Die Badende von Moritzburg

von Ralf Günther 
4,6 Sterne bei19 Bewertungen
Die Badende von Moritzburg
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Diese leichte Sommernovelle zeigt wie man nackt und frei sein kann vor der Kulisse der strengen Sitten Anfang des 20. Jh. in Sachsen.

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Eine großartige Geschickte über die Brücke-Künstler in Dresden. Habe es in einem Rutsch durchgelesen!

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Inhaltsangabe zu "Die Badende von Moritzburg"

Eine Novelle wie ein flirrender Sommertag: Über eine unvergessliche Begegnung mit dem Maler Ernst Ludwig Kirchner und dem Künstlerkreis 'Die Brücke'.

1910. Die junge Clara Schimmelpfenninck wird wegen hysterischer Atemnot ins Dresdner Lahmann-Sanatorium auf dem "Weißen Hirschen" geschickt. Nach sechs Wochen ist sie symptomfrei, aber zu Tode gelangweilt. Da wird sie zu einem Ausflug ins nahe Moritzburg eingeladen.
Im Sommerkleid streift sie durch die herrliche Schilflandschaft. Prompt wird sie von einem Mann mit fein geschnittenem Gesicht und energischer Stimme angesprochen. Ob sie sich nicht zu ihm, Kirchner, und seinen Freunden gesellen möge. Die Männer und Frauen picknicken dort, trinken Wein und arbeiten an ihren Staffeleien – in einer Art und Weise, wie Clara es noch nie erlebt hat. Und so verbringt sie einen unvergesslichen Sommertag in der Künstlerkolonie "Die Brücke".

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783463406862
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:112 Seiten
Verlag:ROWOHLT Kindler
Erscheinungsdatum:19.05.2017

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    simone_richters avatar
    simone_richtervor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Diese leichte Sommernovelle zeigt wie man nackt und frei sein kann vor der Kulisse der strengen Sitten Anfang des 20. Jh. in Sachsen.
    Ein Lebensgefühl aus längst vergangener Zeit aus einem Gemälde

    Klappentext: 1910. Die junge Clara Schimmelpfenninck wird wegen hysterischer Atemnot ins Dresdner Lahmann-Sanatorium auf dem "Weißen Hirschen" geschickt. Nach sechs Wochen ist sie symptomfrei, aber zu Tode gelangweilt. Da wird sie zu einem Ausflug ins nahe Moritzburg eingeladen.
    Im Sommerkleid streift sie durch die herrliche Schilflandschaft. Prompt wird sie von einem Mann mit fein geschnittenem Gesicht und energischer Stimme angesprochen. Ob sie sich nicht zu ihm, Kirchner, und seinen Freunden gesellen möge. Die Männer und Frauen picknicken dort, trinken Wein und arbeiten an ihren Staffeleien – in einer Art und Weise, wie Clara es noch nie erlebt hat. Und so verbringt sie einen unvergesslichen Sommertag in der Künstlerkolonie "Die Brücke".

    Das Cover auf dem lilafarbenen Einband ziert tatsächlich die Abbildung Kirchners „Drei badende Frauen“  von 1911.  Der Expressionist war von 1905 bis 1911 in Dresden und hat die Sommer mit Heckel, Schmidt-Rottluff, Pechstein und anderen an den Moritzburger Teichen gemalt.

    Diese Sommernovelle hier ist auch auf das Notwendige reduziert, so wie die wenigen Striche in grellen Farben von Kirchner. Dabei ist sie so liebevoll geschrieben, dass man sich wirklich in diese Zeit mit ihren strengen Sitten und medizinischen Maßnahmen wähnt. Aber es gab auch freiheitsliebende Taten, die dieses reizende Büchlein vor der Kulisse Moritzburgs miterlebt und man sofort gefangenen genommen ist und denkt man ist hoffnungsfroh dabei.

    Es liest sich leicht, wie der Sommerwind und man ist hautnah zugegen bei der sich entwickelnden Psychotherapie und der auflodernden sexuellen Selbstbestimmung.

    Das Bild zeigt Kunst als Befreiung und damit ein Lebensgefühl, welches wir nachvollziehen können, wenn wir dieses anschauen.

