Rainer Zitelmann

 3.5 Sterne bei 10 Bewertungen

Lebenslauf von Rainer Zitelmann

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist promovierter Historiker und Soziologe. Er arbeitete an der Freien Universität Berlin und war Ressortleiter bei der Tageszeitung »Die Welt«. Zitelmann gründete ein Unternehmen zur Kommunikationsberatung in der Immobilienwirtschaft, das schnell zum Marktführer avancierte. Er schrieb 19 Bücher, die weltweit in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Setze dir größere Ziele!

 (3)
Erscheint am 13.11.2019 als Hardcover bei REDLINE.

Alle Bücher von Rainer Zitelmann

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Cover des Buches Setze dir größere Ziele! (ISBN:9783868817805)

Setze dir größere Ziele!

 (3)
Erscheint am 13.11.2019
Cover des Buches Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu! (ISBN:9783959720311)

Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu!

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Erschienen am 08.05.2017
Cover des Buches Reich werden und bleiben (ISBN:9783898799201)

Reich werden und bleiben

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Erschienen am 08.06.2015
Cover des Buches Psychologie der Superreichen (ISBN:9783959720113)

Psychologie der Superreichen

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Erschienen am 13.02.2017
Cover des Buches Hitler (ISBN:9783957681898)

Hitler

 (1)
Erschienen am 21.06.2017
Cover des Buches Erfolgsfaktoren im Kraftsport (ISBN:9783929002522)

Erfolgsfaktoren im Kraftsport

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Erschienen am 01.01.2014

Neue Rezensionen zu Rainer Zitelmann

Neu

Rezension zu "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung" von Rainer Zitelmann

"Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf" (Honecker kurz vor dem Ende der DDR)
R_Mantheyvor 14 Stunden

Schon als kleine Kinder lernen wir die Welt nicht so zu sehen wie sie ist, sondern so, wie sie irgendwie sein sollte. Immer obsiegt das Gute, wo Gerechtigkeit fehlt, wird sie von unseren Märchenhelden wieder hergestellt. Das setzt sich in der Schule fort. Lehrer, die von der Schule zur Universität gingen, um dann wieder an die Schulen zurückzukehren, erklären Kindern, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte und dass der Kapitalismus eigentlich ein Übel ist, das man beseitigen muss. Welche ungeheuren Katastrophen und Opfer solche Versuche erzeugten, wird tunlichst verschwiegen.

Eine Mehrheit von scheinbar gebildeten Menschen unterstützt sozialistische Ideen in den verschiedensten Ausprägungen. Wie Menschen und Gesellschaften tatsächlich funktionieren und warum das so ist, bleibt ihnen verborgen. Dabei gibt es eine sehr einfache Systematik, die man nicht bestreiten kann: Das kapitalistische Wirtschaftssystem hat sich immer spontan, also von unten entwickelt. Es bestand also nie ein großer Plan. Sozialismus, egal welcher Ausprägung, braucht stets einen Plan und Leute, die ihn durchsetzen. Diese Gesellschaftsstruktur wird also erzwungen. Und sie endet stets in einer Diktatur mit einer anschließenden wirtschaftlichen Katastrophe. Statt der versprochenen sozialen Gerechtigkeit herrschen nach einigen Jahren Armut, allgemeines Elend und Verfall vor. Nur mit Terror kann der wachsende Widerstand noch unterdrückt werden. Da Menschen nicht so sind, wie sie nach der Meinung sozialistischer Vorreiter sein sollten, versucht man zunächst, sie umzuerziehen, den "neuen Menschen" zu schaffen. Leider klappt das nie, was dann zu steigender Unfreiheit und staatlicher Gewalt in sozialistischen Gesellschaften führt.

Während also der Kapitalismus eine Form der Selbstorganisation eines hoch komplexen Systems ist, bleibt der Sozialismus eine einzige komplexe Anmaßung von Wissen, was man nicht besitzen kann. Und weil einzelne Menschen oder Gruppen sich immer wieder einbilden, komplexe Systeme vollständig zu verstehen, existiert selbst der eigentliche Kapitalismus heute nicht. Moderne Gesellschaften sind eher eine Mischform aus Kapitalismus und sozialistischen Ideen, von denen Leute glauben, dass sie den Kapitalismus verbessert.

