Ralf König Pornstory

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Inhaltsangabe zu „Pornstory“ von Ralf König

Porno: der Männer Freud, der Frauen Leid? Ganz so einfach ist es nicht:

Ein Thema, das doch sehr komplex,

ist und bleibt nun mal der Sex.

Verschiedentlich sind die Geschlechter,

denn das, was sie nicht möcht, das möcht er.

Pornographie kann sehr entzücken,

sieht man doch andern zu beim F…,

und des Lustgenusses wegen

kann man dabei Hand anlegen.

Wenn sie ungern blasen tut,

tut blasen g u c k e n auch sehr gut.

Doch was dem Manne ein Pläsier,

ruft Brechreiz bei der Frau herfür!

Sind Pornofilme, wie vermeintlich,

in jedem Falle frauenfeindlich?

Hat Alice Schwarzer wirklich recht,

die sagt, dass Pornos schlichtweg schlecht?

Ist Pornkonsum, weil so verderblich,

vom Vater auf den Sohn vererblich?

Die Story der Familie Schlüter

ist nichts für prüdere Gemüter.

Bewegt das Thema sowieso

sich auf niederem Niveau,

wird hier auf dem Tablett beschert,

was sonst man untern Teppich kehrt!

Fieses Thema, ich grüble noch. Spaßfaktor hält sich deshalb in engen Grenzen.