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    abetterways avatar
    abetterwayvor einem Jahr
    Die Badende von Moritzburg

    Inhalt:
    "1910. Die junge Clara Schimmelpfenninck wird wegen hysterischer Atemnot ins Dresdner Lahmann-Sanatorium auf dem "Weißen Hirschen" geschickt. Nach sechs Wochen ist sie symptomfrei, aber zu Tode gelangweilt. Da wird sie zu einem Ausflug ins nahe Moritzburg eingeladen.
    Im Sommerkleid streift sie durch die herrliche Schilflandschaft. Prompt wird sie von einem Mann mit fein geschnittenem Gesicht und energischer Stimme angesprochen. Ob sie sich nicht zu ihm, Kirchner, und seinen Freunden gesellen möge. Die Männer und Frauen picknicken dort, trinken Wein und arbeiten an ihren Staffeleien – in einer Art und Weise, wie Clara es noch nie erlebt hat. Und so verbringt sie einen unvergesslichen Sommertag in der Künstlerkolonie "Die Brücke"."

    Meinung:
    Asolut flüssig zu lesen udn auch gut nachzuvollziehen. Die novelle bereitet ein kurzweiliges Lesevergnügen, was einem das Leben im 20. Jahrhundert ein wenig näher bringt.. Manchmal ist mir clara zu naiv vorgekommen, aber das gehört nun mal auch zum erwachsen werden dazu.

    Fazit:
    Gute Geschichte für zwischendurch.

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    karatekadds avatar
    karatekaddvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Tolle Novelle zu Liebe, Landschaft, Kunst und ein Rückblick auf den Anfang des 20. Jahrhunderts.
    Eine "Brücke" in Moritzburg

    Novelle – Novella – Novelette. Kürzere Erzählung. Kurzepik in Prosaform. Sie hat „eine mittlere Länge, was sich daran zeige, dass sie in einem Zug zu lesen sei.“ (wikipedia)

    Aha. Aber eigentlich will ich mich gerade nicht in „literaturwissenschaftlichen Betrachtungen“ ergehen, obige zwei Zeilen habe ich außerdem soeben in der bekannten Online-Enzyklopädie nachgeschlagen. Aber es passt. In einem Zug zu lesen, zumindest, wenn man rechtzeitig am Tage damit anfängt. 

    Eine Sommernovelle namens DIE BADENDE VON MORITZBURG. Wir begeben uns zurück in das Jahr 1910 und begleiten die Bürgerstochter Clara Schimmelpfenninck auf den Dresdner Weißen Hirsch, wo das Lahmann-Sanatorium zu finden ist. Die junge Frau leidet an hysterischen  Anfällen und soll sich beruhigen. Dazu gehört viel frische Luft beim sogenannten Luft- und Sonnenbaden. Dazu tragen die Damen das sogenannte Luftbadehemd.

    „Darin fühlte sie sich kaum weniger als nakt. Es musste ohne Unterwäsche getragen werden, der Baumwollstoff fiel locker um den Leib, damit möglichst viel Luft auf die Haut ventiliert wurde. Weich schmiegte er sich an ihren Körper und verwies dezent auf ihre Formen. Über die Schulter floss das rötlich blonde Haar, offen, wie sie es auf der Straße niemals zu tragen wagen würde.“ (Seite 9)

    Der junge Dr. Maximilian Brandstetter vertritt den behandelnden Arzt und ist ein Anhänger Sigmund Freuds. Daher landet Clara auf der Couch, muss Fragen beantworten und nicht nur das. Brandstetter lädt sie ein, die Kur an einem Wochenende in Moritzburg fortzusetzen. Nach etwas Gezeter und Ziererei, der Max ist durchaus auch attraktiv, willigt Clara ein.

    Moritzburg
    „Da lichtete sich unerwartet das Grün, die Schienen blitzten in der Sonne, das Schnaufen der Lok wurde leichter, und die Räder sammelten neue Kraft, als der Zug endlich auf die weite Moritzburger Ebene gelangte. Die Wälder wurden zu Gehölzen, die Wiesen und Felder gaben den Blick frei bis zum Horizont, und bald gesellten sich die Teiche dazu, die der Landschaft ihren Namen gaben. Wie runde Himmelsspiegel lagen sie im Grün der Ebene. Teils zogen sie offen an Clara vorbei, teils waren sie ihren Blicken durch breite Schilfgürtel verborgen und wurden erst sichtbar, wenn eine Windböe die Halme weit genug hinabbog. Solch Anmut und Ruhe der Landschaft kannte Clara nur von der Ostsee. Und sie wollte aufjauchzen vor Glück, da sie ihr seit Kindesbeinen vertraut war. Ihre Brust fühlte sich - zum ersten Mal seit ihrer Abreise von Berlin - leicht und unbeschwert an. Clara machte sich einen Spaß daraus, so tief und weit zu atmen, dass die Stangen ihres Korsetts knarrten.“ (Seite 34)