Sinn und Zweck dieses erhellenden Buches ist es wohl, aufzuzeigen, in welche wirtschaftlichen Engpässe und zu welchen Wohlstandsvernichtungen selbst solche Versuche führen. Daneben beschreibt sein Autor die zahlreichen sozialistischen Katastrophen und ihre Bilanz. In Venezuela führt das dortige sozialistische Regime gerade vor, wie man eines der an Bodenschätzen reichsten Länder der Welt in den Abgrund wirtschaften kann. Zitelmann vergleicht Venezuela mit Chile, wo nach dem Sturz des Allende-Regimes wieder kapitalistische Strukturen zugelassen wurden. Chile ist heute der wirtschaftliche Musterknabe Südamerikas.

In Europa vergleicht Zitelmann das Nachkriegs-England mit dem der Thatcher-Ära. Und er führt vor, wie sich Schweden aus seinem sozialistischen Experiment gerade noch herausgerettet hat. Selbstverständlich fehlen Vergleiche zwischen Ost- und Westdeutschland nicht, wenngleich das das wohl schwächste Kapitel ist. Gerade hier hätte Zitelmann noch viel mehr Fakten anbringen können, die deutschen Lesern den Unterschied zwischen einem sozialistischem und einem kapitalistischen Wirtschaftssystem noch klarer verdeutlicht hätten. Immerhin haben gerade die sozialistische Mangelwirtschaft und die fehlende Freiheit im direkten Vergleich zu Westdeutschland zum Aufstand eines Teils der DDR-Bevölkerung geführt, der schließlich die "Wende" hervorbrachte. Dass die DDR schon lange pleite war und nur vom anderen Teil Deutschlands über Wasser gehalten wurde, wussten nur die wenigsten Ostdeutschen.

Das Buch vergleicht also die verschiedensten sozialistischen Experimente in den verschiedensten Ländern entweder mit nachfolgenden kapitalistischen Wirtschaftsformen. Noch deutlicher fällt dies bei den geteilten Ländern Deutschland und Korea aus. Es geht Zitelmann dabei nicht darum, zu erklären, warum solche Vergleiche immer zum Nachteil des Sozialismus ausgehen – er zeigt einfach die Realität auf. Und die ist eben immer eindeutig.

Neben diesen eindrucksvollen Vergleichen setzt sich Zitelmann mit der Frage auseinander, warum sozialistische Ideen trotz der völlig eindeutigen Belege des Scheiterns sich dennoch immer wieder gesteigerter Beliebtheit unter Intellektuellen erfreuen, also nicht aussterben. Das ist besonders lehrreich an diesem Buch.

Zitelmann geht auch auf die jüngsten Krisen des Kapitalismus ein, etwa die Finanzkrise von 2008. Gerade sie wurde von Intellektuellen als Ausdruck des Versagens dieser Gesellschaftsform dargestellt. Bei genauerem Hinsehen ist genau das Gegenteil wahr. Ihr Ursprung, die Immobilienkrise in den USA, erweist sich als eine Folge politischer Korrektheit, die viel mit sozialistischen Ideen zu tun hat. Genaueres findet man im Buch. Auch die nachfolgende Bankenkrise hat wenig mit dem Kapitalismus zu tun, sondern eher mit seiner Verhinderung, die man im Zentralbankensystem festmachen kann.

Das Buch enthält neben den beiden hauptsächlichen Themengebieten auch zahlreiche Einzelheiten zu den geschilderten historischen Vorgängen und ihrer Bewertung durch den Autor. Das reicht bis in die Gegenwart.

Eingefleischte Sozialisten wird Zitelmann wohl nicht von ihrem Glauben abbringen. Vielleicht aber überzeugt die von ihm geschilderte Realität Menschen, die noch nicht blind für sie sind. Das wäre doch wenigstens etwas.

