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sommerlese

vor 10 Monaten

(83)

Vom Autor "*Rainer Würth*" stammt der Psychothriller "*Das tote Herz*" aus dem "*Goldmann Verlag*".


Nicolas Kober benötigt nach einem lebensgefährlichen Zusammenbruch ein Spenderherz. Wie es bei Organspenden üblich ist, kennt er den Spender nicht. In seinem Fall gehörte das Herz einem Frauenmörder. Kobers Körper nimmt das Herz gut an, aber seine Psyche verändert sich und er hat sonderbare Träume und Phantasien. Es scheint, als ob er mit dem Herzen auch Eigenarten und Neigungen geerbt hätte. Wie kann das sein?


Der Thriller "Das tote Herz" ist eine spannende Reise in die schreckliche Vorstellung, durch eine Organspende auch die Neigungen des Spenders übernommen zu haben. Kann eine Organspende den Empfänger derart verändern? Übernimmt die Psyche des Empfängers wirklich Eigenarten und Art des Spenders?

Dieser Thriller hat mit der Transplantation eines Herzens eine wirklich spannende und gruselige Grundidee. Wer möchte schon gern ein Organ von einem Serienmörder übertragen bekommen.

Im Fall des Protagonisten Kober beginnt diese Veränderung schleichend. Er trinkt auf einmal Orangensaft, ganz entgegen seiner bisherigen Gewohnheiten. Auch seine Ehefrau wird ihm zunehmend fremder und er empfindet keine großen Gefühle mehr für sie und seine Tochter. Eine interessante, aber gleichzeitig grauenvolle Vorstellung.

Die Umsetzung des Themas hat aber so seine Schwächen. Einerseits ist der Inhalt durch den Klappentext schon vorweggenommen und andererseits entwickelt sich die Hauptidee erst nach dem ersten Drittel des Buches.

Im Thriller gibt es drei Handlungsstränge, die der Leser jeweils durch die unterschiedlichen Rollen der drei Hauptfiguren entdecken kann. Es gibt den Spender, also den Frauenmörder, gleichzeitig wird Solveig, das überlebende Opfer, vom Polizeipsychologen Peter Stein befragt und dann wird die Person des Architekten Nicolas Kober mit seiner Organspende vorgestellt. Stein ist die allwissende Person, durch die der Leser Einblick in die gesamte Materie erhält und der die Fäden der Fälle zusammen führt. Als Leser erlebt man den sich langsam verändernden Nicolas Kober hautnah beschrieben mit und wartet auf den großen Knall, das Aufeinandertreffen mit dem Opfer Solveig. Soweit hat der Thriller wirklich packendes Potential und entfesselt einen Lesesog.

Mich hat aber leider die Ausführung des Thrillers nicht überzeugt, auch wenn ich mich auf die gruselige Thematik eingelassen habe. Die Situation des Kennenlernens von Kober und Solveig wird fast in einem Nebensatz abgehandelt, sie verlieben sich sofort und dass, obwohl Solveig durch ihr traumatisches Erlebnis Männern gegenüber völlig misstrauisch und ablehnend gegenüber stehen müsste. Solche Grundgedanken passen nicht schlüssig zur Thematik.

Der knapp und präzise gehaltene Schreibstil passt gut zu einem Thriller und durch die kurzen Kapitel wird eine solide Grundspannung aufgebaut.

Aber mich hat der vorhersehbare Inhalt doch am meisten gestört. Wenn man den Klappentext gelesen hat, weiß man schon fast die gesamte Handlung. So etwas stört mich wirklich und darf einfach nicht sein.

Auch die Darstellung der Charaktere hat mich nicht überzeugt, sie erscheinen nicht echt und natürlich, sondern wie künstliche Wesen. 

Wenn man der Grundidee des Buches nachgeht und im Internet recherchiert, so erfährt man, dass zwischen Spenderorgan-Empfänger und Spender durchaus übereinstimmende Vorlieben existieren können. Doch die Auswirkungen in diesem Thriller sind zu gewalttätigt und damit zu überzogen, um noch realistisch wirken zu können.

Dieser Thriller befasst sich mit einer interessanten Grundidee, die Umsetzung ist jedoch sehr vorhersehbar. Dennoch hat mich die Lektüre gefesselt und ich denke, dass Thrillerleser ebenso empfinden. 

Autor: Rainer Würth
Buch: Das tote Herz
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