Ralf Rothmann Feuer brennt nicht

(27)

Lovelybooks Bewertung

  • 24 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(9)
(8)
(9)
(0)
(1)

Inhaltsangabe zu „Feuer brennt nicht“ von Ralf Rothmann

Berlin, fast zwanzig Jahre nach dem Mauerfall. Kreuzberg ist gesichtslos geworden und so ziehen die Buchhändlerin Alina und der Schriftsteller Wolf an den grünen Rand der Stadt. Am Müggelsee, wo die Unterschiede zwischen Ost und West noch nicht verwischt sind, leidet Wolf aber zunehmend unter den „Details der Zweisamkeit“. Plötzlich taucht Charlotte auf, eine Geliebte aus der Vergangenheit, und er ergreift die Flucht, befeuert von ihrem offensiven Eros. Als er „die Hölle der Verheimlichung“ hinter sich hat, ist Wolf überrascht: Seine Frau akzeptiert das Verhältnis zu der anderen nicht nur, sie ermuntert ihn sogar.
Ralf Rothmann hat einen Roman über das behutsame Zusammenwachsen von Ost und West und eine Chronik des erotischen Begehrens geschrieben, eine dunkel-glühende Liebesgeschichte.

Eine schmerzend realistische Geschichte über die Liebe und was aus ihr mit der Zeit werden kann

— Julino

Stöbern in Romane

Leere Herzen

Tolles Cover, spannende Handlung, sprachlich ausgefeilt, Leseempfehlung!

dasannalein

Was man von hier aus sehen kann

Etwas ganz besonderes!

TheCoon

Kleine große Schritte

Ein wichtiges Thema, die Ausarbeitung überzeugt nicht ganz.

TheCoon

Solange es Schmetterlinge gibt

Leider nicht sehr überzeugend!

TheCoon

Oder Florida

Puh ... das war so gar nicht mein Buch. Die Story ist flach und die "Witze" platt ....

19angelika63

Lied der Weite

Wundervolle und ruhige Geschichte von sieben Menschen die ihren Platz im Leben suchen ...

19angelika63

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Feuer brennt nicht" von Ralf Rothmann

    Feuer brennt nicht

    *Wölkchen*

    22. June 2009 um 23:50

    „Nach dem Mauerfall hat sich die Statik der Stadtteile verschoben, kaum merklich erst, wie sich ein Gebiss nach neuen Kronen oder Brücken ändert, und was man früher für ein Lächeln halten konnte, ist jetzt ein unverhohlenes Zähneblecken. Die buntscheckige Boheme, die das Kreuzberg längs der Kanalufer ausmachte, floh vor den neuen Mitpreisen nach Friedrichshain, Neuköllner Gangs durchstreiften die Hasenheide, und der U-Bahnhof Südstern ist zu einem Treffpunkt für Dealer und Süchtige geworden.“ Kreuzberg lächelt nicht mehr. Deshalb sehen sich der Schriftsteller Wolf und seine jüngere Freundin Alina gezwungen, ihr bis dato angenehmes Leben mit - rein vom Grundriss her gesehen idealen Wohnverhältnissen (zwei Wohnungen Tür an Tür, die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz) - aufzugeben und an den Stadtrand zu ziehen. Doch schnell holt sie das dortige Leben ein: Konflikte zwischen Ost und West, Konflikte zwischen Wolf und Alina, nun auf engem Raum zusammenlebend, Alltag. Wolf stürzt sich in ein Verhältnis mit einer ehemaligen Geliebten Charlotte. Diese Beziehung ist hauptsächlich sexueller Natur, bestätigt ihn als Mann und lässt ihn nach jedem Treffen voller Selbstvertrauen zu seiner Freundin Alina zurückkehren. Doch möchte er Alina das Verhältnis nicht dauerhaft verschweigen, würde es doch gerade durch das Verheimlichen eine größere Bedeutung bekommen, als ihm zusteht. Deshalb entschließt er sich dazu, Alina reinen Wein einzuschenken… „Feuer brennt nicht“ ist ein ruhiges Buch. Die Handlung ist in wenigen Worten erzählt, gefüllt wird das Buch mit tiefgründigen und wunderschön beschriebenen Betrachtungen über die Liebe, den Alltag, den Sinn des eigenen Tuns, Flucht- und Rettungswege. Man schwankt beim Lesen zwischen Verständnis, Mitgefühl und Abneigung, zwischen Hoffnung und großer Traurigkeit. Das Feuilleton kritisiert zum großen Teil Rothmanns detaillierte Schilderungen von Sexszenen oder medizinischen Details wie einer Darmspiegelung. Ich habe diese Abschnitte weder als sonderlich abstoßend noch störend empfunden. Aber selbst wer daran keinen Gefallen findet, kann über diese wenigen Stellen leicht hinweg lesen und muss deshalb nicht das ganze Buch verwerfen. Dieses Buch ist für mich mein bisheriges Highlight des Jahres. Man sollte sich beim Lesen Zeit lassen, den Worten Raum zur Entfaltung geben, sie auf sich wirken lassen. Genau lesen, um sich am Ende des Buches an vorherige Passagen erinnern und diese dann neu deuten zu können. Langsam lesen, um möglichst lange dieses Buch als Begleiter für intensive Lesestunden zu haben. Und um sich dann bei jedem Feuer, das man sieht, daran zu erinnern, warum Feuer nicht brennt!

