Ralf Kurz Der Diplomat

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Inhaltsangabe zu „Der Diplomat“ von Ralf Kurz

Zu Beginn des Jahres 1778 marschieren österreichische Truppen in Bayern ein. Kaiser Joseph II. will dadurch die Vormachtstellung in Europa gewinnen. Mit dem bayerischen Kurfürsten Carl Theodor hat er bereits eine Vereinbarung getroffen, die Rechtsgültigkeit erlangt, sobald sie von Carl II. August, Herzog von Pfalz-Zweibrücken und Thronfolger auf die bayerische Kurwürde, unterzeichnet wird. Der Diplomat Freiherr von Hofenfels erkennt die fatalen Konsequenzen des Vertrags und verweigert seine Unterschrift. Mit der Bitte um Hilfe wendet er sich an den preußischen König Friedrich den Großen. Es kommt zum bayerischen Erbfolgekrieg.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1787 vereitelt Hofenfels alle österreichischen Versuche, Bayern zu vereinnahmen. Im Spiel um die Vorherrschaft in Europa misstrauen sich Österreich, Preußen, Frankreich und Russland. Alle Register wie Drohung, Bestechung, Auszeichnungen, Sex und Verrat werden gezogen, um sich eigene Vorteile zu sichern.

Dem Autor gelingt es, die historischen Ereignisse fundiert und dennoch so spannend darzustellen, dass es auch einen historisch weniger interessierten Leser anspricht.

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  • unter die Haut gehend

    Nicht noch einmal

    Kopf-Kino

    06. December 2015 um 12:27

    Obwohl sie längst aus seinem Blickfeld entschwunden war, schickte er ihr ein heiseres Flüstern hinterher: „Du gehörst mir!“ Freiburg im Breisgau: Als der Teppichhändler Özgan tot in seiner Wohnung aufgefunden wird, verschweigt Kommissarin Anja Hill ihrem Kollegen Bussard, dass sie tags zuvor eine Auseinandersetzung mit dem Mordopfer, ihrem Vermieter Özgan, hatte. Die Ermittlungen werfen Bussard viele Fragen auf, an möglichen Motiven mangelt es nicht. Gleichzeitig ahnt noch niemand, dass ein Stalker sein Unwesen treibt... Wie von Ralf Kurz gewohnt, führt er den Leser sowohl mit einem flüssigen Schreibstil als auch einer einfachen, aber soliden Sprache durch Bussards fünften Fall, der jedoch problemlos ohne Vorkenntnisse bzgl. der vorherigen Teile gelesen werden kann. In den Verhörszenen beweist der Autor sowohl rhetorische Raffinesse, als auch sprachliche Eleganz in den inneren Monologen des Stalkers. Wäre 'Spannung' ein Studienfach, wäre Kurz wohl der Dozent. Gekonnt spinnt der Autor ein feines Netz, um den Leser gefangen zu nehmen: Während der Leser Bussard und seinem Team bei der Ermittlung zum Mordfall Özgan über die Schulter schaut und um dessen Kollegin Hill bangt, gewährt der Autor gleichzeitig gruselige Einblicke in die Gedankenwelt eines Besessenen, der seinem Opfer gefährlich – Zug um Zug - näher kommt. Die letzten Kapitel lassen den Roman zu einem wahren Pageturner mutieren. Dieser Roman geht unter die Haut. Eine Besonderheit möchte ich sogleich hervorheben: Während die Geschichte als Kriminalroman beginnt, entwickelt sie sich zunehmend zu einem Thriller. Obgleich der Roman im Schwarzwald (Baden) angesiedelt ist, täte man ihm Unrecht, ihn lediglich in die Sparte 'Regionalkrimis' zu schieben. Wie bereits in 'Kopf oder Zahl' spricht der Autor viele aktuelle und internationale Thematiken an, die es in sich haben. Diese nun zu benennen, würde die Lesefreude trüben. Das muss der gewillte Leser schon selbst entdecken. Bussard, ein fairer, lässiger und herzensguter Chef-Kommissar, der einerseits seine festen Prinzipien hat, seine eigene Meinung zu vertreten weiß und seine Mitmenschen zurechtweist, andererseits seinen Kollegen jederzeit den Rücken stärkt, ist nach wie vor ein angenehmer Zeitgenosse. Der einst einsame Wolf (bzw. Raubvogel) wagt in diesem Band den Sprung in die Liebe, was ihm gegönnt ist. Leider nahm dieser Nebenstrang für meinen Geschmack viel zu viel Raum ein. Zwar habe ich nichts gegen private Angelegenheiten innerhalb eines Krimis einzuwenden, vertrete jedoch die Meinung, dass sie, wenn sie sehr präsent sind, einen Bezug zur eigentlichen Geschichte haben sollten, was hier nicht der Fall ist, da es die Rahmenhandlung nicht weiterbringt. Schade drum. Kein Gedanke störte das Glücksgefühl, das er wiedergefunden hatte, ohne zu wissen, wie lange er es schon vermisste. Anja Hill, der ich im vorherigen Band nur wenig Sympathie entgegenbrachte, zeigt sich hier von ihrer besten Seiten, auch wenn ihr Schweigen gegenüber Bussard natürlich nicht gut, aber nachvollziehbar ist. Gerade die Fehler machen jeden von uns menschlich. Rundum eine sehr taffe und selbstbewusste Frau! Die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und wirken aufgrund ihrer Ecken und Kanten lebensecht. Vor allem der Auftritt von Gabi, der peniblen und hochintelligenten Archivarin, bereitete mir viel Freude. Ein Manko schmälerte meine Lesefreude zusätzlich: Allzu rasch durchschaute ich den Aufbau bzw. Verlauf der Geschichte und zog allzu früh meine Schlüsse. So manchen kleinen eingestreuten Hinweisen hätte ich mir zu einem späteren Zeit gewünscht. Ob es an mir und meiner Lesart lag, weiß ich nicht. Womöglich habe ich bereits zu viel Sherlock Holmes und von seiner Methodik der Deduktion gelesen... Dennoch blieb der Roman für mich auf einer anderen Ebene spannend. Da ich dem Vorgängerband 'Kopf oder Zahl', den ich hiermit sehr empfehlen möchte, 4 Sterne gab, erhält 'Nicht noch einmal' von mir 3,5 Sterne. Jedem, der an diesem Fall Interesse hat, möchte ich jedoch nahelegen, den Klappentext zu ignorieren. Meiner Meinung nach verrät er leider zu viel. Sowohl Krimi- als auch Thriller-Fans werden bei deinem Buch gewiss auf ihre Kosten kommen. Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden. Ich lehne mich hiermit zurück und warte gespannt auf Bussards sechsten Fall. 1. Die Honigspur 2. Im Schatten der Wahrheit 3. Tödlicher Triumph 4. Kopf oder Zahl 5. Nicht noch einmal PS: Für Freunde historischer Romane empfehle ich Kurz' 'Der Diplomat'.

