Ralf Bönt Das kurze Leben des Ray Müller

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Inhaltsangabe zu „Das kurze Leben des Ray Müller“ von Ralf Bönt

Mann sein Vater sein, Sohn sein ein unerschrockener Roman über Grenzerfahrungen! Marko Kindler wartet auf sein Verhör, nur Stunden sind seit dem Unglück vergangen wie konnte alles bloß so außer Kontrolle geraten? Ist er Opfer oder Täter?
Marko ist ein moderner Mann, der vielen Rollen gerecht werden will. Das Leben mit seiner Jugendliebe und den gemeinsamen beiden Kindern gerät unter den vielen Erwartungen an ihn in die Krise. Schließlich wagt er einen Neuanfang mit der ausgeglichenen Lycile. Als ihr Sohn Ray zur Welt kommt, muss Marko erkennen, dass seine Ideale von Vaterschaft wieder nicht zu erfüllen sind. Mit dem plötzlichen Tod einer befreundeten New Yorker Künstlerin brechen lang verdrängte Fragen mit unerwarteter Macht über ihn herein. Hat er das Glück und die Freiheit gefunden, nach denen er sich immer sehnte? Er entschließt sich zu einem Schritt, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Ein schonungsloser Roman über Lust und Last der Veränderung und zugleich ein streitbares Psychogramm unserer Zeit.

Nach 1/3 abgebrochen. Mich interessiert nicht, wie bei der Hauptperson beim Zähneputzen das Zahnfleisch aussieht usw.

— Bellastella

Ein Buch das mich nachdenklich zurück lässt ... und eine Frage bleibt ... sind wir nicht alle täglich Opfer und Täter zugleich?

— 19angelika63

Ein Thriller? Mehr ein Psychogramm eines kranken Menschen...

— Callso

Die Hauptfigur ist auf Dauer etwas nervig, dafür ist das Finale grandios.

— shitesite

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  • Der menschliche Ballast

    Das kurze Leben des Ray Müller

    Babscha

    15. October 2015 um 14:31

    Marko Kindler sitzt in einem Verhörraum der Polizei und wartet auf den Psychologen. Der Vorwurf: Entführung seines kleinen Sohnes Ray mit Todesfolge. Zeit genug für ihn, über sein ganzes bisheriges schräges Leben nachzusinnen und es dem Leser wie auf einem Teppich auszubreiten. Kindler ist studierter Jurist, der irgendwann sein Interesse am Schreiben von Kriminalromanen geweckt sah und hier auch einen Debuterfolg verzeichnen konnte, der ihm daraufhin einige Türen öffnete. Wir begleiten ihn auf seinem Weg mit seiner Jugendliebe Nadja, die er früh heiratet. Die Ehe steht unter keinem guten Stern und endet trotz zweier netter gemeinsamer Kinder im Desaster. In New York lernt er dann die junge Künstlerin Nele Black kennen, eine in jeder Hinsicht durchgeknallte Erscheinung, die sein weiteres Leben massiv beeinflussen wird. Und später auf einer Leserreise lernt er dann noch Lycile kennen, eine Journalistin, mit der er im mittleren Lebensalter dann den kleinen Ray, ein gemeinsames Wunschkind, in die Welt setzt. Als Marko erfährt, dass Nele in New York nach schwerer Erkrankung gestorben ist, verliert er erneut jede Balance und rutscht ins Bodenlose. Selten war ich derart hin- und her gerissen in der Bewertung eines Buches. Die Handvoll wichtiger Protagonisten, auf die es hier ankommt, sind in ihren jeweiligen Eigenarten und Widersprüchlichkeiten akzentuiert und messerscharf gezeichnet und damit absolut interessant, insbesondere im Spannungsverhältnis zueinander und zu ihrer Umgebung. Auch bei der offensichtlich psychisch massiv belasteten bzw. gestörten Hauptfigur, deren ganze Tragik sich erst im Laufe der Lektüre richtig offenbart, schwankt man permanent zwischen Empathie und offener Ablehnung. Und wie der Autor zwischen ihm und der wahrlich unzurechnungsfähigen Nele ein zuerst loses, dann immer stärker werdendes mentales Band und eine Seelenverwandtschaft aus unverarbeiteten Kindheitserfahrungen knüpft, ist überzeugend und hat zumindest mich ans Buch gefesselt. Diese unterschwellige Unberechenbarkeit, mit der die Figuren agieren, ist die eigentliche Stärke des Romans. Hier wäre wirklich jeder zu allem fähig. Leider verliert der Autor sich zwischendurch immer mal wieder in irgendwelchen eher unwichtigen, aber episch aufbereiteten Nebenschauplätzen (wie endlosen medizinischen Ausführungen zur Schilddrüsenerkrankung der Hauptperson), die einen zwar nicht dümmer machen, die atmosphärische Dichte des Buches jedoch negativ beeinflussen. Aber zum Glück ist man zumeist schnell wieder drin. Insgesamt ein starkes, unter die Haut gehendes Buch mit einer zwar verworrenen, aber interessanten Grundidee und mit reichlich verqueren, beschädigten Charakteren. Den Lichtstrahl am Horizont sucht man hier allerdings vergebens.