    Erinnert das nicht an RHEINSBERG oder SCHLOSS GRIPSHOLM? Das ist echter „Novellentext“. Zumal man das noch heute so erleben kann im „Lößnitzdackel“. Die mitfahrenden Damen tragen allerdings kein knarrendes Korsett mehr und das Lahmann-Institut, welchesmit dem Luftbadehemd etwas positiv befreiendes für die Damen gefunden zu haben scheint, weicht heute einem Luxuswohnviertel. Aber es geht noch freier, denn Clara trifft auf die Künstlergruppe DIE BRÜCKE.

    Am See stutzt die junge Frau, denn sie trifft auf schier Unschickliches. Völlig unbekleidete Männer und Frauen und sie trifft auf Ernst Ludwig Kirchner – ein Maler, dessen Bild Drei badende Frauen auf dem Cover abgebildet ist. Außerdem lernt sie Erich Heckel sowie Max Pechsteinkennen und die Leserinnen und Leser lernen mit ihr etwas über den Anfang einer Malerei, die später expressionistisch genannt werden wird. Ernst Ludwig Kirchner ist der Hauptakteur dieser Szenen da am Moritzburger Teich.

    Die Künstlergruppe wollte ihr Modelle natürlich vor sich sehen. Spielend. In Bewegung und nicht stundenlang sitzend vor den Pulten der Studenten in den Kunstakademien.

    „Wir malen unsere Modell nicht nur‘, getraute sich Heckel, ‚wir leben, tanzen, schwimmen, schäkern mit ihnen. Wir teilen unser Leben, denn wir teilen die Kunst. Mit unserer Kunst wollen wir den Kern des Menschen erfassen, nicht bloß die Oberfläche.‘ Sein Blick wanderte über den See. ‚Aber zum Kern müssen wir erst einmal vordringen. Und das geht nur in einem natürlichen Rahmen, der nicht von Konventionen eingekastelt ist.‘ “...
    „Wir fangen... das Modell in seinem lebhaftesten Moment ein und zwingen es nicht zu unnatürlichen Posen.“ (Seite 50/51)

    Gefangen ist auch Clara und die Geschichte nimmt so anders ihren Lauf und kommt doch zu dem hier nicht zu verratenden Ende, welches sich für eine Sommernovelle gehört.

    * * *
    Es ist die Zeit fortschreitender Industrialisierung, aber es regen sich auch neue Formen. „ Die Bewegung der sogenannten Lebensreformer war ein bunter Haufen von mal mehr mal weniger seriösen Gesundheitsaposteln, Austeigern, Anarchisten, Nudisten und Puristen, die in einem Punkt übereinkamen: Sie wollten die Existenz der Menschen in all ihren Aspekten so organisieren, dass sie seiner Natur besser entsprach.“ So erklärt das der Autor unserer Sommernovelle, Ralf Günther, in seinem Nachwort. Die Künstlergruppe DIE BRÜCKE tat das auf ihre Art.

    Hier trifft nun zudem Wissenschaft und Kunst aufeinander. Die offenherzigen Maler und die modernen Behandlungsmethoden a la Sigmund Freud, der sich dem Thema Sexualität ebenfalls sehr widmete. Brandstetter wird der Clara dann den Grund für ihre Erstickungsanfälle nennen können, nach ihrer Begegnung mit DER BRÜCKE.

    Meine Heimatstadt, die heute, da stimme ich Ralf Günter durchaus zu, irgendwie konservativ erscheint, wies vor dem ersten Weltkrieg fortschrittliche, sehr moderne Tendenzen auf, zum Beispiel die Gartenstadt Hellerau. In dieser konnte man da schon mal einen Gärtner im Adamskostüm Unkraut jäten sehen. Die Offenheit und die Suche nach neuen Formen des Lebens und Zusammenlebens erfasste auch die Kunst. (Vgl. Seite 102/103). Ein ganz kleiner Ausschnitt ist oben bereits erwähnt.

