Hitze

von Ralf Rothmann 
4,1 Sterne bei17 Bewertungen
Hitze
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ulrikerabes avatar

Mich hat das Buch sehr verwirrt zurückgelassen. Sprachlich top, aber ich weiß nicht genau, was Rothmann erzählen wollte.

Da schmeckt die Kantine nicht mehr

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Inhaltsangabe zu "Hitze"

Berlin, wenige Jahre nach der Wende, eine Großküche in Kreuzberg, die ihre Kunden in West und Ost mit abgepackter Kost versorgt. Hier, zwischen riesigen Töpfen und Pfannen, begegnen wir dem Hilfskoch Simon DeLoo, einem ehemaligen Kameramann, den der Tod seiner Lebensgefährtin aus allen Zusammenhängen gerissen hat und der nun Essen ausfährt im »gewendeten Berlin«.Auf seinen Touren trifft er Lucilla, eine junge Stadtstreicherin aus Polen, und glaubt, die Silhouette seiner früheren Frau wiederzusehen. Er versorgt sie mit deren Kleidung, überläßt ihr die leerstehende Wohnung - doch sie zerreißt sein Illusions-Gespinst, sie entzieht sich ihm, und erst in ihrer Heimat, in der vor Hitze flirrenden Landschaft der Pommerschen Seenplatte, sieht er sie wirklich: ihr Gesicht, in dem es »etwas Helleres gibt als Intelligenz«, ihren Körper, der ihn verwirrt. »Plötzlich empfand er deutlich, was das ganze Leben in ihm vorbereitet hatte, so wie ein ferner Ton, seine Schwingung, die Moleküle stimmt, bis sie Jahrhunderte später eine Form annehmen, den Hauch einer Maserung im Kork, eine grüne Spitze zwischen Steinen.« Aber auch Lucilla hatte Gründe, vor ihrem Leben zu fliehen... Und so finden wir DeLoo am Ende des Romans im winterlichen Berlin wieder, ohne Hoffnung, aber auch ohne Verzweiflung: frei. Mit Hitze ist Ralf Rothmann ein Großstadtroman aus unseren Tagen geglückt, in dem er nicht nur die unterschiedlichsten sozialen Existenzen und Milieus zu beschreiben versteht; gleichzeitig - und über allem - erzählt er eine wunderbar melancholische Liebesgeschichte.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518456750
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:292 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:28.02.2005

Rezensionen und Bewertungen

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    ulrikerabes avatar
    ulrikerabevor einem Monat
    Kurzmeinung: Mich hat das Buch sehr verwirrt zurückgelassen. Sprachlich top, aber ich weiß nicht genau, was Rothmann erzählen wollte.
    Großstadtroman, der mich ratlos macht

    Simon DeLoo war Kameramann, bis ihn der Tod seiner geliebten Frau aus der Bahn  warf. Nun jobbt er als Fahrer für eine Großküche. Auf seinen Fahrten lernt er die skurillsten Leute kennen, auch seine Kollegen in der Küche sind Originale. Dann trifft er auf die obdachlose Polin Lucilla, die ihn an seine verstorbene Frau erinnert und ihm langsam wieder Sinn am Leben zu geben scheint.

    Hitze ist ein wehmütiges, seltsames Buch. Sprachlich ausgefeilt und doch kann ich nicht festhalten, was der Autor Ralf Rothmann. mir eigentlich sagen wollte. Vielleicht fehlt mir auch einfach der Berlin Bezug, immerhin spielt dort das Buch kurz nach der Wende.