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  • Opfer oder Täter?

    Das kurze Leben des Ray Müller

    19angelika63

    Klappentext Marko Kindler sitzt allein in einem Verhörraum der Polizei. Er wartet auf den Psychologen und versucht zu begreifen, was in der kurzen Zeit zwischen der Geburt seines Sohnes Ray und der Flucht geschehen ist: Da war die Nachricht vom Tod seiner engen Freundin, der New Yorker Malerin Nele Black. Ihre Krankengeschichte voller diffuser Symptome war, vom Zittern bis zur Schlaflosigkeit, seiner eigenen so ähnlich und fügte sich nahtlos in ihre Erzählungen über Missbrauch und familiärer Gewalt. Jetzt hat Marko sein eigenes Leben vor Augen: wie die Mutter ihn mied und der Adoptivschwester so nah war, wie der Alltag mit seiner Jugendliebe zu einem Korsett der Erwartungen und er ganz krank wurde. Dann die Gesundung und die große Freude über ein neues Leben mit Lycile und Ray. Aber nach der Trauerfeier für Nele Black übermannt ihn die Angst, dass er keine Erfüllung finden wird, auch nicht in dieser Vaterschaft. Es kommt zu einem Kurzschluss. „>Man sieht nur<, sagt sie beim Einbiegen in unserer Straße, >was man weiß<.“ (Seite 25) „Sehen lernen bedeutet, die eine richtige Verbindung zu trainieren und alle anderen zu kappen.“ (Seite 28) Marko ist glücklich. Seine Freundin Lycile erwartet in wenigen Tagen ihr erstes gemeinsames Kind. Endlich verläuft sein Leben, wie er sich immer erträumt hat. Nach der Entbindung wieder zu Hause, erfährt Marko, dass seine Freundin Nelly Black verstorben ist. Ihr Kontakt war einmal sehr eng, doch in den letzten Monaten nur noch sporadisch. Marko macht sich auf den Weg nach New York, um an der Trauerfeier teilzunehmen. Nach seiner Rückkehr ist allerdings nichts mehr wie es war. Etwas hat ihn verändert und lässt ihn eine Tat begehen, die er sich niemals hätte vorstellen können. „Eng war unser Kontakt aber schon da nicht mehr gewesen, denn ich erzählte ihr nicht mehr alles, ließ das Wichtige weg, und wenn man das Wichtige weglässt, erzählt man sich gar nichts mehr.“ (Seite 35) Im Verhörraum erinnert er sich an seine Vergangenheit. An sein Leben vor Lycile und vor Ray. Er erinnert sich an seine Zeit mit Nelly in New York und das er in ihr endlich eine Seelenverwandte gefunden hatte. Beide haben keine einfache Kindheit. Nelly wurde von ihrem Vater missbraucht und Markos Mutter vernachlässigte ihn, gab ihm nicht die Liebe und Zuwendung die er gebraucht hätte. Nelly und Marko scheinen sich so nah zu sein und dann doch wieder nicht. Während Nelly einen Mann kennen und lieben lernt, der allerdings die Muster der Vergangenheit wiederholt, trennt sich Marko von seiner großen Jugendliebe. Er wird krank und steigert sich immer mehr in diese Krankheiten hinein bis hin zur Tablettensucht und Wahnvorstellungen. Doch im Gegensatz zu Nelly schafft Marko den Absprung und wird wieder gesund. Er lernt Lycile kennen, die beiden bekommen ein Kind … alles scheint perfekt … bis zu jenem Tag … „Sie hätte mich krank gemacht, paranoid, hätte mich mit ihrem Denken wieder angesteckt, sie hätte mich nur noch mal in Dunkelheit getaucht, diese Kraft hatte sie, es fiel ihr ganz leicht. Satt mit ihr darüber zu reden, wie wir einen Sommer und einen Winter und noch einen Sommer lang über alles geredet und dabei zu oft das Elend erkannt hatten, das zwischen den Menschen blühte wie Löwenzahn auf einer Brache, hatte ich lieber geschwiegen.“ (Seite 39) Ralf Bönt Roman über „Das kurze Leben des Ray Müller“ lässt mich von der ersten Seite an nicht mehr los. Als Leserin weiß ich, dass eine schreckliche Tat geschehen wird. Wann sie sein wird und auch wie sie sein wird erfahre ich erst so ziemlich am Ende des Buches. Doch bis dahin geht mir das Leben des Marko Kindler unter die Haut. Vor allem konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass Marko seinem Sohn etwas antun könnte. Wenn man liest wie liebevoll er mit dem kleinen Kerl umgeht, geht einem das Herz auf und man denkt nur … was mag passiert sein, dass alle so eskaliert … Eigentlich möchte Marko alles richtig machen. Wie alle Menschen dieser Welt. Doch irgendwie schafft er das nicht und je mehr er es versucht, desto mehr verstrickt er sich. Immer schaut irgendwer verächtlich auf ihn herab … die Mutter, die große Jugendliebe, Lycile und selbst der Polizeipsychologe. „Je mehr Hände ich sah, desto besser ging es mir an der Hand meiner Mutter, denn der Augenblick, in dem ich unüberlegt und getrieben von dem Wissen, das Richtige zu tun, eine greife und weg sein würde, kam näher. Dachte ich. Wahrscheinlich erwartete ich, dass meine Mutter mich doch finden würde und an sich drücken, bebend vor Glück, mich wiederzusehen. Ich wäre nicht so distanziert durch mein Leben gelaufen, wenn das geschehen wäre, ich hätte die Welt und meinen Körper als Freund sehen können, hätte mehr zu geben gehabt. Wenn sie mich einmal so gehalten hätte, hätte ich das weiter geben können, statt nur unsicher nach der nächsten Falle im Leben zu schielen und mich dafür zu entschuldigen, dass ich da war. Was andere nervt. Aber ich ließ ihre Hand nicht los und wartete auf den richtigen Moment, bis sie es war, die zuerst meine Hand losließ, indem sie starb. Satt die richtige Hand zu finden, hatte ich die falsche verloren.“ (Seite 92/ 93) Ralf Bönt greift ein Thema auf, das in meinen Augen aktueller ist denn je. In Zeiten, in denen Frauen immer gleichberechtigter werden/ sind, bleiben viele Männer auf der Strecke. Sie fühlen sich unzulänglich und minderwertig. Manche stürzen dann vielleicht auch so ab wie Marko. Die Opfer–Täter–Sicht spielt hier für mich auch eine große Rolle. Ist Marko ein Täter weil sein Sohn ums Leben kommt oder ist er ein Opfer? Ein Opfer weil die Gesellschaft immer mehr von ihm verlangte? Er sollte/ wollte der perfekte Vater sein, der perfekte Mann, der perfekte Geldverdiener … doch nichts von dem ist ihm gelungen und alle schauen auf ihn herab … Ein Buch das mich nachdenklich zurück lässt  ... und eine Frage bleibt ... sind wir nicht alle täglich Opfer und Täter zugleich?

