Ralf Konersmann Die Unruhe der Welt

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Inhaltsangabe zu „Die Unruhe der Welt“ von Ralf Konersmann

Über die Weigerung, die Dinge auf sich beruhen zu lassen. Einst galt die dauerhafte Ruhe als Bedingung von Glück. Heute jedoch wird Unruhe belohnt, das Immer-Unterwegs-Sein, die permanente Veränderung. Der bekannte Kulturphilosoph Ralf Konersmann rekonstruiert, wie die westliche Kultur ihr Meinungssystem revolutionierte und von der Präferenz der Ruhe zur Präferenz der Unruhe überging. Mit genealogischem Blick nimmt er die Unruhe nicht einfach als gegeben, sondern arbeitet heraus, wie sie überhaupt ihren Status hat erlangen können. Denn die Unruhe ist weder bloß Subjekt noch bloß Objekt, sie ist weder Innen noch Außen, weder Mittel noch Zweck, sondern jederzeit beides zugleich. Eine analytisch klare und stilistisch brillante Reise durch die geschichtlichen Stationen einer Vorstellung, die uns heute permanent am Laufen hält und die uns so selbstverständlich erscheint, dass niemand sie grundsätzlich hinterfragt.

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  • Breite Darlegung eines wesentlichen Lebensthemas der Moderne

    Die Unruhe der Welt
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    23. June 2015 um 10:04

    Breite Darlegung eines wesentlichen Lebensthemas der Moderne Schon die ersten Kapitel des Buches zeigen, dass Konersmann eine große Breite von Wissen, von thematischen Gebieten und von Betrachtungswinkeln einnimmt. Wirtschaft, Kunst, Politik, Alltag, Philosophie, Trends, der wissenschaftliche Diskurs und einige andere Bereiche des öffentlichen und kulturellen Lebens führt Konersman an, um sein Kernthema und die Folgen immer wieder in den Fokus zu rücken. „Was also ist das für eine Kultur, die sich, ohne dies jemals beschlossen zu haben, der Unruhe verschrieben hat?“. Und daraus folgen, was ist das für eine Unruhe? Und was kostet sie, was sind ihre Auswirkungen? „Ein hoffnungsfrohes Taumeln, das die Unterscheidung zwischen Treiben und Getrieben-Sein nicht kennt“, das zum einen (wie Konersman im Weiteren immer wieder vertiefen und ausführen wird). Mit einer gravierenden Folge, nicht nur „im Menschen“, sondern gesellschaftlich dann betrachtet. Das nämlich Ziele, Handlungsziele nicht mehr angestrebt werden, um sie zu erreichen und es dann auch gut sein lassen zu können, sondern das Ziele nur mehr neue Startpunkte darstellen um „etwas – irgendetwas – In Bewegung zu halten“. Wenn das Ziel aber im tieferen Sinne die „unruhige Bewegung“ ist und damit die „Unfähigkeit zur Ruhe“ hinter allem stehen könnte, dann sind Entscheidungen, Weichenstellungen, Orientierungen für konkrete Zukunftsprojekte in ihrer Substanz durchaus gefährdet, denn etwas zu erreichen als Ziel und dann nur mehr zu bewahren wäre dem unruhigen Geist ja unerträglich. Ein fester Boden, eine gesellschaftliche oder individuelle Substanz wird aufgegeben zum Zwecke der Schaffung eines ständigen Freiraumes von und für Möglichkeiten. Konersmann illustriert dies verständlich am Begriff der Kunst, in der lange die „Gestalt der gültigen Aussage, das Werk“ im Mittelpunkt stand und nun, mehr und mehr, der „Übergang“ auch in der Kunst in den Vordergrund gerückt, das Flüchtige statt „der Aussage eine kühne und klar umrissene Gestalt zu geben“. Durch die Jahrhunderte hinweg geht nun Kornersmann der Unruhe auf die Spur, zeigt die Zerstreuung auf, die Inquietät, aber verweist auch auf die „Seelenruhe und was dazugehört“. So gelingt es Kornersmann durchaus, den Grundbestand der Spannung menschlichen Seins zwischen Unruhe und Ruhe zu formulieren. „Das Glück des Menschen verlangt Sorglosigkeit und beständige Ruhe“, so formuliert es die griechische Philosophie“, aber auch gilt der Mythos der Genesis vom Menschen, der aus dem Paradies vertrieben wurde „und mit Unruhe geschlagen ist“. Eine Welt, in der die Wichtigkeit der Beständigkeit und Ruhe nun allerdings immer weniger Gewicht erhält und die damit einseitig in Richtung der ständigen Unruhe abdriftet, gerät allerdings in Gefahr, aus den Fugen zu geraten. Und zwar, wie Konersmann herausarbeitet, aufgrund der „Um-Bewertung“ der Unruhe. Diese ist nicht mehr die (positive) Kraft eines gespürten Mangels eines „noch nicht“, der weiterhin zur Entwicklung antreibt, sondern wird in der modernen Weltetwas „Bestimmendes und Bestimmtes“, das selbst etwas gilt. Somit statt einer Antriebskraft eine Art Zielvorstellung, die nicht ans Ziel kommen darf. Für ein kluges Zusammenspiel von Ruhe und Unruhe plädiert Konersman letztendlich und, hat man sich in die eher komplexe Sprache des Buches eingelesen, ist dies durchaus ein stimmiger Schluss als Synthese von „alter, stürmischer Unruhe“ und einer (neu) möglichen Unruhe, die ihr Maß kennt. In der Breite der Darstellung, des auch häufigen, teils ständigen Wechsels der Beispiele und Perspektiven (aus denen die Kunst als eine Art roter Faden der Illustration herausragt), ist es für den Leser allerdings nicht immer leicht, den konkreten Themen zu folgen. Die Lektüre bedarf fast durchweg hoher Konzentration. Auch eine Art Dialog zwischen Leser und Buch will sich nicht recht einstellen, zu plakativ und entschieden formuliert Kornersmann, was in Teilen nur mit einem Bejahen oder Verneinen seiner Darlegungen beantwortet werden kann. Alles in allem aber eine interessante und kundige „Spurensuche“ der „Veränderung der Unruhe“ und der Möglichkeiten, mit dieser konstruktive Entwicklungen zu gestalten.

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