    * * *
    Es war wieder ein Genuss, dieses Büchlein von Ralf Günther, der Kölner, der Jahre in Dresden lebte und den es nach einer Stipvisite in Hamburg wieder nach Sachsen zog. Nicht nur seine Romane haben es in sich, auch diese Erzählung hier war sehr schön. Über Josi, die Dresdner Bloggerin, erreichte mich dieses schmale Bändchen. Ein Weg wird mich beim nächsten Dresden Besuch wohl in das Albertinum führen.  Die Neuen Meister gilt es neu zu entdecken. Und nach Hellerau muss ich auch.


    ► DNB / Kindler Verlag (Rowohlt) / Reinbek 2017 / ISBN: 978-3-463-40686-2

    PS: Ist das nicht wieder der Beweis für den Namen dieses Blogs: LITTERAE-ARTESQUE? 

    © KaratekaDD

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    Durga108s avatar
    Durga108vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das richtige Buch zur rechten Zeit
    Wunderschöne Sommernovelle

    Ralf Günther gelang eine wunderbare, leichte, jedoch ganz und gar nicht oberflächliche, sauber recherchierte Novelle, Seite für Seite eine Lesefreude. Dazu noch schön gestaltet mit einer Kirchnerskizze auf dem Titelbild und Lesebändchen.

    Clara Schimmelpfenninck, wohlerzogene Tochter aus gutem Haus, wird aufgrund von ungeklärter Atemnot in ein Dresdner Sanatorium eingewiesen. Der junge Dr. Brandstetter, begeisterter Freud-Anhänger, verschafft ihr ein paar freie Tage, die Clara nutzt, um in der Moritzburger Schilflandschaft umherzustreifen. Dort stößt sie auf eine außergewöhliche Gruppe junger Menschen, alle nackt, Künstler und ihre Modelle, Freigeister. Vor allem Ernst Ludwig Kirchner fühlt sich von der jungen Frau besonders angezogen. Sie erleben eine gemeinsame stürmische Nacht, weit entfernt von Claras bürgerlichen Vorstellungen. Ihr eröffnen sich neue Horizonte durch den zufälligen Kontakt zu den Künstlern. Dennoch bleibt sie in ihrer kleinen Welt gefangen, macht was ihr Vater und die Gesellschaft von ihr erwarten und entschließt sich letztendlich für eine gutbürgerliche, jedoch leidenschaftslose Ehe mit Dr. Brandstetter.

    Auf wenigen Seiten schafft es Günther, mir das Leben junger Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts näherzubringen. Er hat auf den letzten Seiten noch "Einige Anmerkungen zum historischen Hintergrund" hinzugefügt, die ich sehr interessant und hilfreich finde. Zum einen werden in dieser Sommernovelle die gesellschaftlichen Zwänge gut klar, zum anderen gab es aber auch eine Bewegung, die frei sein wollte und mit der Natur leben wie z.B. Kirchner und die später von ihm in Dresden gegründete Künstlergruppe "Brücke" oder die sog. Lebensreformer, die eine naturnahe Lebensweise, alternative Medizin und Ernährung anstrebten.

    Die Novelle ist ein empfehlenswerter Sommerlesespaß und erhält für Inhalt, Titelbild, Stil und Sprache volle 5 Punkte.

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    banditsandras avatar
    banditsandravor einem Jahr
    Eine schöne Sommergeschichte

    Von der ersten Seite an wird man direkt in eine andere Zeit entführt und in die schöne Gegend um Moritzburg. Ich will gar keine genaue Inhaltsangabe scheiben. Ich finde die Novelle gelungen kurzweilig. Ein interessanter Ausflug war das für mich nach 1910 und in die Künstlergruppe "Die Brücke".
    Ich habe den Schreibstil der Novelle sehr genossen. Und ich konnte mir alles so schön vorstellen.

    Was mich ein wenig gestört hat war, das sich Clara doch relativ leicht hat bezirzen lassen. Irgendwie kann ich ja verstehen, das sie mitgerissen wurde und das sie wirklich in eine neue Welt gefallen ist. Aber ob eine junge Dame zu der Zeit wirklich gleich soweit gegangen wäre, wage ich fast zu bezweifeln.

    Aber dem Lesevergnügen hat das nicht weiter geschadet.

    Klare Leseempfehlung.