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Rezension zu "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung" von Rainer Zitelmann

Ein ideologisch angehauchtes Plädoyer für den freien Markt
PhilippWehrlivor 10 Monaten

Es ist zu begrüssen, dass Zitelmann die Wirkung verschiedener Wirtschaftssysteme an realen historischen Beispielen zeigen will. Damit hebt er sich wohltuend von anderen Autoren ab, die lediglich theoretische Behauptungen aufstellen. Wenn am Ende aber doch eine Schlussfolgerung gezogen werden soll, welches Wirtschaftssystem nun das geeignetste ist, müssten eben doch zumindest die Begriffe differenziert genug verwendet werden. Daran mangelt es leider.


Gleich zu Beginn stellt Zitelmann klar, dass er die Begriffe ‚Marktwirtschaft’ und ‚Kapitalismus’ synonym verwendet. Er unterscheidet rudimentär zwei Möglichkeiten, eine Wirtschaft zu organisieren: Im ersten Fall gibt es kein Privateigentum.   Planungsbehörden legen fest, was in welcher Menge produziert wird. Im zweiten Fall wird das Privateigentum garantiert. Aufgrund der geschilderten Beispiele soll der Leser zwischen diesen zwei Möglichkeiten auswählen. Wer nach weiteren, differenzierteren Modellen fragt, muss selbst recherchieren.

In den folgenden Kapiteln zeigt er an einer Reihe von weitgehend überzeugenden Beispielen rund um den Globus, dass eine möglichst freie Marktwirtschaft zu mehr Wohlstand für alle führt, insbesondere auch für die einfachen Arbeiter. Wenn z. B. in England vor Thatcher fast während einem Drittel des Jahres wegen oft absurden Forderungen gestreikt wurde und wenn die Arbeiter sogar von Arbeitern anderer Firmen zum Streik gezwungen werden konnten, dann leuchtet sogleich ein, dass der Wohlstand sinken musste. Es tut gut, sich wieder einmal vor Augen zu halten, mit welch grotesken staatlichen Eingriffen das Unternehmertum gebremst wurde und z. T. heute noch gebremst wird. So stimme ich Zitelmann über weite Strecken zu, wenn er für freien Markt plädiert. Wer für die Allgemeinheit etwas leistet, soll dafür belohnt werden. Er soll Eigentum anhäufen dürfen und dieses Eigentum soll geschützt sein.

Nun kann man durchaus zustimmen, dass Planwirtschaft zu verheerenden Auswüchsen führen kann. Daraus zu folgern, jegliche soziale Abfederung des freien Marktes sei schädlich, ist etwas ganz anderes. Die Frage ist: Wie viele verhungernde Kinder soll der Staat akzeptieren, bevor er in den Markt eingreift? Und: Wie brutal soll der Staat Massenproteste unterbinden, wenn die Familien der verhungerten Kinder auf die Strasse gehen? –Immerhin findet Zitelmann auch für die Militärdiktatur unter Pinochet einige positive Worte. Zitelmann grenzt sich zwar gegen Pinochets Folterungen ab. Nicht schlüssig zeigen kann er aber, ob Pinochets kapitalistischer Weg tatsächlich völlig von der massiven Gewalt getrennt werden kann. Denn nach dem neoliberalen Modell sinken die Löhne so lange, bis ein Land wieder konkurrenzfähig ist. Dass Menschen einem zu tiefen Lohn verhungern und deshalb gar nicht mehr arbeiten oder dass es bei zu tiefen Löhnen zu einem Bürgerkrieg kommen könnte, ignoriert das Modell.

Es wäre also spannend gewesen, wenn Zitelmann nicht nur die krassen Verfehlungen des Sozialismus geschildert hätte, sondern auch z. B. den „New Deal“ unter Franklin D. Roosevelt. Immerhin sind die USA nach Roosevelts radikalem Sozialprogramm nicht zusammen gebrochen, sondern von einem hungernden Land zur Weltmacht Nr. 1 aufgestiegen. Auch wenn Zitelmann eigentlich zeigen wollte, wie verheerend jede Form von staatlichen Eingriffen ist, so zeigen solche Beispiele vor allem, wie wichtig es ist, zwischen freiem Markt und sozialer Abfederung ein gutes Gleichgewicht zu finden.