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    • 8
  • So spannend kann Geschichte sein!

    Der Diplomat

    Kopf-Kino

    Dem Hof ein Fels wollte er sein, als man ihn in den Adelsstand erhoben hatte. Pfalz-Zweibrücken, 1778: Am Hofe von Carl II. August, Herzog des linksrheinischen Fürstentums, lebt der Kleinstaat voller Prunk und Verschwendung über seine Verhältnisse, der Finanzminister Hofenfels jedoch drängt zu Einsparungen und Kürzungen. Seine Finanzreformen sind dem Hofstaat – vor allem der Oberhofmeisterin Karoline Freifrau von Esebeck, der Mätresse des Herzogs – ein Dorn im Auge. Währenddessen spitzt sich die politische Lage zu, als österreichische Truppen ins Kurfürstentum Bayern einmarschieren: Kaiser Joseph II., Sohn von Maria Theresia, will sein Reich vergrößern und somit seine Stärke sichern. Den Wittelsbachern Hausverträgen zufolge soll Carl II. August den Thron seines kinderlosen Onkels Carl Theodor von Bayern nach dessen Ableben beerben. Hofenfels erkennt sogleich die Habsburger Gefahr für das Haus Wittelsbach, dem er die Treue geschworen hatte, und handelt. Somit kämpft Hofenfels schon bald als Diplomat an drei Fronten gleichzeitig: gegen Intrigen vor der eigenen Tür, gegen europäische Gegner und gegen die Zeit. Zu allem Überfluss plant Carl II. August (trotz leerer Staatskasse) den Bau einer der größten Anlangen des 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa nach dem französischen Vorbild Versailles: das nach ihm benannte Schloss Carlsberg. Die Baustelle war wie ein riesiger Ameisenhaufen und Mannlich stand mitten drin. Er war der Dirigent eines Orchesters aus Maurern und Zimmerleuten, deren Musik ihm liebreizend in den Ohren klang. Hofenfels jedoch hörte die Missklänge und Disharmonien, die ihm durch die Verschwendung von Steuergeldern in den Ohren schmerzten. In dem Portraitroman über das Leben des pflichtbewussten und strebsamen Johann Freiherr von Hofenfels gewährt der Autor meiner Meinung nach einen gelungenen Einblick in die damaligen Zeitgeschehnisse und in das diplomatische Netz, das Hofenfels auf höchster Ebene zwischen den Monarchen Europas spinnt. Wie maßgeblich Hofenfels an geschichtlichen Wendepunkten beteiligt war, wurde mir erst beim Lesen der Lektüre bewusst; hatte ich doch bis dahin noch nie etwas über diesen beeindruckenden Mann gehört oder gelesen. Zwischen Fürsten, Königen und dem Kaiser hatte er das geschliffene Wort als seinen Degen geführt und sich in Verhandlungsschlachten und Federkriegen als Erster Soldat seines Herzogs bewährt. Obgleich in diesem Roman seitenlang von Politik die Rede ist, fühlte ich mich vom Autor leichtfüßig über das diplomatische Parkett geführt, was vor allem der klar formulierten Sprache zu verdanken ist. Hofenfels` diplomatische Seite, die sich überwiegend auf seine Reisen quer durch Europa bezieht, wird sowohl ausführlich als auch verständlich dargestellt und verzichtet (zum Glück) auf große Verwirrungen. Meiner Meinung nach trennt sich bei historischen Büchern in den Details – nebst einer guten Recherche, klaro - der Spreu vom