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    schreibwasuebers avatar
    schreibwasuebervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Fluffige Sommernovelle
    Alles kommt wieder

    Ich dachte immer, die 68er Generation sei die erste gewesen, die sich freier Liebe, Enthemmung und der Findung freier, unkonventioneller Lebensformen gewidmet habe. Nachdem ich Ralf Günther's "Die Badende von Moritzburg - eine Sommernovelle", erschienen bei Kindler / Rowohlt, gelesen habe, weiss ich: Alles schon da gewesen und nicht neu. Nacktheit und offener Umgang mit Kunst, Künstlern und deren Musen war also keine Erfindung von Komune1, sondern die der "Lebensreformer" und Künstlerkolonie "die Brücke" um 1900. Ralf Günther führt die junge, wohlerzogene Clara im Jahre 1910 von einem militaristisch, konservativ geprägten Elternhaus auf einen Weg der Neuerkundung des eigenen Weltbildes. "Die Badende von Moritzburg" lässt sich, zunächst zögerlich und geplagt von Selbstzweifeln ein, auf den offenen Umgang mit den Künstlern der Kolonie am See und Grenzerfahrungen durch und mit dem eigenen Körper. Die Sommernovelle von Ralf Günther liesst sich "fluffig" weg, wie es sich für einen leichten Sommertag sein muss und zeigt trotzdem die Verkopftheit der Generation 1900, die wir auch heute wieder vorfinden. Mit der Lebensveränderung der Menschen des 21. Jahrhunderts hin zu gesunder, vegetarischer bis veganer Ernährung, erfahren die "Lebensreformer" ihre dritte Renaissance.

    In diesem Sinne... alles kommt wieder.


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    Mika2003s avatar
    Mika2003vor einem Jahr
    Eine Sommernovelle

    Als dieses kleine Büchlein in meinem Briefkasten landete und gleichzeitig die Einladung zur Lesung nach Moritzburg kam, war ich in Gedanken sehr zwiegespalten.

    Zum einen freute ich mich sehr darüber, da ich Ralf Günther als Autor mag und gerade von seinem letzten historischen Roman „Die türkische Mätresse“ begeistert war. Zum anderen aber kann ich mit Novellen nichts anfangen. Ich setzt diese immer – egal ob richtig oder falsch – mit Kurzgeschichten gleich und die sind mir immer zu kurz. Ich habe hier immer das Gefühl, das sich weder die Geschichte noch die Protagonisten entwickeln können.

    Nachdem jedoch Ralf Günther auf seiner Lesung bereits etwa 1/3 des Buches vorgelesen hatte, wollte ich nur noch eines: weiterlesen. Die Geschichte zu Ende lesen um zu sehen was passiert.

    Wie ich bereits in meinem Lesungsbericht geschrieben habe, konnte mir zu allererst der Schreibstil des Autoren begeistern. Mit diesem entstand ein sehr lebendiges Bild der Zeit, der Epoche vor meinen Augen. Es gelang ihm, ein stimmiges Bild der damaligen Verhältnisse, der Zwänge und Konventionen zu zeichnen. Eine Prise Humor, egal ob bei den Gesprächen mit Kirchner oder im Sanatorium mit dem Arzt, lockerte die Novelle auf und sorge bei mir für großen Lesegenuss.

    Auch die Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten und der Charaktere des Buches waren ungemein stimmig, detailreich und sehr plastisch. Besonders die Beschreibung der Fahrt mit dem Lößnitzdackel von Radebeul nach Moritzburg ist mir im Gedächtnis geblieben. Beim Schließen meiner Augen habe ich direkt neben Clara gesessen.

    Spannung kam beim mir auf, als Clara ins Wasser ging, sich einen Weg durch das Schilf bahnte und in Panik geriet. Ich habe atemlos die Luft angehalten und gespannt gelauscht, was passiert.

    Beim Lesen der nicht einmal 122 Seiten merkt man, welche Entwicklung Clara durchläuft. Sie „reift“ in dem Buch von einem Mädchen zur Frau, wird selbstbewusster. All das macht Ralf Günther durch seine Sprache, den Aufbau der Figur und der Geschichte deutlich.

    Am Schluss des Buches finden sich noch Erklärungen zum geschichtlichen Hintergrund der Geschichte und das wunderbare Cover rundet das Buch noch ab.