— thursdaynext

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    Pornstory

    thursdaynext

    Rezension ab 18? Muss das sein? Ja! Nach den genialen Comicbänden Raumstation Sehnsucht und Barry Hoden, die weitgehend unpolitisch und gesellschaftskritisch sind – nach Königs Selbstaussage sogar sinnfrei – der Ansicht kann ich mich nicht anschließen, aber bitte, sind ja seine Werke – hat Ralf König nachgelegt. Diesmal muss die ansonsten stets begeisterte Leserin aus der Wohlfühlzone. Der Titel verrät schon weswegen. Pornstory beinhaltet eben dies. Eine Geschichte über Pornos und ihre Auswirkungen. Clever macht er das, der Herr König, den echt fiesen Sudelkram lässt er einen Mitzeichner erledigen, den in Österreich hausenden Herrn Mahler, dessen Zeichnungen mich an Titanic erinnern. Das Erinnerungsvermögen reicht leider nicht bis zum Zeichner zurück, macht aber nichts, sie gefallen ebensowenig wie einst die titanicschen, noch dazu sind die pornodialoghaltigen Texte flacher und erheblich deprimierender. Angekündigt im Vorspann „mit sozialethisch desorientierenden Abbildungen von Mahler“, was immer genau das bedeuten soll, bei der Thematik die sie darstellen, ist durchaus von Vorteil, nehmen sie in ihrer stricheligen Unwirklichkeit doch die krude Tristesse der dargestellten Pornohandlungen ein wenig zurück, indem sie sie surreal verschleiern. Die Story selbst ist einfach. Eberhard, katholisch aufgewachsen auf einem kleinen Dorf, schickt am 3. März 1972 – die Raumsonde Pioneer ist just gerade von Cape Caneveral auf Erkundungsflug Richtung Saturn unterwegs – seine eigene Sonde in Form neuentdeckter väterlicher Super 8 Filme in Richtung Sexualitätserforschung los. Angeblich bleibt er dem Tantenbesuch wegen noch zu erledigender Mathehausis fern. Die grell geschminkten Frauen auf den heimlich ausgegrabenen Bildern und Filmen hält er für unbekannte weibliche Verwandte. Schnell noch den Lattengustel von der Wand und ab gehts. Laut Autor: „Eberhard genoss im Folgenden eine sehr unterhaltsame Pubertät.“ Derselbe Eberhard liegt Jahre später pornoguckend auf der Couch und vergisst mal wieder den Geburtstag seines besten Kumpels, welcher ihn leicht säuerlich dringlich zur Party herzitiert. Dort angekommen macht er ihm ein extraordinäres (Adjektiv bitte unbedingt doppelsinnig verwenden) Geschenk. Eine DVD „Schlampen im Spermaglück“. Spätestens hier fragt sich die Leserin, ob die Kerle irgendwann mal erwachsen werden, aber es kommt noch härter. Die DVD ist nur die liebevolle gestaltete Verpackung. Das eigentliche Geschenk ist die gemeinsame Reise nach Frankfurt zum Gangbang Filmdreh der Saustall Movies. Die beiden besten Kumpel befriedigen dort in heimeliger Atmosphäre unter missbräuchlicher Verwendung von Gurkensalat (fragt nicht!) ihre Triebe. Die Guys hatten Spaß, die Jahre vergehen, Eberhard, mittlerweile doch etwas erwachsener, zumindest älter, verheiratet ohne Sex (Klischeealarm), Vater eines 11-jährigen Sohnes erklärt diesem die Welt. Hier macht die Lektüre wieder Spaß, denn König fängt in diesem Vater – Sohn Gespräch die Schizophrenie der heutigen Zeit gut ein. „Apple, Google und Amazon sind verachtenswert! Und überhaupt alle Ketten und Großkonzerne.“ Aber du googelst doch auch an deinem Apple?“ Absolut richtig! Gut beobachtet! Aber ich tus mit schlechtem Gewissen! Verstehst du, das ist der Unterschied! Man kann bei Amazon bestellen und sich nichts dabei denken oder bei Amazon bestellen und dabei ein schlechtes Gewissen haben.“ „Ah.“ Jetzt wird’s interessant. Hier drängt sich der Vergleich von Äpfeln und Birnen auf. Bezogen auf den Inhalt der Pornstory. Kann man Pornos gucken und Freier sein und sich der Ausbeutung der dienstleistenden Frauen mit schlechtem Gewissen bewusst? Kann man sich überlegen, ob diese Frauen ihren Job freiwillig oder aus der Not heraus machen? Und wenn aus der Not heraus, kann man diese Not zur eigenen Triebabfuhr ausnutzen. Weils halt verfügbar ist? Darüber lässt sich weder Comic, noch König in jenem aus. Das schlechte Gewissen bleibt bei den Männern hängen, die ihren Frauen gegenüber in Erklärungsnot sind, da diese meist wenig amused sind, wenn sie mitkriegen, dass ihre Männer ihre sexuellen Phantasien deutlicher als nur im Kopf vor sich haben wollen. So trennt sich in der Geschichte denn auch prompt eine Freundin der Famile von ihrem Freund, wegen unmäßigen Pornokonsums. Sophia, Eberhards Angetraute verlässt wegen sexistischem, patriarchalischem Schwiegervater das Geburtstagsfestmenü, um dann beim Kellerausmisten ausgerechnet auf die DVD des Jahre zuvor in Frankfurt gedrehten Saustall Movies zu stoßen, unter dessen Protagonisten zweifelsfrei ihr Göttergatte Eberhard, am Snoopy Tattoo erkennbar trotz Maske ist. She’s not amused! Eberhards Rettungsversuch, die DVD seinem Junior zuzuschreiben ist so billig, dass er fehlschlagen muss, was bleibt, ist beiderseitige Wut, Frust, Desillusion weiblicherseits und schlechtes Gewissen. S.o. Soweit die Story. Die Erläuterungen, weshalb manche Männer sich Filme wie: „Rachenputzer Teil 3 Machs Maul auf“, Pissmaulfotzen hart gebohnert“ ; Omas im Grenzbereich“ und „Analgestopfte Teeniegören“ reinziehen, bleiben dünn gesät und sind ebenso dünn biologistisch hergeleitet. Kann Mann nicht erklären scheint mir ;) Intellektuelle Voraberklärung soll wohl das Philip Roth Eingangszitat hergeben: „Es gibt keine sexuelle Gleichheit. Es kann sie gar nicht geben. Diese ungezähmte Sache lässt sich nicht berechnen. Wir sprechen hier vom Chaos des Eros, von der radikalen Destabilisierung, die das Wesen der sexuellen Erregung ist. Beim Sex ist man wieder im Urwald. Man ist wieder im Sumpf.“ König bringt hier den Sumpf erfolgreich provokativ ins Gespräch, er prosumpft und will, dass die Kerle fein spielen können. Ohne schlechtes Gewissen. Schwule scheinen da – wer Königs Werke kennt weiß wovon ich rede – weniger Probleme mit zu haben. Heteros und speziell Heteras haben, da hat der Autor recht, da noch einigen Gesprächsbedarf. Lösen lässt sich diese Diskussion wohl auch nur auf individueller Ebene. Gesellschaftlich und politisch bleibt viel zu tun. Feminismus ist nicht en vogue, und Gleichberechtigung faktisch noch immer nicht gegeben. Viele Frauen auf diesem Planeten dürfen wählen, arbeiten, Auto fahren und frei über ihren Körper bestimmen (fast frei, Paragraph 218, Pille danach etc. all das wo Kirchen, Patriarchat und andere körperfeindliche Fanatiker noch immer erfolgreiche Lobbyarbeit betreiben, ist immer noch im Argen), aber ein Frauenleben in Entwicklungsländern und in den von der Globalisierung abgehängten Ländern ist immer noch unerträglich. Sollen wir uns hier nun glücklich schätzen, weil wir “nur” durch Frauendarstellung in den Medien gegängelt werden? Wir lassen uns ja freiwillig auf den optimierten Körper reduzieren. Bekommen freiwillig Nachwuchs und strampeln uns ab, um Haushalt, Kindererziehung und Job unter einen Hut zu kriegen. Deutsche Männer grasen den „Heiratsmarkt!“ in osteuropäischen und anderen Weltgegenden ab, um weniger komplizierte und „bedienfreundlichere“ Ehefrauen zu finden. Oder sollen wir gar froh sein, dass wir nicht “ranmüssen” wenn die Kerle ihren Schweinkram anderswo befriedigen und vor Vergewaltigern gefeit sind, weil diese ja zu Nutten gehen können? (Sorry, kein Argument von mir, aber es wird gerne benutzt und um das zu zerpflücken, müsste ich jetzt wirklich weit ausholen und über Sex und Macht mag ich hier jetzt nicht auch noch …) Jugendliche konsumieren Pornos, tauschen sie untereinander aus und bilden, wie in vorliegendem Comic, so ihre Sexualität aus. Das ist schade. Falls hier Königleser/innen mit Pubertierenden sind. „Make Love”, ein Aufklärungsbuch von Ann- Marlene Henning & Tina Olszewski bei Rogner & Bernhard, ist empfehlenswert. Mich gruselte bei Vater Eberhards Erklärung gegenüber seinem Junior, nachzulesen ab S. 87. König macht es sich mit Pornstory sehr einfach. Er argumentiert „pro Sumpf“ und lässt die Auswüchse und Konsequenzen außen vor. Andererseits, immerhin, er regt zur Diskussion aus seiner Perspektive an, und das ist gut. Ein wenig mehr Blick über den Tellerrand hätte ich allerdings schon erwartet. Schade, so hat Pornstory Potential verschenkt. Vielleicht hätte er sich statt Mahler eine Co – Zeichnerin suchen sollen, oder eine Co – Autorin. Wäre interessant gewesen. Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste König-Comic wieder sinnfreier wird oder wahlweise religions-, gesellschaftskritischer, literarischer oder eben einfach nur witziger. Am besten mehreres. Pornstory wird kein Plätzchen im heimischen Bücherregal finden. Dafür ist es mir zu unausgewogen, einseitig. Von einem lieben Mitblogger hab ich mir hierzu den Schlusssatz geklaut: “Er (gemeint ist Ralf König, der Künstler und King of Knollennase) kann einfach nicht Hetero.” Yepp! So wirds wohl sein. Ein wenig differenzierter kann er dennoch durchaus. Und Beziehung, das kann er richtig gut. Also bitte wieder schwul werden, oder den Stoff besser aufbereiten, Herr König!

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    Bella5

    30. October 2015 um 07:52
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