Der Diplomat

von Ralf Kurz 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Der Diplomat
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Inhaltsangabe zu "Der Diplomat"

Zu Beginn des Jahres 1778 marschieren österreichische Truppen in Bayern ein. Kaiser Joseph II. will dadurch die Vormachtstellung in Europa gewinnen. Mit dem bayerischen Kurfürsten Carl Theodor hat er bereits eine Vereinbarung getroffen, die Rechtsgültigkeit erlangt, sobald sie von Carl II. August, Herzog von Pfalz-Zweibrücken und Thronfolger auf die bayerische Kurwürde, unterzeichnet wird. Der Diplomat Freiherr von Hofenfels erkennt die fatalen Konsequenzen des Vertrags und verweigert seine Unterschrift. Mit der Bitte um Hilfe wendet er sich an den preußischen König Friedrich den Großen. Es kommt zum bayerischen Erbfolgekrieg.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1787 vereitelt Hofenfels alle österreichischen Versuche, Bayern zu vereinnahmen. Im Spiel um die Vorherrschaft in Europa misstrauen sich Österreich, Preußen, Frankreich und Russland. Alle Register wie Drohung, Bestechung, Auszeichnungen, Sex und Verrat werden gezogen, um sich eigene Vorteile zu sichern.

Dem Autor gelingt es, die historischen Ereignisse fundiert und dennoch so spannend darzustellen, dass es auch einen historisch weniger interessierten Leser anspricht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783891553435
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:Schillinger Verlag
Erscheinungsdatum:01.01.2008

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    Kopf-Kinos avatar
    Kopf-Kinovor 4 Jahren
    So spannend kann Geschichte sein!

    Dem Hof ein Fels wollte er sein, als man ihn in den Adelsstand erhoben hatte.

    Pfalz-Zweibrücken, 1778: Am Hofe von Carl II. August, Herzog des linksrheinischen Fürstentums, lebt der Kleinstaat voller Prunk und Verschwendung über seine Verhältnisse, der Finanzminister Hofenfels jedoch drängt zu Einsparungen und Kürzungen. Seine Finanzreformen sind dem Hofstaat – vor allem der Oberhofmeisterin Karoline Freifrau von Esebeck, der Mätresse des Herzogs – ein Dorn im Auge. Währenddessen spitzt sich die politische Lage zu, als österreichische Truppen ins Kurfürstentum Bayern einmarschieren: Kaiser Joseph II., Sohn von Maria Theresia, will sein Reich vergrößern und somit seine Stärke sichern. Den Wittelsbachern Hausverträgen zufolge soll Carl II. August den Thron seines kinderlosen Onkels Carl Theodor von Bayern nach dessen Ableben beerben. Hofenfels erkennt sogleich die Habsburger Gefahr für das Haus Wittelsbach, dem er die Treue geschworen hatte, und handelt.

    Somit kämpft Hofenfels schon bald als Diplomat an drei Fronten gleichzeitig: gegen Intrigen vor der eigenen Tür, gegen europäische Gegner und gegen die Zeit. Zu allem Überfluss plant Carl II. August (trotz leerer Staatskasse) den Bau einer der größten Anlangen des 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa nach dem französischen Vorbild Versailles: das nach ihm benannte Schloss Carlsberg.

    Die Baustelle war wie ein riesiger Ameisenhaufen und Mannlich stand mitten drin. Er war der Dirigent eines Orchesters aus Maurern und Zimmerleuten, deren Musik ihm liebreizend in den Ohren klang. Hofenfels jedoch hörte die Missklänge und Disharmonien, die ihm durch die Verschwendung von Steuergeldern in den Ohren schmerzten.

    In dem Portraitroman über das Leben des pflichtbewussten und strebsamen Johann Freiherr von Hofenfels gewährt der Autor meiner Meinung nach einen gelungenen Einblick in die damaligen Zeitgeschehnisse und in das diplomatische Netz, das Hofenfels auf höchster Ebene zwischen den Monarchen Europas spinnt. Wie maßgeblich Hofenfels an geschichtlichen Wendepunkten beteiligt war, wurde mir erst beim Lesen der Lektüre bewusst; hatte ich doch bis dahin noch nie etwas über diesen beeindruckenden Mann gehört oder gelesen.

    Zwischen Fürsten, Königen und dem Kaiser hatte er das geschliffene Wort als seinen Degen geführt und sich in Verhandlungsschlachten und Federkriegen als Erster Soldat seines Herzogs bewährt.