Leider vermeidet Zitelmann eine Stellungnahme, wie dieses Gleichgewicht angesichts der globalen Konzerne mit Quasi-Monopolstellung und angesichts der jüngsten der ‚too big to fail’ Problematik aussehen könnte. Etwas wirr scheint hier sein Bericht über die Immobilienkrise von 2008. Zu Recht kritisiert er die US-Regierungen unter Carter und Clinton, die von den Banken absurderweise verlangten, Hypothekendarlehen auch an kreditunwürdige Haushalte zu vergeben. Dass die US-Regierung damit eine Mitschuld an der Krise trägt ist nicht zu bestreiten. Die ganze Schuld dem Staat zuzuweisen, ist aber nicht haltbar. Denn richtig Schwung bekam die Immobilienblase erst auf dem freien Markt. Und als schliesslich auch   europäische Banken und Investoren bei dieser Aktion mitmachten, taten sie dies auch nicht im Auftrag des Staates.

Auch im Totalversagen der Ratingagenturen sieht Zitelmann kein Marktversagen: „Von einem Markt und freiem Wettbewerb kann man hier nicht sprechen, denn es gab und gibt ein Oligopol weniger Ratingagenturen...“, schreibt er dazu nur und bleibt die Antwort schuldig, durch welche Eingriffe die Staaten dieses Oligopol verursacht haben sollen. Für mich gehört dies zum Unverständlichsten an der Finanzkrise: Weshalb sich heute noch irgendjemand für die Ratings von S&P, Moody’s und Fitch interessiert, nachdem sie sich derart blamiert haben.

Von diesen Vorbehalten abgesehen, sind die Betrachtungen über die Vorteile des freien Marktes und die Problematik staatlicher Eingriffe durchaus wertvoll und empfehlenswert.

‚Kapitalismus’ bedeutet aber viel mehr als freier Markt. ‚Kapitalismus’ bedeutet nicht nur, dass das Eigentum geschützt wird, sondern dass sich das Eigentum von selbst vermehrt . Wer Vermögen, also Kapital, besitzt, soll Zinsen kriegen. Wer reich genug ist, soll noch reicher werden, auch wenn er gar nicht mehr arbeitet. Ein Milliardär z. B., der sein Vermögen ungeschickt anlegt, verdient auch bei den heutigen tiefen Zinsen problemlos 10-100 Millionen pro Jahr. Ohne zu arbeiten. Wenn er diese 10-100 Millionen nicht ausgibt, wird er reicher: Das bedeutet Kapitalismus.

Zitelmann ist der Ansicht, der Staat sei verpflichtet, nicht nur das Eigentum, sondern auch den Zuwachs des Eigentums sicher zu stellen. So erklärt er beispielsweise, die Zentralbanken hätten die Finanzkrise 2008 verursacht. Denn durch die niedrigen Zinssätze seien die Investoren „in immer riskantere Aktien und Anleihen getrieben“ worden. Denn institutionelle Investoren hätten „ihren Kapitalgebern eine bestimmte Verzinsung in Aussicht gestellt.“ Nachdem Zitelmann während 170 Seiten jeden staatlichen Eingriff ablehnt, soll also der Staat dafür sorgen, dass die Vermögenden den von ihren Investoren versprochenen Zins erhalten. Kapitalismus bedeutet genau das: Dass sich die Geldvermögen ohne Risiko und ohne Arbeit von selbst vermehren. Das ist etwas völlig anderes als freier Markt. Deshalb ist es verheerend, wenn Zitelmann die Begriffe ‚freie Marktwirtschaft’ und ‚Kapitalismus’ synonym benützt.

Tatsächlich hat er zwar die Marktwirtschaft sehr gut verstanden, den Kapitalismus aber, also die Selbstvermehrung der Vermögen, umso weniger.

Die Selbstvermehrung der Vermögen ist ein künstliches Konstrukt. Reale Vermögenswerte wie Lebensmittel, Maschinen oder Immobilien zerfallen, wenn sie nicht gepflegt werden. Mit dem Geld haben wir aber einen Vermögenswert geschaffen, der nicht nur nicht zerfällt, sondern sich sogar durch Zins und Zinseszins vermehrt . Bezahlt wird diese Vermögensvermehrung von der Allgemeinheit. Denn in allen Dingen, die wir kaufen, und in allen Dienstleistungen, die wir beziehen, steckt ein Kapitalanteil. Dieser beträgt heute je nach Ware 30-50% des Kaufpreises und deckt die Zinsen, welche die Produzenten für ihre Kredite, Hypotheken und Shareholder abgeben müssen. Kapitalismus ist also vor allem ein sehr teures Wirtschaftssystem: 30-50% unserer Ausgaben zahlen wir allein dafür, dass unser Geldsystem funktioniert. Angesichts dieser ungeheuren Kosten, wird erstaunlich wenig darüber diskutiert, ob der Kapitalismus wirklich das beste System ist.