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    • 10
  • Eine Krankenakte des Leidens

    Das kurze Leben des Ray Müller

    Callso

    16. May 2015 um 11:46

    Habe ich mich in dem Buch so getäuscht ? Waren Buchtitel und die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken irreführend? Irgendwie jedenfalls hielt die Verpackung nicht das, was sie versprach. Es wurde ein Story versprochen, wo ein Vater seinen Säugling entführt und flieht. Diese Story wurde am Ende auf 15 Seiten erzählt. Ansonsten ging es um Mark, der mit allerlei Krankheiten kämpft. Die Schilddrüse, Allergien, Depressionen und andere Wegbegleiter lassen den Protagonisten schwerlich durchs Leben marschieren. Zwischendurch kommen Frauen, dann Kinder, er wird zum Krimi Autor und lernt die geheimnisvolle und launische Nelly Black kennen. Deren Krankengeschichte in New York ist ähnlich nur in der Dimension noch viel umfangreicher. Insofern ist das Werk ein höchst problembeladenes Buch. Die Figuren stolpern von einer Unwägbarkeit zur nächsten. Da sich die Geschichte mehrfach verfängt und abdriftet, ist der Roman nicht immer leicht zu verfolgen. Schwere Kost, über den Sex und die verschiedenen Lüste wird dabei ganz offen referiert. Insgesamt ein seltsames, komplizierter, moderner deutscher Roman. Sicherlich interessant. Meine Erwartungen sahen ganz anders aus und wurden indes auch nur bedingt erfüllt.     

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  • Ein intensives Buch, das unter die Haut geht