    Als ich das Buch zuklappen konnte – musste – war ich wieder hin und her gerissen. Auf der einen Seite war alles erzählt. Aber auf der anderen Seite hätte ich gerne gewusst, wie es weiter geht, was könnte nach der Abreise noch passieren? Ich glaube, hier kann die Fantasie des Lesers in Gang gebracht werden. Oder man belässt es als Leser dabei. Ganz nach Geschmack.

    Mein Lieblingssatz in dem Buch ist übrigens keiner aus der Geschichte an sich, sondern die Widmung:

    Gewidmet all jenen, die furchtlos lieben.

    In diesem Sinne: Danke für die tolle Lesung, danke für das Buch  und danke für den Lesespaß. Vielleicht mag ich ja in Zukunft doch Novellen?

    Ich vergebe für das Buch, auf Grund der Kürze und weil ich doch ganz gerne weitergelesen hätte, 4 1/2 von 5 möglichen Sternen.

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    Vampir989s avatar
    Vampir989vor einem Jahr
    Kurzmeinung: wunderschöne Sommernovelle
    wunderschöne Sommernovelle

    Klapptext:
    1910. Die junge Clara Schimmelpfenninck wird wegen hysterischer Atemnot ins Dresdner Lahmann-Sanatorium auf dem "Weißen Hirschen" geschickt. Nach sechs Wochen ist sie symptomfrei, aber zu Tode gelangweilt. Da wird sie zu einem Ausflug ins nahe Moritzburg eingeladen.
    Im Sommerkleid streift sie durch die herrliche Schilflandschaft.
     Prompt wird sie von einem Mann mit fein geschnittenem Gesicht und energischer Stimme angesprochen. Ob sie sich nicht zu ihm, Kirchner, und seinen Freunden gesellen möge. Die Männer und Frauen picknicken dort, trinken Wein und arbeiten an ihren Staffeleien – in einer Art und Weise, wie Clara es noch nie erlebt hat. Und so verbringt sie einen unvergesslichen Sommertag in der Künstlerkolonie "Die Brücke".

    Das kleine Buch fand ich richtig toll.Wir lernen Clara für einen Tag kennen und erleben mit ihr einige faszinierende Stunden und schweben in Träumen.
    Die Protoganisten wurden uns kurz aber sehr gut beschrieben und ich konnte sie mir gut vorstellen.Der Autor versteht es in sehr kurzer Zeit uns eine faszinierende und beeindruckende Geschichte zu erzählen.Der Schreibstil ist leicht und locker und auch die Erzählweise hat mich sehr fasziniert und beeindruckt.Ich wurde förmlich in die Geschichte hinein gezogen,Die Umgebung Dresdens wurde einfach wunderschön bildhaft und ansprechend beschrieben.Ich hatte das Gefühl sellbst an diesen Orten zu sein.
    Das Cover finde auch sehr ansprechend und es passt genau zu dieser Geschichte.


    Ich hatte schöne Lesemomente mit diesem Buch.Es ist eine Novelle ideal für den Sommer oder einfach mal zwischendurch zum Lesen.

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    papaverorossos avatar
    papaverorossovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Befreiende und erfrischende Lektüre für warme Sommerabende!
    Befreiend und erfrischend

    1910, Dresden. Clara Schimmelpfenninck kriegt keine Luft. Ob Luftbäder, Bewegung in der freien Natur und vegetarische Ernährung, ganz nach den damals modernen Naturheilverfahren, der jungen Frau helfen können? Die Behandlung entwickelt sich am Ende doch ganz anders als geplant...

    In „Die Badende von Moritzburg“ werden wenige Tage aus dem Leben einer jungen Frau beschrieben, die sie grundlegend verändern werden. Clara bricht aus ihrem kleinbürgerlichen Leben aus, zerstört die gesellschaftlichen Tabus, die ihr die Luft abschnüren. Dazu tragen die Künstler der Bewegung „Die Brücke“ bei, die Clara mit ihren Modellen nackt badend vorfindet. Und ein junger Arzt, der Freuds revolutionäre Methodik an Clara ausprobieren möchte, jedoch seine ärztliche Neutralität ziemlich schnell verliert. Am Ende ist Clara befreit: Von ihren Symptomen, von ihren familiären Bürden, von den Grenzen, die sie erstickt haben.