    Die „wunderbar melancholische Liebesgeschichte“ laut Klappentext empfand ich als eher ungesund, zudem die expliziten Sexszenen unnötig. Das Eindringen in unterschiedliche soziale Milieus schafft Rothmann jedoch spielend und doch waren mir die einzelnen Episoden oft zu übergangslos und unzusammenhängend aneinandergereiht. Völlig ratlos hat mich das Ende zurückgelassen. Aber vielleicht will der Großstadtraum genau das, dieses Nebeneinander ohne Bezug zu anderen, ausdrücken.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Da schmeckt die Kantine nicht mehr
    Leben mit dem großen Löffel

    austeilen - kein Problem in diesem wunderbaren Berlinroman von Rothmann, bei vielen Berlinsachen denkt man, sch... dass er nicht mehr im Ruhrpott schreibt, aber diese Großküchensause ist so derb gut in Berlin aufgestellt, dass die Brechbohnen applaudieren. Milieu - jau kann er - spannend am Rand erzählen sowieso - also ab damit in den Lesemagen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Rezension zu "Hitze" von Ralf Rothmann

    Happy-Ends gibt es nur im Film. Das Leben ist anders und keineswegs eine Suche nach den besten Pralinen aus der Pralinenschachtel. Irgendwann ist auch diese leer. Der Glaube an ein gutes Ende ist trügerisch und verleitet einen, das Leben als Spaß zu empfinden, ganz nach dem Motto: Irgendwann wird alles gut. Traurige Erlebnisse und eine tragische Wende des Schicksals bringen uns schnell auf den Teppich der Realität, vielleicht auch viel weiter nach unten. Eine solche Geschichte des Niedergangs schildert Ralf Rothmann in seinem Roman „Hitze“.

    Simon DeLoo beginnt eine Stelle in einer Großküche in Berlin Kreuzberg. Hier werden nicht nur die Mittagsmenüs von Ost und West, von Unternehmen, Großraumbüros und Verwaltungen mal mehr, mal weniger gut gekocht. Hier treffen – wenige Jahre nach dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung - auch die unterschiedlichsten Typen aufeinander. Der eine ist homosexuell, der andere steigt den Frauen hinterher, ein dritter Mitarbeiter versorgt Obdachlose mit Essen, die Putzfrau schleppt ständig ihren Hund mit zur Arbeit.

    DeLoo würde allerdings hier – zwischen riesigen Pfannen und Töpfen, zwischen Kilo schweren Säcken mit Gemüse und gefrorenen Schweinehälften – gar nicht schurwerken, wenn er nicht seinen früheren Job aufgegeben hätte. Er war ein erfolgreicher Kameramann. Bis seine Lebensgefährtin stirbt.

    Mit Klaputzsek – eben jenen Kollegen, der Obdachlose versorgt – trifft er während einer Tour auf eine polnische Stadtstreicherin mit einem verletzten Hund. Sie helfen ihr und wenig später kommt es zwischen DeLoo und jener jungen Frau namens Lucilla zu einer zweiten Begegnung. Beide finden allmählich zu einander, DeLoo bringt sie in die Wohnung seiner verstorbenen Frau, gibt ihr Sachen von ihr.

    Beide fahren schließlich nach Pommern, der Heimat der jungen Polin. Hier genießen beide die gemeinsame Zeit. Auch wenn ein weiterer Mann zwischen beiden steht. Wenige Tage später sind sie verschwunden, und Klaputzsek findet DeLoo in Berlin wieder. In einem erschreckenden Zustand.

    In fünf Kapitel steht DeLoo im Mittelpunkt, in fünf Kapitel begleitet man ihn jedoch in einer sehr kurzen Zeit. Nichts wird berichtet, wie er seine Liebe verloren hat, nichts wie er seinen erfolgreichen Job an den Nagel hängt. Nur eins wird immer wieder deutlich: der Verlust hat ihn nahezu alles genommen.

    Erst mit dem Fortschreiten der Handlung bemerkt man wie melancholisch, wie tieftraurige die Geschichte um diesen Mann doch eigentlich ist. Zwar beginnt Rothmann sein Buch mit recht ironischen Szenen, lässt die Protagonisten in ihren eigenen, manchmal recht einfachen Jargon plaudern, doch der Absturz am Ende nimmt einem nahezu den Atem, war doch zuvor mit der Begegnung zwischen DeLoo und der jungen Polin etwas Licht entstanden.