    Mehr
  • Rezension zu "Feuer brennt nicht" von Ralf Rothmann

    Feuer brennt nicht

    stories!

    11. June 2009 um 12:33

    Berlin-Kreuzberg knapp zwanzig Jahre nach der Wende: Schriftsteller Wolf und Buchhändlerin Alina sind ein Paar, leben aber getrennt. Der Umzug von Berlin in den ländlichen Osten in eine gemeinsame Wohnung am Müggelsee birgt Schwierigkeiten: Enge und Isolation lassen Wolf ausbrechen, er rettet sich in ein obsessives Verhältnis mit Charlotte. Ein Künstlerroman mit Ost-West Annäherung.

  • Rezension zu "Feuer brennt nicht" von Ralf Rothmann

    Feuer brennt nicht

    HeikeG

    16. May 2009 um 21:32

    Ein Halbrelief der Erinnerungen . "Bücher beschützen. Dem Leben, das nachfühlbar erzählt wird, kann für kurze Zeit das Diffuse und Bedrohliche genommen werden. Nicht zuletzt rührt die Geborgenheit im Buch auch daher, dass gebannt ist, was den Lesenden ängstigt oder beunruhigt; gefesselt in der Formulierung, hat es keine Macht mehr über ihn, jedenfalls für die Dauer der Lektüre. Nur das Glück fühlt sich nicht wohl im Text, das Glück muss fliehen. Ein Reh ohne Scheu, das riecht immer gleich nach Disneyland. Es bleibt immerhin ein Trost, dass das Leben wunderbarer ist als jede Literatur..." . Dieser Passage aus Ralf Rothmanns neuem Roman darf man uneingeschränkt recht geben. Dennoch kann gute Literatur wunderbarer Bestandteil des Lebens sein. Und "Feuer brennt nicht" zählt zweifelsohne in diese Kategorie. Rothmanns Text hilft einem zwar nicht zu leben, aber vielleicht doch ein bisschen "das Leben zu erleben, und es dadurch reicher und einen selbst freier" zu machen. "Das ehrwürdige Großmutterwort 'Wer liest, lebt doppelt' bewahrheitet sich am schönsten, wenn man sich eine markierte Stelle noch einmal ansieht. Das Augenaufschlagen, das hier stattgefunden hat, das Einatmen bis in die zartesten Seelen-Facetten." . "Es sind Sätze, um die sich ein Schimmer des Staunens und Entzückens" legt, sinniert der Protagonist in seinem Roman und Gleiches empfindet der Leser. Denn Ralf Rothmanns Buch erzeugt diesen ganz speziellen Glanz, dieses Glitzern und Funkeln. Mit wunderbaren Zustands- und atmosphärisch dichten, prosaisch-poetischen Landschaftsbeschreibungen, mit großartigen Augenblicksaufnahmen und Alltagsbeobachtungen und vor allem de grandiosen Personencharakteristik erzeugt der Autor immer wieder ein Innehalten, Verinnerlichen und Ergötzen am Gelesenen. Rothmann schreibt Sätze, "die man ohne Gähnkrämpfe lesen kann", die auf dem Papier nahezu lebendig klingen und unglaublich stimmungsvoll sind, ja, die man beinahe rahmen möchte. Da mag man die folgende Aussage verzeihen: "Rezensenten können eh nicht lesen, was schon daran zu erkennen ist, wie falsch sie oft zitieren". . Offensichtlich hat 55-jährige viel Autobiografisches in seinem Text verarbeitet. Hauptakteur Wolf - sein Alter Ego - hat nicht nur die Anzahl der Buchstaben seines Vornamens (die beiden letzten sind gar völlig identisch) und das Alter mit Rothmann gemeinsam, sondern ist ebenso wie er Schriftsteller und lebt in Berlin. In Rückblicken und Erinnerungen erzählt er aus seinem Leben und dessen Verwicklungen, die - wie könnte es anders sein - durch zwei Frauen bzw. eine ménage à trois, die Wolf unterhält, hervorgerufen werden. . Derweil fängt alles so unkompliziert an: relativ unbekannter Autor gibt eine Lesung und lernt auf dieser Veranstaltung eine junge Buchhändlerin kennen. Man hat guten Sex miteinander, verliert sich