Weizen. Was habe ich mich gefreut, als ich den Pluralis Majestatis und die sich in den Dialogen siezenden Eheleute (des Adelsstandes) las! Bei letzterem möchte ich noch kurz einfügen, dass sich Hofenfels und seine Frau lediglich in Anwesenheit anderer siezen, nicht jedoch privat, was im Gegensatz zu den üblichen Sitten der damaligen Zeit steht. Ob dies nun der Wirklichkeit entsprach oder eine Interpretation des Autors ist, war mir schließlich einerlei: Hofenfels` Charakter zur Folge erschien es mir mehr als glaubhaft. Der Roman hat neben den Hauptfiguren noch etliche Berühmtheiten zu bieten. So trifft Hofenfels im Laufe seiner Karriere nicht nur den Altmeister Goethe, sondern auch den Alten Fritz. Kant und Schiller werden ganz im Sinne der Aufklärung ebenfalls genannt und diskutiert - um lediglich ein paar derer zu benennen, die in diesem Roman zu finden sind. Somit spielt auch das Thema Freiheit, noch bevor Europa von diesem wunderbaren Gedanken überrollt wird, eine große Rolle. „Das Zeitalter der absolutistischen Herrscher geht zu Ende, Hofenfels, und neue Zeiten brechen an. Wir schärfen unseren Blick und unser Auge nimmt neues Maß.“ Hofenfels` Charakterisierung ist durchweg sympathisch und sehr menschlich skizziert, wodurch rasch eine Verbindung zwischen Protagonist und Leser hergestellt wird. Er ist ein geschickter Diplomat, ein kluger Kopf, verteidigt seine Ideale und leistet dort Widerstand, wo andere die Bestechung vorgezogen hätten. "Verständnis?", fragte Hofenfels entrüstet, "Ich soll Verständnis für dieses nichtsnutzige Treiben aufbringen, für all die Feiern und Gelage, die ständig stattfinden und Unsummen von Geld kosten? Ich soll Verständnis aufbringen für die Steuergelder, die das einfache Volk unter Mühen zu entrichten verpflichtet ist und die von der Gesellschaft sinnlos verprasst werden?" Leider stieß ich beim Lesen dieses gut recherchierten Romans auf drei kleine Kritikpunkte. Am Anfang werden sehr viele Personen genannt – für meinen Geschmack zu viele. Bestenfalls überliest man zunächst sämtliche Namen, da sich recht bald jene herauskristallisieren, welche für die Geschichte von Bedeutung sind. Die Personenliste , die zu Beginn des Buches eine Übersicht gewährt und nach gesellschaftlichen Stand aufgeteilt ist, erleichtert übrigens das Einordnen.Meiner Meinung nach wären am Anfang mehr Dialoge von Vorteil gewesen, um ein plastischeres Bild der handelnden Personen zu bekommen und die Handlung mehr zu beleben. Dies ändert sich zum Glück im Laufe der Geschichte. In Hofenfels' Privatleben gibt es ein paar, wenn auch nicht ausufernde, eher am Rande erwähnte Wiederholungen, die es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte. Aufgrund dieser Kritikpunkte bekommt „Der Diplomat“ 4,5 Sterne von mir und eine Empfehlung für all diejenige, die einen unterhaltsamen, gut recherchierten, historischen Roman suchen. So spannend kann Geschichte kann! „Zuweilen ist es eine Gräuel“, sagte er, „wenn man bei Wind und Wetter kreuz und quer durch die Lande fahren muss, um fremder Leute Angelegenheiten zu regeln.“

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    • 13
  • »Menschen lügen, Zahlen nicht.«

    Kopf oder Zahl

    Kopf-Kino

    06. August 2015 um 13:04

    Jeder von uns schuldet dem Tod ein Leben. Die Putzfrau des Freiburger Professors Dr. Baer macht einen grausamen Fund: Ihr Arbeitgeber wurde in seiner eigenen Wohnung an einen Stuhl gefesselt und erschossen. Die Todesursache, ein Genickschuss, lässt rasch auf einen Racheakt schließen. Der erste Verdächtige ist rasch gefunden. Weshalb jedoch wurde das Opfer vor seiner Hinrichtung verhört? Hängt dieser Mord etwa mit dem rätselhaften Tod der 68-jährigen Frau Steiert, die eigentlich kerngesund war, zusammen? Dies sind einige der vielen Fragen, mit denen Kommissar Bussard samt seiner neuen Kollegin Anja Hill, die gegen ihren Willen von der Gruppe Wirtschaftskriminalität zur Gruppe Gewaltverbrechen versetzt wurde, konfrontiert wird. Als sich unerwartet sowohl ein US-Geheimdienst als auch das BKA einschaltet, überschlagen sich die Ereignisse , deren Fangarme bis in die Wirtschaft, zu den Großbanken greifen . Die Tragweite des Mordfalls scheint somit kein Ende zu finden... »Weißt du eigentlich, was totale Kontrolle bedeutet? Wenn ihr alles über mich wisst, dann gibt es auch jemanden, der alles über euch weiß. Ist dir das schon einmal durch den Kopf gegangen?« Vorab möchte ich noch erwähnen, dass 'Kopf oder Zahl', Bussards vierter Fall, mein erster war. Da der Roman jedoch eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte präsentiert, konnte ich den Krimi problemlos - sprich ohne Vorkenntnisse - lesen. Kurz hat mit diesem brisanten Fall einen beklemmenden Roman geschaffen, dessen hochaktuelle Thematik näher an der Realität liegt, als mir lieb ist. Wenn Orwell wüsste... Grundsätzlich finde ich großes Gefallen an Büchern, die mir Einblicke in diverse Themenbereiche bieten. Somit konnte der Roman mit seinen geschickt eingefügten Wissenshäppchen bei mir punkten. Die Nummerierung der Kapitel, die zunächst an ein Mängelexemplar erinnern, fand ich sehr kreativ gewählt. Aufmerksame Leser werden somit bereits erahnen, in welche Richtung der Kriminalfall gehen könnte. Mehr möchte ich jedoch dazu nicht sagen. Hier sollte jeder selbst knobeln und mitfiebern. Ach so: Selbst wenn man diesen „Code“ geknackt hat, bekommt man nicht leicht heraus, wer der Täter war. Mit möglichen Fährten wurde hier wahrlich nicht gegeizt. Die mathematischen Inhalte des Romans sind verständlich und dank lebendigen Dialogen sehr gut dargestellt. Am Punkt angelangt, bei dem der Laie der höheren Mathematik nicht mehr folgen kann, steigen selbst die Kommissare aus. Obwohl ich kein vielseitiger Krimileser, sondern ein auf Sherlock Holmes eingeschossener Doyle-Fan bin, wage ich jedoch zu behaupten, dass ein Kriminalfall mit dieser interessanten Thematik Seltenheitswert besitzt. Sprachlich fand ich die ersten Seiten mit ihren gut gewählten Analogien und Wortspielen am stärksten – gerne hätte ich in diesem Stil weitergelesen, was aber (zugegeben) nicht sinnvoll gewesen wäre. Der Schreibstil des Romans ist flüssig und einfach, jedoch keinesfalls primitiv, sondern solide gehalten. Die Schauplätze sind detailliert umschrieben, sodass man sich gut zurechtfinden kann. Hier und da lassen sich schöne Gedankengänge und Bilder finden, wie beispielsweise: Das zwölfstöckige Hochhaus war funktional, schlicht und schnörkellos und die Farben, mit denen die Balkone gestrichen waren, übertünchten kaum die Tristesse des Betonbaus, in dem es viele Wohnungen, aber kaum ein Zuhause gab. Die Kommissare agieren authentisch und wirken dem wahren Leben entsprungen. Besonders Bussard, der „einsame Wolf“, war mir mehr als sympathisch. Für seine teilweise trockenen Sprüche á la »Natürlich kann ich kochen. Ich kann ja auch essen.« hätte ich ihn manchmal am liebsten knutschen können! Sein Privatleben wird lediglich grob skizziert, was ich angesichts des momentanen (?) Hypes 'abgefuckter Cop' ganz angenehm fand. Bei Bussard läuft gewiss nicht alles glatt; dennoch ist er eine bodenständige Person, dessen Charakter eine gute Mischung aus 'normal' und 'ein wenig eigen' aufweist. Tja, bei seiner neuen Arbeitspartnerin Hill hege ich gemischte Gefühle... einerseits hat sie Potenzial, da sie ein kluges Köpfchen und leidenschaftliche Teetrinkerin ist, aber andererseits mäkelt sie sogleich am ersten Arbeitstag an Bussards langen Haaren und lässigen Kleidungsstil herum. Dass ihr anfangs noch Fehler unterlaufen, macht sie jedoch sehr menschlich. Bussard kommentiert dies zum Glück keinesfalls altmeisterlich, sondern steht ihr helfend zur Seite. Der Rest des Teams fand ich einfach amüsant und sympathisch. Da wären zum einen der Pathologe Münchrath, der beim Sezieren der Leichen bevorzugt Blues hört, und zum anderen die Leiterin des Polizeiarchivs, Gaby Tröger – auch „das Gedächtnis“ genannt – mit ihrer fanatischen Ordnungsliebe. An sich ist der Roman nicht reißerisch oder gar arg blutig geschrieben, sondern bietet zum Finale hin ein paar 'Actionszenen', wenn sich die Lage mehrmals zuspitzt. Somit lässt sich der Krimi auch jenen mit eher schwachen Mägen (wie mich) empfehlen. Ein nettes Bonbon stellen die versteckten Erwähnungen der Titel der bisherigen Bussardromane dar. Diese wirken jedoch - im Vergleich zu Houllebeques 'Karte und Gebiet' - nicht aufdringlich, sondern eher wie ein Augenzwinkern für Kenner der Krimireihe. Wer diese entdecken möchte, sollte wie ich die Titel im Kopf haben. Das Ende war für mich übrigens überraschend und meiner Meinung nach gut gewählt. Schade fand ich, dass mir der Ermordete eher fremd blieb, aber das ist wohl Geschmackssache. Nun ist Krimi, wie bereits erwähnt, weniger meine bevorzugte Lesesparte (außer Holmes!). Somit wird wohl kaum ein zeitgenössischer Krimi das Podest, auf das ich Doyle setzte, erreichen können. Zusammengefasst unterhielt mich Kurz' Roman gut und vergegenwärtigte mir aktuelle und mir noch unbekannte Themen. Spannend fand ich den mathematisch angehauchten Krimi auf jeden Fall. Auf den Autor stieß ich übrigens dank seines historischen Romans 'Der Diplomat', der mir aufgrund des Genres mehr zusagte als der Krimi. PS: Sollte der Autor diese Rezension lesen, habe ich im Zuge des Gemunkels anderer Rezensionen, Bussard und Hill könnten irgendwann mal eine Beziehung aufbauen, eine bescheidene Bitte: Bitte nicht! :)

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    • 9
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