Wenn Zitelmann nun für den Kapitalismus plädiert, dabei aber nur Argumente für den freien Markt präsentiert und die Selbstvermehrung der Vermögen völlig ausblendet, behindert dies eine sachliche Diskussion. Tatsächlich hat er diesen Punkt aber gar nicht verstanden. Er schliesst sein Buch nämlich mit einem Lamento, wie stark die Schulden weltweit steigen: „Rechnet man die Verschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten in den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern zusammen, dann belaufen sie sich laut IWF-Bericht von Oktober 2017 auf 135 Billionen Dollar bzw. 235  Prozent (!) der jährlichen Wirtschaftleisung Damit sind die Schulden so hoch wie niemals zuvor.“

Das ist lustig. Denn die kumulierten Schulden sind immer gleich hoch wie die kumulierten Geldvermögen. So wird nämlich auf der ganzen Welt das Geld geschaffen. Wenn Zitelmann von den Staaten verlangt, dass sie den Vermögenszuwachs garantieren, dann verlangt er gleichzeitig, dass die Staaten sicherstellen, dass die Verschuldung wächst. Die Schulden sind das Spiegelbild der Geldvermögen. Von den Regierungen zu fordern, dass sie das Wachstum der Geldvermögen garantieren, aber gleichzeitig das Wachstum der Schulden stoppen, ist Unsinn.

Zitelmann liefert einige bemerkenswerte Argumente für die freie Marktwirtschaft. Zur Schuldenproblematik , zur grundsätzlichen Instabilität des Finanzsystems, zur ‚too big to fail’ Problematik und zur Problematik globaler Konzerne mit Quasi-Monopolstellung trägt sein Werk leider nichts bei. Siehe dazu:  https://fragen-raetsel-mysterien.ch/sample-page/das-zinsproblem-die-tieferen-ursachen-der-schuldenkrise/

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Rezension zu "Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu!" von Rainer Zitelmann

"Zitelmann, ..., der auf die Linke wirkt wie ein rotes Tuch auf den Stier"
R_Mantheyvor 2 Jahren

Diese Selbsteinschätzung findet man auf Seite 131 in Kapitel 8, das die Überschrift trägt "Ich entschließe mich, reich zu werden". Zitelmann war zum Zeitpunkt dieser später erfolgreich umgesetzten Zielsetzung noch Journalist im Springer-Verlag. Das nach seiner Einschätzung linke Klima bei der angeblich konservativen "Welt" ging ihm mit all seinen einschränkenden Folgen gehörig auf die Nerven. In einer geheimen "Bundestagswahl" unter den Journalisten hatten 60% für Rotgrün gestimmt. Das Koordinatensystem der Republik befand sich schon lange auf einem Weg immer weiter nach links, Zitelmann dagegen blieb sich treu. Damit jedoch befand er sich wieder einmal an einem Punkt ohne eine großartige weitere Perspektive. Bei einem Spaziergang mit Gauweiler bekam er einen einfachen Rat: "Querköpfe so wie Sie und ich müssen ordentlich Geld verdienen, um frei unsere Meinung vertreten zu können." Und genau das tat Zitelmanm anschließend mit der ihm eigenen Gründlichkeit.

Beim Titel des Buches könnte man statt an eine Autobiografie auch an eines dieser unseligen Lebenshilfebücher denken. Meine anfängliche Skepsis wich aber sehr schnell einem seltenen und wohltuenden Leseerlebnis. Zitelmann beschreibt eigentlich nicht sein Leben. Dazu fehlen fast alle persönlichen Bereiche. Vielmehr kann man seine geistige Entwicklung verfolgen, die in einem deutlichen Kontrast zur Veränderung des intellektuellen Klimas dieser Republik steht. Man erlebt beim Lesen dieses Buches also nicht nur mit, wie Zitelmann sich immer wieder aus Sackgassen herausmanövrierte, sondern man lernt auch, wie sich die Dinge in Zitelmanns Umgebung politisch veränderten, denn nicht er lief in Sackgassen, sondern die Sackgassen kamen gewissermaßen auf ihn zu, weil er sich nicht anpassen wollte.