wieder aus den Augen, kommt letztendlich doch zusammen und führt ein, von "teilnahmsvoller Distanz" geprägtes, sich wunderbar ergänzendes gemeinsames Leben. Denn Alina, so heißt die Angebetete, hat das was ihm, "der freien Existenz voller Anmut und Abenteuer" fehlt: Bodenhaftung. "Seine Unberechenbarkeit [...], das Gewittern in seinem Wesen, die Launen oder gar Gemeinheiten dessen, der von den eigenen Ansprüchen an die Wand gedrückt wird, scheinen sie nicht zu erschüttern." Mit ihr kommt das Beschwingte in seinen Text, "das Schreiben wird für eine Weile leicht." Und sie ist beste Kritikerin: " 'Das ist falsch', sagte sie einmal und zeigt auf eine Stelle kurz vor dem Schluss. 'Feuer brennt nicht! Feuer flackert oder leuchtet oder raucht. Brennen tut was anderes...' ". . Die bewegliche Freiheit jedoch - beide leben lange Jahre in zwei getrennten Wohnungen - wackelt gehörig, als sich die beiden entschließen, aus dem Zentrum weg in eine gemeinsame Wohnung am idyllischen Rand von Berlin zu ziehen. Hier macht Wolf nicht nur die plötzliche zwischenmenschliche Enge zu schaffen, sondern auch das Klientel: viele Alte, "Bürger des vergangenen Staates, die selten lächeln, kaum je grüßen und statt 'Supermarkt' noch 'Kaufhalle' sagen." Das Universum scheint über diesem Teil Berlins etwas kleinkarierter zu sein. . Vielleicht ist "Steppen"-Wolf aufgrund dessen empfänglicher, als die mondäne, kluge, clevere und weltgewandte Wissenschaftlerin Charlotte, eine frühere Geliebte, auf der Bildfläche erscheint und sich eine leidenschaftliche Affäre entspinnt. Die Gefühle für Alina sind trotzdem noch die gleichen, ja, Wolf ist sich sicher, dass "erst ein Fehltritt [...]den Tango vollkommen" macht. Zumal die Sprache, die er mit Charlotte deklamiert, nur die der nackten Körper ist, "lange, gut gebaute Sätze, fast nur mit dem Atem gesagt". Charlotte fürs Grobe, Alina für das Feine und Sinnliche. Doch in der "Hölle der Verheimlichungen", dem "Himmel der Lügen" und vieler offen, sehr direkt und beinahe pornografisch beschriebener Treffen später offenbart sich der mittlerweile Fünfzigjährige Wolf "seiner Frau" Alina... . Auch wenn im Roman kaum etwas passiert und der Plot mit einem Minimum an Agierenden auskommt, so gelingt Ralf Rothmann trotz mancher derber Beschreibungen, ein äußerst feingezeichneter Roman. In seiner ihm ureigenen, poetischen Sprache vermag er Sätze zu bauen, die "nicht schon beim ersten Stirnrunzeln" zerfallen. Der 55-jährige Autor kann wie kein anderer unterscheiden "zwischen Vers und Gebärde und weiß, wie man etwas verschweigen muss, damit es leuchtet." . Fazit: "Von sich zu schreiben in der ersten Person geht selten ohne Verstellung . . . So bleibt nur die dritte Person, eine dürftige Tarnung, womöglich mit sprechendem Namen." Ralf Rothmanns stark autobiografischer Roman erzählt vom Altern, Arbeiten und Lieben eines Schriftstellers sowie dessen vornehmlich sexuellen Verlockungen, denn das "ist ihm seit je das Hauptsächliche im Leben" und auch ein großes Thema dieses Romans. "Feuer brennt nicht" ist ein ernster und pathetischer, manchmal gar beunruhigender und aufregender Text, der trotz seiner Handlungsarmut in sich absolut rund ist und dessen Worte, Sätze und das daraus gebildete Rothmannsche Gefüge noch lange nach dem Zuschlagen der letzten Seite im Unterbewusstsein des Lesers nachklingen. Ein Buch, das gleichwohl über existenzielle Fragen nachdenken lässt.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks