Ralf Konersmann Wörterbuch der Unruhe

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Inhaltsangabe zu „Wörterbuch der Unruhe“ von Ralf Konersmann

In seinem großen Erfolg ›Die Unruhe der Welt‹ ging Ralf Konersmann der Frage nach, wie die abendländische Kultur die Unruhe zu lieben gelernt hat. In seinem neuen ›Wörterbuch der Unruhe‹ erweitert er nun auf Basis ungenutzter Quellen und neuer Schwerpunkte seine Untersuchungen und unternimmt essayistische Streifzüge zu den Orten, an denen die Unruhe Gestalt annimmt und sich uns als normalste Sache der Welt präsentiert: von »Arbeit« über »Coolness« und »Unbehagen« bis zur »Zerstreutheit«. Es sind funkelnde, brillant formulierte Begriffsreportagen zu der Frage, welcher Argumentationslinien und Überredungsstrategien sich die Unruhe bedient, um uns so sehr für sich einzunehmen. Das ›Wörterbuch‹ – so kann man sagen – ergänzt den Blick auf die Unruhe der Welt um den Blick auf die Welt der Unruhe. »Es gibt nichts Beruhigenderes als ein Wörterbuch.« Roland Barthes

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  • Eine interessante, andere Betrachtung der Gegenwart

    Wörterbuch der Unruhe
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    24. April 2017 um 12:33

    Eine interessante, andere Betrachtung der GegenwartDie Zeiten, in denen man mit Ende 50 als „alt“ galt und, bildlich zumindest, im Schaukelstuhl neben dem Ofen in „aller Ruhe“ und „Genügsamkeit“ sein Altersbrot (manchmal auch „Gnadenbrot“) zu sich nahm., sind als eine solche Vorstellung nun lange vorbei.Selbst im Alter gilt für die Gegenwart leistungsfähig zu bleiben, fit, interessiert, modisch, aktiv sein Alter zu gestalten wie das gesamte Leben überhaupt ständig ein Lernen, gestalten, aktiv sein bedeutet.Mit einem anderen Wort (das Konersmann bestens treffend wählt), der Mensch der Gegenwart lebt in unruhigen Zeiten, hat ein unruhiges Leben, erträgt „Ruhe“ in Form von Langeweile und Ereignislosigkeit kaum und trägt diese „Unruhe“ tatsächlich wohl mittlerweile tief in der eigenen Person.„Die Unruhe ist uns in Fleisch und Blut übergegangen, ohne dass wir uns hätten anstrengen müssen“.Was aber genau ist diese „Unruhe der Zeit“? Woher leitet sie sich ab, wie hat sie sich entwickelt, wie drückt sie sich in den einzelnen Lebensbereichen aus?Dem geht Konersam, sprachlich bestens zu lesen, in der Form der Essays nach und wendet sich in gesamter Breite (was einem „Wörterbuch“ gut zu Gesichte steht) dem „Zustand“ zu.Jenem Zustand, bei dem „wir vorwärtskommen müssen“ und bei dem gilt, „dass, wer nicht kämpft, schon verloren hat“.Kernsätze, die mit einer Welt der geforderten inneren und äußeren Mobilität korrespondieren, in denen kaum wirklich „Verhältnisse“ privat oder beruflich je als dauerhaft gesichert angesehen werden können, der Mensch immer, irgendwie, „auf dem Sprung“ oder zumindest „sprungbereit“ zu sein hat (und ist).Soweit, dass Konersmann, durchaus zu recht, von einem „Glauben“ spricht, den alle teilen, von „Erlösungsformeln“ für das innerweltliche Dasein, dass, „wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“ als Motto zu tragen scheint. Ein Motto, bei dem „Effektivität“ statt „Glück, Ruhe und Zufriedenheit“ die neue „Kernkompetenz“ ist und aus jeder momentanen Erfüllung und Zufriedenheit umgehend wieder Unruhe erwächst hin zum nächsten Ziel und Vorhaben.Sei es die Arbeit, sei es eine Haltung des „Cool-Seins“, seien es ständige Erwartungen auf das Morgen gerichtet, sei es die Unruhe als „Schicksalsmacht“ und vieles mehr, mit dem Konersmann im Buch die verschiedenen Seiten der Unruhe als „den Menschen treibend“ aufgreift und präzise und gekonnt den Nerv jeweils trifft.Seien es aber auch die „Chancen“, diesem Hamsterrad immer wieder einmal zu entkommen durch „Faulsein“ (was man lernen kann, sich zu gestatten) oder „Gelassenheit“ als „Sieg über die Unruhe“, die aber nun einmal einen Preis kostet, was Konersmann pointiert herausstellt. Einen Preis in Form eines Glaubens, der tiefer geht als die je aktuellen, möglichen Werke, welche die Hände erschaffen können.Eine Gelassenheit, die nicht mehr jedem gegeben zu sein scheint, nicht mehr allgemein möglich ist, weswegen die „Unruhe“ selbst dann wieder als „Zerstreuung“, „die Räder rollen lassen“ in Form einer „Trösterin“ auftaucht.Sprachlich formuliert Konersmann ungeheuer treffend, teils assoziativ, teils wie nur in Stichworten die vielfachen „Glaubenssätze der Unruhe“ zu den einzelnen Themen rezitierend, immer aber präzise und sprachlich abwechslungsreich auf den Punkt formuliert, was dem Leser bei der Lektüre, zum Glück, keine Unruhe vermittelt, sondern für eine anregende Abwechslung in aller Gelassenheit sorgt.Ein Buch, dass dem Leser sehr, sehr viel über die eigene, innere Lebenshaltung und Lebensweise aufdeckt, ein „Dokument der Unruhe“ in den 30 Essays und dennoch zudem hintergründig mit konstruktiven Möglichkeiten versehen, die eine „etwas ruhigeren Gestaltung“ der eigenen, inneren „Aufgeregtheiten“ vermittelt.

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