    Licht, nach manchmal auch grausamen Szenen wie der in einem Berliner Schlachthof oder jener, in der sich in einer Berliner Kneipe die Männer plötzlich gegenseitig verprügeln. Über all jene verschiedenen Orte und Berliner Milieus mit all ihrer Hektik und ihren vielen Menschen bleibt DeLoo jedoch irgendwie im kühlen Rampenlicht stehen, wird sein Gefühlsleben nach und nach entblättert. Zwar trifft der Leser auf das bunte Leben in einer Millionenstadt, vom Freudenhaus über einen Schrottplatz bis hin zu einer Villa, aber der wirkliche Held bleibt allein, im wahrsten Sinn des Wortes.

    Vor allem eine Szene (siehe Auszug) lässt einen den Verlust und die Einsamkeit DeLoos spüren. Er betritt das Schlafzimmer und sieht die Sachen seiner früheren Frau und ruft nach ihr. Sie ist auf eine spezielle Art und Weise noch immer bei ihm. DeLoos Vermieterin, eine alte, sicherlich auch schrullige Malerin, die weiter an ihren Werken arbeitet, weiß, wie es ist, den Menschen an seiner Seite zu verlieren.

    Es ist jedoch nicht nur diese eigenartige, mal humorvolle, mal tieftraurige Geschichte, die einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. Rothmann kann wunderbar erzählen und beschreiben. Selbst die kleinsten, für einige vielleicht unbedeutende Dinge: Alle Sinne spricht er an, wenn er so poetisch das Licht in zahlreichen Szenen beschreibt, so realitätsnah die Arbeit in der Großküche, erotisch die Liebesszene zwischen DeLoo und Lucilla in/an einem See und so wunderschön die Natur im ländlichen Polen, so hässlich-grau die unzähligen Fabrikgebäude und die Betonwüste einer Metropole.

    Was er mit dem Titel des Buches, „Hitze“, meint, ist jedoch nicht so einfach zu deuten. Ist es die Hitze in einer Großküche, die Hitze einer neuen Liebe…? Ist die Hitze vielleicht nur das Pendant zur Kälte, der menschlichen Kälte?

    Überhaupt lässt Rothmann viele Fragen offen. Der Schluss trägt viele Deutungen in sich. Viele Zeitsprünge zwischen den Kapiteln bilden Lücken, vieles bleibt ungeklärt. Aber der Leser hat seine eigenen Gedanken und Gefühle. So erzählt der Roman nicht nur eine dunkle Geschichte, er ist auch Herausforderung an des Lesers Fantasie. Er wird jedoch mit einer ungemein faszinierenden Lektüre belohnt. Wer Bücher mit besonderen menschlichen Schicksalen mag, aber auch eine Faszination für die Sprache entwickelt hat, wird diesen Roman lieben, auch wenn er vom Ende nahezu erschlagen wird. Denn das Leben kennt keine Happy-Ends.

    Ralf Rothmann in Schleswig 1953 geboren, wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach dem Abschluss der Volkshochschule und einer Lehre als Maurer übte er verschiedene Berufe aus, unter anderem als Krankenpfleger, Drucker und Koch. 1976 zog er nach Berlin, acht Jahre später erscheint sein Erstlingswerk, den Lyrik Band „Kratzer“, 1991 schließlich auch sein erster Roman mit dem Titel „Stier“.
    Geografische Inhalte seiner Werke sind das Ruhrgebiet und die Stadt Berlin. Für seine Werke wurde Rothmann bereits mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter den Heinrich-Böll-Preis und den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Flieh, mein Freund“, „Ein Winter unter Hirschen“ und „Rehe am Meer“. In diesem Jahr erschien der Roman „Feuer brennt nicht.“ Der Autor lebt mit seiner Familie in Berlin nahe dem Müggelsee.

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    Boris
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    kaja
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    Himmelfarbvor 2 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
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    *Wölkchen*vor 6 Jahren
    Zoubas avatar
    Zoubavor 7 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

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