Ralf Georg Reuth , Günther Lachmann Das erste Leben der Angela M.

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Inhaltsangabe zu „Das erste Leben der Angela M.“ von Ralf Georg Reuth

Die Autoren interviewten Zeitzeugen und recherchierten in Archiven über dieses erste Leben der Angela Merkel. Sie belegen, dass die Bundeskanzlerin in ihren politischen Ehrgeiz nicht erst im Zuge der Wende entdeckte. Als Angehörige der sowjetisch geprägten Wissenschaftselite des SED-Staates war sie zielbewusst und system-konform. Unter dem Eindruck von Gorbatschows Glasnost und Perestroika trat sie dann als Reformkommunistin für einen demokratischen Sozialismus in einer eigenständigen DDR ein. Und doch war sie nur fünfzehn Monate nach dem Mauerfall Bundesministerin im wiedervereinigten kapitalistischen Deutschland. Ralf Georg Reuth und Günter Lachmann zeigen, wie dieses erste Leben ihr zweites als CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin mitbestimmt, bis heute.

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  • "Zeitgeist als oberste Maxime von Politik, weil dies Macht sichert?"

    Das erste Leben der Angela M.
    R_Manthey

    R_Manthey

    23. July 2015 um 16:38

    "... Angela Merkel war in ihrem ersten Leben nicht fern von Politik. Sie war vielmehr von Jugend an durch ihren sozialistischen Vater politisch geprägt und von Schulzeiten an in die politischen Organisationen des SED-Staates eingebunden - und dies nicht als Mitläuferin, sondern als Funktionärin, ob in der Freien Deutschen Jugend oder in der Betriebsgewerkschaft." So fassen die Autoren dieses überaus lehrreichen Buches einen ihrer Hauptvorwürfe am Ende des Textes zusammen. Leider haben sie das System der DDR nicht wirklich verstanden und leiten aus diesem Missverständnis einen nahezu lächerlichen Irrtum ab, indem sie sich nämlich zu der Behauptung versteigen, dass die heutige Bundeskanzlerin eine Reformkommunistin gewesen sei. Natürlich war sie das nie. Angela Merkel hat sich in der DDR nicht anders verhalten als heute: Sie passte sich auch damals aktiv dem vermeintlichen Zeitgeist an. Die Stärke dieses sehr gut lesbaren Buches besteht ungeachtet dieser Fehlinterpretation in der sehr detaillierten und gut fundierten Schilderung von Merkels Verhalten bis zu ihrem Aufstieg zur Bundesministerin unter Kohl sowie der ungeschminkten Beschreibung und Analyse der chaotischen und von der Bevölkerung letztlich einfach überrannten sozialistischen Reformbewegung während der Agonie der DDR. In Wirklichkeit basierten diese Versuche, die Eigenständigkeit des zweiten deutschen Staates unter sozialistischen Vorzeichen zu erhalten, nur auf Teilen christlich-sozialistischer DDR-Eliten und dem Reformflügel in der SED. Der Vorwurf, Merkel wäre in ihrer Jugend systemnah gewesen, kann Menschen, die dieses System erlebt haben, nur ein müdes Lächeln abringen. Das Unverständnis der Autoren macht sich bereits daran fest, dass sie die FDJ ständig als Parteijugend bezeichnen. In dieser Organisation waren bis auf einen Promillebereich alle Jugendlichen der DDR. Nur wer sich mit dem System freiwillig in einen Dauerkonflikt begeben wollte, verweigerte die Mitgliedschaft. Da Merkel zuerst eine hervorragende Schülerin und später eine sehr gute Studentin war, wurde sie mit Sicherheit gefragt, ob sie nicht irgendeinen Posten im Rahmen ihrer Klasse oder ihrer Seminargruppe und später in ihrem Arbeitsbereich übernehmen würde. Das war üblich und diente der angestrebten Einbeziehung des talentierten Nachwuchses ins System. Und deshalb galt auch hier: Ablehnung führte zu Stress und war einer weiteren Karriere nicht dienlich. Daraus auf Systemnähe oder Aktivismus im Sinne der DDR-Oberen zu schließen, ist eher kurios als wirklichkeitsnah, denn ein solches Verhalten war keine Ausnahme, sondern die Regel. Aber selbst wenn man dieses System nicht kennt oder begreift und in normale menschliche Reaktionen aus welchen Gründen auch immer zu viel hineininterpretiert, hätte man dennoch sehr wohl das Verhalten der heutigen Kanzlerin bei einigem Nachdenken durchschauen können. Dass die Autoren dazu offenbar nicht in der Lage waren, verwirrt, denn die ganz normale Erfahrung sollte einem doch sagen, dass eine im Alter sich offenbarende Eigenschaft eines Menschen doch wenigstens in Ansätzen bereits in der Jugend vorhanden gewesen sein muss. Diese einfache Logik hätte auch zu dem naheliegenden Schluss geführt, dass die junge Angela Kasner keineswegs im DDR-System verwurzelt war, sondern einfach nur das aus ihrer Sicht Beste aus ihrer Lage gemacht hatte. Dass sie im Nachhinein ihre Interpretation ihres damaligen Verhaltens ihrer heutigen Erkenntnissituation anpasst, ist auch nachvollziehbar. Außerdem entgeht sie so mancher nun peinlichen Frage. Die Autoren stellen an verschiedenen Stellen solche Neuinterpretationen der Kanzlerin früheren Aussagen oder Schilderungen anderer gegenüber. Und sie ersparen es ihr auch nicht, andere Verhaltensweisen aus ihrem ehemaligen Umfeld ihrer eigenen entgegenzusetzen. Abgesehen von den merkwürdigen grundsätzlichen Missverständnissen der Autoren kann dieses Buch ein echter Erkenntnisgewinn sein. Es zeigt beispielsweise nicht nur die krassen Fehleinschätzungen der Moskauer Führung unter Gorbatschow, sondern auch, dass die angeblichen Bürgerrechtler und sonstigen Gruppierungen, denen man heute oft den Hauptanteil am Zusammenbruch der DDR andichtet, das System der Bundesrepublik immer ablehnten und dabei wohl auch konsequent geblieben sind. In diesem Zusammenhang kann man aus diesem Buch auch viel über die sogenannte "Kirche im Sozialismus" lernen, zu deren geistigen Geburtshelfern Merkels Vater gehört, der einst in Kirchenkreisen als der "rote Kasner" bezeichnet wurde. Angela Merkel verfügt nicht einmal über Ansätze irgendwelcher konservativen Wurzeln. Eher im Gegenteil. Deshalb verwundert es auch nicht, dass sie das konservative Fundament der CDU erfolgreich geschliffen hat. Beliebigkeit, Austauschbarkeit und Unberechenbarkeit stehen nun an dieser Stelle. Aus diesem Buch kann man auch lernen, warum das kein Zufall ist. Obwohl die Autoren bei ihrer Interpretation des Merkelschen Verhaltens danebengegriffen haben, muss man ihnen unbedingt dafür danken, dass sie ein so detailliertes, faktenreiches, sachliches und gut lesbares Buch geschrieben haben, das wenigstens mir nun so einiges viel klarer erscheinen lässt.

