen hat und dass dieser Umstand unvermeidlich ist bei solch einem Werk. Die Produktionsbedingungen z.B. waren nicht immer die gleichen. Gab es starke Exposés und eine gut strukturierte Rahmenhandlungsvorgabe, so war es für die Autoren einfacher, Fehler zu vermeiden und gute Romane zu schreiben. Auch die Autoren an sich haben nicht die gleiche Qualität. Es gibt stärkere und schwächere, gute Geschichtenerzähler und technokratische Vermittler von Pseudowissen. Auch ein Autor hat nicht immer den gleichen Elan, eine gute Geschichte zu erzählen. Steht er unter Druck, so schreibt er schlechter. Stache nennt hier ganz klar Ross und Reiter und bewertet die Autoren. Marianne Sydow (d.i. Marianne Ehrig) wird von ihm als positives Bespiel für gute Romane herausgestellt und das nicht nur, weil sie zu der Zeit die einzige Frau im Team gewesen ist... Ein wichtiger Gegenstand seiner Betrachtungen ist auch die Probabilität". Stache definiert Probabilität als die innere subjektive Glaubwürdigkeit eines Textes im Gegensatz zur Glaubwürdigkeit seiner Aussagen, Geschehnisse und Requisiten." (Seite 81). Er greift damit einen wichtigen Aspekt auf, der über die Qualität eines Romans oder einer Kurzgeschichte entscheidet: Glaubhaftigkeit! Ein Autor darf in seinem Text die Behauptung formulieren, dass Zeitreisen möglich sind. Aber er muss im ganzen Text diese Prämisse beachten und darf keine Handlungen geschehen lassen, die gegen diesen Grundsatz verletzten. Es ist also die innere Glaubwürdigkeit eines gesamten Textes. Der Leser bemerkt eine fehlende Glaubwürdigkeit sofort und gerade einige PERRY RHODAN-Fans suchen gerne nach Probabilitätsfehlern. Hier hat es nun eine solch umfangreiche Serie, die von einem Autoren-Team verfasst wird, von Natur aus schwerer als ein Einzelautor. Mag es dem einzelnen PERRY RHODAN-Autor noch gelingen, in seinem Roman die Probabilität zu wahren, so kann es durchaus sein, dass er dem Roman der Vorwoche oder dem der nächsten Woche in einigen Aussagen widerspricht. Gerne ändern sich hier schon einmal die technischen Daten eines Raumschiffes oder Figuren agieren gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten. Doch auch hier bescheinigt Rainer Stache der Serie eine hohe Glaubwürdigkeit. Einzelne Fehler können passieren. In seiner abschließenden Bewertung stellt Stache die Frage, ob die Paraliteratur ein eigenes Wertungsgefüge bekommen bzw. beanspruchen darf oder muss sich auch diese Literatur nach den gleichen Kriterien jede andere bewerten lassen. Die Paraliteratur hat eine hohe Relevanz, denn sie ist bisweilen der einzige Kontakt, den Leser mit dem gedruckten Wort außerhalb von Zeitungen oder Zeitschriften haben. Und diese Literatur befriedigt Bedürfnisse. Neben der reinen einfachen Lesearbeit" (Seite 211) birgt das Lesen eine aktive Unterhaltung; es ist keine passive Berieselung (wie beim Fernsehen). Und das Lesen hat einen weiteren Wert: Der Leser muss sich mit dem Text an sich auseinandersetzen. Und somit hat auch das Lesen von Paraliteratur sprich PERRY RHODAN einen Wert. Rainer Staches Buch ist eine interessante ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Phänomen PERRY RHODAN und es hat mir als Leser der Serie ein großes Vergnügen bereitet, dem Autor auf seinem Weg zu folgen. Das Werk hat auch heute noch - gerade durch die gute Verständlichkeit und das hohe Wissen um die Serie selbst - absolute Relevanz. Der Autor zeigt auch innerhalb der Serie sehr sachlich die Probleme auf: Sei es schwächere Autoren bzw. schwache Romane von Autoren oder auch Phasen, in der die Serie eingeknickt ist. Hier nennt er die Geschehnisse um die Große Leere, die Ennox und den Hamamesch-Zyklus. Gerade hier sieht er Schwächen in der Glaubwürdigkeit der Geschichte und in einem uninspirierten Plot. Er hat die Vermutung, dass die Story nicht komplett bis zum Ende durchdacht worden ist. Ein lesenswertes Werk.

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