    Das kurze Leben des Ray Müller

    WinfriedStanzick

    27. April 2015 um 11:37

    In seinem 2012 bei Pantheon erschienenen viel beachteten Buch „Das entehrte Geschlecht“, für das er die Arbeit an dem hier vorliegenden Roman unterbrach, schrieb der Schriftsteller Ralf Bönt zusammenfassend: "Jetzt werden Männer Maßnahmen ergreifen, um die emotionale und physische Ausgrenzung aus der Familie zu beenden. Männer werden aufhören, sich als reine Funktionsträger zu begreifen. Der Mann wird seinen Körper respektieren und Eigenliebe entwickeln, die sich nicht auf sekundäre Eigenschaften und seine Leistungsfähigkeit beziehen, sondern unkonditioniert auf seine bloße Existenz. Er wird sich lieben und bemerken ob er geliebt wird oder nicht." Und er wird, so fügte ich damals in meiner Rezension dieses Buches hinzu, sein für richtig und authentisch gehaltenes Verhalten, seine Gefühle nicht mehr deshalb unterdrücken, weil es irgendeinem anderen nicht gefällt, sei es nun seine eigene Partnerin oder irgendjemand sonst: "Mich macht frei, was nicht ist wie ich, denn dann muss ich nicht sein wie es." Nach diesem „notwendigen Manifest für den Mann“ war ich natürlich sehr gespannt auf Bönts neuen Roman, in dem der Ich - Erzähler Marko Kindler im Verhörraum der Polizei, auf einen Psychologen wartend, erzählt, was in der kurzen Zeit zwischen der Geburt seines Sohnes Ray und Markos dramatischer Flucht mit ihm geschehen ist. Nicht nur mit seinem kleinen Sohn, sondern auch mit ihm. Marko Kindler ist eigentlich ganz glücklich, als er bei der Geburt seines Sohnes Ray dabei ist. Eine Familie haben, ein Vater sein – so wie alle Menschen, die in ihrer Kindheit beides mehr oder weniger vermissen mussten, träumt er davon, es besser zu machen, und sich damit auch endlich von den damals geschlagenen Wunden zu heilen. Doch kaum ist er zusammen mit seiner Frau Lycile und dem kleinen Ray, der den Namen der Mutter trägt, zu Hause angekommen, erreicht ihn  die Nachricht, dass Markos Freundin Nelly, eine New Yorker Malerin, gestorben ist. Marko ist von dieser Nachricht wenig überrascht, erinnert er sich doch ganz genau an eine Mail, die er ihr am Tag ihres Todes geschickt hat, und in der er sie mehr im Scherz gefragt hatte, ob sie noch am Leben sei. Als er genau nachprüft, stellt sich heraus, dass Nelly seine Mail wahrscheinlich vor ihrem Tod noch gelesen hat. Nun beginnt Marko, im Verhörzimmer sitzend, die eigentliche Haupthandlung des Buches zu erzählen. Er erinnert sich an seine Freundschaft mit Nelly, die ihm wie eine Wesensverwandte war. Beide tragen ein schweres Schicksal mit sich herum. Marko leidet an einer seltenen Schilddrüsenkrankheit (hier muss Ralf Bönt lange recherchiert haben, so genau beschreibt er alles – stellenweise wähnt man sich in einem medizinischen Fachbuch) und Nelly ist Opfer von langwährender familiärer Gewalt. Auch Marko hat keine gute Kindheit gehabt. Auch sie war geprägt von Vernachlässigung. Doch trotz gemeinsamer Erfahrung von Stigmatisierung, können die beiden nicht recht zusammenkommen. Das, was sie verbindet auf der einen Seite, trennt sie auf der anderen. Wenn Nelly herzieht über die Männer, zieht sich Marko noch mehr