    Dieses Buch ist die perfekte Beschäftigung für einen angenehmen, warmen Sommerabend. Es inspiriert, ohne zu beschweren. Es ist anspruchsvoll und fließt trotzdem leicht dahin. Die geschichtlichen Hintergründe im Nachtrag runden das Ganze ab. Einiges fand ich etwas unrealistisch oder zumindest hinterfragenswert – konnte ein Arzt damals so einfach einer Patientin so nahe treten, ohne Konsequenzen zu befürchten? Einiges ging mir etwas zu schnell. Insgesamt jedoch hat mir die Novelle gut gefallen und schöne, befreiende und erfrischende Lesestunden beschert.

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    mabuereles avatar
    mabuerelevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine kurze, aber inhaltsreiche Novelle!
    Der Geschmack von Freiheit

    „...Sie hielt Kurs auf die offene Wasserfläche, wo der Wind den Wellen weiße Krönchen aufsetzte...“


    Wir schreiben das Jahr 1910. Weil Clara Schimmelpfenninck an Atemnot leidet, wurde sie von ihrem Vater in das Dresdner Sanatorium am Weißen Hirsch geschickt. Gegründet von Lahmann setzt man hier auf Luftbäder, vegetarische Kost und Nährsalze. Clara hat zwar keine Anfälle mehr, aber sie langweilt sich. Als sie zum Arzt gerufen wird, trifft sie auf einen neuen Arzt. Maximilian Brandstetter setzt auf die Erkenntnisse von Freud. Außerdem lädt er Clara zu einem Ausflug nach Moritzburg ein.

    Der Autor hat eine stimmungsvolle Sommernovelle geschrieben. Die kurze Geschichte lässt sich zügig lesen. Sie gibt einen Einblick in die Zeit wenige Jahre vor dem ersten Weltkrieg.

    Der strengen Erziehung Claras in ihrem begüterten Elternhaus steht die Freiheit der Künstlerkolonie „Die Brücke“ gegenüber., die in Moritzburg arbeitet. Wird es Clara gelingen, für wenige Stunden aus den Konventionen ihrer Gesellschaftsschicht zu entfliehen?

    Der Autor bezeichnet sein Buch als Sommernovelle. Das trifft den Kern. Nach sachtem Beginn steuert die Geschichte auf einen unerwarteten, ja fast skandalösen Höhepunkt zu, bevor dann das überraschende Ende kommt. Die Protagonisten werden sparsam charakterisiert. Ich weiß, was für das Verständnis des Geschehens notwendig ist, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Der Sprachstil ist stellenweise klar strukturiert. Das trifft vor allem auf die eher sachlichen Gespräche im Sanatorium zu. Gut aufgebaut ist der Dialog zwischen Clara und Maximilian, in dem der Arzt versucht, die Fragetechnik von Freud anzuwenden. Ganz anders lesen sich die Abschnitte, die in Moritzburg spielen. Hier finden sich passende Metapher und fast verspielte Formulierungen. Ein Beispiel für die bildhafte Sprache ist obiges Zitat. Sehr gut gefallen haben mir die Darlegungen von Kirchner zu seinen Vorstellungen von Kunst. Wie diese Kunst auf Außenstehende wirkt, kann ich Claras Worten entnehmen. Als Claras Vater die Bühne der Handlung betritt, wechselt die Sprache in preußische Korrektheit.

    Im Nachwort äußert sich der Autor zu den historischen Hintergründen.

    Das in Rot gehaltene Cover mit dem Gemälde von Kirchner wirkt ansprechend und weckt Interesse.

    Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Für Clara wird nach den wenigen Stunden in Moritzburg nichts mehr sein wie es war. Sie kennt nun den Geschmack der Freiheit.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    raguenthers avatar
    Wer interessiert sich für Dresden vor dem Ersten Weltkrieg? Für Freuds Psychoanalyse und die Lebensreform-Bewegung? Wer möchte eine Begegnung mit der Künstlergruppe "Die Brücke" versuchen? Dann geht mit der neunzehnjährigen Hauptfigur Clara Schimmelpfenninck auf eine Reise in die Teich- und Schilflandschaft rund um Moritzburg. Clara entdeckt den Grund dafür, warum sie bislang jeden Heiratsbewerber ablehnte. Und dass sie sich in mehr als einen Mann verlieben kann. Chattet mit dem Autor über das Buch - noch vor dem Erscheinungstermin.
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