Zitelmann besitzt wahrscheinlich einen starken und nicht verbiegbaren Charakter. Und er gehört zu den Intellektuellen, die verstehen wollen, wie die Dinge tatsächlich zusammenhängen, statt zu glauben, wie andere sie erklären. Wie so viele junge Menschen neigte auch er zum Radikalismus und zur Aufmüpfigkeit. Wenn man gegen das "System" aufbegehren will, führt im Westen offenbar kein Weg am Marxismus in irgendeiner Ausprägung vorbei. Auch der junge Zitelmann wurde Mitglied einer dieser K-Gruppen, die später in die Grünen oder die Linken aufgingen. Interessant sind in diesem Zusammenhang seine Schilderungen des sektenartigen Klimas innerhalb dieser Truppenteile, die nur ein Vorgeschmack darauf sind, was eine Gesellschaft erwartet, wenn solche Menschen Macht bekommen.

Zitelmann studierte dann Geschichte fürs Lehramt und fiel dabei seinen Professoren als zu intelligent dafür auf. Er brach mit dem Marxismus, weil dieser aus prinzipiellen Gründen nicht erklären kann, wie es zu den 12 deutschen Schicksalsjahren kam, die bis heute nachwirken. In seiner ersten Doktorarbeit befasste er sich insbesondere auch deshalb mit der tatsächlichen Weltanschauung Hitlers und stellte sie dessen offiziellen Äußerungen gegenüber. Herausgekommen ist dabei ein Werk, das international große Anerkennung fand, weil es verschiedene Zusammenhänge etwas anders erklärt als das bis dahin der Fall war.

Nach einem kurzen Zwischenstopp als Lehrer versuchte Zitelmann sich anschließend mit einer Hochschulkarriere, zu der erst einmal eine Habilitation gehört. Dabei verzettelte er sich jedoch und wurde auch wegen seiner publizistischen Tätigkeit vom Ullstein-Verlag als Cheflektor abgeworben, was wiederum als Sprungbrett zum Springer-Verlag und einer anschließenden Karriere als Journalist diente. Überall bekam Zitelmann wegen seiner dem Zeitgeist entgegenstehenden Grundhaltung Probleme. Und immer begann er sich rechtzeitig umzuorientieren. Ob das damit zu tun hatte, dass er nicht mehr brannte, sei einmal dahingestellt. Mein Eindruck ist vielmehr, dass er (ob nun bewusst oder unbewusst) wegen seiner außerordentlichen Intelligenz stets sehr früh wusste, dass sein Weg so nicht weitergehen würde. Zitelmanns Interesse an Immobilien wuchs bereits während seiner Zeit bei der "Welt". Wie immer nutzte er äußerst geschickt alle Möglichkeiten zum Absprung in ein anderes Universum. Mit viel Geschick und wenig Risikofreude wurde er mit Immobilien steinreich und gründete ein seinen Fähigkeiten entsprechendes Unternehmen, das sich der "Positionierung" von Immobiliengiganten in der Öffentlichkeit widmete. Eine solche bis dahin nicht gesehene Marktlücke zu finden und sich dort festzusetzen, zeugte erneut von Zitelmanns außerordentlichem Talent, Situationen und seine Stellung in ihnen präzise einschätzen zu können. Diese recht einzigartige Fähigkeit ist der wahre Treibsatz für seine sehr ungewöhnliche Karriere.

Bis auf ein paar Seiten über Spezialfragen der Immobilienbranche liest sich dieses sehr gut geschriebene Buch mit einem hohen Ertrag, wenn man miterleben möchte, wie sich ein Mensch nicht verbiegen lässt, sondern immer wieder Wege findet, um sich seine Freiheiten zu erhalten und sich nicht einschränken zu lassen.

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