zurück in sich selbst, ist noch nicht einmal mehr zu einer Umarmung in der Lage. Nelly trifft irgendwann einen Liebhaber, der sie sehr schlecht behandelt (Wiederholungszwang) und Marko trennt sich von Nadja, der Mutter seiner Kinder, mit der er sich vorher so einig fühlte. Krank und ohne Geld verliert er den Kontakt mit dem, was ihm einmal das Liebste war. Im Gegensatz zu Nelly schafft es Marko irgendwann gesund zu werden. Er lernt Lycile kennen, die bald schwanger wird, fährt den Kontakt zu Nelly zurück und hofft, als er zu Beginn des Buches mit Lycile und seinem Sohn Ray nach Hause fährt, auf einen grundlegenden Neuanfang in seinem Leben, auch in seinem Leben als Mann. Er fährt nach der Nachricht vom Tode Nellys von Lycile ermutigt zur Beerdigung nach New York. Die Erlebnisse dort tun ihm nicht gut, und als er nach seiner Rückkehr erfährt, dass auch seine so kühle Mutter ein Opfer war, nimmt er in einer Kurzschlusshandlung seinen Sohn Ray und flieht mit ihm. Warum er das tut, lässt Bönt offen, Mir hat es sich jedenfalls nicht erschlossen. Aber was ist schon erklärbar an einer Kurzschlusshandlung? Nach dem katastrophalen Ausgang dieser Flucht und dem „kurzen Leben des Ray Müller“ sitzt er im Verhörzimmer und wartet auf den Psychologen. Vielleicht erfährt dieser Mann, der vom Opfer zum Täter wurde und dabei doch immer ein guter Mann, Partner und Vater sein wollte, nun so etwas wie Hilfe, denkt der Leser bis zum Ende. Doch auch diese Hoffnung wird enttäuscht: „‘ Ich halte Sie nicht für einen bösen Menschen‘ lügt er exakt so von oben herab, wie ich alle immer von oben herab angelogen haben. ‘Ich habe Verständnis für Ihre Geschichte.‘“ Ein intensives Buch, das unter die Haut geht. Ein Buch über Männer, die an ihrer eigenen Geschichte scheitern, obwohl sie sie doch gut reflektieren können. Dass Marko dabei doch immer allein bleibt, dass es keinen einzigen anderen Mann  gibt, der ihm je dabei ein Gesprächspartner und Freund gewesen wäre, ist leider ein  Spiegel der Realität vieler Männer. Das, was Bönt 2012 schrieb, konnte seiner Hauptfigur (noch) nicht helfen: "Jetzt werden Männer Maßnahmen ergreifen, um die emotionale und physische Ausgrenzung aus der Familie zu beenden. Männer werden aufhören, sich als reine Funktionsträger zu begreifen. Der Mann wird seinen Körper respektieren und Eigenliebe entwickeln, die sich nicht auf sekundäre Eigenschaften und seine Leistungsfähigkeit beziehen, sondern unkonditioniert auf seine bloße Existenz. Er wird sich lieben und bemerken ob er geliebt wird oder nicht."  

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  • Die Leiden des modernen Manns

    Das kurze Leben des Ray Müller

    shitesite

    15. March 2015 um 13:01

    Eine Kurzschlusshandlung führt Marko Kindler, die Hauptfigur von "Das kurze Leben des Ray Müller" in die Katastrophe. Ralf Bönt seziert in seinem neuen Roman (mal wieder) die Herausforderungen, die sich durch das moderne Männerbild für das starke Geschlecht ergeben. Am besten ist das schockierende Finale des Buchs. http://www.shitesite.de/2015/03/09/durchgelesen-ralf-boent-das-kurze-leben-des-ray-mueller/

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