Ralf J. Jox Sterben lassen

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Inhaltsangabe zu „Sterben lassen“ von Ralf J. Jox

Es gibt Fragen, die sich niemand gern stellt: Wann dürfen wir Sterben zulassen? Wie wahrt man die Würde des Menschen bis zum Schluss? Doch wir müssen Antworten darauf finden – als Individuen und als Gesellschaft. Zwei Drittel aller Menschen in den reichen Ländern sterben nicht mehr unerwartet, sondern absehbar, unter ärztlicher Begleitung. Ralf J. Jox hat die Sterbepraxis auf deutschen Intensivstationen untersucht und eine große Verunsicherung festgestellt. Denn Ärzte und Angehörige müssen über die »Therapiebegrenzung« entscheiden, wenn der Sterbende dies nicht mehr selbst kann. Aus seiner eigenen Erfahrung als Palliativmediziner und auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelt Ralf J. Jox Kriterien für ethisch vertretbare Entscheidungen am Sterbebett. Er plädiert für einen intensiven Dialog aller Beteiligten als besten Weg, der Selbstbestimmung des Patienten gerecht zu werden. Eine ethische Fallberatung, mehr Rechtssicherheit, eine bessere Ausbildung in der Sterbebegleitung und vor allem ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel können dazu beitragen, die Entscheidungen am Lebensende erträglicher zu machen.

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  • Rezension zu "Sterben lassen" von Ralf J. Jox

    Sterben lassen

    WinfriedStanzick

    02. November 2011 um 15:30

    Über den Tod zu reden, über die Umstände und den Zeitpunkt des Sterbens in einen offenen und menschenwürdigen Dialog zu treten, dabei tun sich alle an diesem Prozess Beteiligten nach wie vor schwer. In den Intensivstationen deutscher Kliniken, deren Sterbepraxis der Autor des vorliegenden Buches, ausführlich untersucht hat, herrscht nach wie vor eine große, ja immer noch zunehmende Verunsicherung. Nicht nur die Ärzte, auch das Pflegepersonal und immer mehr auch die Angehörigen quälen sich mit Fragen, die aber nach wie vor kaum einer offen zu stellen wagt: • Wann dürfen wir Sterben zulassen? • Wie wahrt man die Würde des Menschen bis zum Schluss? Der in München arbeitenden Palliativmediziner Ralf J. Fox stellt diese Fragen nicht nur, er diskutiert sie auch und entwickelt Kriterien für ethisch vertretbare Entscheidungen am Sterbebett. Sein Kollege und Lehrer Gian Domenico Borasio formulierte in seinem etwa zeitgleich erschienenen, in die gleiche Richtung zielenden Buch, „Über das Sterben“ (C.H. Beck 2011) so: „Was uns allen zu wünschen ist, ist ein nüchterner und gelassener Blick auf die eigene Endlichkeit. Dies erfordert eine ruhige und wiederholte Reflexion, am besten im Dialog mit den Menschen, die uns am nächsten stehen. Das passiert leider im Leben eher selten, und wenn, dann oft sehr spät. Nehmen wir uns die Zeit dafür.“ Sterbebegleitung, wie Borasio sie weiter entwickeln will, kann ohne echte Kommunikation, dem Gespräch zwischen allen Beteiligten, nicht zu der wirksamen medizinischen, psychosozialen und auch spirituellen Betreuung werden, als die sie von ihrer Idee her gedacht ist. Auch Jox plädiert in seinem hier vorliegenden Buch für einen intensiven Dialog aller Beteiligten und sieht darin den besten Weg, der Selbstbestimmung des Patienten gerecht zu werden. Doch wenn der Sterbende und seine Angehörigen erst in diesem letzten Stadium ihre Kommunikation über das Sterben und den Tod beginnen, ist es oft zu spät. Da ist dann nichts aufgeschrieben über die Erbregelungen, es liegt keine Vorsorge- und Patientenvollmacht vor. Sich darum zu kümmern, wenn man noch bei bester Gesundheit ist, oder allerspätestens, wenn ernste Krankheitssymptome auftreten, das kann man lernen. Jox` Buch ist für alle Mediziner und Pflegende, für Seelsorger und Philosophen, aber auch für alle, die sich bewusst mit dem Thema auseinandersetzen wollen, eine gute Einführung in eine schwierige Materie, in deren Debatte aber so langsam gesellschaftliche Bewegung kommt. Er schließt es mit einem Zitat aus dem Tagebuch von Max Frisch: “Das Bewusstsein unserer Sterblichkeit ist ein köstliches Geschenk, nicht die Sterblichkeit allein, die wir mit den Molchen teilen, sondern unser Bewusstsein davon. Das macht unser Dasein erst menschlich.“

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