Raja Abd Allah Sani

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Rezension zu "Girls of Riyadh" von Raja Abd Allah Sani

Rezension zu "Girls of Riyadh" von Raja Abd Allah Sani
anushkavor 8 Jahren

"Sex and the City" in Saudi Arabien

... steht im Klappentext und das ist eine gute, knackige Beschreibung des Buches. Über eine Mailingliste schickte eine unbekannte Frau jeden Freitag eine Kolumne in die Welt hinaus. Die Beiträge beginnen oft mit Zitaten und die Absenderin berichtet auch von den Reaktionen auf ihre E-Mails. Dann wechselt der Schrifttyp und setzt jeweils die Geschichte von vier Freundinnen in Riad fort. Das Buch beginnt mit Gamrahs Hochzeit, die unter keinem guten Stern steht und verfolgt die Liebesgeschichten und täglichen Konflikte von Gamrah, Michelle, Sadeem und Lamees. Der Leser erlebt die Mädchen durchaus als selbstbestimmt, doch wenn es um Männer und Ehe geht, sind sie sehr an Konventionen gebunden, die ihre Beziehungen ein ums andere Mal zerstören.

Das Buch gibt einen interessanten Einblick in einen völlig anderen Kulturkreis. Die Mädchen sind durchaus geprägt von westlichen Vorstellungen und da sie aus gehobenen Schichten stammen, haben sie alle Auslandserfahrungen. Und trotzdem gelten strenge Regeln was Männer, Verhüllung, Familie und Ehe angeht. Die Parallelen zu "Sex and the City" werden sehr deutlich: es geht um Designerkleidung, Upper Class und vor allem ... Männer und Liebe. Zündstoff erhält das Ganze jedoch vor allem durch die kulturellen Bedingungen, denn im Umfeld dieser vier jungen Frauen ist es nicht üblich, eine Hochzeit von Liebe abhängig zu machen. Die Autorin gewährt interessante Einblicke, die für westliche Leser nur schwer vorstellbar sind. Beispielsweise dürfen sich die Ehekandidaten einmal offiziell "begutachten" bevor der Ehevertrag unterzeichnet wird. Welchem westlichen Menschen wäre das heutzutage schon ausreichend, um eine derartige Entscheidung fällen zu können?

Auch wenn ich dieses Buch einen wichtigen Beitrag zur "Völkerverständigung" finde, konnte es mich nicht vollends überzeugen. Das Genre ist sicher gut gewählt, da das Thema dann etwas lockerer und aus alltäglicherer Sicht betrachtet werden kann. Aber ich lese auch sonst keine Chicklit und empfand daher dieses Buch doch teilweise als recht oberflächlich und die Handlung sowie die Wünsche der Mädchen als oft trivial. Zudem dürften die Lebensumstände der Mädchen aus der Oberschicht kaum repräsentativ sein (so wenig, wie es die aus "Sex and the City" sind). Ich habe für diese 300 Seiten recht lange gebraucht, da sich die Geschichte zwischenzeitlich ziemlich in die Länge zog und etliche der Skandale ohne nähere Erläuterungen schwer nachzuvollziehen waren. Gut fand ich jedoch, dass dieses Buch nicht spezifisch für westliche Leser geschrieben wurde, sondern ursprüngliche für arabische Leser gedacht war und lediglich leicht umgeschrieben wurde, um Dinge verständlicher zu machen. Zudem sind Vergleiche zwischen westlichen und arabischen Versionen von "Sex and the City" sehr interessant. Trotzdem konnte mich dieses Buch nicht restlos überzeugen und streckenweise auch überhaupt nicht fesseln. Für Chicklit-Fans ist es jedoch bestimmt zu empfehlen.

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