Ralf Georg Reuth Im großen Krieg

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Inhaltsangabe zu „Im großen Krieg“ von Ralf Georg Reuth

Wie war dieser Krieg, den die Zeitgenossen den Großen Krieg nannten, weil er so furchtbar war, für den normalen Soldaten, im Graben an der Westfront? Davon gibt es wenig authentische Zeugnisse. Nach 100 Jahren ist ein besonderes aufgetaucht: Die bewegende Geschichte des Fritz Rümmelein. Fritz Rümmelein, 19 Jahre alt, meldet sich am 2. August 1914 als Kriegsfreiwilliger. Viereinhalb Jahre lang kämpft er an der Westfront, nimmt an allen großen Schlachten teil und lernt das Grauen der Gräben, aber auch den ganz normalen Alltag des Krieges kennen. Am 4. November 1918, fast auf den Tag genau nach vier Jahren und drei Monaten an der Front und sieben Tage vor dem Waffenstillstand, fällt der Leutnant Fritz Rümmelein. Er hinterlässt Briefe, Tagebücher und Fotos. Ralf Georg Reuth erzählt dieses Leben und gliedert es in den historischen Zusammenhang ein. Karten, Zeitleisten und Begriffserklärungen ermöglichen dem Leser einen leichten Zugang zum Geschehen.
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  • "Ein Leutnant steht für eine ganze Generation"

    Im großen Krieg
    R_Manthey

    R_Manthey

    03. August 2015 um 11:48

    Ob das tatsächlich stimmt, mag ich nicht beurteilen. Wir können uns heute kaum noch in die Lage der damaligen Jugend versetzen. Aber an Hand dieses Buches kann man immerhin die ganze tragische Entwicklung an einem Einzelfall verfolgen. Dieses Buch schildert die Erlebnis des Holzhändlersohnes Fritz Rümmelein aus Zwiesel, der sich freiwillig und siegessicher bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zur Truppe meldet. Da er ein Elite-Gymnasium besucht hatte, auf dem er allerdings nicht glücklich wurde, wird er schnell zum Leutnant der Reserve ernannt. Rümmelein fotografierte neben seinem Dienst im Feld extrem viel, was für die damaligen Verhältnisse sicher ziemlich selten war. Neben diesen Fotografien sind seine Feldpostbriefe erhalten geblieben. Und diese Dokumente machen das Buch einzigartig, wenngleich ich mir vor dem Lesen eine noch stärkere persönliche Note erhofft hatte. Rümmeleins Schicksal endet tragisch. Nur wenige Tage vor Kriegsende erwischt ihn eine Granate bei einer Erkundung. Fritz Rümmelein stirbt als "Ritter des Ordens Pour le merite" hochdekoriert. Das Buch lebt von den verwendeten persönlichen Dokumenten, aus denen der Autor Rümmeleins Weg in diesem Krieg in Wort und Bild nacherzählt. Dabei zitiert er aus der Feldpost des Leutnants und zeichnet die Frontverläufe und das von Rümmelein erlebte Kriegsgeschehen nach. Dieser Text wird allerdings sehr oft von allgemeinen Ausführungen zu bestimmten Themen unterbrochen, die den Krieg und die historischen Abläufe betreffen. Natürlich durchlebte Rümmelein als Offizier den Krieg ganz anders als ein einfacher Soldat. Das wird zwar im Text nicht besonders thematisiert, man sieht es jedoch allein schon an den Bildern und merkt es erst recht an seinen Schilderungen. Vielleicht überrascht es auch manchen Leser, dass Krieg nicht immer bedeutet, dass man ständig im Graben hockt. Leider muss man schon etwas genauer hinsehen, um solche Dinge zu bemerken, weil doch immer wieder das große Geschehen und die politisch-militärischen Entwicklungen im Mittelpunkt des Buches stehen. Immerhin aber kann man nachvollziehen, wie sich Rümmeleins Stimmungslage veränderte. Anfangs hatte er noch 1871 und den großen Sieg vor Augen. Doch ohne dass diese Generation das in ihren Auswirkungen anfangs wirklich verstand, hatte sich inzwischen die Technik der Kriegsführung dramatisch geändert. Zwar war noch das Pferd die Haupthilfe beim Transport von Menschen und Material, aber besonders in den beiden letzten Jahren wurde die neue Waffentechnik kriegsentscheidend. Flugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge griffen in die Kriegshandlungen ein. Giftgas kam zum Einsatz. Dieser Krieg sprengte jede vorher gekannte Dimension. Und am Ende war Rümmeleins anfängliche Euphorie einem Fatalismus gewichen, der in der jahrelangen Dauerzermürbung geboren wurde. Dieses Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es den Weg eines Menschen in diesem für Deutschland und Europa katastrophalen Krieg nachvollzieht. Das macht es sehr ungewöhnlich. Schließlich zeigt es nämlich auch, dass man zwar hinterher immer sehr schlau über solche Ereignisse reden kann, dass man als Zeitgenosse kaum eine wirkliche Chance hat, dem Drama zu entgehen, selbst wenn man es, anders als Rümmelein, richtig begreifen würde. Man darf allerdings auch von den Dokumenten Rümmeleins nicht übermäßig viel wirklichkeitsnahe Schilderungen erwarten. Es war nicht die Sache eines Offiziers, solche Beschreibungen in Feldpostbriefen abzuliefern. Und schon gar nicht wollte er seine Zurückgebliebenen verängstigen. Der Krieg und sein Verlauf im Westen erhält jedoch mit Rümmelein ein Gesicht. Und dadurch kann vieles vielleicht besser verstehen als durch einen das große Ganze beschreibenden Bericht.

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