    Obgleich in diesem Roman seitenlang von Politik die Rede ist, fühlte ich mich vom Autor leichtfüßig über das diplomatische Parkett geführt, was vor allem der klar formulierten Sprache zu verdanken ist. Hofenfels` diplomatische Seite, die sich überwiegend auf seine Reisen quer durch Europa bezieht, wird sowohl ausführlich als auch verständlich dargestellt und verzichtet (zum Glück) auf große Verwirrungen.

    Meiner Meinung nach trennt sich bei historischen Büchern in den Details – nebst einer guten Recherche, klaro - der Spreu vom Weizen. Was habe ich mich gefreut, als ich den Pluralis Majestatis und die sich in den Dialogen siezenden Eheleute (des Adelsstandes) las!

    Bei letzterem möchte ich noch kurz einfügen, dass sich Hofenfels und seine Frau lediglich in Anwesenheit anderer siezen, nicht jedoch privat, was im Gegensatz zu den üblichen Sitten der damaligen Zeit steht. Ob dies nun der Wirklichkeit entsprach oder eine Interpretation des Autors ist, war mir schließlich einerlei: Hofenfels` Charakter zur Folge erschien es mir mehr als glaubhaft.

    Der Roman hat neben den Hauptfiguren noch etliche Berühmtheiten zu bieten. So trifft Hofenfels im Laufe seiner Karriere nicht nur den Altmeister Goethe, sondern auch den Alten Fritz. Kant und Schiller werden ganz im Sinne der Aufklärung ebenfalls genannt und diskutiert - um lediglich ein paar derer zu benennen, die in diesem Roman zu finden sind.

    Somit spielt auch das Thema Freiheit, noch bevor Europa von diesem wunderbaren Gedanken überrollt wird, eine große Rolle.

    „Das Zeitalter der absolutistischen Herrscher geht zu Ende, Hofenfels, und neue Zeiten brechen an. Wir schärfen unseren Blick und unser Auge nimmt neues Maß.“

    Hofenfels` Charakterisierung ist durchweg sympathisch und sehr menschlich skizziert, wodurch rasch eine Verbindung zwischen Protagonist und Leser hergestellt wird. Er ist ein geschickter Diplomat, ein kluger Kopf, verteidigt seine Ideale und leistet dort Widerstand, wo andere die Bestechung vorgezogen hätten.

    "Verständnis?", fragte Hofenfels entrüstet, "Ich soll Verständnis für dieses nichtsnutzige Treiben aufbringen, für all die Feiern und Gelage, die ständig stattfinden und Unsummen von Geld kosten? Ich soll Verständnis aufbringen für die Steuergelder, die das einfache Volk unter Mühen zu entrichten verpflichtet ist und die von der Gesellschaft sinnlos verprasst werden?"

    Leider stieß ich beim Lesen dieses gut recherchierten Romans auf drei kleine Kritikpunkte.
    Am Anfang werden sehr viele Personen genannt – für meinen Geschmack zu viele. Bestenfalls überliest man zunächst sämtliche Namen, da sich recht bald jene herauskristallisieren, welche für die Geschichte von Bedeutung sind. Die Personenliste , die zu Beginn des Buches eine Übersicht gewährt und nach gesellschaftlichen Stand aufgeteilt ist, erleichtert übrigens das Einordnen.

    Meiner Meinung nach wären am Anfang mehr Dialoge von Vorteil gewesen, um ein plastischeres Bild der handelnden Personen zu bekommen und die Handlung mehr zu beleben. Dies ändert sich zum Glück im Laufe der Geschichte.

    In Hofenfels' Privatleben gibt es ein paar, wenn auch nicht ausufernde, eher am Rande erwähnte Wiederholungen, die es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte.

    Aufgrund dieser Kritikpunkte bekommt „Der Diplomat“ 4,5 Sterne von mir und eine Empfehlung für all diejenige, die einen unterhaltsamen, gut recherchierten, historischen Roman suchen. So spannend kann Geschichte kann!

    „Zuweilen ist es eine Gräuel“, sagte er, „wenn man bei Wind und Wetter kreuz und quer durch die Lande fahren muss, um fremder Leute Angelegenheiten zu regeln.“

    Kommentare: 12
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    Panglosss avatar
    Panglossvor 10 Jahren

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