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  • Reuth/Lachmann "Das erste Leben der Angela M."

    Das erste Leben der Angela M.
    bogi

    bogi

    21. May 2013 um 01:02

    Ein Skandalbuch, das keines ist. Angekündigt mit einigem Bohei, erweist es sich bei Lektüre denn doch als reichlich heisse Luft. Die beiden Autoren haben in einiger Fleissarbeit das Leben der Kanzlerin in der DDR recherchiert und aufbereitet. Das Problem ist leider, dass so ziemlich Alles mehr oder weniger bekannt ist. Das sie Tochter eines Pfarrers war, der dem System nicht sonderlich kritisch gegenüberstand, welch Überraschung. Siedelte die Familie doch in den 50er Jahren aus Hamburg in die DDR über. Das sie Mitglied in der FDJ war, ist wohl ziemlich Jedem bekannt (strittig allenfalls noch ob als "Kulturbeauftragte" oder zuständig für Agitation und Propaganda). Das sie als Mitglied der Akademie der Wissenschaften keine Widerstandskämpferin sein konnte, verblüfft nicht wirklich. Das sie zu Wendezeiten entdeckt bzw. gefördert wurde von hochrangigen IM's bzw solcher die diesen sehr starken Verdacht nie wirklich ausräumen konnten (Schnur und de Maiziere) ist hinlänglich bekannt. Das sie überhaupt eher zufällig in der CDU gelandet ist, hat sie selbst schon kund getan. Dennoch gibt es einige interessante Aspekte, die man, teilweise zwischen den Zeilen, dem Buch entnehmen kann. Ihr ganzer Politikansatz (den viel zitierten Mehltau über das Land legen), die Entpolitisierung des Politischen, einlullen des Regierten, bis zu dessen entstehendem Desinteresse. Dies erinnert doch sehr stark an die Vorendphase der DDR. Die Personen ihres Vertrauens, ihr Verhalten bestimmten Zeitgenossen gegenüber, haben teils ihren Ursprung in der DDR. Ich finde es schon auffällig, dass von Seiten der Kanzlerin noch nie ein Wort zu Gregor Gysi zu vernehmen war, obwohl dieser der CDU allgemein doch fast schon als Inkarnation des Bösen gilt. Wenig erstaunlich, wenn man weiss, dass Gysi zumindest zu DDR Zeiten ziemlich eng bekannt mit Merkel war. So erfüllt das Buch zwar bei Weitem nicht den Anspruch Enthüllungsbuch zu sein, es bringt einem aber doch einige Wesenszüge der Angela M. näher. Geschrieben ist es in einem Jederzeit gut lesbaren Stil, was aber für arrivierte Journalisten auch nicht unbedingt erwähnenswert erscheint. Spekulieren kann man allenfalls noch über die Motivation von zwei "Springer"-Leuten ein solches Buch zu schreiben. Die Enthüllung des ach so unbekannten Lebens von Frau Merkel kann es bei dem Ergebnis ja wohl eher nicht sein.

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